{"id":506522,"date":"2025-10-17T19:06:16","date_gmt":"2025-10-17T19:06:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/506522\/"},"modified":"2025-10-17T19:06:16","modified_gmt":"2025-10-17T19:06:16","slug":"rechtsextremismus-berlin-verfassungsfeinde-im-staatsdienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/506522\/","title":{"rendered":"Rechtsextremismus \u2013 Berlin: Verfassungsfeinde im Staatsdienst"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img312824\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/312824.jpeg\" alt=\"Polizeikr\u00e4fte im Innendienst\"\/><\/p>\n<p>Polizeikr\u00e4fte im Innendienst<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Paul Zinken<\/p>\n<p>\u00bbWer nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht, hat nichts im Staatsdienst verloren\u00ab, sagt Ario Mirzaie. Er meint damit AfD-Mitglieder bei der Berliner Polizei. Mit einem Antrag im Abgeordnetenhaus will Mirzaies Gr\u00fcnen-Fraktion die Verfassungstreue von aktiven AfD-Mitgliedern im \u00f6ffentlichen Dienst \u00fcberpr\u00fcfen lassen. Am Mittwochabend hatte die Fraktion zu einem Fachgespr\u00e4ch ins Parlament eingeladen.<\/p>\n<p><a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194810.rechte-innenpolitik-polizeiforscher-singelnstein-dann-kann-die-polizei-kippen.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194810.rechte-innenpolitik-polizeiforscher-singelnstein-dann-kann-die-polizei-kippen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Besondere Beachtung fanden dabei Polizeibeamte mit rechtsextremer Gesinnung<\/a> und N\u00e4he zur AfD. Im vergangenen Jahr standen etwa 400\u2005Polizeibeamte der Bundesl\u00e4nder unter Rechtsextremismus-Verdacht. Zugleich finden sich auf AfD-Wahllisten immer wieder Kandidat*innen, die aktiv im Polizeidienst waren oder es noch sind. Die Polizei der Bundesl\u00e4nder z\u00e4hlt insgesamt 240\u2009000 Besch\u00e4ftigte, in Berlin sind es 27\u2009000. Die Gr\u00fcnen wollen eine systematische \u00dcberpr\u00fcfung nicht nur f\u00fcr Polizeikr\u00e4fte. Alle Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst, die ein Mandat oder Amt f\u00fcr die AfD aus\u00fcben, sollen auf ihre Verfassungstreue hin befragt werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Bundes-AfD vom Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) bereits als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde, gibt es in den einzelnen L\u00e4ndern Unterschiede. <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193332.rechtsextremismus-brandenburg-afd-begruendet-rechtsextrem.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193332.rechtsextremismus-brandenburg-afd-begruendet-rechtsextrem.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Landesverb\u00e4nde in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt etwa gelten ebenfalls als rechtsextrem<\/a>. Mirzaie, f\u00fcr den nicht nachvollziehbar sei, warum eine solche Einstufung in Berlin noch nicht erfolgt ist, h\u00e4lt eine \u00dcberpr\u00fcfung auf Verfassungstreue auch f\u00fcr ein politisches Signal.<\/p>\n<p>Der geladene Experte Felix Hanschmann sieht in einer AfD-Mitgliedschaft alleine noch keine juristische Grundlage f\u00fcr einen Ausschluss vom Dienst, jedoch sei dies Grund genug, bei der jeweiligen Person genauer hinzuschauen. Der Verfassungsrechtler von der Hamburger Bucericus Law School schl\u00e4gt vor, schon viel fr\u00fcher auf Beobachtung und Nachfrage zu einer potenziellen rechtsextremen Gesinnung zu setzen, n\u00e4mlich bereits beim Bewerbungsgespr\u00e4ch, aber auch w\u00e4hrend der Ausbildung und bei der Amtsernennung. Hier m\u00fcsse man genau hinsehen. Denn: \u00bbNiemand w\u00fcrde mit SS-Runen auf der Kleidung zum Bewerbungsgespr\u00e4ch kommen.\u00ab<\/p>\n<p>Gerade erst ist die Polizei-Fachhochschule Aschersleben in Sachsen-Anhalt aufgefallen. Hier sollen einer Zeugenaussage zufolge bei einer Feier Polizeianw\u00e4rter*innen auf Gigi D\u2019Agostinos \u00bbL\u2019amour toujours\u00ab gegr\u00f6lt haben: \u00bbDeutschland den Deutschen, Ausl\u00e4nder raus!\u00ab Die Ermittlungen dauern derzeit noch an.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbWir haben leidvolle Erfahrungen gemacht rund um den NSU, aber auch mit Blick auf den Neuk\u00f6lln-Komplex hier in Berlin.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nArio Mirzaie\u2003Gr\u00fcne<\/p><\/blockquote>\n<p>In ihrem Antrag zur Pr\u00fcfung der Verfassungstreue fordern die Gr\u00fcnen neben einem Ausbau von Beschwerde- und Meldestrukturen im \u00f6ffentlichen Dienst auch eine strukturelle Pr\u00fcfung der Verfassungstreue von AfD-Mitgliedern. Hanschmann betont, eine Amtsfunktionsbetrachtung m\u00fcsse intelligent, rechtskonform und rechtssicher gestaltet werden. Was nicht gehe, sei die Abfrage einer AfD-Zugeh\u00f6rigkeit bei der Ernennung. Selbst wenn die Partei auch in Berlin als rechtsextrem eingestuft werde, m\u00fcsste hier gut begr\u00fcndet werden, warum nicht auch die Zugeh\u00f6rigkeit zu anderen vom Verfassungsschutz beobachteten Vereinigungen aus dem linken und zivilgesellschaftlich engagierten Spektrum abgefragt werde.