{"id":510255,"date":"2025-10-19T07:13:14","date_gmt":"2025-10-19T07:13:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510255\/"},"modified":"2025-10-19T07:13:14","modified_gmt":"2025-10-19T07:13:14","slug":"brandenburg-berlin-beim-pudding-mit-gabel-essen-geht-es-um-das-banale-und-alberne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510255\/","title":{"rendered":"Brandenburg Berlin: &#8222;Beim Pudding-mit-Gabel-essen geht es um das Banale und Alberne&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/rbb-audio-rbb24-14-10-2025-ausschnitt-aus-dem-interview-mit-nina-kolleck-100.jpg\" alt=\"Bonn, Hofgartenwiese: Punkt 20:00 Uhr versammelten sich rund 200 Menschen, um gemeinsam mitgebrachten Pudding mit der Gabel zu essen \u0096 ein skurriler Anlass, der Hemmschwellen senkt und Begegnungen erleichtert. (Quelle: dpa)\" title=\"Audio: rbb|24 | 14.10.2025 | Ausschnitt aus dem Interview mit Nina Kolleck | dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 19.10.2025 08:07 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Bundesweit treffen sich derzeit junge Menschen an \u00f6ffentlichen Orten, um gemeinsam Pudding mit der Gabel zu essen. Was das soll? Da gehts nicht um den Pudding, sondern um Aufmerksamkeit, sagt Nina Kolleck von der Uni Potsdam.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">rbb|24: Hallo Frau Kolleck. Haben Sie schon mal einen Pudding mit der Gabel gegessen?<br \/>\u00a0<br \/>Nina Kolleck: Bislang nicht. Aber ich habe mir in den Sozialen Medien angeschaut, was die Jugendlichen der Welt da zeigen wollen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Konnten sie dabei auch beobachten, wie viel l\u00e4nger es dauert, wenn man einen Pudding mit der Gabel statt mit dem L\u00f6ffel isst?<br \/>\u00a0<br \/>Mein Eindruck ist, dass es gar nicht darum geht, diesen Pudding tats\u00e4chlich aufzuessen. Ganz aufessen kann man einen Pudding mit der Gabel vermutlich auch gar nicht, denn ohne L\u00f6ffel muss immer was drinbleiben. Es geht darum, sich zu zeigen und mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. In diesem ganzen Stress, in dem sich Jugendliche und junge Erwachsene heute befinden, k\u00f6nnen sie mit dem Pudding und der Gabel etwas sehr Absurdes zu zeigen. Das ist ein harmloser Ausbruch aus dem Alltag. Sie zeigen, dass sie sich ihre eigene Welt machen, auch wenn das, was sie zeigen, verr\u00fcckt und banal ist. Aber in dieser ernsten Zeit voller Nachrichten \u00fcber Krieg, Gewalt, Inflation, Krisen und Sorgen ist so ein absurder Trend eine Art humorvoller, leichter und gemeinschaftlicher Gegenpol.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Erkl\u00e4rt das auch, warum als Sinnbild eines f\u00fcr absolute Ineffizienz benutzt wird? Also dass man einen Pudding genau mit dem Besteckteil isst, mit dem es garantiert am schlechtesten geht.<br \/>\u00a0<br \/>Ja. Und dann ist da noch der Pudding. Wer isst heute noch Pudding? Er steht f\u00fcr Geborgenheit und das Zuhause \u2013 aber auch f\u00fcr etwas ganz Banales und Harmloses, das jeder essen kann. Aber absurderweise nicht mit der Gabel. Das erf\u00fcllt das psychologische Bed\u00fcrfnis nach Spa\u00df und Leichtigkeit. Und auch das nach Zugeh\u00f6rigkeit und Abgrenzung. Also das Gegenteil zu dem, was junge Menschen sonst gerade an Druck und Sorgen erleben. Und das Ganze erzeugt Aufmerksamkeit &#8211; darum geht es auch.<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    In diesem ganzen Stress, in dem sich Jugendliche und junge Erwachsene heute befinden, k\u00f6nnen sie mit dem Pudding und der Gabel etwas sehr Absurdes zu zeigen<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wenn sie die schlechte Situation ansprechen, in der sich viele junge Menschen befinden &#8211; geht es da auch noch um die Corona-Zeit?