{"id":514167,"date":"2025-10-20T21:13:25","date_gmt":"2025-10-20T21:13:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514167\/"},"modified":"2025-10-20T21:13:25","modified_gmt":"2025-10-20T21:13:25","slug":"neues-buch-humans-of-stuttgart-blick-auf-die-menschen-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514167\/","title":{"rendered":"Neues Buch \u201eHumans of Stuttgart\u201c: Blick auf die Menschen der Stadt"},"content":{"rendered":"<p>Eine kurze Geschichte, daneben ein Foto. So viel und so wenig nimmt jede der 50 portr\u00e4tierten Personen im neuen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Buch\" title=\"Buch\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Buch<\/a> \u201eHumans of Stuttgart\u201c ein. Es ist ein bunter Querschnitt durch die Stadtgesellschaft, den das Team hinter dem Buch eingefangen hat und dabei auf unkonventionelle Weise einen feinf\u00fchligen Zugang zu den Menschen, die in dieser Stadt leben, schafft. Je mehr Portr\u00e4ts man liest, desto mehr scheint die Menschlichkeit hervor, die diesem Projekt innewohnt. <\/p>\n<p>Pers\u00f6nliche Geschichten, die Menschen bewegen <\/p>\n<p>Angesto\u00dfen vom Stuttgarter Verein Literally Peace, einem urspr\u00fcnglich deutsch-syrischen Schreibkollektiv, startete das Projekt \u201eHumans of Stuttgart\u201c 2023. Das Vorbild: das New Yorker Original \u201eHumans of New York\u201c, erz\u00e4hlt die Autorin und Ethnologin Anjuli Aggarwal, eine der Initiatorinnen. \u201eVon Anfang an war es so geplant, dass wir erst wie im Original in New York Portr\u00e4ts online ver\u00f6ffentlichen, in unserem Fall auf Instagram, dazu eine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Ausstellung\" title=\"Ausstellung\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausstellung<\/a> machen, und dass ein Buch entstehen soll\u201c, so Aggarwal. Die gleichnamige Schau zum Buch \u201eHumans of Stuttgart\u201c ist derzeit im Stadtpalais zu sehen, als Sonderausstellung <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.deutsch-tuerkische-erinnerungen-stuttgart-hat-ras-eine-ausstellung-die-zu-herzen-geht.5121d82e-2579-4044-96af-f7abfdafa2a3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">parallel zu \u201eStuttgart Hat\u0131ras\u0131\u201c, in der es um die Geschichten t\u00fcrkischer Einwandererfamilien<\/a> geht. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.fb78115b-a3b9-4e74-b869-6bdd3f3293f6.original1024.media.jpeg\"\/>     Blick ins Buch    Foto: HOS\/HasanMalla    <\/p>\n<p>Das Buch ist nun die M\u00f6glichkeit tiefer einzutauchen, da es 20 Portr\u00e4ts mehr als die Ausstellung abbildet und \u201edie Gelegenheit bietet, auch nach dem Ende der Ausstellung sich damit in Ruhe auseinanderzusetzen. Ein Buch ist langlebiger und vielleicht auch pr\u00e4senter als ein Instagram-Kanal, dessen Inhalte irgendwann verschwinden, sobald der Kanal inaktiv wird\u201c, sagt Lisa Drechsel, die als Kommunikationsdesignerin gemeinsam mit Hasan Malla die Ausstellung und das Buch gestaltet hat. <\/p>\n<p>\u201eHumans of Stuttgart\u201c gelingt es auf verschiedenen Ebenen die menschliche Seite der Stadt einzufangen. Einerseits durch die Darstellung: Jede der 50 Personen wurde auf Augenh\u00f6he fotografisch portr\u00e4tiert, manche an erkennbaren Orten in der Stadt. Und andererseits durch die eigenwillige Textgestaltung. Es gibt nur eine Geschichte, keine Eckdaten, keine Namen, kein Alter, keine \u00dcberschrift oder \u00e4hnliche herk\u00f6mmliche Einordnungsfakten, die beim Lesen Struktur geben k\u00f6nnten. So muss man sich ganz auf das von der Person Erz\u00e4hlte und das Foto einlassen. \u201eDie einzige Bedingung war, dass es eine pers\u00f6nliche Geschichte ist\u201c, sagt Anjuli Aggarwal.