{"id":510520,"date":"2025-10-19T09:45:19","date_gmt":"2025-10-19T09:45:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510520\/"},"modified":"2025-10-19T09:45:19","modified_gmt":"2025-10-19T09:45:19","slug":"lost-places-in-stuttgart-der-wald-in-dem-daimler-seine-lastwagen-im-kreis-fahren-liess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510520\/","title":{"rendered":"Lost Places in Stuttgart: Der Wald, in dem Daimler seine Lastwagen im Kreis fahren lie\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Im Wald beim Stuttgarter Schloss Solitude liegt der Sandkopf. Doch warum tr\u00e4gt er auch den Namen eines Automobilbauers und weshalb f\u00fchlen sich dort auch Kammmolche pudelwohl?<\/p>\n<p>Treffen Mensch und Natur aufeinander, gehen Flora und Fauna zumeist als zweiter Sieger vom Platz. Das trifft jedoch f\u00fcr den so genannten <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.windkraft-in-stuttgart-nahe-schloss-solitude-sind-sogar-mehrere-windraeder-im-gespraech.32abdf39-9438-4d74-ad61-425b9dfccb45.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Sandkopf<\/a> nicht zu, der gerade noch zum Stadtbezirk <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>-West geh\u00f6rt, aber mitten im Wald unterhalb von Schloss Solitude und nicht weit entfernt von der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.baustellen-in-stuttgart-unfallschwerpunkt-an-der-bergheimer-steige-wird-entschaerft.e0c470a7-837d-437e-9856-a31d71325a27.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bergheimer Steige<\/a> liegt.<\/p>\n<p>Hier \u00f6ffnen sich die Baumreihen und geben eine Lichtung frei, auf der sich im Laufe der Zeit mit dem<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.europaeische-sumpfschildkroete-in-stuttgart-nach-100-jahren-wieder-ein-stuttgarter.f2899832-7da0-44fd-9ea8-cbbbce5eba3b.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Feuchtgebiet<\/a> Daimlerplatz ein Paradies f\u00fcr Amphibien aller Art entwickelt hat. Und zu \u201eihrem\u201c Sandkopf, der Anfang des Jahres als Standort f\u00fcr Windr\u00e4der ins Spiel gebracht wurde, hatten die Weilimdorfer schon immer ein besonderes Verh\u00e4ltnis. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.2ab0dacf-250d-4356-8749-deef92899be3.original1024.media.jpeg\"\/>     Der Sandkopf, wie er sich Stuttgarter Spazierg\u00e4ngern heute pr\u00e4sentiert.    Foto: Uli Nagel    <\/p>\n<p> Aus gutem Grund, denn dort oben gab es Kieselsandstein, ein damals begehrtes Baumaterial. Je nach Korngr\u00f6\u00dfe dient er unter anderem als Material f\u00fcr Pflastersteine, Treppenstufen und Gesimse, und in seiner grobk\u00f6rnigsten Form f\u00fcr Hang- und Uferverbauungen. Um dieses wichtige Baumaterial abzubauen, zogen laut Aufzeichnungen aus dem Jahr 1850 die Menschen \u2013 bepackt mit gro\u00dfen Schaufeln \u2013 hoch zum Sandkopf.<\/p>\n<p>Keine riesigen Gruben <\/p>\n<p> Allerdings darf man sich keine riesigen Gruben vorstellen. Vielmehr waren das gro\u00dfe L\u00f6cher von f\u00fcnf mal drei Metern. Das abgegrabene Gestein wurden m\u00fchsam mit dem Pferdewagen hinab nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart-Weilimdorf\" title=\"Weilimdorf\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weilimdorf<\/a> gebracht. \u201eUnd mit der Nutzung des Gel\u00e4ndes durch Menschen begann auch die Geschichte des Feuchtgebiets\u201c, sagt Kathrin Klein von Forst BW, denn<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.baumfaellungen-in-stuttgart-neuer-aerger-im-botnanger-wald.f47df103-bf6d-474a-87b5-7b331fc7daac.