{"id":514489,"date":"2025-10-21T00:29:11","date_gmt":"2025-10-21T00:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514489\/"},"modified":"2025-10-21T00:29:11","modified_gmt":"2025-10-21T00:29:11","slug":"senken-oder-nicht-was-eltern-ueber-fieber-wissen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/514489\/","title":{"rendered":"Senken oder nicht? Was Eltern \u00fcber Fieber wissen sollten"},"content":{"rendered":"<p>Krefeld\/Berlin (dpa\/tmn) &#8211; Eltern kennen das: Kinder kr\u00e4nkeln gef\u00fchlt immer dann, wenn es am wenigsten passt. Der Klassiker unter den Symptomen ist dabei das Fieber &#8211; also eine K\u00f6rpertemperatur ab 38,5 Grad. Ist der Nachwuchs j\u00fcnger als drei Monate, liegt es schon bei einer Temperatur von 38 Grad vor.<\/p>\n<p>Was tun, wie helfen, wenn das Kind eine gl\u00fchende Stirn und wenig Lust auf sein Lieblingsspielzeug hat? Der Griff zum Fiebersenker sollte dabei nicht vorschnell passieren, sagt der Kinder- und Jugendarzt Prof. Tim Niehues vom Helios Klinikum Krefeld.<\/p>\n<p>Er hat als Leitlinienbeauftragter der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) eine Leitlinie zum Fiebermanagement bei Kindern mit herausgegeben, an der 15 Fachgesellschaften beteiligt waren. Die Leitlinie soll nicht nur \u00c4rztinnen und \u00c4rzten, sondern auch Eltern dabei helfen, richtig zu handeln.<\/p>\n<p>Die Hauptaussage: Fieber muss nicht um jeden Preis gesenkt werden. \u00abWir wollen erreichen, dass Eltern ein bisschen die Angst vor dem Fieber verlieren\u00bb, fasst Niehues zusammen. Die wichtigsten Fragen zum Fieber im \u00dcberblick.<\/p>\n<p>1. Was passiert bei Fieber eigentlich im K\u00f6rper?<\/p>\n<p>Fieber an sich ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Es kann &#8211; von der Grippe bis zum Magen-Darm-Infekt &#8211; viele Ursachen haben.<\/p>\n<p>Wenn der K\u00f6rper bemerkt, dass er es mit Viren und Bakterien zu tun hat, dreht er den Temperaturregler hoch. Ein bestimmter Botenstoff des Immunsystems sorgt dabei im Gehirn daf\u00fcr, \u00abdass der Sollwert f\u00fcr die Temperatur, wie bei einem Thermostat, hochgestellt wird &#8211; von normalerweise 37 Grad auf zum Beispiel 38,5 oder 39\u00bb, sagt Tim Niehues.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper will es den Krankheitserregern damit m\u00f6glichst ungem\u00fctlich machen. Bei einer h\u00f6heren Temperatur haben es Bakterien n\u00e4mlich schwerer, sich zu teilen. Eine Strategie, auf die \u00fcbrigens auch so manches Tier setzt &#8211; wenn auch etwas anders, so Niehues: \u00abMan wei\u00df, dass Fische in w\u00e4rmeres Wasser schwimmen, wenn sie eine Infektion haben.\u00bb<\/p>\n<p>2. Die gro\u00dfe Frage: Wann muss Fieber gesenkt werden &#8211; und wann sollten Eltern darauf lieber verzichten?<\/p>\n<p>Fieber hat also seinen Sinn &#8211; es ist ein cleverer Abwehrmechanismus des K\u00f6rpers. Und daher gilt: Es muss nicht in jedem Falle mit Medikamenten gesenkt werden.<\/p>\n<p>Entscheidend ist nicht die Zahl auf dem Fieberthermometer, sondern der Eindruck, den die Eltern vom Nachwuchs haben. \u00abEs gibt ganz viele Kinder, die 39 Grad Fieber haben, denen es aber gut geht\u00bb, sagt Niehues. Dann muss ein fiebersenkendes Medikament nicht sein.<\/p>\n<p>Hat das Kind hingegen Schmerzen, wirkt ersch\u00f6pft und angeschlagen, kann ein fiebersenkendes Medikament Linderung bringen. Denn typische Wirkstoffe wie Paracetamol und Ibuprofen wirken auch gegen Schmerzen und Entz\u00fcndungen.