{"id":512723,"date":"2025-10-20T07:33:16","date_gmt":"2025-10-20T07:33:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/512723\/"},"modified":"2025-10-20T07:33:16","modified_gmt":"2025-10-20T07:33:16","slug":"mutmasslich-russische-spionage-in-frankfurt-am-main","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/512723\/","title":{"rendered":"Mutma\u00dflich russische Spionage in Frankfurt am Main"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/cola-strohhalm-100.jpg\" alt=\"Strohhalme aus Papier stecken in einem Glas mit Limonade.\" title=\"Strohhalme aus Papier stecken in einem Glas mit Limonade. | picture alliance\/dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 20.10.2025 08:35 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Am Oberlandesgericht Frankfurt beginnt Ende des Jahres ein Spionageprozess gegen drei M\u00e4nner. Sie trafen sich im Juni 2024 in einem Caf\u00e9 und sollen im Auftrag Russlands einen Ukrainer ins Visier genommen haben.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/korrespondent-ts-620.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Holger Schmidt\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schmidt-149.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/korrespondent-ts-472.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Michael G\u00f6tschenberg\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/goetschenberg-105.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;So was h\u00e4tte ich jetzt auch gerne!&#8220;, kommentiert Arman das Foto, das er eben von Robert geschickt bekommen hat: Eine kleine Cola auf einem Bistro-Tisch in der Innenstadt von Frankfurt am Main. Es ist der 19. Juni 2024 um 14:31 Uhr. Eigentlich k\u00f6nnte Arman unproblematisch selbst eine Cola bekommen, denn Robert ist nur wenige Meter entfernt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Arman steht zwischen zwei Caf\u00e9s. Auf der einen Seite eine Sportbar mit Dachterrasse und auf der anderen die &#8222;Bar Celona&#8220;, deren Wortspiel sich den G\u00e4sten vermutlich nicht auf Anhieb erschlie\u00dft. Denn Arman, Robert und ihr ebenfalls anwesender Bekannter Vardges stammen aus Armenien und haben unterschiedliche Staatsangeh\u00f6rigkeiten: Robert ist Ukrainer, Vardges Armenier und Arman Russe. Davon geht jedenfalls Generalbundesanwalt Jens Rommel aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr ihn sind die Cola-interessierten Caf\u00e9-Besucher in diesem Augenblick seine wohl gr\u00f6\u00dfte Sorge. Seine Ermittler sind \u00fcberzeugt: Die drei sind Spione. Oder sogar Mordgehilfen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wahrscheinlich Hunderte Menschen gehen an diesem Juni-Nachmittag zwischen den beiden Caf\u00e9s durch die Stra\u00dfe Holzgraben. Die drei M\u00e4nner fallen nicht besonders auf und offenbar bemerkt auch niemand, dass sich Spezialkr\u00e4fte der hessischen Polizei ebenfalls unter die Touristen und Passanten gemischt haben. Die drei Verd\u00e4chtigen und die vielen Polizisten sind hoch nerv\u00f6s.<\/p>\n<p>    Warten auf &#8222;Mikael&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Robert, Vardges und Arman hoffen, dass sich ein vierter Mann zu ihnen gesellt. Mit ihm sind sie seit 14 Uhr verabredet, und sie werden eine Stunde auf ihn warten, bis sie gegen 15 Uhr aufgeben und nach Hause fahren wollen. Das wird der Moment sein, an dem die Spezialkr\u00e4fte der Polizei sie mitten in der Frankfurter Innenstadt im laufenden Verkehr stoppen und festnehmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Beamten wissen die ganze Zeit \u00fcber, dass der vierte Mann, &#8222;Mikael&#8220; nicht kommen wird. Er hat der Polizei von der Caf\u00e9-Einladung berichtet. Weil er bef\u00fcrchtete, ermordet zu werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist ein verworrener Fall, mit dem sich der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt in den kommenden Monaten befassen muss. Es geht um Spionage, ein m\u00f6gliches Mordkomplott und ein potenzielles Opfer Mikael, gegen das der Generalbundesanwalt ebenfalls ermittelt, weil er als Soldat f\u00fcr die Ukraine gek\u00e4mpft und dabei Kriegsverbrechen begangen haben soll.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist eine Ermittlung, bei der es schwer ist, die verworrenen Zusammenh\u00e4nge zu verstehen und zu entscheiden, wo die Grenzen zwischen Strafbarkeit und Patriotismus, Soldatentum und Kriegsverbrechen, Spionage und Caf\u00e9-Besuch verlaufen.<\/p>\n<p>    Rache am mutma\u00dflichen Kriegsverbrecher?