{"id":514231,"date":"2025-10-20T21:51:15","date_gmt":"2025-10-20T21:51:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514231\/"},"modified":"2025-10-20T21:51:15","modified_gmt":"2025-10-20T21:51:15","slug":"kriegsgefahr-fuer-deutschland-und-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514231\/","title":{"rendered":"Kriegsgefahr f\u00fcr Deutschland und Europa"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Zwei polnische Soldaten in Tarnkleidung trainieren unter freiem Himmel auf einem Feld am 18.09.2025 bei einer Milit\u00e4r\u00fcbung mit Panzerabwehrwaffen. \" alt=\"Zwei polnische Soldaten in Tarnkleidung trainieren unter freiem Himmel auf einem Feld am 18.09.2025 bei einer Milit\u00e4r\u00fcbung mit Panzerabwehrwaffen. \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/polnische-soldaten-nato-armee-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Polnische Soldaten trainieren im September 2025 gemeinsam mit NATO-Verb\u00fcndeten f\u00fcr den Ernstfall. (picture alliance \/ ZUMAPRESS.com \/ Dominika Zarzycka)<\/p>\n<p>Bomben auf Kiew, russische Kampfflugzeuge im estnischen Luftraum, russische Drohnen in Polen \u2013 Wladimir Putin scheint zu testen, wie weit er gehen kann. Auch Drohnensichtungen \u00fcber milit\u00e4rischen Anlagen in D\u00e4nemark oder auch Deutschland tragen zur Unsicherheit bei. Wie kann \u2013 oder muss \u2013 die NATO reagieren? Ein \u00dcberblick.<\/p>\n<p>Die erkennbar russischen oder Russland zugeschriebenen Provokationen spielen sich auf verschiedenen Ebenen ab. Im September 2025 drangen etwa russische Kampfjets in den estnischen Luftraum ein, bis sie von dort stationierten italienischen Flugzeugen zur\u00fcck in den russischen Luftraum eskortiert wurden. Zwei russische Kampfjets n\u00e4herten sich auch einer polnischen Bohrinsel in der Ostsee und verletzen die Sicherheitszone \u00fcber der Plattform.<\/p>\n<p>Russische Drohnen wurden im September 2025 im rum\u00e4nischen Luftraum aber vor allem an der polnischen Grenze gesichtet. Mehr als ein Dutzend Drohnen drangen in den Luftraum Polens ein. Einige davon wurden von der polnischen Luftwaffe und NATO-Verb\u00fcndeten abgeschossen.<\/p>\n<p>Aber auch weit davon entfernt l\u00f6sten Drohnensichtungen Besorgnis aus, auch wenn meist unklar war, wer f\u00fcr die Drohnenfl\u00fcge verantwortlich war. So wurden im September in D\u00e4nemark, das auch Mitglied der NATO ist, Drohnen an mehreren Flugh\u00e4fen und milit\u00e4rischen Einrichtungen gesichtet. Der Flugbetrieb in Kopenhagen oder Aalborg musste zeitweise eingestellt werden. <\/p>\n<p>                Drohnen \u00fcber D\u00e4nemark und Schleswig-Holstein<\/p>\n<p>Die d\u00e4nische Regierungschefin Frederiksen sagte danach, auch wenn man noch nicht wisse, wer hinter den Vorf\u00e4llen stecke, k\u00f6nne man eines feststellen: \u201eEs ist vor allem ein Land, das eine Bedrohung f\u00fcr Europas Sicherheit darstellt \u2013 und das ist Russland.\u201c<\/p>\n<p>Auch in Schleswig-Holstein wurden im September mehrere Drohnen auch \u00fcber milit\u00e4rischen Anlagen gesichtet, weshalb die Beh\u00f6rden auch Spionage nicht ausschlie\u00dfen wollten. Und in M\u00fcnchen f\u00fchrten Anfang Oktober Drohnensichtungen am Flughafen dazu, dass dieser mehrmals gesperrt werden musste. <\/p>\n<p>                Merz: Aussp\u00e4hversuche<\/p>\n<p>Bundeskanzler Merz sprach von einer ernsthaften Bedrohung der Sicherheit. Es habe sich um Aussp\u00e4hversuche gehandelt, zudem solle die Bev\u00f6lkerung verunsichert werden. Er machte Russland f\u00fcr die meisten Drohnenvorf\u00e4lle verantwortlich. In Moskau wurde das zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p>Russland steht seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine auch immer wieder im Verdacht, f\u00fcr die Sabotage und Zerst\u00f6rung von Unterseekabeln in der Ostsee verantwortlich zu sein. Beweisen lie\u00df sich das bislang nicht.