{"id":509673,"date":"2025-10-19T01:14:22","date_gmt":"2025-10-19T01:14:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/509673\/"},"modified":"2025-10-19T01:14:22","modified_gmt":"2025-10-19T01:14:22","slug":"frankfurter-buchmesse-so-kann-es-nicht-weitergehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/509673\/","title":{"rendered":"Frankfurter Buchmesse \u2013 So kann es nicht weitergehen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img312831\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/312831.jpeg\" alt=\"Die Statue \u00bbSchwerter zu Pflugscharen\u00ab des russischen K\u00fcnstlers Jewgeni\u2005W. Wutschetitsch (1908\u20131974) in New York, 1959 ein Geschenk der Sowjetunion\"\/><\/p>\n<p>Die Statue \u00bbSchwerter zu Pflugscharen\u00ab des russischen K\u00fcnstlers Jewgeni\u2005W. Wutschetitsch (1908\u20131974) in New York, 1959 ein Geschenk der Sowjetunion<\/p>\n<p>Foto: picture alliance\/dpa\/Helen Corbett<\/p>\n<p>Eine Voraussage vorweg: Dieses Buch wird vermutlich vielen hierzulande nicht genehm sein \u2013 nicht den Herrschenden und deren Sprechern in Presse, Funk, Fernsehen und auch nicht in der politikwissenschaftlichen Zunft, vermutlich ebenso einigen Linken nicht. Denn die hier ausgesprochenen Wahrheiten passen nur schwer zur Kriegslogik der einen und zum Opportunismus der anderen.<\/p>\n<p>Fabian Scheidler, Friedensk\u00e4mpfer und Antimilitarist, zudem ein \u00f6kologisch denkender und handelnder Mensch, breitet Fakten aus, die weder den Unionsparteien CDU und CSU noch den bedeutungslosen, aber via Marie-Agnes Strack-Zimmermann umso lautstarker auftretenden Liberalen ins Konzept passen und auch nicht dem F\u00fchrungspersonal der ihren Ursprung schamlos negierenden, besonders aufr\u00fcstungs- und kriegsaffinen F\u00fchrungsriege der Gr\u00fcnen. <\/p>\n<p>Hingegen hielt es die IG\u2005Metall bereits 2009 f\u00fcr angemessen, den 1968 in Bochum geborenen Publizisten und Dramaturgen, der unter anderem viele Jahre f\u00fcr das Grips-Theater in Berlin gearbeitet hat und f\u00fcr Attac t\u00e4tig war, aufgrund seiner kritischen Texte mit ihrem Otto-Brenner-Preis auszuzeichnen.<\/p>\n<p>Allein schon der Titel dieses Bandes ist sympathisch: \u00bbFriedenst\u00fcchtig\u00ab. Ein klares Bekenntnis wider das inflation\u00e4r gebrauchte und Hirne vernebelnde Wort der \u00bbKriegst\u00fcchtigkeit\u00ab, die zu erreichen sei. Und zugleich ein aktueller Beitrag zur Debatte um die Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht in Deutschland.<\/p>\n<p>Scheidler unternimmt einen Parforceritt durch die verheerenden, viel zu oft \u00fcberaus opferreichen S\u00fcnden und Verbrechen, die von deutschem Boden ausgegangen sind, aber ebenso von Partnern in Europa und \u00dcbersee. Die Wurzel aller \u00dcbel verortet er in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Scheidler scheut nicht davor zur\u00fcck, die Systemfrage zu stellen.<\/p>\n<p>Der Autor des Bestsellers \u00bbDas Ende der Megamaschine\u00ab, damals \u00fcberschw\u00e4nglich von Noam Chomsky \u00fcber Vandana Shiva und Jean Ziegler bis zu Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker gelobt, zeichnet Abgr\u00fcnde auf: \u00d6konomischer Niedergang, politisches Chaos und die Preisgabe aller demokratischen und sozialen Errungenschaften sind gewiss, wenn sich die Fixierung auf Aufr\u00fcstung und Kriegsert\u00fcchtigung durchsetzt. <\/p>\n<p>Scheidlers Aufmerksamkeit fokussiert auf den Ukraine-Krieg und den (hoffentlich jetzt endenden) Krieg in Gaza. F\u00fcr den Autor bilden diese beiden gro\u00dfen Dramen der Gegenwart die Dreh- und Angelpunkte f\u00fcr die Zukunft der Menschheit. Vor allem die L\u00f6sung des Nahost-Konflikts sei entscheidend f\u00fcr die k\u00fcnftige Weltordnung. Wir stehen an einem Scheidepunkt, vergleichbar den Z\u00e4suren von 1917, 1945 und 1989\/90 \u2013 so interpretiert der Rezensent jedenfalls Scheidlers Darlegungen.