{"id":510558,"date":"2025-10-19T10:04:11","date_gmt":"2025-10-19T10:04:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510558\/"},"modified":"2025-10-19T10:04:11","modified_gmt":"2025-10-19T10:04:11","slug":"verlorene-lebenszeit-die-vielfachen-folgen-des-dauerscrollens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/510558\/","title":{"rendered":"Verlorene Lebenszeit: Die vielfachen Folgen des Dauerscrollens"},"content":{"rendered":"<p>Mal eben bei Tiktok oder Instagram hereingeschaut und h\u00e4ngengeblieben &#8211; schon wieder ist eine halbe Stunde Lebenszeit weg. Aber was hab ich da gerade eigentlich gesehen? Oft belangloses Zeug, von dem wenig h\u00e4ngenbleibt. Folgen hat das Dauerscrollen in sozialen Medien dennoch &#8211; f\u00fcr den Einzelnen, aber auch f\u00fcr Gesellschaften und die Zukunft dieser Welt.<\/p>\n<p><b>Klingt dramatisch. Aber haben wir nicht schon immer \u00fcber Neues gemeckert?<\/b><\/p>\n<p>Oh ja, absolut. Wom\u00f6glich haben schon nach der Erfindung erster Werkzeuge Menschen gemeckert, sowas k\u00f6nne ja nur ungute Folgen haben. &#8222;Warnungen vor Dingen, die neu sind, gibt es seit Menschengedenken&#8220;, sagt der Entwicklungspsychologe Sven Lindberg. &#8222;Generell sorgt alles, was sich \u00e4ndert, beim Menschen erst mal f\u00fcr \u00c4ngste und Sorgen.&#8220; Einer Umfrage des Sozialforschungsinstituts Ipsos zufolge haben in Deutschland aktuell 82 Prozent der Menschen das Gef\u00fchl, dass sich die Welt zu schnell ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Zur Erfindung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert warnten \u00c4rzte, derart hohe Fahrgeschwindigkeiten seien gesundheitssch\u00e4dlich. Beim Telefon gab es die Bef\u00fcrchtung, es f\u00fchre zu sozialer Vereinsamung. Es gebe ein &#8222;Muster der moralischen Panik&#8220;, das Menschen \u00fcblicherweise bei neuen Technologien zeigten, sagt der Kognitionsforscher Christian Montag. Das hei\u00dft aber nicht, dass es nicht tats\u00e4chliche Gefahren gebe.<\/p>\n<p><b>Was ist aktuell anders?<\/b><\/p>\n<p>An vorderster Stelle die Durchdringung. &#8222;Das hat es zuvor noch nie gegeben, dass eine so ma\u00dfgebliche gigantische Ver\u00e4nderung weltweit zeitgleich stattgefunden hat&#8220;, sagt Lindberg, Leiter der Klinischen Entwicklungspsychologie an der Universit\u00e4t Paderborn. Der Gro\u00dfteil der Weltbev\u00f6lkerung habe ein Smartphone. &#8222;Die Allgegenw\u00e4rtigkeit der Ger\u00e4te hat extrem zugenommen in den vergangenen Jahren.&#8220;<\/p>\n<p>Oft viele Dutzend Male t\u00e4glich richtet sich der Blick aufs Handy &#8211; allein schon, weil die Ger\u00e4te zig Funktionen haben: Filme werden geschaut, es wird gezockt, kommuniziert, fotografiert und geshoppt, Bankgesch\u00e4fte erledigt und Nachrichten gelesen. Lindberg hat mit Studenten einmal um die 80 Ger\u00e4tschaften auf einem Tisch platziert, um zu veranschaulichen: &#8222;Das alles kann ein Smartphone&#8220;.<\/p>\n<p>Es sei deshalb Unsinn, das Smartphone an sich zu verteufeln, betonen Fachleute. Ihr Augenmerk richtet sich vor allem auf soziale Medien, deren Business-Modell es ist, Nutzer m\u00f6glichst lange im System zu halten. Smartphone weglegen: unerw\u00fcnscht. Daf\u00fcr werde auf fortw\u00e4hrende Dopamin-Kicks gesetzt, die die Erwartung von immer Neuem belohnen, wie Lindberg erkl\u00e4rt. &#8222;Kurzvideos bieten das im Extrem.&#8220; Die Gew\u00f6hnung an Reize im Sekundentakt sorge aber zum einen daf\u00fcr, dass ein Buch oder eine Giraffe im Zoo weit weniger attraktiv wirke. Zudem nutze sich der Effekt nicht ab, stattdessen entstehe ein Nicht-aufh\u00f6ren-K\u00f6nnen \u00e4hnlich wie am Spielautomaten: &#8222;Noch das Video, dann h\u00f6r ich auf, noch ein einziges mehr &#8211; und so weiter.