{"id":514030,"date":"2025-10-20T19:56:15","date_gmt":"2025-10-20T19:56:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514030\/"},"modified":"2025-10-20T19:56:15","modified_gmt":"2025-10-20T19:56:15","slug":"weibliche-kanarienvoegel-koennen-ein-leben-lang-singen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514030\/","title":{"rendered":"Weibliche Kanarienv\u00f6gel k\u00f6nnen ein Leben lang singen"},"content":{"rendered":"<p class=\"h3 subtitle serif\">Das Gehirn der V\u00f6gel bleibt zeitlebens plastisch\u00a0<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"Foto eines weiblichen Kanariengirlitzes auf einer Mauer\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/original-1760947477.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"Weibliche Kanarienv\u00f6gel singen nicht, ihr Gehirn h\u00e4lt jedoch die F\u00e4higkeit zum Singen lebenslang aufrecht. Die Studie zeigt, dass inaktive neuronale Schaltkreise bei Bedarf aktiviert werden k\u00f6nnen.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760990175_926_original-1760947477.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"Foto eines weiblichen Kanariengirlitzes auf einer Mauer\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Weibliche Kanarienv\u00f6gel singen nicht, ihr Gehirn h\u00e4lt jedoch die F\u00e4higkeit zum Singen lebenslang aufrecht. Die Studie zeigt, dass inaktive neuronale Schaltkreise bei Bedarf aktiviert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_25568111\">\n          \u00a9 MPI f\u00fcr biologische Intelligenz\/ Stefan Leitner\n        <\/p>\n<p>\n          Weibliche Kanarienv\u00f6gel singen nicht, ihr Gehirn h\u00e4lt jedoch die F\u00e4higkeit zum Singen lebenslang aufrecht. Die Studie zeigt, dass inaktive neuronale Schaltkreise bei Bedarf aktiviert werden k\u00f6nnen.\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 MPI f\u00fcr biologische Intelligenz\/ Stefan Leitner\n        <\/p>\n<p>Auf den Punkt gebracht<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Plastizit\u00e4t des Gehirns<\/strong>: Das Gehirn weiblicher Kanarienv\u00f6gel h\u00e4lt die F\u00e4higkeit zum Singen lebenslang aufrecht, obwohl die V\u00f6gel normalerweise nicht singen. Dies zeigt, dass inaktive neuronale Schaltkreise bei Bedarf aktiviert werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Ver\u00e4ndertes Verhalten<\/strong>: Eine f\u00fcr den Gesang wichtige Gehirnregion (\u201eHVC\u201c) nimmt\u00a0nicht an Gr\u00f6\u00dfe zu, damit V\u00f6gel Gesang produzieren k\u00f6nnen. Stattdessen \u00e4ndern unter Hormoneinfluss bestehende Neuronen ihr Verhalten: Sie werden mehr oder weniger aktiv, verst\u00e4rken oder schw\u00e4chen ihre Verbindungen und ver\u00e4ndern ihre Genexpressionsmuster.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das menschliche Gehirn, von dem man einst annahm, dass es nach der Kindheit einen Gro\u00dfteil seiner Flexibilit\u00e4t verliert, \u00e4ndert sich w\u00e4hrend des gesamten Lebens fortlaufend. Es erholt sich von Verletzungen, lernt neue F\u00e4higkeiten und passt sich Herausforderungen an \u2013 eine bemerkenswerte Eigenschaft, die als Neuroplastizit\u00e4t bezeichnet wird. Singv\u00f6gel zeigen eine \u00e4hnliche Neuroplastizit\u00e4t auf saisonaler Basis: Ver\u00e4nderungen im Gehirn erm\u00f6glichen es ihnen, w\u00e4hrend der Brutzeit kunstvolle Ges\u00e4nge zu singen, und selbst nach Jahren mit reduziertem Gesang k\u00f6nnen sie ihr volles Stimmrepertoire wiedererlangen. Dies wirft eine grundlegende Frage auf: Wie bewahrt das Gehirn diese komplexen F\u00e4higkeiten, selbst wenn sie nicht aktiv genutzt werden?<\/p>\n<p>Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts f\u00fcr biologische Intelligenz in Seewiesen befasst sich mit dieser Frage und konzentriert sich dabei auf weibliche Kanarienv\u00f6gel. In der Studie untersucht wurde die Wildform der Kanarienv\u00f6gel: Der Kanariengirlitz. Die Weibchen der Kanarienv\u00f6gel singen normalerweise nicht, verf\u00fcgen aber dennoch \u00fcber die vollst\u00e4ndige neuronale Ausstattung f\u00fcr den Gesang. So wie Menschen spezielle Gehirnregionen f\u00fcr die Sprache haben, haben Singv\u00f6gel spezielle Regionen f\u00fcr den Gesang entwickelt. Die Gesangsf\u00e4higkeit von Kanarienv\u00f6geln ist teils angeboren, teils durch \u00dcbung erlernt. Das Hormon Testosteron ist dabei wichtig. Es steigt im Blutspiegel bei M\u00e4nnchen w\u00e4hrend der Brutzeit stark an. Durch die Gabe von Testosteron an Weibchen konnte das Team \u00fcber mehrere Wochen beobachten, wie ihre schlummernde Gesangsf\u00e4higkeit aktiviert wurde und sie ihre neu entdeckten Stimmen verfeinerten.