<\/p>\n<p>Wichtig: All das gilt f\u00fcr ansonsten gesunde Kinder. \u00abWenn beispielsweise ein Kind mit einer chronischen oder schweren Erkrankung wie Leuk\u00e4mie Fieber hat, dann muss man nat\u00fcrlich ganz anders handeln\u00bb, sagt Tim Niehues.<\/p>\n<p>3. Und was, wenn das Kind wirklich hoch fiebert?<\/p>\n<p>Auch wenn die elterliche Intuition oft anderes signalisiert: Ein Kind, das 40 Grad Fieber hat, muss nicht schwerer krank sein als eines, das 38,5 Grad Fieber hat. \u00abEs gibt Kinder, die fiebern einfach h\u00f6her\u00bb, sagt Tim Niehues.<\/p>\n<p>Generell gilt: \u00abEs gibt keine Obergrenze der Temperatur, ab der man unbedingt ins Krankenhaus muss.\u00bb Und es gibt auch keinen Wert, ab dem Fieber unbedingt mit Medikamenten gesenkt werden muss.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme gibt es aber, in der Fieber Eltern wirklich Sorgen bereiten sollte: n\u00e4mlich beim S\u00e4ugling, also einem Baby unter drei Monaten. \u00abDa ist Fieber an sich immer ein Grund, es dem Kinderarzt vorzustellen. Und hier gilt auch: Je h\u00f6her das Fieber, desto gef\u00e4hrlicher ist das\u00bb, sagt Niehues.<\/p>\n<p>Dahinter k\u00f6nnen bakterielle Infektionen stecken, die sich im K\u00f6rper der ganz Kleinen besonders schnell ausbreiten. Und das kann lebensgef\u00e4hrlich werden, wenn man nicht rechtzeitig mit Antibiotika gegensteuert.<\/p>\n<p>4. Wenn die H\u00f6he des Fiebers so wenig Aussagekraft hat: Macht Messen dann \u00fcberhaupt Sinn?<\/p>\n<p>Durchaus, so der Kinderarzt. Allein schon, weil Fieber ein Zeichen ist, dass bei dem Kind etwas gesundheitlich nicht stimmt. Dauer und Verlauf des Fiebers k\u00f6nnen zudem wertvolle Hinweise geben, womit genau der K\u00f6rper zu k\u00e4mpfen hat. \u00abWenn das Kind vier Tage in Folge 39 Grad Fieber hat, ist da etwas im Busch. Normalerweise geht ein Infekt innerhalb weniger Tage vorbei\u00bb, sagt Tim Niehues.<\/p>\n<p>Um f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit Kinderarzt und Kinder\u00e4rztin gut vorbereitet zu sein, sollten sich Eltern also die Messwerte notieren. Das geht auch digital, zum Beispiel in der \u00abFeverApp\u00bb (iOS und Android), an deren Entwicklung Verb\u00e4nde aus der Kinder- und Jugendmedizin beteiligt waren.<\/p>\n<p>5. Worauf sollten Eltern beim Fiebermessen achten?<\/p>\n<p>Thermometer in den Po: Wohl kein Kind ist Fan von der rektalen Messung. Dabei ist sie zumindest bei kleinen Kindern der Goldstandard.<\/p>\n<p>Immerhin: Eltern k\u00f6nnen einiges tun, damit die Messung m\u00f6glichst angenehm wird. Das BI\u00d6G-Portal \u00abkindergesundheit-info.de\u00bb r\u00e4t, etwas Creme auf die Spitze des Thermometers zu geben. Sie wird dann ein- bis maximal zwei Zentimeter tief in den After eingef\u00fchrt, bis ein Widerstand zu sp\u00fcren ist.<\/p>\n<p>Bei Kindern ab einem Jahr k\u00f6nnen Eltern der neuen Fieber-Leitlinie zufolge alternativ auch am Ohr messen &#8211; mit einem Infrarot-Trommelfellthermometer. Bei kleineren Kindern ist der Geh\u00f6rgang noch zu eng daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Andere Methoden sind weniger verl\u00e4sslich, die Messung unter der Achsel etwa. Auch die Messung unter der Zunge mit einem Digitalthermometer ist fehleranf\u00e4llig, weshalb sie der Leitlinie zufolge nur bei Jugendlichen infrage kommt.<\/p>\n<p>6. Wann sollten Eltern das fiebernde Kind unbedingt dem Kinderarzt oder der Kinder\u00e4rztin vorstellen?