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Die Nutzungszeit ist extrem &#8211; und all diese Lebenszeit steht uns nicht f\u00fcr andere Dinge zur Verf\u00fcgung&#8220;, sagt der Medienwissenschaftler Ralf Lankau. 168 Stunden hat eine Woche, etwa 50 bis 60 davon schlafen wir. Sagenhafte 72 Stunden pro Woche bewegen sich die Bundesb\u00fcrger inzwischen im Netz, mit keinem anderen Ger\u00e4t mehr als mit dem Smartphone, wie die k\u00fcrzlich vorgestellte &#8222;Postbank Digitalstudie 2025&#8220; ergab. Bei den 18- bis 39-J\u00e4hrigen sind es sogar fast 86 Stunden.<\/p>\n<p>Sieben von zehn Befragten sind regelm\u00e4\u00dfig in sozialen Netzwerken aktiv. Wobei &#8222;aktiv&#8220; es bei vielen nicht so recht trifft: Algorithmen schlagen vor, was wir dort sehen, welcher Minifilm bei Tiktok auf den n\u00e4chsten und den n\u00e4chsten und den n\u00e4chsten folgt. Vielfach sind wir nur stille Konsumenten.<\/p>\n<p>Soziale Medien machen sich Uraltes zunutze: die evolution\u00e4r in unserer Biologie angelegte Eigenschaft, neuen Reizen Aufmerksamkeit zu schenken. Das hatte einst Sinn, um nicht von einem pl\u00f6tzlich auftauchenden S\u00e4belzahntiger gemampft zu werden, wie Lankau erkl\u00e4rt. Und hilft unfassbar reichen M\u00e4nnern, die die Social-Media-Konzerne f\u00fchren, heute dabei, noch reicher zu werden, indem es uns wischend und scrollend am Handy verharren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&#8222;Man m\u00fcsste wohl jeden Tag eine Bibliothek lesen f\u00fcr die vielen Inhalte, die \u00fcber soziale Medien auf viele einprasseln&#8220;, sagt Lankau, Professor f\u00fcr Medientheorie an der Hochschule Offenburg. &#8222;Nur dass niemand so viel Nonsens am St\u00fcck lesen w\u00fcrde.&#8220;<\/p>\n<p><b>Warum machen sich Fachleute vor allem um Heranwachsende Sorgen?<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Wir sehen in Studien einen Zusammenhang zwischen j\u00fcngerem Alter und einer st\u00e4rkeren sucht\u00e4hnlichen Nutzung der sozialen Medien&#8220;, erkl\u00e4rt Montag, der derzeit an der Universit\u00e4t von Macau lehrt. M\u00f6glicherweise sei das darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass der pr\u00e4frontale Kortex dann noch nicht ausgereift ist. Es dauere \u00fcblicherweise bis ins junge Erwachsenenalter, bis Menschen gute Selbstregulationsf\u00e4higkeiten zeigten.<\/p>\n<p>Vielfach w\u00fcrden psychische Probleme junger Menschen mit intensiver Social-Media-Nutzung in Verbindung gebracht, erg\u00e4nzt Lindberg. Urs\u00e4chlich nachzuweisen sei dieser Zusammenhang nur schwer &#8211; allein schon deshalb, weil es keine Vergleichsgruppe ohne Smartphone gibt.<\/p>\n<p>Eine der deutlichsten bereits nachgewiesenen Folgen \u00fcberbordender Handynutzung ist Lindberg zufolge Schlafmangel, der bei Kindern sowohl kurzfristige Folgen etwa f\u00fcr die Lernf\u00e4higkeit als auch langfristige f\u00fcr die Hirnreifung habe.<\/p>\n<p>Einer k\u00fcrzlich pr\u00e4sentierten <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1186\/s12982-025-00923-w\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">Schweizer Studie<\/a> zufolge schlafen Jugendliche besser und erreichen bessere Schulergebnisse, wenn Eltern ihnen abends die Smartphone-Nutzung verbieten und keine Handys \u00fcber Nacht im Zimmer dulden. Im Durchschnitt schliefen die 13- bis 15-J\u00e4hrigen 40 Minuten l\u00e4nger als Altersgenossen, deren Smartphonezeit nicht begrenzt wurde, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift &#8222;Discover Public Health&#8220;.