{"id":510263,"date":"2025-10-19T07:17:11","date_gmt":"2025-10-19T07:17:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510263\/"},"modified":"2025-10-19T07:17:11","modified_gmt":"2025-10-19T07:17:11","slug":"nora-imlau-was-erwachsene-aus-kinderbuechern-lernen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510263\/","title":{"rendered":"Nora Imlau: Was Erwachsene aus Kinderb\u00fcchern lernen sollten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eigentlich schreibt Nora Imlau ihre Bilderb\u00fccher f\u00fcr kleine Kinder. Doch immer h\u00e4ufiger bekommt sie Post von Erwachsenen, deren inneres Kind mit ihren Geschichten zur Ruhe kommt. Kein Wunder, dass ihre B\u00fccher oft schon am Erscheinungstag zu Bestsellern werden.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Beim Weinen ist es wie beim Lachen: Ich muss dagegen gar nichts machen. Denn ganz egal, ob sie es sollen: Die Tr\u00e4nen rollen, wie sie wollen. Wenn meine Welt zusammenbricht, brauch ich nur jemand, der mich h\u00e4lt&#8220;, schreibt Autorin Nora Imlau in ihrem Kinderbuch &#8222;Was weinst du denn so viel, kleines Krokodil?&#8220;. Mit ihren B\u00fcchern, in denen sie den Kleinen ihre gro\u00dfen Gef\u00fchle erkl\u00e4rt, erreicht die Literaturwissenschaftlerin Millionen. Ihre Kinderb\u00fccher sind meist schon am Erscheinungstag Bestseller, denn sie treffen wohl einen Nerv.<\/p>\n<p>&#8222;Meine Arbeit ist nie besch\u00e4mend, sondern geht davon aus, dass Eltern und Familien ihr Bestes geben, dass Kinder getrieben sind von ihren Emotionen und Bed\u00fcrfnissen und Erwachsene letztlich auch&#8220;, sagt Imlau im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. &#8222;Und, dass wir mehr Sanftheit und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit mit uns selbst brauchen.&#8220; <\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Was weinst du denn so viel, kleines Krokodil?: Ein Mutmachbuch f\u00fcr alle feinf\u00fchligen Kinder | Pappbilderbuch ab 2 \u00fcber Bed\u00fcrfnisse und Gef\u00fchle und das Weinen als heilsames Ventil<\/p>\n<p> 12,00\u00a0\u20ac <\/p>\n<p> <a class=\"shopteaser__button-wrapper\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3551170061?tag=ntvde0f-21&amp;linkCode=ogi&amp;th=1&amp;psc=1\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Zum Angebot bei <b>amazon.de<\/b> <\/a>     <\/p>\n<p>Mit dieser Strategie entstehen Geschichten rund um kleine Tier-Charaktere, die mit ihren Gef\u00fchlen durch den Alltag navigieren und gemeinsam mit ihren Eltern versuchen, ihre Emotionen zu verstehen, denn das sei der Schl\u00fcssel.<\/p>\n<p>Beziehungsorientiert statt von oben herab<\/p>\n<p>Imlau verfolgt einen konsequent beziehungsorientierten Ansatz. Das hei\u00dft: Kinder m\u00fcssen nicht gehorchen, sondern sollen mit Vertrauen und Liebe gest\u00e4rkt werden. Eltern wollen die Bed\u00fcrfnisse ihrer Kinder verstehen und darauf eingehen. Ein Patentrezept sei Erziehung allerdings nicht. &#8222;Wir m\u00fcssen uns davon l\u00f6sen, dass Erziehung wie ein Kochrezept funktioniert: Wir geben das rein und dann kommt das raus&#8220;, sagt die Autorin.<\/p>\n<p>Vor rund 30 Jahren wurden die ersten Stimmen dieser bed\u00fcrfnisorientierten Erziehung laut. Weg von &#8222;Jungs weinen nicht&#8220; und der Angst, Kinder zu sehr zu verw\u00f6hnen, hin zu dem Gedanken, Kinder mit ihren Gef\u00fchlen ernst zu nehmen. &#8222;Da ist in den vergangenen Jahrzehnten eine regelrechte Revolution in der Erziehung passiert&#8220;, erinnert sich Imlau. Sie selbst hat diesen Weg ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt. &#8222;Ich habe als ganz junge Journalistin und Mutter als eine der ersten im deutschsprachigen Raum angefangen, \u00f6ffentlich und laut dar\u00fcber nachzudenken, wie Erziehung anders gehen k\u00f6nnte&#8220;, erinnert sich Imlau. Ein wichtiger Teil ist die Emotionsregulation. Beispielsweise beim Thema Wut. <\/p>\n<p>&#8222;Die allermeisten B\u00fccher fokussieren sich auf die Frage: Wie geht die Wut weg?&#8220;, sagt Imlau \u00fcber ihre Motivation. &#8222;Dabei m\u00fcssen Eltern und Kinder doch erstmal lernen, dass Wut ein total wichtiges und hilfreiches Gef\u00fchl ist und wie man damit umgeht.