{"id":507804,"date":"2025-10-18T07:29:15","date_gmt":"2025-10-18T07:29:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/507804\/"},"modified":"2025-10-18T07:29:15","modified_gmt":"2025-10-18T07:29:15","slug":"hamburger-klimaentscheid-wenn-angst-den-verstand-besiegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/507804\/","title":{"rendered":"Hamburger Klimaentscheid &#8211; Wenn Angst den Verstand besiegt"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe eine gute, eine ern\u00fcchternde und eine schlechte Nachricht f\u00fcr meine Leserinnen und Leser. Zuerst die gute: Hamburg wird 2040 nicht im Meer untergehen. Die ern\u00fcchternde Nachricht ist: Dass Hamburg in n\u00e4chster Zeit nicht untergehen wird, steht in keinem kausalen Zusammenhang mit dem von Fridays for Future angestrebten und gewonnenen Klimaentscheid, wonach die Hansestadt bereits 2040 klimaneutral sein soll. Die schlechte Nachricht ist, dass der Entscheid durchaus Wirkung entfalten wird \u2013 und zwar eine katastrophale. Zumindest, wenn man das Ergebnis ernst nimmt, und ich w\u00fcrde jetzt einfach mal empfehlen, dass man das macht.<\/p>\n<p>Der Klimaentscheid hei\u00dft in Wahrheit gar nicht Klimaentscheid, sondern Zukunftsentscheid. Und das ist auch der richtige Name. Hamburg hat sich gegen die eigene Zukunft entschieden. Aber bevor wir uns mit der Frage besch\u00e4ftigen, warum Hamburg das getan hat, schauen wir uns die realen Auswirkungen der Entscheidung an:<\/p>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Faktoren beim CO\u2082-Aussto\u00df ist der Geb\u00e4udesektor. Wohnen wird in Hamburg also teurer werden. Und es wird schneller teurer werden als vor dem Zukunftsentscheid. Da helfen auch plakative Beteuerungen, den Entscheid \u201esozial gerecht\u201c umsetzen zu wollen, nichts. Andreas Breitner, Vorsitzender vom Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen und aufrechter Sozialdemokrat vom alten Schlag, hat hierauf hingewiesen und auch darauf, dass man nicht jede Belastung \u201ewegf\u00f6rdern\u201c kann.<\/p>\n<p>Zwischen acht und neun Millionen Container werden im viertgr\u00f6\u00dften Hafen Europas j\u00e4hrlich verladen<\/p>\n<p>Aber nicht nur die Hamburgerinnen und Hamburger wird es treffen, auch diejenigen, die in die Stadt pendeln m\u00fcssen. Denn Hamburg wird den Verkehr drastisch reduzieren m\u00fcssen. Fl\u00e4chendeckend Tempo 30 wird da nur ein Zwischenschritt sein k\u00f6nnen. Und wer jetzt selbstsicher auf die Alternative auf der Schiene verweist, sollte sich vielleicht mal mit den Zust\u00e4nden am Hamburger Hauptbahnhof besch\u00e4ftigen \u2013 diesem ohnehin schon v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Nadel\u00f6hr, das t\u00e4glich den Fahrplan im norddeutschen Raum durcheinanderwirbelt.\u00a0<\/p>\n<p>  Lesen Sie auch<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/innenpolitik\/klimaschutz-und-deindustrialisierung-zukunftsentscheid-hamburg-gemeinwohl-bis-zum-staatszerfall\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/471784756.jpg\" width=\"434\" height=\"244\" alt=\"Hamburger Hafenarbeiter\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Die einzige Chance ist, dass sich das Problem des Pendelns dadurch erledigen wird, dass es bald schlicht keinen Grund mehr geben wird, in die Stadt zu pendeln. Etwa zwischen acht und neun Millionen Container werden im viertgr\u00f6\u00dften Hafen Europas j\u00e4hrlich verladen. Klimaneutral wird das nicht funktionieren, weil Segelschiffe sich f\u00fcr den G\u00fcterverkehr auf See einfach nicht so