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit dem Gesch\u00e4ftsmodell sozialer Medien, Nutzer m\u00f6glichst lange im System zu halten, werde auch die sogenannte Displacement-Hypothese diskutiert, erkl\u00e4rt Montag. &#8222;Die Logik dahinter lautet, dass die verbrachte Zeit auf den sozialen Medien weg ist f\u00fcr andere wichtigere entwicklungspsychologische Aufgaben.&#8220;<\/p>\n<p>Hinzu kommen indirekte Folgen schon f\u00fcr die J\u00fcngsten, wenn die Eltern Zeit in sozialen Medien statt mit ihnen verbringen, wie Lindberg sagt. Beim Stillen, auf dem Spielplatz: In etlichen Situationen schauen Eltern aufs Handy &#8211; Zeit, die f\u00fcr Kommunikation fehlt. &#8222;Studien zeigen ganz klar, dass soziale Interaktion extrem wichtig f\u00fcr die Entwicklung ist.&#8220;<\/p>\n<p>Lindberg spricht von einem &#8222;weltweiten Sozialexperiment unvergleichlichen Ausma\u00dfes&#8220; ohne Vorabpr\u00fcfung und Kontrollen. Ein Experiment, das sich wom\u00f6glich auf die k\u00fcnftige Zahl an Patenten und nobelpreisw\u00fcrdigen Ideen, auf den Erfindergeist in allen m\u00f6glichen Lebenslagen und auf die Kunst auswirkt.<\/p>\n<p><b>Wieso das?<\/b><\/p>\n<p>Zugrunde liegt unter anderem ein durch soziale Medien aussterbendes Gef\u00fchl: die Langeweile. Sie mag nerven, macht aber kreativ, wie viele Eltern wissen: Wenn der Knirps \u00fcber schreckliche Langeweile klagt, hat er Minuten sp\u00e4ter oft grandiose Spielideen.<\/p>\n<p>Studien zeigen Montag zufolge, dass Gedankenwandern eine Voraussetzung f\u00fcr Kreativit\u00e4t ist. &#8222;Wenn ich in jeder freien Minute von meinem Smartphone absorbiert werde, ist es schwer, in einen reflexiven Modus zu kommen.&#8220;<\/p>\n<p>Kreativit\u00e4t werde immer dann besonders gef\u00f6rdert, wenn der vorgegebene Input m\u00f6glichst gering sei, sagt auch Lankau. &#8222;Ein Holzkl\u00f6tzchen kann alles sein, was ich mir vorstelle.&#8220; Ein Computerspiel lasse daf\u00fcr schon viel weniger Raum, weil alle Handlungsoptionen vorprogrammiert sind, wenn auch mit Varianten. Aber zumindest agiere der Nutzer noch selbst. &#8222;Soziale Medien nutzen die meisten als reine Konsumenten, allenfalls f\u00fcr Likes und Emojis.&#8220;<\/p>\n<p><b>Ist das mit dem Begriff &#8222;Brain rot&#8220; gemeint?<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Brain rot&#8220;, 2024 <a href=\"https:\/\/corp.oup.com\/news\/brain-rot-named-oxford-word-of-the-year-2024\/\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">von Oxford University Press zum Wort des Jahres gew\u00e4hlt<\/a>, bezeichnet den Zustand geistiger Abstumpfung nach dem Dauerkonsum trivialer Online-Inhalte. Montag h\u00e4lt Debatten mit solchen Begriffen f\u00fcr irref\u00fchrend und nicht hilfreich. &#8222;&#8218;Brain rot&#8216; suggeriert schon aufgrund des Namens, dass es aufgrund des massiven Konsums von seichten Onlineinhalten zu einer Art von Hirnverwesung kommt&#8220;, erkl\u00e4rt er. &#8222;Das ist Bl\u00f6dsinn.&#8220;<\/p>\n<p>Der Begriff lenke von den eigentlichen Problemen rund um soziale Medien ab &#8211; etwa nicht altersangemessene Inhalte, K\u00f6rperunzufriedenheit bei st\u00e4ndigem Konsum von Bildmaterial mit unrealistischen K\u00f6rperidealen und Fake News.<\/p>\n<p><b>Und was ist mit der &#8222;Generation Goldfisch&#8220;?