<br \/>\u00a0<br \/>Die Situation, in der sich junge Menschen befinden, ist noch sehr stark <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/beitrag\/2025\/03\/berlin-corona-5-jahre-michael-mueller-elke-breitenbach-silke-gebel-lockdown.html\" title=\"gepr\u00e4gt von Corona\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">gepr\u00e4gt von Corona<\/a>. Daher ist alles, was sie psychologisch besch\u00e4ftigt, auch auf die Pandemie bezogen. Gerade f\u00fcr die junge Generation war diese Zeit ein gro\u00dfer Schock. Sie wurde am wenigsten ber\u00fccksichtig und musste die gr\u00f6\u00dften Einschnitte hinnehmen. Da gibt es eine Generation, die keine wirkliche Pubert\u00e4t leben konnte. Die jungen Menschen konnten sich nicht vern\u00fcnftig von ihren Eltern abgrenzen und das in einer Zeit, in der es eigentlich vor allem darum geht, drau\u00dfen die Welt zu entdecken und Freundschaften zu schlie\u00dfen. Diese Menschen waren genau in dieser Phase auf ihr Zimmer und die elterliche Wohnung reduziert. Von daher sind solche Trends sicherlich auch eine Reaktion darauf.<\/p>\n<p class=\"textabsatz--contains-image  m-six l-five textabsatz columns twelve\">Wie verhalten sich die Teilnehmer dieser Treffen &#8211; wird da viel gelacht oder wird geredet und im Pudding gestochert?<br \/>\u00a0<br \/>Ein paar Leute essen da schon auch. Ein bisschen Pudding bekommt man vermutlich auch in den Mund. Aber es geht sicher nicht darum, satt zu werden. Sondern man trifft sich wegen der Aktion an sich. Mein Eindruck ist \u00fcbrigens, dass diese Treffen gar nicht so besonders oft stattfinden. Das wird vielleicht eher in den Sozialen Medien etwas aufgebauscht.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        L\u00e4sst sich gar nicht so leicht aufgabeln, so ein Pudding\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Orte f\u00fcr diese Treffen sind ja offenbar meist sehr belebt. In Berlin trafen sich Anfang Oktober etwa 1000 Leute im James-Simon-Park am Hackeschen Markt. Warum trifft man sich nicht einfach im Jugendklub oder auf einem Sportplatz?<br \/>\u00a0<br \/>Weil es auch um Inszenierung und Aufmerksamkeit geht. Diese Aktionen sind f\u00fcr die Kamera und f\u00fcr die Medien mitgedacht. Geteilte Videos davon, gerade wenn die Treffen auch noch bedeutsamen Orten stattfinden, verst\u00e4rken das Gef\u00fchl, Teil von etwas Gr\u00f6\u00dferem zu sein. Die Absurdit\u00e4t und die kurzen Szenen, in denen man sich darstellt, sind absolut ideal f\u00fcr Social Media. Denn man kann sie ganz schnell verstehen, teilen und nachahmen. Sie erzeugen eine gro\u00dfe Aufmerksamkeit, werden reposted und geliked. Da kommen dann viele Kommentare und Follower.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/rbb-audio-antenne-brandenburg-20-05-2025-carmen-graef-100.jpg\" alt=\"Symbolbild:Jugendliche sitzen in den letzten Sonnenstrahlen im Tiergarten in Berlin.(Quelle:picture alliance\/dpa\/F.Gaertner)\" title=\"Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 20.05.2025 | Carsten Krippahl) | picture alliance\/dpa\/F.Gaertner\"\/><\/p>\n<p>Die junge Generation ist im Krisenmodus \u2013 glaubt aber an bessere Zukunft <\/p>\n<p>            Am Dienstag wurde die Trendstudie &#8222;Jugend in Deutschland&#8220; vorgestellt. In der Umfrage wird aufgef\u00fchrt, was den jungen Menschen am meisten Sorgen macht und wie sie in die Zukunft blicken.<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/beitrag\/2025\/05\/berlin-brandenburg-studie-jugend-jugendstudie-jugendliche-jungegeneration.html\" title=\"mehr\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">mehr<\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gab es so etwas vor Social-Media auch schon? Ein wenig erinnern diese Treffen ja an die Flashmobs, zu denen sich fr\u00fcher verabredet wurde.<br \/>\u00a0<br \/>Die Flashmobs waren sozusagen das Resultat der ersten Handys. Und da gibt es tats\u00e4chlich deutliche Parallelen. Beides sind gemeinschaftliche Aktionen, die ungew\u00f6hnlich wirken, eine \u00dcberraschung ausl\u00f6sen und die den Spa\u00df am Kollektiven demonstrieren. Und sie zeugen von einer sozialen Verbundenheit jenseits von digitaler N\u00e4he und Vernetzung.