{"id":514407,"date":"2025-10-20T23:43:11","date_gmt":"2025-10-20T23:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514407\/"},"modified":"2025-10-20T23:43:11","modified_gmt":"2025-10-20T23:43:11","slug":"leipzig-das-ist-nicht-fair-mit-ungerechtigkeit-im-job-umgehen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514407\/","title":{"rendered":"Leipzig | \u00abDas ist nicht fair!\u00bb &#8211; Mit Ungerechtigkeit im Job umgehen"},"content":{"rendered":"<p>Leipzig (dpa\/tmn) &#8211; Nie fragen mich die Kolleginnen, ob ich mit zum Essen kommen will! Mein Kollege bekommt immer die spannenderen Aufgaben als ich! St\u00e4ndig kontrolliert meine Chefin mich! Ich bekomme doch viel weniger Gehalt als die anderen! Gr\u00fcnde, sich im Job unfair behandelt zu f\u00fchlen, gibt es viele. Doch was ist dran? Und wenn was dran ist, was kann man unternehmen?<\/p>\n<p>Hannes Zacher ist Professor f\u00fcr Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universit\u00e4t Leipzig. Im Interview erkl\u00e4rt er, woher solche Gef\u00fchle kommen und wie man sie einem Realit\u00e4tscheck unterzieht. Zum Umgang mit tats\u00e4chlichen Ungerechtigkeiten sieht er dann zwei m\u00f6gliche Wege.<\/p>\n<p>Herr Zacher, wie finde ich heraus, ob etwas wirklich unfair ist oder ich es mir nur einrede?<\/p>\n<p>Hannes Zacher: Man empfindet etwas als ungerecht, wenn man das Gef\u00fchl hat, dass Anforderungen und Ressourcen bei der Arbeit unterschiedlich verteilt werden. Wenn man meint, man selbst steckt mehr rein, als man herausbekommt, auch verglichen mit Kolleginnen und Kollegen. Ungerechtigkeit hat also immer etwas mit sozialem Vergleich zu tun.<\/p>\n<p>Genau das ist auch der Weg, um herauszufinden, ob wirklich etwas dran ist. Man kann versuchen, ganz sachlich zu schauen: Wie viel Anstrengung investiere ich in meine Arbeit, und was bekomme ich daf\u00fcr zur\u00fcck? Wie sieht es bei \u00e4hnlich gestellten Kolleginnen und Kollegen aus? Erhalten sie mehr Anerkennung oder mehr Lohn? Ist die Balance nicht ausgewogen, dann ist tats\u00e4chlich etwas ungerecht.\u00a0<\/p>\n<p>Man kann auch mit Kolleginnen und Kollegen dar\u00fcber reden, ob sie das ebenfalls als unfair empfinden. Oder objektive Daten zurate ziehen, also in Bezug auf Bezahlung zum Beispiel nach Vergleichsdaten im Internet suchen.<\/p>\n<p>Wie gehe ich am besten mit Ungerechtigkeiten um?<\/p>\n<p>Zacher: Es gibt zwei m\u00f6gliche Wege. Man kann problemorientiert an wahrgenommene Ungerechtigkeit herangehen. Dann versucht man, sie anzusprechen, das Problem zu l\u00f6sen und die Ungerechtigkeit vielleicht abzustellen. So kann man etwa dem oder der Vorgesetzten sagen: \u00abDiese Aufgaben m\u00f6chte ich zuk\u00fcnftig nicht mehr \u00fcbernehmen\u00bb, und das m\u00f6glichst gut begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Das andere w\u00e4re ein emotionsorientierter Weg. Indem man sich etwa sagt: \u00abAch, diese Aufgabe habe ich doch schon immer \u00fcbernommen, dann kann ich das auch noch mal tun.\u00bb Hier geht man nicht auf andere zu oder probiert, das Problem aktiv zu l\u00f6sen, sondern man versucht, seine eigene Wahrnehmung zu ver\u00e4ndern. Auch das kann helfen, ein Gef\u00fchl der Ungerechtigkeit zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Jetzt ist nat\u00fcrlich die Frage, welcher Weg der richtige ist. Ich w\u00fcrde mich zuerst fragen: Kann ich \u00fcberhaupt etwas ver\u00e4ndern oder ist es fast unm\u00f6glich? Wenn ich etwas ver\u00e4ndern kann, also zum Beispiel ein Gespr\u00e4ch mit dem Vorgesetzten oder im Team potenziell Erfolg verspricht, dann w\u00fcrde ich aktiv werden.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch ungerechte Umst\u00e4nde im Job wie auch im Leben, die kann man nicht ver\u00e4ndern. Zum Beispiel ein bestimmtes Bezahlungsniveau oder dass manche Aufgaben bei der Arbeit nun mal zu erledigen sind. Dann ist es besser, sich selbst zu fragen: \u00abWie kann ich anders \u00fcber diese Aufgaben denken, sodass sie mir nicht mehr so unangenehm erscheinen?\u00bb<\/p>\n<p>Das Beste ist nat\u00fcrlich, in der Realit\u00e4t etwas zu ver\u00e4ndern, aber wenn das nicht geht, dann hilft es auch, die eigenen Gedanken und Gef\u00fchle zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Wenn ich etwas ansprechen will: Sollte ich unfaire Vorf\u00e4lle dokumentieren?<\/p>\n<p>Zacher: Ja, es ist tats\u00e4chlich gut, sich etwa ein unfaires Verhalten von anderen Kolleginnen und Kollegen oder von Vorgesetzten m\u00f6glichst objektiv aufzuschreiben. Am besten mit Zeit und Ort dokumentieren, sodass man es sp\u00e4ter zur Hand hat, wenn man es vorbringt. Das ist besser, als sich dann von Gef\u00fchlen leiten zu lassen.<\/p>\n<p>Ansprechpartner und verantwortlich ist in der Regel der oder die Vorgesetzte. Es kann nat\u00fcrlich auch vorkommen, dass da ein Interessenkonflikt besteht. Wenn sich der Vorgesetzte ungerecht verh\u00e4lt, sind andere Ansprechpartner sinnvoll, also zum Beispiel dessen Vorgesetzter sowie der Betriebsrat oder weitere Vertrauenspersonen im Unternehmen.<\/p>\n<p>ZUR PERSON: Hannes Zacher ist Professor f\u00fcr Arbeits- und Organisationspsychologie am Wilhelm-Wundt-Institut f\u00fcr Psychologie der Universit\u00e4t Leipzig. Seine Themen sind unter anderem berufliche Gesundheit und Wohlbefinden sowie proaktives und adaptives Arbeitsverhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leipzig (dpa\/tmn) &#8211; Nie fragen mich die Kolleginnen, ob ich mit zum Essen kommen will! 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