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> das Gebiet ist Staatswald<\/a> und wird vom Land betreut. <\/p>\n<p>Zu diesen L\u00f6chern durch die Grabungen kamen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs weitere L\u00f6cher \u2013 oder besser Krater \u2013 hinzu. \u201eSchuld war ein fehlgeleiteter Bombenabwurf\u201c, so Kathrin Klein. Rund ein Hektar Wald wurde damals zerst\u00f6rt und die kahle Fl\u00e4che versumpfte nach und nach. <\/p>\n<p>Vertrag mit Daimler wurde 1949 unterzeichnet <\/p>\n<p>Nur wenige Jahre nach dem Krieg entdeckte dann der Automobilhersteller Daimler das Gel\u00e4nde f\u00fcr sich. \u201eDas Unternehmen suchte damals auf Stuttgarter Gemarkung eine Fl\u00e4che, um ihre <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.lkw-auf-der-retro-classics-in-stuttgart-mercedes-zeigt-erstmals-seit-fuenf-jahren-wieder-oldtimer-brummis.5c135365-4ae2-4e7a-b161-ee0676df1a62.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Unimogs und Lastwagen <\/a>auf ihre Gel\u00e4ndetauglichkeit zu testen\u201c, sagt Klein. Dazu war diese etwas versteckte, aber freie Ebene wie geschaffen. Am 1. September 1949 wurde dann ein Vertrag mit der Forstverwaltung abgeschlossen. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.d21ad140-1441-480a-91d5-10a9935be94d.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Rinne war bis zu 1,20 Meter tief.    Foto: Mercedes-Benz Trucks Classic    <\/p>\n<p>Mehrmals im Jahr hatte danach der Automobilbauer die Fl\u00e4che genutzt, um unter anderem zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob an den Achsbauteilen Wasser eindringen kann. Dazu wurden die Lastwagen tagelang im Rundkurs durch den tiefen Schlamm getrieben. Der Morast stand den Fahrzeugen teilweise bis zur T\u00fcr, denn nach und nach hatte sich eine Rinne gebildet, die bis zu 1,20 Meter tief war. <\/p>\n<p>Immer wieder kam es vor, dass die Lastwagen stecken blieben. Nach den Testfahrten sahen die Fahrzeuge entsprechend \u00fcbel aus. Und um den Dreck nicht durch die ganze Stadt zu fahren und mit nach Untert\u00fcrkheim zu bringen, wurde sogar einen Waschplatz mitten im Wald eingerichtet.<\/p>\n<p>Der Sandkopf wurde jedoch nur wenige Woche im Jahr als Testgel\u00e4nde ben\u00fctzt. In der Ruhezeit konnte sich Wasser in den Rinnen sammeln. \u201eUnd mit dem Wasser zogen auch die Amphibien auf dem Sandkopf ein und haben sich dort etabliert\u201c, sagt die Waldexpertin. <\/p>\n<p>Im Jahr 1975 hatten dann die Stadt Stuttgart und der Daimlerkonzern ein Einsehen \u2013 die Testfahrten wurden, wie es damals hie\u00df, aus Naturschutzgr\u00fcnden eingestellt. Geblieben ist jedoch der Name des Unternehmens, denn seither wird das Gel\u00e4nde \u201eDaimlerplatz\u201c genannt.