{"id":507455,"date":"2025-10-18T04:09:15","date_gmt":"2025-10-18T04:09:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/507455\/"},"modified":"2025-10-18T04:09:15","modified_gmt":"2025-10-18T04:09:15","slug":"wird-frankreich-zur-gefahr-gefangen-in-der-schuldenfalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/507455\/","title":{"rendered":"Wird Frankreich zur Gefahr? Gefangen in der Schuldenfalle"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen M\u00e4rz 2016 und Juni 2022 waren die Leitzinsen in der Euro-Zone auf null Prozent einzementiert. Beispiellos. Ein regelrechter \u2013 zu lange untersch\u00e4tzter und durch die Geldpolitik zumindest beg\u00fcnstigter \u2013 Inflationsschock sorgte ab Juli 2022 f\u00fcr die sp\u00e4te Kehrtwende, die dann aber umso wuchtiger ausgefallen war. Zehnmal in Folge wurde der Leitzinssatz erh\u00f6ht. Ein bis dato beispielloses und schmerzvolles Tempo. <\/p>\n<p>Im Oktober 2023 erreichte der Leitzinssatz schlie\u00dflich 4,5 Prozent. Ab Juni 2024 ging es dann rasant in die Gegenrichtung, acht Mal wurden die Zinsen gesenkt \u2013 beispiellos \u2013 der Einlagezinssatz liegt nun seit Juni 2025 bei zwei Prozent. Kurz zusammengefasst: Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) steuerte in den vergangenen Jahren durch eine geldpolitische Dauer-Ausnahmesituation. <\/p>\n<p>Die vergangenen beiden Ratssitzungen verliefen ruhig, die Zinsen wurden nicht angetastet und auch die n\u00e4chste Zinsentscheidung d\u00fcrfte voraussichtlich keine \u00c4nderung bringen. Die Inflation im Schnitt der Euro-Zone liegt relativ stabil rund um den Zielwert von zwei Prozent (\u00d6sterreich z\u00e4hlt mit rund vier Prozent zu den unr\u00fchmlichen Ausrei\u00dfern). EZB-Pr\u00e4sidentin Christine\u00a0Lagarde\u00a0erwartet eine l\u00e4ngere Phase ann\u00e4hernder Preisstabilit\u00e4t im Euroraum, also Inflationsraten nahe dem Ziel der Zentralbank.\u00a0<\/p>\n<p>Dieses vermeintlich ruhigere Fahrwasser k\u00f6nnte tr\u00fcgerisch sein. Die weltwirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten sind enorm. Seit Wochen schwelt zudem die Sorge, dass sich aus den anhaltenden innenpolitischen Verwerfungen in Frankreich wom\u00f6glich eine neue \u2013 wenngleich altbekannte \u2013 Front auftun k\u00f6nnte. <a href=\"https:\/\/www.kleinezeitung.at\/wirtschaft\/20217343\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Erst am sp\u00e4ten Freitagabend hat die Ratingagentur S&amp;P die Kreditw\u00fcrdigkeit Frankreichs nach unten gestuft.<\/a><\/p>\n<p>Frankreich steckt in einem verheerenden Schuldenstrudel \u2013 und selbst zaghafte Konsolidierungsans\u00e4tze versch\u00e4rfen die Auseinandersetzungen innerhalb Frankreichs. Mit 3300 Milliarden Euro weist die Grande Nation in absoluten Zahlen die h\u00f6chsten Schulden innerhalb der EU aus, umgelegt auf die Wirtschaftsleistung liegt die Schuldenquote bei 114 Prozent. <\/p>\n<p>67 Milliarden Euro allein f\u00fcr Zinszahlungen<\/p>\n<p>Die Perspektiven sind weiterhin ung\u00fcnstig \u2013 sehr, sehr vorsichtig ausgedr\u00fcckt. Daher r\u00fcckt die Frage, ob der Eurozone wom\u00f6glich eine neuerliche Schuldenkrise bevorstehen k\u00f6nnte immer wieder in den Fokus. In der EZB gibt man sich bisher betont gelassen. Zumindest nach au\u00dfen hin. Lagarde verweist darauf, dass die Staatsanleihenm\u00e4rkte in der Eurozone \u201eordnungsgem\u00e4\u00df funktionieren\u201c. Es laufe reibungslos und mit guter Liquidit\u00e4t, sagte sie j\u00fcngst im EU-Parlament. Die Risikoaufschl\u00e4ge der L\u00e4nder gegen\u00fcber den richtungsweisenden deutschen Bundesanleihen bewegen sich in einer relativ begrenzten Bandbreite.<\/p>\n<p>Frankreich gibt heuer aber rund 67 Milliarden Euro allein f\u00fcr Zinszahlungen aus \u2013 mehr als f\u00fcr Bildung oder das Milit\u00e4r. Die Risikoaufschl\u00e4ge f\u00fcr franz\u00f6sische Staatsanleihen steigen, Investoren verlangen mittlerweile h\u00f6here Renditen als f\u00fcr Schuldtitel aus Spanien, Portugal und sogar Griechenland.    <\/p>\n<p>Stichwort Griechenland. Einen entscheidenden Beitrag zur allm\u00e4hlichen Beruhigung der einstigen Euro-Schuldenkrise hatte ein Satz des damaligen EZB-Chefs Mario Draghi geleistet. Dieser hatte 2012 betont, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, um den Euro zu erhalten. Das verfehlte seine Wirkung nicht. Die EZB startete Anleihenkaufprogramme und saugte Schuldtitel wie ein Staubsauger vom Markt auf. <\/p>\n<p>Der Notfallkoffer<\/p>\n<p>Heute hat die EZB einen Notfallkoffer institutionalisiert. Lagarde\u00a0verwies zuletzt auf \u201eunterschiedliche Instrumente\u201c, die man im Werkzeugkasten habe. Diese w\u00fcrden angewendet, wenn bestimmte Bedingungen gegeben und Kriterien erf\u00fcllt seien. Sie betont aber auch: \u201eDar\u00fcber haben wir aber jetzt in letzter Zeit im EZB-Rat nicht diskutiert.\u201c Mit dem sogenannten \u201eTransmission Protection Instrument\u201c, kurz TPI, hat die EZB ein Notprogramm in der Hinterhand, mit dem sie theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen eines in Bedr\u00e4ngnis geratenen Euro-Landes kaufen kann. <\/p>\n<p>Der Gouverneur der Nationalbank, Martin Kocher, betonte <a href=\"https:\/\/www.kleinezeitung.at\/wirtschaft\/20094391\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">vor Kurzem im Interview mit der Kleinen Zeitung<\/a>: \u201eEs wird alles getan, dass wir nicht wieder in eine solche Lage kommen. Aber wenn es doch n\u00f6tig w\u00e4re, gibt es die Instrumente daf\u00fcr.\u201c Die EZB sei \u201eauf alle Eventualit\u00e4ten innerhalb ihres Mandats vorbereitet\u201c. Sein Appell: \u201eViele L\u00e4nder in Europa sind gefordert, die Entwicklung ihrer Budgets nachhaltiger zu gestalten\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwischen M\u00e4rz 2016 und Juni 2022 waren die Leitzinsen in der Euro-Zone auf null Prozent einzementiert. Beispiellos. 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