{"id":513321,"date":"2025-10-20T13:09:12","date_gmt":"2025-10-20T13:09:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/513321\/"},"modified":"2025-10-20T13:09:12","modified_gmt":"2025-10-20T13:09:12","slug":"rheinland-pfalz-saarland-von-syrien-ans-steuer-eines-mainzer-linienbusses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/513321\/","title":{"rendered":"Rheinland-Pfalz &#038; Saarland: Von Syrien ans Steuer eines Mainzer Linienbusses"},"content":{"rendered":"<p><strong>In Rheinland-Pfalz fehlen Busfahrerinnen und Busfahrer. In Mainz sorgt ein vom Land gef\u00f6rdertes Projekt f\u00fcr Abhilfe, in Trier gehen die Stadtwerke einen etwas anderen Weg. Kreativit\u00e4t ist gefragt.<\/strong><\/p>\n<p>Mainz (dpa\/lrs) &#8211; Mothana Khder kam 2020 aus Syrien nach Deutschland. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter sitzt er am Steuer eines Busses der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG). Der Job des Busfahrers mache ihm Spa\u00df, sagt der 30-J\u00e4hrige, er m\u00f6ge den direkten Kontakt mit Menschen. Nach einer Ausbildung zum Heizungsinstallateur fand er zun\u00e4chst keine Stelle, wie er erz\u00e4hlt. Dann machte er bei dem vom Land Rheinland-Pfalz gef\u00f6rderten Projekt &#8222;Momentum Mobilit\u00e4t&#8220; mit, das Quereinsteiger zu Busfahrern qualifiziert &#8211; mit Erfolg. Er sei sehr froh, jetzt einen sicheren Job zu haben, sagt Khder.\u00a0<\/p>\n<p>Er ist einer von mittlerweile 59 Menschen, darunter sieben Frauen, die an &#8222;Momentum Mobilit\u00e4t&#8220; teilnehmen beziehungsweise teilgenommen haben seit dem Start im Herbst 2022. Die Altersspanne reicht von 25 Jahren bis Mitte 50. Elf Teilnehmer haben erst vor Kurzem begonnen, geh\u00f6ren zur vierten F\u00f6rderrunde. Deren Kosten belaufen sich auf rund 130.000 Euro. Das Land tr\u00e4gt 55 Prozent, das Jobcenter Mainz 30 und die Mainzer Verkehrsgesellschaft 15 Prozent.\u00a0<\/p>\n<p>Fahrschule, Simulator und Alltagshilfe<\/p>\n<p>26 Personen, darunter Khder, haben ihre Fahrpr\u00fcfung bereits erfolgreich absolviert und sind mit Bussen auf den Stra\u00dfen der Landeshauptstadt unterwegs. Andere sind gerade in der Fahrausbildung, wie Alaboud Haytham. Auch er kommt aus Syrien, demn\u00e4chst steht seine Pr\u00fcfung an. Autofahren sei schon immer sein Hobby gewesen, erz\u00e4hlt er, dazu passe der Beruf des Busfahrers gut. Damit k\u00f6nne er nun selbst Geld f\u00fcr seine Familie verdienen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Besondere am Projekt &#8222;Momentum Mobilit\u00e4t&#8220;, das sich an arbeitslose Menschen im SGB-II-Bezug richtet, also an Empf\u00e4nger von B\u00fcrgergeld, ist die Kooperation von MVG, Jobcenter und dem Bildungstr\u00e4ger &#8222;Arbeit und Leben&#8220;. Der Busf\u00fchrerschein wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einer normalen Fahrschule erworben, dann folgt eine betriebsspezifische Ausbildung bei der MVG, unter anderem in einem Simulator. Da geht es etwa um MVG-spezifische Abl\u00e4ufe, um konkrete Busrouten oder Besonderheiten beim Fahren eines Gelenkbusses. Hinzu kommt gezielte Sprachf\u00f6rderung.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Arbeit und Leben&#8220; unterst\u00fctzt die Projektteilnehmer zudem bei ganz allt\u00e4glichen Fragen abseits des eigentlichen Jobs, wie die Leiterin der Mainzer Zweigstelle des Bildungstr\u00e4gers, Doris Hormel, erkl\u00e4rt. Mal gehe es um das Thema Aufenthaltsgenehmigung, mal darum, was man machen k\u00f6nne, wenn Schimmel in der eigenen Wohnung sei, mal um einen Kita-Platz f\u00fcr die Kinder, mal um Schulfragen. Sie wei\u00df an dem Projekt besonders zu sch\u00e4tzen, dass auf die Teilnehmer nach der Qualifizierung ein konkreter Arbeitsplatz wartet.