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Laut Anklage h\u00e4ngen die Dinge so zusammen: Mikael hatte als Soldat in der Ukraine gegen die Russen gek\u00e4mpft. Er soll auf einem Video zu sehen sein, in dem russische Soldaten hingerichtet werden, und es besteht der Verdacht, dass das ein Kriegsverbrechen war. Dieses Video hatte in Russland f\u00fcr gro\u00dfe mediale Emp\u00f6rung und Todesdrohungen gesorgt. Dann aber verbreitete sich die Nachricht, Mikael sei im Krieg gefallen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich ist Mikael noch am Leben und h\u00e4lt sich in Deutschland versteckt. Davon erfuhr der Generalbundesanwalt, der ein Verfahren wegen des m\u00f6glichen Kriegsverbrechens gegen ihn einleitete. Denn die Karlsruher Beh\u00f6rde verfolgt entlang des Weltrechtsprinzips nicht nur m\u00f6gliche russische, sondern auch m\u00f6gliche ukrainische Kriegsverbrechen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einige Wochen sp\u00e4ter meldete sich auf Mikaels Handy pl\u00f6tzlich ein &#8222;Jaroslav&#8220; und teilte mit, dass er sein neuer Ansprechpartner beim ukrainischen Geheimdienst sei. Jaroslav wolle sich mit Mikael treffen, er habe Beobachtungsauftr\u00e4ge f\u00fcr ihn und bot ihm daf\u00fcr auch eine gro\u00dfz\u00fcgige Bezahlung an.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch als Mikael seinen eigentlichen Ansprechpartner beim ukrainischen Geheimdienst nach Jaroslav fragte, wusste man von nichts. Daraufhin wandte sich Mikael an die hessische Polizei und war &#8222;in gr\u00f6\u00dfter Sorge&#8220; um sein Leben, wie es ein Ermittler formuliert.<\/p>\n<p>    Showdown im Caf\u00e9<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In den Wochen darauf meldete sich Jaroslav immer wieder bei Mikael und dr\u00e4ngte auf ein pers\u00f6nliches Treffen. Am 19. Juni 2024 sollte es dann so weit sein. Treffpunkt 14 Uhr in der Bar Celona. In abwechselnder Besetzung warteten Arman, Robert und Vardges. Immer wieder kontaktierte Jaroslav, der wohl keiner dieser drei M\u00e4nner ist und auch nicht vor Ort gewesen sein soll, Mikael und dr\u00e4ngte, wann er denn kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mikael erfand immer neue Ausreden: einen Arzttermin, eine Versp\u00e4tung seiner Frau, sogar eine Polizeikontrolle. Die M\u00e4nner im Caf\u00e9 daddelten auf ihren Handys, verschickten Cola-Fotos oder flirteten virtuell mit ihren Geliebten. Gegen 15 Uhr gaben sie auf &#8211; und sitzen nun seit ihrer Festnahme als mutma\u00dfliche Spione in Untersuchungshaft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Immerhin steht inzwischen fest, dass Mikael wahrscheinlich an diesem Tag nicht unmittelbar h\u00e4tte ermordet werden sollen. Jedenfalls fand die Polizei weder Schusswaffen noch Gift bei den M\u00e4nnern. Lediglich ein inaktiver GPS-Tracker wurde gefunden &#8211; und eine Menge elektronische Spuren auf ihren Handys, darunter auch ein Foto von Mikael.<\/p>\n<p>    Vorw\u00fcrfe schwer zu beweisen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So bleibt zun\u00e4chst offen, wie es h\u00e4tte weitergehen sollen. Experten von Polizei und Verfassungsschutz halten es f\u00fcr m\u00f6glich oder sogar wahrscheinlich, dass es perspektivisch um eine Ermordung von Mikael h\u00e4tte gehen sollen. Rache f\u00fcr die get\u00f6teten Soldaten w\u00e4re das m\u00f6gliche Motiv und spektakul\u00e4re, angsteinfl\u00f6\u00dfende Aktionen die Handschrift der russischen Geheimdienste.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch vor Gericht in Frankfurt am Main wird das alles kaum zu beweisen sein. Hier bleibt der Vorwurf der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit. Es drohen bis zu f\u00fcnf Jahre Haft. Oder ist alles nur ein Missverst\u00e4ndnis? Rechtsanwalt Daniel Beisel verteidigt Robert und sagt: &#8222;Mein Mandant ist nur zuf\u00e4llig und nicht wissentlich in die Situation geraten. Er war nur der Fahrer.&#8220;<\/p>\n<p>    T\u00f6tungen durch russische Geheimdienste<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In den vergangenen Jahren gab es immer wieder F\u00e4lle, in denen russische Geheimdienste gezielte T\u00f6tungen in westlichen L\u00e4ndern vorgenommen haben &#8211; offensichtlich aus Rache. In Berlin wurde im August 2019 am helllichten Tag im Kleinen Tiergarten der tschetschenische Georgier Selimchan Changoschwili <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/russland-auftragsmord-tiergarten-berlin-krassikow-100.html\" title=\"Auftragsm\u00f6rder Krassikow - kaltbl\u00fctig und professionell\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">von einem Killer des russischen Geheimdienstes FSB erschossen.<\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der T\u00e4ter wurde in Berlin gefasst, verurteilt und im vergangenen Jahr im Zuge eines gro\u00dfen Gefangenenaustauschs an Russland \u00fcberstellt. Dass er am Flughafen pers\u00f6nlich vom russischen Pr\u00e4sident Wladimir Putin mit einer Umarmung in Empfang genommen wurde, sprach B\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/skripal-opcw-101.html\" title=\"Fall Skripal - Internationale Experten ermitteln in London\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die versuchte Ermordung des ehemaligen russischen Geheimagenten Sergej Skripal<\/a> im britischen Salisbury mit dem Nervengift Nowitschok ist ein weiteres Beispiel f\u00fcr eine gezielte T\u00f6tung durch russische Geheimdienste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 20.10.2025 08:35 Uhr Am Oberlandesgericht Frankfurt beginnt Ende des Jahres ein Spionageprozess gegen drei M\u00e4nner. 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