<\/p>\n<p>Stuttgart ist mehr als \u201eDaimler, Sp\u00e4tzle und VfB\u201c <\/p>\n<p> Da ist zum Beispiel Story 03: Man sieht eine junge Frau in einem Park. Auf der Seite neben dem Foto schildert sie, wie sie als junges M\u00e4dchen in Albanien mit einer lebenslangen Erkrankung zu k\u00e4mpfen hatte, wie sie heute in Deutschland damit zurecht kommt, und dass sie hofft, eines Tages Teil der L\u00f6sung f\u00fcr diese Krankheit zu sein. In Story 20 schildert eine Frau, wie sie vor kurzem \u00fcberraschend ihren Job verloren hat und dass sie ohne ihre Freunde und Familie in dieser Zeit verloren gewesen w\u00e4re. Ein Mann erz\u00e4hlt in Story 40 wiederum eine Geschichte aus seiner Jugend, als er einmal in den Bergen alleine 600 K\u00fche h\u00fcten musste. Story 44 handelt von Angst und Zur\u00fcckweisung im Dating-Kontext. <\/p>\n<p>Was \u201eHumans of Stuttgart\u201c aber au\u00dferdem sehr besonders macht, ist die Herangehensweise bei der Erstellung. Eine Gruppe von rund 20 jungen Menschen mit Migrations- und Fluchtbiografie haben die Texte und Fotos erstellt, die Interviews gef\u00fchrt. Daf\u00fcr seien sie geschult worden, erz\u00e4hlt die Initiatorin. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.e9284697-2715-468e-8536-86fae1eba748.original1024.media.jpeg\"\/>     \u201eHumans of Stuttgart\u201c ist beim Stuttgarter Verlag Prima Publikationen erschienen.    Foto: HOS\/Hasan Malla      <\/p>\n<p>\u201eDas Buch ist durch die Arbeit eines Kollektivs von rund 20 Menschen entstanden, die ehrenamtlich Interviews, Texte und Fotos geliefert haben. Die meisten von ihnen sind keine Profi-Autoren, sondern haben damit erste journalistische Erfahrungen gesammelt.\u201c Rund die H\u00e4lfte der Texte musste ins Deutsche \u00fcbersetzt werden, da die Gespr\u00e4che in anderen Sprachen stattfanden, sagt Aggarwal. So ist das Werk ein Zeugnis echter Teilhabe und macht Menschen, die in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung oft unsichtbar bleiben, zu aktiven Gestaltenden ihrer Stadt. <\/p>\n<p>Diesem Team hinter dem Buch sind zwei Doppelseiten gewidmet, auf denen sie ihre Eindr\u00fccke von der Arbeit an \u201eHumans of Stuttgart\u201c schildern, wie zum Beispiel Genia: \u201eDiese Interviews haben mir gezeigt, wie mutig Menschen sein k\u00f6nnen, wie sie k\u00e4mpfen, hoffen, weiterleben. Das hat mich sehr beeindruckt.\u201c Oder Eliza: \u201eIch mache mit, um zu zeigen, dass Stuttgart mehr ist als Daimler, Sp\u00e4tzle und VfB.\u201c<\/p>\n<p> Ungewisse Zukunft des Vereins <\/p>\n<p>Die Portr\u00e4tierten stammten aus dem eigenen Umfeld der Autoren und Autorinnen, aus Vereinen oder wurden im Supermarkt oder auf der Stra\u00dfe angesprochen, erz\u00e4hlt Anjuli Aggarwal. Insgesamt sind so bislang rund 70 Portr\u00e4ts von Menschen in Stuttgart entstanden, die allesamt auf dem zugeh\u00f6rigen <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/hostuttgart\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Instagram-Account<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurden. <\/p>\n<p>Gef\u00f6rdert wurde das Projekt \u00fcber zwei Jahre vom Land Baden-W\u00fcrttemberg, mit insgesamt 55 000 Euro. Nun soll aber nicht Schluss sein. Man sei an weiteren F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten dran, um das Projekt fortzuf\u00fchren. \u201eOnline gibt es in dem Sinne keinen Abschluss wie beim Buch\u201c, sagt Drechsler. \u201eWir w\u00fcrden gerne mit weiteren Formaten experimentieren und \u201aHumans of Stuttgart\u2019 auf Tiktok und in Videos weiterf\u00fchren\u201c, gibt Anjulia Aggarwal einen Ausblick. Doch das sei reines Wunschdenken, denn geplante Einsparungen im Kulturbereich geben derzeit wenig Hoffnung: \u201eAktuell droht die institutionelle F\u00f6rderung unseres Vereins Literally Peace wegzubrechen\u201c, sagt sie. <\/p>\n<p> Menschen der Stadt <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Ausstellung \u201e<\/strong><br \/>Humans of Stuttgart\u201c ist noch bis zum 30. November im Stadtpalais Stuttgart zu sehen. <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Buch <\/strong><br \/>\u201eHumans of Stuttgart\u201c, Literally Peace e.\u2009V., erschienen im Stuttgarter Verlag Primapublikationen, 144 Seiten, 25 Euro. <\/p>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine kurze Geschichte, daneben ein Foto. 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