&#8220; Denn Wut weise darauf hin, dass etwas nicht stimmt.<\/p>\n<p> Warum Gef\u00fchle f\u00fcr Kinder so wichtig sind<\/p>\n<p>Dass Kinder lernen, mit ihren Gef\u00fchlen umzugehen, sei wichtig f\u00fcr den Rest ihres Lebens, sagt auch Nicholas Hines. Der US-Amerikaner ist Therapeut f\u00fcr Kinder und Jugendliche. &#8222;Nehmen wir an, ein Kind ist ver\u00e4rgert, kann aber nicht deuten, ob es traurig, w\u00fctend, trauernd oder \u00e4ngstlich ist. Dann wei\u00df es auch nicht, was es tun kann, um das schlechte Gef\u00fchl zu l\u00f6sen&#8220;, erkl\u00e4rt Hines im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. Daher m\u00fcssen Kinder fr\u00fch lernen, ihre Gef\u00fchle zu deuten, und lernen, mit ihnen umzugehen. Lernen sie das nicht, hat das bereits in jungen Jahren Auswirkungen. &#8222;Sie haben m\u00f6glicherweise Schwierigkeiten, Beziehungen aufzubauen, streiten viel oder isolieren sich stark von anderen&#8220;, erkl\u00e4rt der Therapeut. Das setze sich dann bis ins Erwachsenenalter fort. <\/p>\n<p>Die ersten Effekte der gef\u00fchlsbetonten Erziehung sind bereits gesellschaftlich sp\u00fcrbar. &#8222;Es gibt heute schon Zwanzigj\u00e4hrige, die mit solchen Ideen gro\u00df geworden sind, die ihre Gef\u00fchle verstehen, sehr emotional intelligent sind und die sehr gut auf ihre Bed\u00fcrfnisse und Grenzen achten k\u00f6nnen, weil sie kommunizieren k\u00f6nnen, was sie brauchen&#8220;, sagt Imlau. F\u00fcr die Einzelnen ist das eine positive Entwicklung, gesellschaftlich wird sie dennoch oft kritisch betrachtet. Denn diese jungen Menschen werden h\u00e4ufig als weniger belastbar gescholten, weil sie schlechte Arbeitsbedingungen nicht akzeptieren wollen. &#8222;Man k\u00f6nnte aber auch sagen, dass sie auf sich achten und Grenzen ziehen, bevor sie mit einem Burn-out in der Klinik landen&#8220;, sagt Imlau. <\/p>\n<p>Im Unterschied zu \u00e4lteren Generationen werde das besonders deutlich, denn die h\u00e4tten h\u00e4ufig Schwierigkeiten, ihre Bed\u00fcrfnisse klar zu benennen. &#8222;Wie viele Gro\u00dfeltern machen eher manipulativ Schuldgef\u00fchle, anstatt einfach zu sagen, wir w\u00fcrden uns w\u00fcnschen, du kommst mit dem Kind mal vorbei&#8220;, sagt die Autorin \u00fcber den Generationenkonflikt, der in vielen Familien immer wieder aufflammt.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen Erwachsene lernen? <\/p>\n<p>Trotz komplexer Reimschemata richtet Imlau ihre Bilderb\u00fccher an Kinder. &#8222;Ich finde, man muss aufpassen, dass man nicht eigentlich f\u00fcr die Eltern schreibt. Das passiert manchmal und das merken Kinder und dann m\u00f6gen sie die B\u00fccher auch nicht&#8220;, sagt sie. Ihr gelingt der Spagat, Identifikationsfiguren f\u00fcr die kleinen Leser zu schreiben, mit Versen, die sich wirklich reimen, und gleichzeitig die Eltern anzusprechen und in ihrem Familienalltag zu begleiten. <\/p>\n<p>Und Erwachsene lernen, genau wie Kinder, einen besseren Umgang mit ihren Gef\u00fchlen. &#8222;Es gibt tats\u00e4chlich eine gar nicht so kleine Gruppe an Menschen, die sagen, uns hilft das, unsere eigene Kindheit zu verstehen&#8220;, sagt Imlau \u00fcber ihre Leserpost. &#8222;Ich habe auch von ganz vielen Therapeuten und Therapeutinnen Nachrichten bekommen, die mir gesagt haben, dass sie meine Kinderb\u00fccher in der Therapie einsetzen.&#8220; Gerade f\u00fcr junge M\u00e4nner, die f\u00fcr ihre Emotionen als kleine Jungen von ihren Eltern besch\u00e4mt wurden und jetzt lernen, dass es in Ordnung ist, zu weinen, erz\u00e4hlt Imlau. <\/p>\n<p>Im Alltag hetzen Erwachsene oftmals gestresst durch den Tag und agieren m\u00f6glichst l\u00f6sungsorientiert. &#8222;Wir versuchen einfach, den Tag zu \u00fcberstehen&#8220;, fasst Hines zusammen. &#8222;Dabei k\u00f6nnen wir von Kindern lernen, uns die Zeit zu nehmen, zu sagen, wie wir uns wirklich f\u00fchlen.&#8220; Denn Kinder geben sich einer Emotion vollkommen hin. Sie lachen, wenn ihnen das Herz aufgeht, und weinen, wenn die Wut im Bauch ist &#8211; und brauchen dann nur jemanden, der sie h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eigentlich schreibt Nora Imlau ihre Bilderb\u00fccher f\u00fcr kleine Kinder. 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