recht durchsetzen konnten. Und die acht bis neun Millionen Container wollen ja auch zum und vom Hafen transportiert werden. Mit Elektro-Lastkraftwagen wird das vorerst nicht m\u00f6glich sein. Also machen wir den Hamburger Hafen am besten einfach zu, sparen dadurch die Arbeitspl\u00e4tze und l\u00f6sen die Frage der Pendelei: Wo keine Arbeit, da auch kein Berufsverkehr. Das Beste w\u00e4re wohl \u00fcberhaupt, den Bundesverkehrswegeplan so anzupassen, dass Hamburg gar nicht mehr richtig an die Stra\u00dfe angebunden ist. F\u00fcr meine schleswig-holsteinische Heimat bedeutet das eine Chance, denn vielleicht w\u00fcrden selbst die erbittertsten und verbohrtesten Autobahngegner sich \u00fcberzeugen lassen, den Ausbau der A20 zu beschleunigen \u2013 wenn wir sie nur weit genug an Hamburg vorbeif\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Narrativ der Hoffnungslosigkeit hat vor allem viele junge Menschen erfasst\u00a0<\/p>\n<p>Sie merken den vorangegangenen Zeilen vielleicht an, dass ich gewisse Dinge nur noch mit Spott ertragen kann. Denn in Wahrheit liebe ich Hamburg nat\u00fcrlich. Und deswegen best\u00fcrzt mich der Sieg der Klima-Populisten zus\u00e4tzlich. Diese sch\u00f6ne und stolze Stadt hat es nicht verdient, dass der Verstand von irrationaler Angst so zunichte gemacht wird. Aber so ist es nun einmal, und damit gilt es umzugehen. Wenn man erkl\u00e4ren will, wie es so weit kommen konnte, muss man sich mit der aktuellen Klimadebatte auseinandersetzen und damit, wie wir sie in Deutschland inzwischen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Denn zun\u00e4chst gilt es, eines unmissverst\u00e4ndlich festzuhalten: Der Hamburger Entscheid hat exakt 0,0 Einfluss auf die Ver\u00e4nderungen der klimatischen Bedingungen auf unserem Planeten. Dazu gibt es keine zwei Meinungen, und wer etwas anderes behauptet, l\u00fcgt oder ist schon so verblendet, dass er den Bezug zur Realit\u00e4t verloren hat. Und w\u00e4hrend die einen sich in diesem Moment schon zum hysterischen Angriff auf den Autor dieser Zeilen r\u00fcsten, m\u00f6gen die anderen sich vielleicht fragen, wie wir alle es zulassen konnten, dass das Aussprechen banaler Fakten derma\u00dfen skandalisierungsf\u00e4hig geworden ist. Denn es bricht einem wirklich das Herz, wie B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger im Glauben, eine bessere Zukunft zu schaffen, die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen ihrer Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes \u00fcber die Elbe jagen.<\/p>\n<p>  Lesen Sie auch<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/innenpolitik\/hamburger-klimaentscheid-sobald-die-okonomischen-folgen-spurbar-werden-wird-der-ruckhalt-schwinden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bildzuschnitt Flie\u00dftext Cicero Online (44).png\" width=\"434\" height=\"244\" alt=\"Klima HH\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Besonders betroffen macht einen, dass das Narrativ der Hoffnungslosigkeit vor allem so viele junge Menschen erfasst hat. Diese sollten eigentlich zum Optimismus verdammt sein, denn sie m\u00fcssen und d\u00fcrfen es noch etwas l\u00e4nger auf diesem Planeten aushalten als die \u00c4lteren. Aber statt Lust aufs Leben herrscht bei vielen Furcht vor der Zukunft. Statt das Leben zu genie\u00dfen, plagen sie sich mit diffusen bis sehr konkreten \u00c4ngsten \u2013 von einem vergl\u00fchenden Erdball oder \u00fcberfluteten St\u00e4dten. Sie berauben sich ihrer eigenen Lebensfreude und ihrer besten Jahre. Ich halte das f\u00fcr eine menschliche Trag\u00f6die. Denn man kann die Herausforderungen des Klimawandels anerkennen und ernst nehmen, ohne gleich in kompletter Hoffnungslosigkeit zu versinken.