{"id":511117,"date":"2025-10-19T15:15:13","date_gmt":"2025-10-19T15:15:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/511117\/"},"modified":"2025-10-19T15:15:13","modified_gmt":"2025-10-19T15:15:13","slug":"konzert-in-der-liederhalle-es-swingt-und-fliesst-so-wars-beim-konzert-der-stuttgarter-philharmoniker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/511117\/","title":{"rendered":"Konzert in der Liederhalle: Es swingt und flie\u00dft \u2013 So war\u2019s beim Konzert der Stuttgarter Philharmoniker"},"content":{"rendered":"<p>Ein Hit von Herbie Hancock, Meister des Funk-Jazz, hei\u00dft \u201eChameleon\u201c. Ein Titel, der das Wesen des Jazz genau trifft: Dient doch der Farbwechsel des Cham\u00e4leons nicht nur der Tarnung, sondern vor allem der Kommunikation mit den Artgenossen. Nicht anders der Jazz. Auch er kann jederzeit eine andere Farbe annehmen. Er ist die Kunst der Fusion, er kann jeden Stil integrieren. So vereint er sich gerne auch mit der v\u00f6llig entgegengesetzten Welt der Klassik.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr ist das Saxofonkonzert \u201eStravaganza\u201c (Exzentrik) des walisischen Altmeisters des Klassik-Crossovers, Karl Jenkins. Die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgarter_Philharmoniker\" title=\"Stuttgarter Philharmoniker\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgarter Philharmoniker<\/a> spielten diesen Viers\u00e4tzer (von 2020) jetzt in ihrer \u201eGro\u00dfen Reihe\u201c im Beethovensaal \u2013 mit dem deutschen Saxofonisten Christian Segmehl am Start. <\/p>\n<p>Christian Segmehl spielt das wunderbar <\/p>\n<p>Jenkins hat das zentrale Merkmal des Jazz, das Improvisieren, im Solopart des Sopransaxofons trefflich in fixe Noten \u00fcbersetzt: das st\u00e4ndige klangliche Changieren, das variative Flie\u00dfen von Motiven, Themen und Skalen, die weichen harmonischen Farbwechsel, das rhythmisch geschmeidige Swingen und Synkopieren. Segmehl spielte das wunderbar. Auch den Satz \u201eDreams and Drones\u201c, in dem sich \u00fcber dem fl\u00fcsternd-sanften Klangteppich des Orchesters eine st\u00e4ndiger Verwandlung unterworfene Melodie frei entfaltet. Schon der Beginn war unmittelbar packend: Erst nach groovender Schlagwerkeinleitung betrat Segmehl mit einer swingenden Melodie die B\u00fchne, die die Bl\u00e4serfraktion zum \u201eGespr\u00e4ch\u201c auffordern soll, was spielfreudig angenommen wurde. Auch wenn das rhythmische Fu\u00dfklopfen, mit dem alle Musizierenden den Anfang grundieren sollen, noch etwas vorsichtig wirkte: Im Verlauf dieses auch sinfonisch gedachten Werks zeigten sich die Philharmoniker immer l\u00e4ssiger, bis die Perkussionisten im s\u00fcdamerikanisch inspirierten Finale geradezu aus dem H\u00e4uschen gerieten vor rhythmischer Befreiung.<\/p>\n<p>Schlapper Spannungsbogen <\/p>\n<p>Der s\u00fcdkoreanische Nachwuchsdirigent Samuel Lee, der den Abend leitete, schlug sich derweil wacker. In Mozarts \u201eZauberfl\u00f6ten\u201c-Ouvert\u00fcre wirkte sein Dirigat noch h\u00f6lzern, sp\u00e4ter, in Dukas\u2019 \u201eZauberlehrling\u201c lief\u2019s runder. Und dass der Spannungsbogen in Strawinskys final gespielter \u201eFeuervogel\u201c-Suite schlapp blieb, war keine \u00dcberraschung \u2013 das St\u00fcck h\u00f6rt man selten gut dirigiert. Die meisten Dirigenten, so auch Lee, suchen nach emotionalen Zust\u00e4nden. Das Wesen der Musik Strawinskys ist aber immer t\u00e4nzerisch-choreografisch. Einzelne Klangereignisse minuti\u00f6s zu zelebrieren schl\u00e4fert am Ende ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Hit von Herbie Hancock, Meister des Funk-Jazz, hei\u00dft \u201eChameleon\u201c. 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