<\/p>\n<p>Zudem sollen mehrere Cyberangriffe in Deutschland gegen die SPD und Unternehmen aus den Bereichen Logistik, R\u00fcstung, Luft- und Raumfahrt und IT sowie der Versand von Sprengstoffpaketen in mehrere europ\u00e4ische L\u00e4nder auf das Konto des russischen Milit\u00e4rgeheimdienstes GRU gehen.<\/p>\n<p>Besorgnis hatte bei den \u00f6stlichen NATO-Staaten auch Mitte September das russisch-belarussische Milit\u00e4rman\u00f6ver \u201eSapad 2025\u201c ausgel\u00f6st: \u201eSapad\u201c hei\u00dft \u201eWesten\u201c. Die beiden L\u00e4nder beendeten ihre Milit\u00e4r\u00fcbung mit nuklearen Drohszenarien gegen die NATO.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rman\u00f6ver sind an sich nichts Ungew\u00f6hnliches, so f\u00fchrt auch die NATO regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbungsreihen durch, wie beispielsweise \u201eQuadriga\u201c, die \u00fcberwiegend im Ostseeraum und Baltikum stattfindet. <\/p>\n<p>\u201eSapad 2025\u201c war allerdings die erste gemeinsame Milit\u00e4r\u00fcbung von Russland und Belarus auf belarussischem Staatsgebiet seit 2021. Analysten sagen, dass das Man\u00f6ver &#8222;Sapad 2021&#8220; den russischen \u00dcberfall auf die Ukraine vorbereitet hatte. Russland griff die Ukraine am 24. Februar 2022 auch von belarussischem Staatsgebiet aus an.<\/p>\n<p>Dass Russland noch einmal von Belarus aus einmarschieren k\u00f6nnte, h\u00e4lt die Staatsf\u00fchrung in Kiew f\u00fcr unwahrscheinlich. Das Man\u00f6ver diene vor allem dazu, die westlichen Partner einzusch\u00fcchtern, hie\u00df es in Kiew. Deshalb habe die belarussische Milit\u00e4rf\u00fchrung angek\u00fcndigt, auch den Einsatz von Atomwaffen und neuen Mittelstreckenraketen zu \u00fcben.<\/p>\n<p>Belarus spielt eine entscheidende Rolle als quasi-milit\u00e4risches Testgel\u00e4nde Russlands. Der Kreml kontrolliert auch die Atomwaffen auf belarussischem Gebiet.<\/p>\n<p>Experten und f\u00fchrende Politiker bewerteten den Drohnenangriff in Polen \u00fcbereinstimmend als gezielte russische Provokation und einen Test der NATO-Reaktionsf\u00e4higkeit, nicht als Zufall oder Versehen. Russland wolle vor allem wissen, wie sich die USA gegen\u00fcber der NATO-B\u00fcndnisverpflichtung verhielten, sagt die Sicherheitsexpertin Claudia Major.<\/p>\n<p>Ein Teil der Drohnen zielte anscheinend auf den Flughafen Reschov \u2013 ein gro\u00dfer Umschlagpunkt f\u00fcr die Ukrainehilfe. Einige der Drohnen gelangten auch bis ins Landesinnere Polens. <\/p>\n<p>Manche Milit\u00e4rexperten sehen den Vorfall auch als Teil eines ohnehin schon laufenden \u201ehybriden Krieges\u201c Russlands gegen den Westen insgesamt. Zu dieser Grauzone zwischen Krieg und Frieden geh\u00f6rt auch die Bedrohung kritischer Infrastruktur, \u00dcberfl\u00fcge von Drohnen \u00fcber Milit\u00e4reinrichtungen oder aggressiveres Verhalten russischer Einheiten auf See.<\/p>\n<p>Polen beantragte aufgrund des Angriffs eine Sondersitzung nach Artikel 4 des NATO-Vertrags. Zuletzt wurde Artikel 4 nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ausgel\u00f6st, von Bulgarien, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rum\u00e4nien und der Slowakei.<\/p>\n<p>Die NATO ist ein Milit\u00e4rb\u00fcndnis, das aktiv wird, wenn ein Mitglied sie anruft. Artikel 4 des NATO-Vertrags erlaubt es, die Partner im Falle einer kritischen Lage z\u00fcgig zusammenzurufen. W\u00f6rtlich hei\u00dft in Artikel 4:<\/p>\n<p>\u201eDie Vertragsparteien konsultieren einander, wenn nach Auffassung einer von ihnen die territoriale Unversehrtheit, die politische Unabh\u00e4ngigkeit oder die Sicherheit einer der Vertragsparteien bedroht ist.