{"id":513910,"date":"2025-10-20T18:35:12","date_gmt":"2025-10-20T18:35:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/513910\/"},"modified":"2025-10-20T18:35:12","modified_gmt":"2025-10-20T18:35:12","slug":"wer-schreib-den-irseer-psalter-eine-kunsthistorikerin-forscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/513910\/","title":{"rendered":"Wer schreib den Irseer Psalter? Eine Kunsthistorikerin forscht"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eSprich den zweiten Psalm \u00fcber Diebe, dass Gott sie bekehre oder die Christenheit von Ihnen befreie\u201c \u2013 so in etwa hei\u00dft es in heutige Sprache \u00fcbersetzt in einer der wertvollsten Handschriften <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/staatsbibliothek-in-augsburg-packt-gewaltigen-erweiterungsneubau-an-109165898\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">im Besitz der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg<\/a>, im sogenannten Irseer Psalter. Dem aus dem fr\u00fchen 13. Jahrhundert stammenden Werk widmet sich jetzt eine Publikation der Wiener Kunsthistorikerin Christine Beier, Expertin f\u00fcr die Buchmalerei des Mittelalters.\u00a0\n  <\/p>\n<p>            Im Irseer Psalter wurden die Psalmen K\u00f6nig Davids kommentiert<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Solche in volkssprachigem Deutsch verfasste Gebetsanweisungen zeigen, so Beier, welche Sorgen und N\u00f6te es auch im Mittelalter schon gab und was dagegen helfen sollte. Sie sind eine wichtige Quelle zur deutschen Sprachgeschichte inmitten der ansonsten in Latein gehaltenen Literatur. Im Irseer Psalter kommentieren sie die 150 K\u00f6nig David zugeordneten <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/konzertkritik-trost-aus-tiefe-und-not-augsburger-vokalensemble-singt-werke-von-rutter-und-jana-ek-103634148\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Psalmen aus dem Alten Testament, die den Hauptinhalt des Werkes bilden<\/a>. Die Gebetspraxis der benediktinischen M\u00f6nche sah es seit dem sechsten Jahrhundert vor, dass diese Psalmen w\u00f6chentlich gebetet werden sollten, so der Leiter der Staats- und Stadtbibliothek Karl-Georg Pf\u00e4ndtner. Mit aufwendigen Initialen eingeleitet, strukturierten sie den Gebets- und damit auch Tagesablauf der M\u00f6nche.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ferner findet sich ein immerw\u00e4hrender Kalender zur Bestimmung der Festtage und eine Litanei der anzurufenden Heiligen im Psalter, aber auch eine Wiedergabe des Alphabetes. Psalter dienten der Schulbildung und lehrten nicht nur Latein, sondern schufen auch die Voraussetzung, Texte lesen zu k\u00f6nnen.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/112591144\/crop\/c9_16-w100\/1109450681\/1142345938\/sustbacim73bl6rsk2abb15.jpg\" alt=\"Einblick in den Irseer Psalter: Anfang der Psalmen mit Initiale &quot;B&quot;.\" title=\"Einblick in den Irseer Psalter: Anfang der Psalmen mit Initiale &quot;B&quot;.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Einblick in den Irseer Psalter: Anfang der Psalmen mit Initiale &#8222;B&#8220;.<br \/>\n    Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Einblick in den Irseer Psalter: Anfang der Psalmen mit Initiale &#8222;B&#8220;.<br \/>\n    Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg<\/p>\n<p>            Christine Beier suchte nach dem Ursprung des Irseer Psalters<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/restitution-und-provenienz-das-ist-sophia-barth-coorssens-auftrag-112171248\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Mit der S\u00e4kularisation kam der Psalter 1802 vom Irseer Kloster nach Augsburg<\/a> und gut 200 Jahre sp\u00e4ter gelang es Christine Beier, ihn zeitlich, \u00f6rtlich und funktionell genauer einzuordnen: Es handelt es sich wohl um ein Exemplar, das in die Anfangszeit der Psalter-Mode um 1210 datiert, in der es nicht viele vergleichbare Exemplare gab. Und er war wohl f\u00fcr eine private Nutzung au\u00dferhalb eines Klosters gedacht. Ersichtlich ist das aus kleinen Notizen, die sogar einen Schluss auf ganz konkreten Person zulassen. Die Erw\u00e4hnung des Todestages Berthold von Ronsbergs, dem Gr\u00fcnder des Klosters Irsee, ordnet ihn dem Besitz dieser Adelsfamilie und ihrer Nachkommen zu. Vermutlich wurde das Buch als Auftragsarbeit speziell f\u00fcr Bertholds Schwester Irmengard angelegt. Nichts Ungew\u00f6hnliches, denn im 13. Jahrhunderts waren es vor allem Frauen, die Lesen und Schreiben lernten, w\u00e4hrend die Herren sich der Kriegskunst zu widmen hatten, so Christine Beier. Das zeigen auch viele zeitgen\u00f6ssische Darstellungen von psalterlesenden Damen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Was die Urheberschaft des Werkes betrifft, so ist ein Kloster und damit speziell jenes in Irsee als Auftragnehmer sehr wahrscheinlich, aber nicht nachweisbar.