{"id":510316,"date":"2025-10-19T07:46:16","date_gmt":"2025-10-19T07:46:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510316\/"},"modified":"2025-10-19T07:46:16","modified_gmt":"2025-10-19T07:46:16","slug":"die-ersten-passagiere-der-schwebebahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510316\/","title":{"rendered":"Die ersten Passagiere der Schwebebahn"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ende November wird der Kaiserwagen der <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/wuppertaler-schwebebahn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wuppertaler Schwebebahn<\/a> in der Dunkelheit wieder zu Testzwecken seine Runden drehen. Als einzige Fahrzeuge der Baureihe 1900 blieben die denkmalgesch\u00fctzten Wagen Nummer 5 und 22 erhalten. Der Nostalgiezug ist f\u00fcr einen noch nicht bekannten Millionenbetrag mit vielen neuen Bauteilen sowie modernster Technik jahrelang restauriert und umgebaut worden. In der ersten H\u00e4lfte 2026 soll er nach der Planung der Stadtwerke wieder in Betrieb genommen werden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vor genau 125 Jahren am 24. Oktober 1900 waren Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria die ersten Passagiere der Schwebebahn. Bereits vor der offiziellen Er\u00f6ffnung der Bahn am 1. M\u00e4rz 1901 fuhr das Kaiserpaar von D\u00f6ppersberg nahe dem heutigen Wuppertaler Hauptbahnhof nach Vohwinkel. Die Sonderfahrt f\u00fchrte ungef\u00e4hr \u00fcber die H\u00e4lfte der letztlich 13,3 Kilometer langen Schwebebahntrasse. Auf dem Besuchsprogramm des Monarchen in Kommunen an der <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/wupper\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wupper<\/a> stand die Schwebebahn aber nicht an erster Stelle.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201e\u00dcberall gl\u00e4nzte es heute von Fahnen und farbigen Dekorationen; ein freudiges Schwarz-wei\u00df-roth schm\u00fcckt alle H\u00e4user, und bewies, mit welcher Freude man dem Besuche des geliebten Kaiserpaares entgegensah\u201c, hei\u00dft es eingangs im ausf\u00fchrlichen Bericht der \u201eElberfelder Zeitung\u201c. Die Menschenmenge habe sich schon am fr\u00fchen Morgen zusammengedr\u00e4ngt, von den Bahnh\u00f6fen \u201eergossen sich immer neue Str\u00f6me\u201c. Aus allen Teilen des Kreises sei man gekommen, um den Kaiser zu sehen. In Barmen weihte der Kaiser mit seinem Besuch die Ruhmeshalle ein, Kanonensch\u00fcsse verk\u00fcndeten die Ankunft in Elberfeld.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eWuppertal hatte zu der Zeit 1900 knapp 300.000 Einwohner. Das hei\u00dft, es war die acht gr\u00f6\u00dfte Stadt im Deutschen Kaiserreich, wenn man Elberfeld und Barmen zusammenz\u00e4hlt. Das war knapp hinter K\u00f6ln und deutlich vor <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/duesseldorf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">D\u00fcsseldorf<\/a> oder auch gr\u00f6\u00dfer als Essen\u201c, sagt Anne Sophie Overkamp, Juniorprofessorin f\u00fcr Historische Wissenschafts- und Technikforschung an der Bergischen Universit\u00e4t <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/wuppertal\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wuppertal<\/a>. Das heutige Wuppertal erlebte eine Boom-Zeit, wuchs rasant: \u201eAllein zwischen 1880 und 1900 kamen 100.000 Menschen hinzu.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eWenn Leute damals eine Stadt erleben wollten, die voll durchindustrialisiert ist, dann konnte man nach Wuppertal fahren.\u201c Die Textilindustrie habe als Leitindustrie an der Wupper andere Industrien nach sich gezogen wie die Chemieindustrie. \u201eDas ist ja kein Zufall, dass Bayer in Wuppertal gegr\u00fcndet wurde\u201c, sagt die Historikerin mit Verweis auf die Farbstoffherstellung, die am Bayer-Anfang stand. Oder Vorwerk: \u201eDie Staubsauger kamen nach den Teppichen.\u201c Die Unternehmen seien eher mittelst\u00e4ndisch gepr\u00e4gt gewesen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Historikerin Overkamp geht davon aus, dass der Kaiser die Einladung zur Fahrt mit der Schwebebahn sehr gern annahm. \u201eWilhelm II. war technikaffin. Von ihm gibt es auch alle m\u00f6glichen Bilder im Auto, mit Luftschiff und so weiter. Die Marine war sein Steckenpferd. Und das war f\u00fcr ihn so eine M\u00f6glichkeit, sich als modern und zeitgem\u00e4\u00df darzustellen\u201c, verdeutlicht sie. \u201eDas Kaiserreich war gesellschaftlich sehr konservativ, aber gleichzeitig total technikverliebt und fortschrittsoptimistisch, was das anging. Das ist so eine seltsame Mischung und das findet man in der Person von Wilhelm II. sehr gut repr\u00e4sentiert.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Kaiser war in kleiner Generalsuniform mit grauem Milit\u00e4rhohenzollernmantel und Helm bekleidet, beschrieb die Zeitung. Bei der Einweihung des Elberfelder Rathauses kam er mit Stadtverordneten ins Gespr\u00e4ch. Auf den Hinweis, dass Elberfeld 30.000 bis 40.000 Schulkinder habe, habe der Kaiser geantwortet: \u201eDas sind ja eineinhalb Armeekorps\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">An der Schwebebahn erfolgte eine Vorstellung des Projekts. \u201eDurch zahlreiche Zwischenfragen bewies der Kaiser das lebhafte Interesse, das der Bau bei ihm erregte.\u201c In verlangsamten Tempo fuhr die Schwebebahn auf dem gewundenen Schienenweg: im ersten Wagen Beh\u00f6rdenchefs, im zweiten Kaiser und Kaiserin sowie im dritten das Gefolge.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eRegimente waren auch dabei, Milit\u00e4rm\u00e4rsche wurden gespielt, Schulkinder jubelten. So alles, was man sich unter dem alten Kaiserreich vorstellt, das findet man auch bei dieser Schwebebahnfahrt\u201c, beschreibt Overkamp. Ruhmeshalle und Rathaus er\u00f6ffnet und Sonderfahrt mit der Schwebebahn: \u201eDer Kaiser hat quasi drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen\u201c. Den Industriellen sei es darum gegangen, gute Kontakte zu den Regierungsbeh\u00f6rden zu pflegen. \u201eMan wollte gesehen und gew\u00fcrdigt werden. Also deswegen auch dieser ganze Zinnober und das Brimborium. Man hat den Kaiser, aber auch sich selbst gefeiert.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr das System Schwebebahn, das der Zuckerfabrikant und T\u00fcftler Eugen Langen entwarf, war die Sonderfahrt mit dem Kaiser kein Durchbruch. In den Metropolen r\u00fcckten U-Bahnen in den Fokus, auch in Berlin. Nach dem System Langen ging in Dresden am 6. Mai 1901 eine Bergbahn in Betrieb, mehr Projekte wurden aber nicht umgesetzt. Erfinder Langen erlebte den Fahrbetrieb nicht, er starb 1895. Barmen, Elberfeld, Vohwinkel und weiteren Kommunen wurden 1929 zur Stadt Wuppertal. Die enge Taktung der Schwebebahn habe sicherlich dazu gef\u00fchrt, dass die Kommunen noch enger aneinander ger\u00fcckt seien, meint Overkamp.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ende November wird der Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn in der Dunkelheit wieder zu Testzwecken seine Runden drehen. 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