<\/p>\n<p> Daimlerplatz droht zu verlanden <\/p>\n<p>Geblieben sind auch die Fahrrinnen, die sich mit der Zeit allerdings mit Laub und Morast f\u00fcllten. Denn eines hatte die Forstverwaltung damals nicht bedacht: Die Lastwagen hatten beim Drehen ihrer Runden den Schlamm immer wieder aufgew\u00fchlt. Diese \u201eBewegung\u201c fehlte nun und das Gebiet verlandete immer mehr. <\/p>\n<p>Bis 2002 blieb dieser unbefriedigende Zustand erhalten. Doch nachdem in der Schriftenreihe des Amtes f\u00fcr Umweltschutz zu den Amphibien und Reptilien in Stuttgart die Bedeutung des Feuchtgebiets Daimlerplatz hervorgehoben wurde, beauftragte das Amt f\u00fcr Umweltschutz die Erarbeitung eines Pflegekonzepts. Ein Jahr sp\u00e4ter gab es dann den trockenen Sommer, der es der Stadt erm\u00f6glichte, mit einem Bagger die alte Fahrspur vom Restschlamm zu befreien und das Gel\u00e4nde schonend zu bearbeiten. <\/p>\n<p>Bald war wieder gen\u00fcgend Wasser in den Rinnen, um einer Vielzahl von Tieren eine Heimat zu bieten. \u201eDarunter auch dem Kammmolch, der streng gesch\u00fctzt und in Baden-W\u00fcrttemberg stark gef\u00e4hrdet ist\u201c, sagt Kirsten Kockelke, die beim Amt f\u00fcr Umweltschutz f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.artenschutz-in-baden-wuerttemberg-riesig-und-gefraessig-wer-haelt-den-ochsenfrosch-noch-auf.7eb4e858-d28d-4b93-8c4c-f5dc823dfe4c.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Artenschutzkonzept<\/a> der Landeshauptstadt zust\u00e4ndig ist und in Stuttgart 31 Gebiete mit seltenen Tier- und Pflanzenarten betreut.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.a6f312ef-c45f-4fcd-a994-7190647ce9cd.original1024.media.jpeg\"\/>     Der Kammmolch kommt in Stuttgart nur am Daimlerplatz und in einem kleinen Gebiet am Dachswald vor.    Foto: mauritius images    <\/p>\n<p>Allerdings sind Feuchtgebiete wie der Daimlerplatz keine \u201eSelbstl\u00e4ufer\u201c. Im Gegenteil, die Seen m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig gepflegt werden. Das hei\u00dft, entschlammt und von Pflanzen befreit werden, da ansonsten eine nat\u00fcrliche Verlandung droht, so die Expertin. Die letzte Sanierung der mittlerweile vier Seen am Daimlerplatz liegt schon ein paar Jahr zur\u00fcck, war jedoch so erfolgreich, dass der Kammmolch sich heute dort immer noch pudelwohl f\u00fchlt und sogar erfolgreich fortpflanzt. <\/p>\n<p>Das Vorhaben wurde unter anderem von der Stiftung Naturschutzfonds des Landes Baden-W\u00fcrttemberg gef\u00f6rdert. \u201eEin Monitoring im vergangenen Jahr hat den Erfolg der Ma\u00dfnahme best\u00e4tigt\u201c, so Kirsten Kockelke. Das sei wichtig, denn neben dem Daimlerplatz gibt es diese seltene Molchart in Stuttgart nur noch in einem Gew\u00e4sser im Dachswald.<\/p>\n<p> Feuchtgebiet Daimlerplatz rund 0,7 Hektar gro\u00df  <\/p>\n<p> Was Kirsten Kockelke und Kathrin Klein jedoch wichtig ist: Menschen sollten das Feuchtgebiet, das 0,7 Hektar gro\u00df ist, nicht betreten und schon gar nicht ins Wasser gehen. Auch nicht ihre Hunde. Was ebenfalls streng untersagt ist: in den Gew\u00e4ssern Fische einzusetzen. <\/p>\n<p>Doch nicht nur dieser Bl\u00f6dsinn ist schon vorgekommen. Auch exotische Wasserschildkr\u00f6ten werden h\u00e4ufig in Amphibiengew\u00e4sser eingesetzt. \u201eDa diese Amphibienlaich und Kaulquappen fressen, w\u00fcrde das auf Dauer jedoch das Aus der Kammmolche und der anderen dort vorkommenden Amphibienarten bedeuten\u201c, wei\u00df Kirsten Kockelke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Wald beim Stuttgarter Schloss Solitude liegt der Sandkopf. 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