<\/p>\n<p>Dem Autor ist es wichtig, die Vorgeschichten der gro\u00dfen Krisen und Kriege zu untersuchen. Diese im Blick zu haben, ist notwendig, um Legenden und Mythologisierung vorzubeugen. \u00bbWo \u00fcber Konflikte und ihre Genese nicht mehr offen gesprochen werden kann, h\u00f6rt das Denken auf.\u00ab Um zu einer Friedensl\u00f6sung zu gelangen, m\u00fcssen die tieferen Ursachen und Hintergr\u00fcnde eines Konfliktes oder Krieges und die Interessen der beteiligten Konflikt- oder Kriegsparteien ernsthaft analysiert und diskutiert werden. Kritische Selbstreflexionen sind dabei ebenso dringend geboten.<\/p>\n<p>Scheidler nennt die Friedensbewegungen eine geopolitische Kraft, die allerdings zu neuem Leben erweckt werden m\u00fcsse. Der Epilog ist eine Hommage an die \u00bbKunst des Friedens\u00ab, schwer zu machen, aber unentbehrlich.<\/p>\n<p>Summa summarum ein gutes, ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit. Gestattet sei eine Anmerkung: Der Autor folgt der These des Mainstreams in Politik und Medien, dass es sich schon beim Einmarsch russischer Streitkr\u00e4fte in den Donbass \u00bbum einen v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriff\u00ab gehandelt habe. Das ist strittig, denn es war der damals amtierende (\u00dcbergangs-)Pr\u00e4sident der Ukraine, Oleksandr Turtschynow, der in der Nacht vom 6.\u2005auf den 7.\u2005April 2014 als sogenannte Antiterrorma\u00dfnahme den Einmarsch ukrainischer Streitkr\u00e4fte in Donezk wie in Lugansk anordnete und damit die Lunte an ein Pulverfass legte. Eigentlich begann der Ukraine-Krieg bereits damals. <\/p>\n<p>Scheidlers Fazit ist zuzustimmen: \u00bbWir haben es \u2026 mit drei ineinandergreifenden Prozessen des Umbruchs zu tun: einem geopolitischen \u00dcbergang, der das Ende der westlichen Hegemonie einl\u00e4utet, einem inneren Zerfall der \u00f6konomischen, politischen und weltanschaulichen Fundamente westlicher Gesellschaften und einem sich anbahnenden Kollaps des bisherigen Gleichgewichts des Erdsystems.\u00ab Seine Mahnung l\u00e4sst eigentlich nur die Schlussfolgerung zu: So kann es nicht weitergehen. Oder, um mit Rosa Luxemburg zu sprechen: \u00bbSozialismus oder Barbarei\u00ab!<\/p>\n<p class=\"wp-block-ppi-ndarticlecommet\">Fabian Scheidler: Friedenst\u00fcchtig. Wie wir aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, unsere Feinde selbst zu schaffen. Promedia, 224\u2005S., geb., 20\u2005\u20ac. <br \/>Von unserem Rezensenten erschien im September \u00bbDer Ukraine-Krieg. Die Wurzeln, die Akteure und die Rolle der Nato\u00ab (Edition Ost, 348\u2005S., geb., 32\u2005\u20ac).<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Allein schon der Titel dieses Bandes ist sympathisch: \u00bbFriedenst\u00fcchtig\u00ab. Ein klares Bekenntnis wider das inflation\u00e4r gebrauchte und Hirne vernebelnde Wort der \u00bbKriegst\u00fcchtigkeit\u00ab.<\/p>\n<p>&#8211;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Statue \u00bbSchwerter zu Pflugscharen\u00ab des russischen K\u00fcnstlers Jewgeni\u2005W. 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