\u00a0Als relativ sicher gilt nur der Buchbinder, der aus der Region stammte und dem Psalter 300 Jahre sp\u00e4ter einen neuen Einband gab. Er arbeitet vermutlich vor Ort in der benediktinischen Bibliothek oder aber in einer Kaufbeurer Werkstatt. Zur gleichen Zeit erhielt das Buch zwei zus\u00e4tzliche, wertvolle Miniaturen im byzantinischen Stil, sowie eine aufwendige farbliche Neufassung der gemalten Initialen. Besonders interessant ist die zeitgleiche Skizze einer Burg, die ohne Bezug zum Buchinhalt in den Innendeckel des Einbandes gezeichnet und kurze Zeit sp\u00e4ter schon \u00fcberklebt wurde. Es k\u00f6nnte sich hierbei um die Burg Ronsberg oder die fr\u00fchere Stammburg in Irsee handeln, aber das ist umstritten.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/112591114\/crop\/c9_16-w100\/478261567\/710361710\/sustbacim73vdeckelinnensk2abb2.jpg\" alt=\"Zeichnung einer Burg auf der Innenseite des Einbanddeckels des Irseer Psalters \u2013 ist es etwa die Burg Ronsberg?\" title=\"Zeichnung einer Burg auf der Innenseite des Einbanddeckels des Irseer Psalters \u2013 ist es etwa die Burg Ronsberg?\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Zeichnung einer Burg auf der Innenseite des Einbanddeckels des Irseer Psalters \u2013 ist es etwa die Burg Ronsberg?<br \/>\n    Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Zeichnung einer Burg auf der Innenseite des Einbanddeckels des Irseer Psalters \u2013 ist es etwa die Burg Ronsberg?<br \/>\n    Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg<\/p>\n<p>            Christine Beier fasziniert das Eigenleben des Werks vom Kloster Irsee<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wie auch immer, Christine Beier ist fasziniert von dem Eigenleben, das dem Werk innewohnt. Es zeigt Spuren jahrhundertelanger Nutzung und Umnutzung und erz\u00e4hlt etwas \u00fcber das Leben der Menschen, was sie gelernt, geglaubt und gebetet haben. Wir erfahren etwas aus einer Zeit, \u00fcber die es neben Urkunden und vereinzelten Handschriften nicht sonderlich viele Quellen gibt, und entdecken Dinge, die uns wie der immerw\u00e4hrende Kalender heute noch immer vertraut sind, sagt sie.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ihre detaillierte Publikation bildet in sehr hochwertigen Fotografien ausgew\u00e4hlte Seiten des Psalters ab. Wer weitergehende Studien betreiben m\u00f6chte, der kann\u00a0das vollst\u00e4ndig digitalisierte Buch unter dem Stichwort \u201eIrseer Psalter\u201c finden. Das gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr 98.000 von insgesamt 120.000 Titel aus dem Bestand der B\u00fccher vor 1800, welche die Staats- und Stadtbibliothek bereits in vollem Umfang ins Netz gestellt hat.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Info: <\/strong>Christine Beier, \u201eDer Irseer Psalter in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg\u201c, Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 2025, f\u00fcr 20 Euro vor Ort erh\u00e4ltlich. \u00a0\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Andreas Garitz<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Irsee<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Augsburg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eSprich den zweiten Psalm \u00fcber Diebe, dass Gott sie bekehre oder die Christenheit von Ihnen befreie\u201c \u2013 so&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":513911,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-513910","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115407941374853025","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/513910","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=513910"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/513910\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/513911"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=513910"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=513910"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=513910"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}