{"id":507968,"date":"2025-10-18T08:58:13","date_gmt":"2025-10-18T08:58:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/507968\/"},"modified":"2025-10-18T08:58:13","modified_gmt":"2025-10-18T08:58:13","slug":"irene-dische-prinzessin-alice-das-faszinierende-leben-der-mutter-von-prinz-philip","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/507968\/","title":{"rendered":"Irene Dische: Prinzessin Alice \u2013 das faszinierende Leben der Mutter von Prinz Philip"},"content":{"rendered":"<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">Ein Buch mit Widerhaken, die man zun\u00e4chst \u00fcberwinden muss, dann aber in einen Sog ger\u00e4t, belohnt wird und das Befremden hinter sich l\u00e4sst: Mit ihrem neuen Roman \u201ePrinzessin Alice\u201c weckt Irene Dische Neugier. Alice Mountbatten, 1885 in Windsor Castle geboren, 1969 im Buckingham Palace gestorben, nahezu geh\u00f6rlos, hochadelig, Enkelin von Queen Victoria, Mutter von Prinz Philip, Schwiegermutter von Queen Elisabeth II., Gro\u00dfmutter des britischen K\u00f6nigs Charles III. \u2013 und eine Gestalt, die aus jedem Rahmen f\u00e4llt. Von den Lippen kann sie f\u00fcnf Sprachen ablesen. Sie ist bildh\u00fcbsch, blond mit blauen Augen. Ihre erotische Lust, zu der sie freim\u00fctig steht, l\u00e4sst die damalige Gesellschaft erschauern, gleichfalls ihre tiefe, fanatische Gottesliebe \u2013 beide Faktoren f\u00fchren dazu, dass man sie f\u00fcr komplett verr\u00fcckt h\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">Durch ein schillerndes Netzwerk historischer Begebenheiten l\u00e4sst Irene Dische das Leben einer witzigen, intelligenten und selbstironischen Frau leuchten, der man hautnah kommt. Denn erz\u00e4hlt wird aus der Perspektive ihrer Protagonistin, die unverbl\u00fcmt, stets hoffend, aber auch schmerzlich und kummervoll ihr Leben, Lieben und die bizarren Stationen dieser \u201eReise\u201c beschreibt. Mit dem Stammsitz der Familie \u2013 Darmstadt \u2013 bleibt sie verbunden, obwohl deren Mitglieder \u00fcber die ganze Welt verstreut sind, heiraten, Nachkommen zeugen, Rebellionen und Abst\u00fcrze erleben \u2013 stets erhobenen Hauptes. Die Verwandtschaft ist glamour\u00f6s: Die Urenkelin von Queen Victoria hat als Tanten eine Zarin sowie eine K\u00f6nigin von Schweden und als Onkels die K\u00f6nige von Spanien, D\u00e4nemark und England.<\/p>\n<p>Irene Dische: \u201ePrinzessin Alice\u201c, 160 Seiten, 20 Euro, Claassen\u00a0Foto: Claassen<\/p>\n<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">In einer bemerkenswert recherchierten Geschichte f\u00fchlt sich die Autorin ein in eine unkonventionelle Psyche und ein Umfeld, das dieses Familienmitglied nur allzu gern ausgeblendet h\u00e4tte. Wichtige Gestalten im Umfeld der Prinzessin, die weder naiv noch beschr\u00e4nkt ist, sind die Schw\u00e4gerinnen Marie Bonaparte, die unter ihrer Frigidit\u00e4t leidet, sowie Edwina Mountbatten, lebenslustig, der Liebe heftig zugetan, und Psychiater Sigmund Freud in all seiner m\u00e4nnlichen und fachlich doch eher fragw\u00fcrdigen Wucht.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">Irene Dische, Schriftstellerin mit amerikanischer und \u00f6sterreichischer Staatsb\u00fcrgerschaft, ver\u00f6ffentlichte 1993 ihren ersten Roman \u201eEin fremdes Gef\u00fchl oder Ver\u00e4nderungen \u00fcber einen Deutschen\u201c \u2013 \u00fcbrigens inspiriert durch den emigrierten Pianisten Anatol Ugorski, dem sie zur internationalen Karriere verhilft, und dessen Interpretation von Ludwig van Beethovens \u201eDiabelli-Variationen\u201c sie begeistert. Durch Magnus Enzensberger erh\u00e4lt sie wichtige F\u00f6rderung und hat dabei einen Stil entwickelt, der pers\u00f6nlich ist, vertraulich fast, sich immer wieder entziehend und nur offen denen gegen\u00fcber, die sich f\u00fcr ihre Gestalten ernsthaft interessieren.