\u201c<\/p>\n<p>Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius unterst\u00fctzte das Ausl\u00f6sen von Artikel 4 durch Polen ausdr\u00fccklich. Die NATO werde sich \u201ebesonnen und nicht eskalierend\u201c verhalten, sagte er.<\/p>\n<p>Der deutlich sch\u00e4rfere Artikel 5, der nicht nur Konsultationen, sondern milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung vorsieht, wurde bisher nicht ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Der diesj\u00e4hrige Friedenspreistr\u00e4ger des Deutschen Buchhandels, Karl Schl\u00f6gel, sieht Europa in einer &#8222;neuen Vorkriegszeit&#8220;. Es falle einer friedensgewohnten Generation schwer, sich in einer solchen Situation zurechtzufinden, sagte der Osteuropa-Historiker bei der Preisverleihung in der Paulskirche in Frankfurt am Main. <\/p>\n<p>Schl\u00f6gel rief dazu auf, von den Erfahrungen der Menschen in der Ukraine zu lernen. &#8222;Sie bringen uns bei, dass Landesverteidigung nichts mit Militarismus zu tun hat.&#8220; <\/p>\n<p>Polens Ministerpr\u00e4sident Donald Tusk warnte nach dem Drohnenvorfall im September, sein Land stehe einem offenen Konflikt mit Russland n\u00e4her als jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg und sei in h\u00f6chster Alarmbereitschaft. Polen hatte &#8211; auch wegen des Milit\u00e4rman\u00f6vers \u201eSapad 2025\u201c &#8211; seine Grenze zu Belarus geschlossen und Tausende Soldaten dorthin geschickt.<\/p>\n<p>Die Sicherheitsexpertin Claudia Major betont, dass Russland eine Strategie der st\u00e4ndigen Provokation, des Testens von Grenzen und der hybriden Kriegsf\u00fchrung verfolgt. Russland besch\u00e4dige die kritische Infrastruktur europ\u00e4ischer Staaten, etwa Seekabel in der Ostsee, erkunde mit Drohnen\u00fcberfl\u00fcgen die Einrichtungen kritischer und milit\u00e4rischer Infrastruktur und verbreite Desinformation, so Major.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich auch der Sicherheitsexperte Ralph Thiele, der Europa einem hybriden Krieg ausgesetzt sieht. Die Drohnen seien dabei nur das sichtbarste St\u00fcck. Weitaus umfassender sei das russische Vorgehen im virtuellen Raum, das aber kaum bemerkt werde.<\/p>\n<p>Moskaus Ziel sei es, die europ\u00e4ische Einheit zu schw\u00e4chen, sagt Christian M\u00f6lling von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik.<\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Geheimdienste warnten im M\u00e4rz diesen Jahres davor, Russland schaffe die Voraussetzungen, um einen \u201egro\u00dfma\u00dfst\u00e4blichen konventionellen Krieg\u201c zu f\u00fchren. \u201eDas wollen wir verhindern, indem wir verteidigungsbereit und abschreckungsf\u00e4hig sind&#8220;, sagt Jan Christian Kaack, Inspekteur der Deutschen Marine. Nach Geheimdienstinformationen w\u00e4re Russland sp\u00e4testens ab 2029 bereit, \u201eUnfug zu machen\u201c.<\/p>\n<p>Die baltischen Staaten gelten als Achillesferse des B\u00fcndnisses. Durch ihre geografische Lage k\u00f6nnten sie leicht vom Rest des NATO-Territoriums abgeschnitten werden. Die NATO hat als Reaktion auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ihre Ostflanke im Baltikum mit Soldaten und Waffen verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>gue\/tha\/rey<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Polnische Soldaten trainieren im September 2025 gemeinsam mit NATO-Verb\u00fcndeten f\u00fcr den Ernstfall. 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