<br \/>\u00a0<br \/>Doch es gibt auch Unterschiede. Flashmobs waren meist sehr aufw\u00e4ndig choreografiert und sollten eine gro\u00dfe Show erzeugen. Beim Pudding-mit-Gabel-essen geht es bewusst um das Banale und Alberne.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/rbb-elke-breitenbach-silke-gebel-michael-mueller-100.jpg\" alt=\"Collage: Elke Breitenbach (Die Linke) Silke Gebel (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) Michael M\u00fcller (SPD) (Quelle: pictuere alliance\/dpa\/Anette Riedl\/Britta Pedersen\/Uwe Koch)\" title=\"Video: rbb24 Abendschau | 17.03.2025 | Agnes Sundermeyer | pictuere alliance\/dpa\/Anette Riedl\/Britta Pedersen\/Uwe Koch\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Wir waren damals einfach hilflos&#8220;<\/p>\n<p>            Vor f\u00fcnf Jahren schloss Berlin Schulen, Sportpl\u00e4tze, Clubs. Mitglieder der damaligen rot-rot-gr\u00fcnen Koalition ziehen nun ein selbstkritisches Fazit der Ma\u00dfnahmen. Vor allem die Interessen junger Menschen seien damals zu wenig beachtet worden. Von Tobias Schmutzler<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/beitrag\/2025\/03\/berlin-corona-5-jahre-michael-mueller-elke-breitenbach-silke-gebel-lockdown.html\" title=\"mehr\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">mehr<\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber es gab nat\u00fcrlich solche Treffen auch vorher in der analogen Welt. Und es gibt sie \u2013 gerade in Berlin \u2013 auch jetzt noch. Da treffen sich viele, die ein bestimmtes Hobby teilen \u2013 wie beispielsweise N\u00e4hen \u2013 drau\u00dfen und tun etwas gemeinschaftlich. Oder man trifft sich zum Tanzen. Das ganze Spree-Ufer ist voll mit Tanztreffs in den unterschiedlichsten Stilen. Zus\u00e4tzlich kommen dann Stra\u00dfenk\u00fcnstler und machen Musik. Aber diese Trends sind nicht so erfolgreich in den Sozialen Medien. Der Pudding-Trend, und das ist das Besondere, ist schon als \u00f6ffentlichkeitswirksame Inszenierung angelegt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ist schon absehbar, was nach dem Pudding-Trend als n\u00e4chstes kommt?<br \/>\u00a0<br \/>Nein. Denn das Besondere an solchen Trends ist, dass sie unerwartet kommen und gerade darin und im Absurden liegt ihr Charme. So etwas muss immer etwas Neues sein, womit gerade die Erwachsenen und auch die Medien nicht rechnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sendung:<\/p>\n<p>                                        <a class=\"backlink__link\" href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/beitrag\/2025\/10\/interview-social-media-trend-pudding-mit-der-gabel-essen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                                                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.tagesschau.de\/image\/898f19c3-6760-4be2-a33f-1fa765216ec2\/AAABlap_olM\/AAABmKJi16M\/original\/lra-rbb-logo-100.svg\" alt=\"Rundfunk Berlin-Brandenburg\"\/><\/p>\n<p>                                        <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 19.10.2025 08:07 Uhr Bundesweit treffen sich derzeit junge Menschen an \u00f6ffentlichen Orten, um gemeinsam Pudding mit der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":510256,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,1890,29,30,2239],"class_list":{"0":"post-510255","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-brandenburg","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-rbb"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115399598205656851","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/510255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=510255"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/510255\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/510256"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=510255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=510255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=510255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}