<\/b><\/p>\n<p>Der Begriff geht auf eine Pr\u00e4sentation eines gro\u00dfen Unternehmens von 2015 zur\u00fcck, wonach die menschliche Aufmerksamkeitsspanne durch st\u00e4ndige digitale Reiz\u00fcberflutung im Jahr 2013 nur noch acht Sekunden betrug und damit unter der eines Goldfischs (neun Sekunden) lag. Fakt ist: Das ist kein Fakt, sondern ausgedachter Nonsens.<\/p>\n<p>Niemand hat je die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs erfasst, wie Fischexperten betonen. Und auch nicht die eines Menschen, denn: &#8222;Die Aufmerksamkeitsspanne als gemessenen Wert gibt es gar nicht&#8220;, erkl\u00e4rt Lindberg. Aufmerksamkeit sei vielmehr eine Art Scheinwerferlicht, das bestimme, worauf sich die Konzentration richte.<\/p>\n<p><b>Hakt es denn bei der Konzentrationsf\u00e4higkeit?<\/b><\/p>\n<p>Ja und nein. Einem an das st\u00e4ndige Geblinker sozialer Medien gew\u00f6hnten Gehirn kann es tats\u00e4chlich viel schwerer fallen, sich ausdauernd etwa dem Lesen eines Textes zu widmen &#8211; erst recht, wenn das Smartphone in Reichweite ist. &#8222;Habe ich ein Like?&#8220;, &#8222;Hat mir wer geschrieben?&#8220; und &#8222;Hab ich eigentlich dieses Video zu Ende geguckt?&#8220; Solche Gedanken st\u00f6rten dann oft, sagt Lindberg.<\/p>\n<p>Wenn man sich einem Thema widme, dauere es etwa 10 Minuten, um reinzukommen, erkl\u00e4rt Lankau. Anschlie\u00dfend folgten typischerweise 20 bis 30 Minuten konzentriertes Arbeiten, dann eine Pause. Dieser Zyklus wiederhole sich. Das Smartphone mit all seinen Verlockungen verk\u00fcrze die theoretisch m\u00f6gliche pers\u00f6nliche Konzentrationszeit nicht, erschwere es aber, die Konzentration tats\u00e4chlich zu halten. Das birgt die Gefahr, schlechter lernen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Hei\u00dft das, wir werden alle d\u00fcmmer?<\/b><\/p>\n<p>Statistiken weisen auf einen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und Bildungserfolg hin. &#8222;Wir haben in den USA eine Studie durchgef\u00fchrt, in der wir die Bildschirmzeit von den Smartphones in den Kontext der Noten der Studierenden gesetzt haben&#8220;, sagt Montag. Tats\u00e4chlich habe es einen Zusammenhang zwischen l\u00e4ngerer Nutzungszeit der sozialen Medien und schlechteren Noten. &#8222;Zudem gibt es durchaus Evidenz, dass Smartphone-Verbote in Bildungseinrichtungen zu verbesserten Noten f\u00fchren k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Der Datenanalyst <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/a8016c64-63b7-458b-a371-e0e1c54a13fc\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">John Burn-Murdoch hat f\u00fcr die &#8222;Financial Times&#8220;<\/a> Mittelwerte von Langzeitstudien internationaler Organisationen wie der OECD ausgewertet. Demnach sinken die Denk- und Probleml\u00f6sef\u00e4higkeiten von Teenagern im Lesen, Rechnen und bei naturwissenschaftlichen Aufgabenstellungen seit etwa 2010. Ein immer h\u00f6herer Prozentsatz junger Menschen gebe an, sich nicht mehr so gut konzentrieren k\u00f6nnen wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Lankau meint: &#8222;Wenn man als Intelligenz wertet, durch die Anwendung und Kombination von Gelerntem handlungsf\u00e4hig zu sein &#8211; ja, dann werden wir eher d\u00fcmmer.&#8220; Um einem Problem oder einer Fragestellung wirklich auf den Grund zu gehen, m\u00fcsse man Argumente destillieren, lange Texte analysieren und langen Debatten folgen k\u00f6nnen, sagt Lankau. &#8222;Es ist eines der gr\u00f6\u00dften Probleme, das kritisches Denken verlernt wird.&#8220; Demokratien kann dies Experten zufolge gef\u00e4hrlich werden.<\/p>\n<p><b>Was haben denn soziale Medien mit Demokratie zu tun?