<\/p>\n<p>Tochter j\u00fcdischer Fl\u00fcchtlinge<\/p>\n<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">Irene Dische wurde 1952 in New York geboren, ihre j\u00fcdischen Eltern waren aus Deutschland geflohen. Heute lebt sie in Berlin und Rhinebeck. Dische studierte Anthropologie, Literatur und Geschichte an der Harvard Universit\u00e4t. Zu ihren gefeierten Romanen und Erz\u00e4hlungen z\u00e4hlen unter anderem ihr Bestseller \u201eGro\u00dfmama packt aus\u201c (2005) und der Roman \u201eSchwarz und Wei\u00df\u201c (2017).<\/p>\n<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">Spannung kommt auf, allein durch die Tatsache, dass sich die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs anbahnt, ihre Schwestern hochrangige Nazis heiraten und dass Alice als Gattin des griechischen K\u00f6nigs Andreas mit ihrer gesamten Familie nach dem dortigen Staatsstreich fliehen muss und nicht einmal in England Asyl bekommt: \u201eTja, ob Sie es glauben oder nicht, die hasenf\u00fc\u00dfige britische Regierung f\u00fcrchtete die Zurschaustellung royaler Schw\u00e4chen\u201c, ist nur eine von zahlreichen messerscharfen Einsch\u00e4tzungen, die diesen Roman so prickelnd sein lassen.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">Irene Dische gelingt es mit poetischer Kraft selbst Alptr\u00e4ume erlebbar zu beschreiben, nat\u00fcrlich aus der Perspektive von Alice, die selbst als Fl\u00fcchtling aus Familienbanden, unter einer Br\u00fccke, mit dem Kruzifix in der Hand, eine wohlige, wenn auch befremdliche Nacht verbringt, Elendssituationen mit d\u00fcnner Suppe selbstironisch ausgestaltet und durch ihre Beobachtungsgabe verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">Besonders eindrucksvoll \u2013 das Kapitel, in dem sie zwei Jahre Aufenthalt in Sigmund Freuds Psychiatrie (Berlin, dann \u00dcberlingen\/Bodensee) umgreift, durchsch\u00fcttelt, erduldet, seit 1930 der Diagnose \u201eParanoide Schizophrenie\u201c unterworfen. Massige Pflegerinnen unterbinden jeden Mucks. Sie wird dick gef\u00fcttert, gebadet, auf den Toilettenstuhl verfrachtet und in einen D\u00e4mmerzustand der Wehrlosigkeit versetzt. Doch da bleiben Erotik und die Liebe zu einem schemenhaft erscheinenden Mit-Patienten, Fluchtversuche, Turbulenzen, die wie Szenen aus einem Film mit Slow-Motion erscheinen. Bald hat sie die Angewohnheit, in einer selbst gen\u00e4hten Ordenstracht abzutauchen. Alice wei\u00df sich als \u201eEhefrau Gottes\u201c, segelt in diesem Gef\u00fchl durch enorme Stromschnellen der Geschichte, erlebt schicksalhafte Begebenheiten in den Leben ihrer Kinder \u2013 die sie nur heimlich sehen kann.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_paragraph__lerxh Paragraph_paragraph--default-lg-default__J4S_J articleParagraph\">Irene Disches Schreibstil ist unmittelbar, filigran und unterhaltend. Der wichtigste Abschluss f\u00fcr Alice, die einem ans Herz w\u00e4chst: \u201eIch verbringe meine Ewigkeit bei Gott, im Gelobten Land.\u201c Tats\u00e4chlich wird sie in der Maria-Magdalenen-Kirche auf dem Jerusalemer \u00d6lberg beigesetzt. Der Kreis schlie\u00dft sich wundersam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Buch mit Widerhaken, die man zun\u00e4chst \u00fcberwinden muss, dann aber in einen Sog ger\u00e4t, belohnt wird und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":507969,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-507968","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115394347737446434","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=507968"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507968\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/507969"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=507968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=507968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=507968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}