<\/p>\n<p>Wenn Eltern das Bauchgef\u00fchl haben \u00abHier l\u00e4uft etwas aus dem Ruder\u00bb, ist es sinnvoll, diesen Eindruck abkl\u00e4ren zu lassen. Etwa, wenn der Nachwuchs sehr krank, stark schl\u00e4frig oder benommen wirkt. Auch sehr schnelles Atmen, Luftnot und Ber\u00fchrungsempfindlichkeit sind Warnzeichen, die rasch abgekl\u00e4rt werden sollten. Das gilt ebenso beim Verdacht auf Austrocknung &#8211; also wenn seit mehr als 12 Stunden kein Urin mehr aus dem Kind gekommen ist.<\/p>\n<p>\u00abAuch wenn die Haut des Kindes verf\u00e4rbt ist oder es einen unklaren Hautausschlag oder Einblutungen unter der Haut hat, sollten Eltern mit ihm zum Kinderarzt gehen\u00bb, sagt Tim Niehues.<\/p>\n<p>7. Wie k\u00f6nnen Eltern dem fiebernden Kind helfen?<\/p>\n<p>Wenn sich das Kind schlapp f\u00fchlt und alles schmerzt, ist die Zuwendung der Eltern Balsam f\u00fcr die Seele &#8211; das ist klar. Auch Hausmittel wie Wadenwickel k\u00f6nnen dem Kind guttun, \u00aballerdings keine kalten\u00bb, wie Tim Niehues warnt. Dann f\u00e4hrt der K\u00f6rper n\u00e4mlich, bildlich gesprochen, die Heizung umso mehr hoch, um der K\u00e4lte an den Waden etwas entgegenzusetzen. Besser: k\u00f6rperwarm.<\/p>\n<p>Fiebert der K\u00f6rper, setzt er mehr Fl\u00fcssigkeit um. Die sollte also zugef\u00fchrt werden, damit das Kind nicht austrocknet. Eine gute Faustregel, die das BI\u00d6G nennt: alle halbe Stunde etwas warmen, milden Tee oder Wasser anbieten.<\/p>\n<p>Und was ist mit Essen? Eltern k\u00f6nnen dem kr\u00e4nkelnden Nachwuchs immer wieder leicht verdauliche Speisen wie Kompott anbieten, sollten das Kind aber nicht zum Essen zwingen.<\/p>\n<p>Das A und O ist aber, dem Kind das Auskurieren zu erm\u00f6glichen. Tim Niehues r\u00e4t daher auch davon ab, das Kind nachts aufzuwecken, um zu schauen, wie es ihm geht. \u00abWenn das Kind normal schl\u00e4ft, also vorher nicht d\u00e4mmerig wirkte, sollte man es schlafen lassen. Schlie\u00dflich ist das eine gute Form der Regeneration\u00bb, sagt Niehues.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Krefeld\/Berlin (dpa\/tmn) &#8211; Eltern kennen das: Kinder kr\u00e4nkeln gef\u00fchlt immer dann, wenn es am wenigsten passt. Der Klassiker&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":514490,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[123889,123891,2632,3364,29,1459,553,5084,30,141,13411,124580,1114,288,8970,1209,624,33103],"class_list":{"0":"post-514489","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-erkltung","9":"tag-erkltungszeit","10":"tag-brcmj","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-eltern","14":"tag-familie","15":"tag-fieber","16":"tag-germany","17":"tag-gesundheit","18":"tag-grippe","19":"tag-infekt","20":"tag-kinder","21":"tag-krankheit","22":"tag-muenster","23":"tag-nordrhein-westfalen","24":"tag-ratgeber","25":"tag-tmn8230"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115409332972915634","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/514489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=514489"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/514489\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/514490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=514489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=514489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=514489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}