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Diskussion kommt immer wieder die Sorge auf, dass sich ein Vorgehen gegen Rechtsextremismus auch gegen linke Vereinigungen und zivilgesellschaftliches Engagement richten k\u00f6nnte. F\u00e4lle dieser Art gab es in der j\u00fcngsten Vergangenheit einige, zum <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192828.berufsverbote-verfassungstreue-fragwuerdige-listen.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192828.berufsverbote-verfassungstreue-fragwuerdige-listen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beispiel den der angehenden Lehrerin Lisa Poettinger<\/a>. Ihr wurde vom Freistaat Bayern die Zulassung zum Referendariat wegen ihres klimaaktivistischen Engagements verweigert.<\/p>\n<p>Der Berliner Senat schweigt unterdessen zur nicht unwahrscheinlichen Best\u00e4tigung der rechtsextremistischen Pr\u00e4gung der Bundes-AfD. Zu diesem Schluss war das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz gekommen. Die Partei hatte dagegen geklagt. Bis zu einem Urteil hat der Verfassungsschutz eine sogenannte Stillhaltezusage gegeben, womit er davon absieht, die Einstufung \u00f6ffentlich zu kommunizieren. \u00bbIch kann nur vermuten, dass der Senat sich hinter dieser Stillhaltezusage versteckt, weil das Thema Rechtsextremismusbek\u00e4mpfung generell in den letzten zweieinhalb Jahren nicht die h\u00f6chste Priorit\u00e4t hatte und das somit weiterhin als Randnotiz in dieser Koalition l\u00e4uft\u00ab, \u00e4u\u00dferte Mirzaie gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab.<\/p>\n<p>Die Folgen einer bundesweit fehlenden klaren Kante gegen Rechtsextremismus seien offensichtlich. \u00bbWir haben leidvolle Erfahrungen gemacht rund um den NSU, aber auch mit Blick auf den Neuk\u00f6lln-Komplex hier in Berlin\u00ab, merkt Mirzaie an.<\/p>\n<p>Rechtswissenschaftler Hanschmann betont, dass die juristischen H\u00fcrden f\u00fcr die Einstufung einer Partei als gesichert rechtsextrem deutlich geringer seien als die f\u00fcr ein Parteiverbot. Dennoch ist Mirzaie \u00fcberzeugt: \u00bbIch sch\u00e4tze die Chancen eines AfD-Verbotsverfahrens als sehr gut ein.\u00ab Zur Einleitung eines Verbotsverfahrens hat die Gr\u00fcnen-Fraktion ebenfalls einen Antrag gestellt. \u00bbNat\u00fcrlich werden durch ein AfD-Parteiverbotsverfahren rechte Einstellungen und rechtsextreme Ideologien nicht verschwinden. Aber es w\u00fcrde Rechtsextremen sehr viel schwieriger gemacht werden, sich zu organisieren, Geld zu erhalten, um ihre Propaganda zu verbreiten\u00ab, so Mirzaie.<\/p>\n<p>Viele Stimmen sehen im Rechtsextremismus in den Beh\u00f6rden \u2013 gerade bei der Polizei \u2013 ein strukturelles Problem und stehen einer Reformierung kritisch gegen\u00fcber. So schreibt etwa die Initiative \u00bbGerechtigkeit f\u00fcr Lorenz\u00ab: \u00bbInsbesondere die Polizei, deren grunds\u00e4tzliche Aufgabe in der Aufrechterhaltung der bestehenden Macht- und Eigentumsverh\u00e4ltnisse besteht, ist von Rassismus durchsetzt.\u00ab Einzelne Polizist*innen aus dem Dienst zu entfernen oder f\u00fcr eine diverse Polizei und f\u00fcr Awareness zu sorgen, reiche nicht. Das dahinterliegende System m\u00fcsse bek\u00e4mpft werden, so die Initiative. Lorenz ist der Name eines jungen schwarzen Deutschen, der in Oldenburg von der Polizei erschossen wurde.<\/p>\n<p>Wie er gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab \u00e4u\u00dfert, glaubt Mirzaie an die \u00dcberwindbarkeit des Problems. Er sagt: \u00bbDie Polizei muss reformf\u00e4hig sein, reformf\u00e4hig bleiben \u2013 und wir wissen aus der Polizeiforschung, es gibt da viele Baustellen, und die m\u00fcssen angegangen werden, damit wir eine breite Akzeptanz auch der Polizeiarbeit in der Gesellschaft gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Polizeikr\u00e4fte im Innendienst Foto: dpa\/Paul Zinken \u00bbWer nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht, hat nichts im Staatsdienst&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":506523,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[186,296,29,30,2417,419],"class_list":{"0":"post-506522","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-afd","9":"tag-berlin","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-rechtsradikalismus","13":"tag-verfassungsschutz"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115391076412477900","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/506522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=506522"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/506522\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/506523"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=506522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=506522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=506522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}