<\/b><\/p>\n<p>Mehr, als vielen wohl bewusst ist. Soziale Medien seien heute zentral f\u00fcr die Meinungsbildung und als Informationsquelle, sagt Philipp Lorenz-Spreen von der TU Dresden. Gerade junge Menschen nutzten oft gar keine anderen Angebote mehr. Und gerade sie seien empf\u00e4nglich f\u00fcr gezielte Beeinflussung und Manipulation, sagt Lankau.<\/p>\n<p>Um Nutzer im Meer der Belanglosigkeiten gezielt zu locken, muss es in sozialen Medien m\u00f6glichst emotional zugehen, die Botschaften m\u00fcssen einfach sein und die Beitr\u00e4ge nicht so lang, dass der Nutzer gleich wieder das Interesse verliert, erkl\u00e4rt Lorenz-Spreen. Wenige, schnell geschnittene Sekunden sind optimal. In sieben oder auch nur f\u00fcnf Sekunden lassen sich komplexe Sachverhalte schwerlich vermitteln &#8211; sehr wohl aber einfache, m\u00f6glichst moralisch-emotional aufgeladene Botschaften. F\u00fcr extreme Beitr\u00e4ge gibt es die meisten Likes.<\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen wie US-Pr\u00e4sident Donald Trump mit simplen, knalligen Statements seien soziale Medien die perfekte B\u00fchne &#8211; und das wiederum sei brandgef\u00e4hrlich, sagt Lorenz-Spreen. &#8222;Soziale Medien z\u00fcndeln an Gesellschaften, um Geld zu verdienen&#8220;, warnt er. &#8222;Ich wundere mich, dass die Demokratien das so hinnehmen.&#8220;<\/p>\n<p>Studien zeigten, dass die Nutzung sozialer Medien statistisch mit der Unterst\u00fctzung populistischer Parteien einhergeht, mit vermindertem Vertrauen in Institutionen, mit mehr Wir-gegen-die-Gef\u00fchl. Diesen Zusammenhang urs\u00e4chlich zu belegen, sei schwierig, zumal es viele Faktoren wie die Pandemie und die wachsende Ungleichheit gebe, die zu zunehmender Polarisierung beitr\u00fcgen. &#8222;Aber den Sprung von Unzufriedenheit zu Populismus, daf\u00fcr braucht es oft den Einfluss sozialer Medien&#8220;, ist Lorenz-Spreen \u00fcberzeugt. &#8222;Dort werden Feindbilder geschaffen.&#8220;<\/p>\n<p>Soziale Medien beeinflussen auch, welche Nachrichten von klassischen Medien noch aufgegriffen werden, wie \u00dcberschriften dort klingen m\u00fcssen und wie \u00f6ffentliche politische Debatten zu f\u00fchren sind, sagt Lorenz-Spreen. Der f\u00fcr Parteien wie die AfD typische Kommunikationsstil werde normalisiert. Aus sachlicher Ablehnung der &#8222;anderen&#8220; werde &#8211; stark schon in den USA, beginnend auch in Deutschland &#8211; emotionale Ablehnung. &#8222;Bis zu politischer Gewalt ist es dann nicht mehr weit.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mal eben bei Tiktok oder Instagram hereingeschaut und h\u00e4ngengeblieben &#8211; schon wieder ist eine halbe Stunde Lebenszeit weg.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":510559,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1773],"tags":[752,29,214,1050,30,141,471,1780,154,215],"class_list":{"0":"post-510558","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-serien","8":"tag-bildung","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-gehirn","12":"tag-germany","13":"tag-gesundheit","14":"tag-serien","15":"tag-series","16":"tag-social-media","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115400269213862439","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/510558","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=510558"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/510558\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/510559"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=510558"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=510558"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=510558"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}