<\/p>\n<p>Rationale Menschen beteiligen sich nicht mit der gleichen Verve an Debatten wie von Emotionen getriebene<\/p>\n<p>Deutschland oder Hamburg kann das Weltklima nicht ver\u00e4ndern, aber es kann sich auf Ver\u00e4nderungen vorbereiten. Das wird \u00fcbrigens immer schlechter funktionieren, je mehr wir uns unserer wirtschaftlichen Grundlagen berauben. Und das machen wir leider derzeit massiv. Der R\u00fccktritt des Gesamtmetall-Chefs Wolf ist ein nie dagewesener Hilfeschrei \u00fcber die industriellen Grundlagen unserer Republik. Unsere Produktion schrumpft, und die technologiefeindlichen Tiraden des Kulturstaatsministers auf der Frankfurter Buchmesse lassen auch immer weniger Hoffnung zu, dass sich bei so einem politischen Klima in der KI-Revolution auch f\u00fcr unser Land neue Gesch\u00e4ftsmodelle ergeben. Das sind die Fragen, mit denen man sich besch\u00e4ftigen sollte, wenn man einen Entscheid \u00fcber die Zukunft abhalten will. Stattdessen versch\u00e4rfen wir unsere wirtschaftlichen Probleme ohne Not, aber daf\u00fcr mit Ansage, und tragen so zur realen Unsicherheit \u2013 wirtschaftlich und sozial \u2013 bei. Es ist eine selbsterf\u00fcllende Prophezeiung.<\/p>\n<p>  Lesen Sie auch<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/innenpolitik\/klimaschutz-in-deutschen-stadten-hamburg-muss-jetzt-die-erfahrung-von-bonn-wiederholen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Design ohne Titel(22).png\" width=\"434\" height=\"244\" alt=\"Bonn\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Der Hamburger Entscheid zeigt, dass im Kampf um die Deutungshoheit das Rationale verliert. Was damit zusammenh\u00e4ngen kann, dass rationale Menschen sich nicht mit der gleichen Verve an Debatten beteiligen wie von Emotionen getriebene Menschen. Wenn in einer Kommune etwa jemand anstrebt, die lokale Klimaneutralit\u00e4t immer weiter vorzuziehen, dann wird wohl kaum jemand entgegentreten und sagen: Entschuldigung, aber ihr habt einen Knall. Dabei w\u00e4re es notwendig, dass irrationale und gef\u00e4hrliche Entscheidungen offener und ehrlicher angesprochen werden. Oder irgendwann glauben alle Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, unsere Selbstkasteiung sei der Schl\u00fcssel zur Rettung der Welt.<\/p>\n<p>Ich jedenfalls glaube fest daran, dass wir alle Chancen auf eine gute Zukunft haben \u2013 f\u00fcr uns, unsere Kinder und die, die danach kommen. Aber auf eine gute Zukunft zu hoffen, ist das eine, f\u00fcr sie zu k\u00e4mpfen, das andere. Und Teil dieses Kampfes muss es sein, den Gegnern dieser hoffnungsfrohen Zukunft, den Predigern des Weltuntergangs und den ehrlich um die Zukunft unseres Planeten besorgten Menschen mit Entschlossenheit klarzumachen, dass deutsche oder regionale Alleing\u00e4nge unsere Zukunftsf\u00e4higkeit massiv beeintr\u00e4chtigen und eine reale Gefahr darstellen. Der Hamburger Entscheid muss ein Weckruf werden \u2013 f\u00fcr alle, die an die Kraft des gesunden Menschenverstands glauben. Und an eine Bundesrepublik Deutschland, die auch noch im Jahr 2040 genug wirtschaftliche und gesellschaftliche Ressourcen hat, sich auf das, was auch immer kommen mag, vorzubereiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ich habe eine gute, eine ern\u00fcchternde und eine schlechte Nachricht f\u00fcr meine Leserinnen und Leser. 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