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Busfahrermangel ist l\u00e4ngst in der Fl\u00e4che angekommen&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr die Mainzer Verkehrsgesellschaft sei &#8222;Momentum Mobilit\u00e4t&#8220; weit mehr als ein Qualifizierungsprojekt, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Florian Wiesemann. Es gehe auch um Vielfalt im Unternehmen und um gesellschaftliche Teilhabe. Die MVG sei mittlerweile in der gl\u00fccklichen Lage, keinen Fahrermangel mehr zu haben. Dennoch sei sofort klar gewesen, dass es mit dem Projekt weitergehen soll.\u00a0<\/p>\n<p>Dass jenseits der MVG sehr wohl h\u00e4nderingend nach Fahrern gesucht wird, betont Guido Borning, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbandes des Verkehrsgewerbes Rheinland-Pfalz. Er verweist auf Erhebungen, wonach bundesweit rund 25.000 Busfahrerinnen und Busfahrer fehlen, davon etwa 20.000 allein im \u00d6PNV. In Rheinland-Pfalz klagten in nahezu allen Regionen private wie \u00f6ffentliche Busunternehmen \u00fcber unbesetzte Fahrerststellen.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Der Busfahrermangel ist in Rheinland-Pfalz l\u00e4ngst in der Fl\u00e4che angekommen \u2013 besonders in den l\u00e4ndlichen Regionen, wo der \u00d6PNV ohnehin auf Kante gen\u00e4ht ist&#8220;, sagt Borning. Projekte wie das in Mainz seien ein gutes Signal, Borning h\u00e4lt sie aber fl\u00e4chendeckend f\u00fcr notwendig. Gleichzeitig m\u00fcsse die \u00f6ffentliche Hand anerkennen, dass gute Arbeit auch fair bezahlt werden m\u00fcsse, Tarifsteigerungen geh\u00f6rten in die \u00d6PNV-Finanzierung mit hinein.\u00a0<\/p>\n<p> Kooperation mit Sprachschulen im Kosovo und in Madagaskar<\/p>\n<p>Fragt sich, warum das Projekt in Mainz nicht auf weitere Regionen ausgedehnt wird? Arbeitsministerin D\u00f6rte Schall (SPD) betont, ihr Haus sei auch auf andere Verkehrsbetriebe zugegangen. Der f\u00fcr die anfallende Aufwand und die Eigenbeteiligung an den Kosten k\u00f6nnten jedoch H\u00fcrden darstellen. Klar sei aber auch, dass Anstrengung n\u00f6tig sei, um an gute Mitarbeiter zu kommen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dem Ministerium zufolge sind von den 48 Projektteilnehmern bis Ende September dieses Jahres 43 in Arbeit, das sei eine &#8222;Erfolgsquote&#8220; von 90 Prozent. Die MVG rechnet vor, dass 70 Prozent der Teilnehmer auch nach zwei Jahren noch bei der Verkehrsgesellschaft t\u00e4tig seien. Das sei ein in der Branche &#8222;sehr hoher Wert&#8220;, betont Wiesemann.\u00a0<\/p>\n<p>Dass der Job des Busfahrers und der Busfahrerin ein sogenannter Mangelberuf ist, betonen auch die Stadtwerke Trier. Die besch\u00e4ftigen nach eigenen Angaben 220 Fahrerinnen und Busfahrer, zehn Stellen sind vakant. Um Personal zu finden, sind die Stadtwerke im In-, aber auch im Ausland aktiv. Kooperiert wird beispielsweise mit Sprachschulen im Kosovo und in Madagaskar.\u00a0<\/p>\n<p>Anreize sollen Besch\u00e4ftigte halten<\/p>\n<p>Im Kosovo seien bisher neun Fahrer gewonnen worden, sechs junge Menschen seien aus Madagaskar eingewandert, um sich bei den Stadtwerken ausbilden zu lassen. Die Kooperationen resultierten aus der Mitarbeit in Netzwerken wie dem &#8222;Netzwerk Unternehmen integrieren Fl\u00fcchtlinge&#8220;. Ferner liefen Kooperationen mit der Arbeitsagentur.<\/p>\n<p>Die Trierer Stadtwerke kommen Fahrern nach M\u00f6glichkeit auch mit &#8222;Wunschdienstpl\u00e4nen&#8220; entgegen, setzen auf Weiterbildung oder auf Anreize wie einem Zuschuss zum Deutschlandticket oder zu einer Fitnessstudio-Mitgliedschaft, f\u00fcr ein Jobrad oder anderes, um Besch\u00e4ftigte zu halten.<\/p>\n<p>Ob &#8222;Momentum Mobilit\u00e4t&#8220; oder ein Engagement wie in Trier \u2013 hier wie dort wird betont, dass das Ergebnis einen gewissen Mehraufwand bei der Qualifizierung rechtfertige. Das lohne sich, sagt MVG-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Wiesemann. Ministerin Schall erg\u00e4nzt: &#8222;Es ist wichtig, Menschen auf dem Weg zur Fachkraft zu begleiten.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Rheinland-Pfalz fehlen Busfahrerinnen und Busfahrer. 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