<\/p>\n<p>HVC w\u00e4chst nicht<\/p>\n<p>Mit traditionellen Bildgebungsverfahren hatten Forschende zuvor beobachtet, dass eine f\u00fcr den Gesang wichtige Hirnregion in den Bildern singender Kanarienv\u00f6gel viel gr\u00f6\u00dfer erscheint als bei nicht-singenden, zum Beispiel w\u00e4hrend der Brutzeit. Durch die Nachverfolgung einzelner Gehirnzellen in diesem sogenannten HVC durch eine Kombination aus moderner Mikroskopie und Genexpressionsstudien, ergab sich jedoch ein anderes Bild. Die Neuronen bewegten sich nicht auseinander oder vermehrten sich, wie es bei Wachstum erwartet worden w\u00e4re \u2013 stattdessen wurden sie aktiver, st\u00e4rkten Verbindungen, steigerten ihre Aktivit\u00e4t, ver\u00e4nderten die Genexpression und waren leichter zu erkennen. Deshalb erschien der HVC auch auf den Bildern gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Die Genexpressionen zeigen, dass Testosteron diese Ver\u00e4nderungen im gesamten HVC orchestriert, ohne dessen Gr\u00f6\u00dfe zu ver\u00e4ndern\u201c, sagt Shouwen Ma, Wissenschaftler in der Abteilung Verhaltensneurobiologie am Max-Planck-Institut f\u00fcr biologische Intelligenz. \u201eEntscheidend ist, dass der HVC seine Gr\u00f6\u00dfe und neuronale Architektur auch dann beibeh\u00e4lt, wenn er nicht genutzt wird. So k\u00f6nnen V\u00f6gel auch nach Jahren ohne Gesang ihre komplexen Gesangsf\u00e4higkeiten wiedererlangen. Unsere Ergebnisse veranschaulichen, dass das Gehirn Strukturen nicht von Grund auf neu aufbauen muss. Die neuronalen Mechanismen bleiben bereit und warten nur darauf, aktiviert zu werden \u2013 das ist auch, was mich an dieser Entdeckung so begeistert.\u201c<\/p>\n<p>Best\u00e4ndige F\u00e4higkeit zu singen\u00a0<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit zum Singen erwies sich als bemerkenswert best\u00e4ndig \u2013 die Forschenden konnten sogar siebenj\u00e4hrige Weibchen zum Singen bringen, was weit \u00fcber ihre typische Lebensdauer in freier Wildbahn hinaus geht.\u00a0\u201eDieses Projekt war f\u00fcr die Abteilung eine bedeutende und kumulative Anstrengung. Wir haben genomische Werkzeuge verfeinert, um die molekularen Grundlagen des Gesangsverhaltens von Kanarienv\u00f6geln mit hoher Aufl\u00f6sung zu untersuchen. Dies reicht von der Genomsequenzierung bis hin zu ausgefeilten bioinformatischen Methoden, die die Genexpression visualisieren, um die Architektur des Gehirns aufzudecken. Diese Diversifizierung des Wissens legt die Grundlage f\u00fcr neue Forschungsbereiche, wie beispielsweise dem Verst\u00e4ndnis, wie Arten mit unterschiedlichen Hormonsystemen umgehen\u201c, sagt Carolina Frankl-Vilches, Forscherin in der Abteilung f\u00fcr Verhaltensneurobiologie.<\/p>\n<p>\u201eIndem wir untersuchen, wie sich das Verhalten einzelner Zellen \u00e4ndert, decken wir grundlegende Prinzipien der Plastizit\u00e4t des Gehirns auf. So erfahren wir, wie das Gehirn seine F\u00e4higkeit zu innovativen Ver\u00e4nderungen w\u00e4hrend des gesamten Lebens beibeh\u00e4lt,\u201c sagt Manfred Gahr, Direktor der Abteilung. \u201eDas Verst\u00e4ndnis dieser Mechanismen \u2013 also wie Hormone Ver\u00e4nderungen in Gehirnzellen ausl\u00f6sen, wie neuronale Schaltkreise ihre Struktur und Flexibilit\u00e4t bewahren \u2013 k\u00f6nnte Aufschluss \u00fcber die allgemeineren Prinzipien der Plastizit\u00e4t des Gehirns geben. Damit k\u00f6nnten auch weitergehende Fragen beantwortet werden, zum Beispiel, wie alternde Gehirne ihre Anpassungsf\u00e4higkeit erhalten oder welche Mechanismen die Genesung nach einem Schlaganfall oder einer Verletzung f\u00f6rdern.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Gehirn der V\u00f6gel bleibt zeitlebens plastisch\u00a0 Weibliche Kanarienv\u00f6gel singen nicht, ihr Gehirn h\u00e4lt jedoch die F\u00e4higkeit zum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":514031,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[29,1050,30,35119,141,232,127823,127822],"class_list":{"0":"post-514030","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-deutschland","9":"tag-gehirn","10":"tag-germany","11":"tag-gesang","12":"tag-gesundheit","13":"tag-health","14":"tag-kanarienvoegel","15":"tag-plastizitaet"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115408260179840113","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/514030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=514030"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/514030\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/514031"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=514030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=514030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=514030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}