{"id":515600,"date":"2025-10-21T11:05:25","date_gmt":"2025-10-21T11:05:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/515600\/"},"modified":"2025-10-21T11:05:25","modified_gmt":"2025-10-21T11:05:25","slug":"bowie-war-der-michelangelo-seiner-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/515600\/","title":{"rendered":"\u201eBowie war der Michelangelo seiner Zeit\u201c"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/b05da19dae4548ae933b025e851b20bf.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Mike Garson spielte auf zehn Bowie-Studioalben das avantgardistische Klavier, so prachtvoll, dass Produzenten es f\u00fcr den fertigen Album-Mix lauter stellten als alles andere. Anl\u00e4sslich der neuen \u00c4ra-Box <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/reviews\/david-bowie-i-cant-give-everything-away-2002-2016\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eI Can\u2019t Give Everything Away (2002-2016)\u201c<\/a> und unserer Bowie-Titelgeschichte (ROLLING STONE 11\/25) sprachen wir mit Garson, 80, \u00fcber die gemeinsamen Jahre \u2013 und ob er wirklich Schuld daran ist, dass sein Freund nach 2004 nicht mehr auf Tournee ging.<\/p>\n<p><strong>Mr. Garson, unser Interview findet nur wenige hundert Meter neben der Max-Schmeling-Halle im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg statt. Dort gab David Bowie 2002 und 2003 Konzerte, und Sie waren Teil seiner Band. Am Abend des 2002er-Auftritts wurde auch der Deutsche Bundestag gew\u00e4hlt. Bowie erw\u00e4hnte das auf der B\u00fchne mit keinem Wort. Wussten Sie vom Wahlabend?<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke nicht. Ob Bowie davon wusste? Nun, er ist ein K\u00fcnstler. Und ein K\u00fcnstler, der klug ist, h\u00e4lt sich aus der politischen Welt heraus. Weil es dort f\u00fcr ihn nichts zu gewinnen gibt. Es gibt einfach zu viel Radikalisierung und Polarisierung auf der Welt. Alle vertreten eine immer lauter werdende Meinung. Es ist ein verlorenes Spiel. Aber bitte, nennen Sie mich nicht Mr. Garson, sondern Mike. Bin ja kein Wall-Street-Broker.<\/p>\n<p><strong>Okay. Welchen Bowie-Song haben Sie eigentlich am liebsten gespielt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, es gibt drei. \u201eAladdin Sane\u201d w\u00e4re die Nummer eins. \u201eDiamond Dogs\u201d w\u00e4re die Nummer zwei. Aber am meisten Spa\u00df hatte ich mit \u201e1. Outside\u201d. Dem ganzen Album.<\/p>\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Weil alles improvisiert wurde. Zumindest alles, was mich betrifft. Und dann haben er und Brian Eno das Album aufger\u00e4umt, als ich gegangen bin.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.musik-magazine.de\/rolling-stone-03-25-11\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&gt;&gt;&gt;Hier die ROLLING-STONE-Ausgabe 11\/2025 bestellen \u2013 mit exklusiver 7-Inch von David Bowie!<\/a><\/p>\n<p><strong>Das war 1995. Bowie sehnte sich in den 1990er-Jahren nach einem Comeback.<\/strong><\/p>\n<p>Was die Leute nicht wissen: Ein paar Jahre vor \u201e1. Outside\u201c sagte Bowie zu mir, dass er die 1980er-Jahre nicht vollends schlecht f\u00fcr ihn fand. Aber er war nicht stolz auf seine damalige Leistung. Ich erinnerte ihn an \u201eLoving the Alien\u201c, \u201eAbsolute Beginners\u201c \u2013 gro\u00dfe Songs. Aber er hatte das Gef\u00fchl, dass er nach \u201eLet\u2019s Dance\u201c aufgrund des Drucks der Plattenfirma ausgelaugt war. Dass er sich selbst verloren hatte. Also sagte er zu mir: \u201eIch werde zu mir selbst zur\u00fcckfinden. Ich w\u00e4hle die Menschen aus, die mich in den letzten 25 Jahren am meisten beeinflusst haben\u201c.<\/p>\n<p><strong>Wen w\u00e4hlte er aus?<\/strong><\/p>\n<p>Mich, Brian Eno, Reeves Gabrels, Carlos Alomar, Sterling Campbell und Erdal K\u0131z\u0131l\u00e7ay. Wir bildeten den Kern. Und er sagte: \u201eWir gehen ins Studio in Montreux und improvisieren ein paar Wochen lang auf zwei Sony-Tonbandger\u00e4ten, mit 48 Spuren, und wir werden einfach spielen und dann aus dem Nichts etwas erschaffen. Und wenn ihr dann geht, werden Brian und ich daraus Songs f\u00fcr ein Album und einige Improvisationen zusammenstellen.\u201c<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p><strong>Letztlich w\u00fcrde \u201e1. Outside\u201c ganze 19 St\u00fccke enthalten.<\/strong><\/p>\n<p>Als \u201eLeon-Sessions\u201c sind viele Arbeiten im Umlauf. Bootlegs, die vielleicht nicht h\u00e4tten ver\u00f6ffentlicht werden d\u00fcrfen, weil sie aus dem Studio gestohlen wurden. Das hat David ein wenig die Lebensfreude genommen. Es war nicht in Ordnung, das zu tun, wer auch immer es getan hat. Songs wie \u201eStrangers When We Meet\u201d, das wir schon f\u00fcr den Soundtrack \u201eThe Buddha of Suburbia\u201d aufgenommen hatten, nahmen wir f\u00fcr \u201eOutside\u201d noch mal auf. Aber alles andere entstand einfach unglaublich spontan.<\/p>\n<p><strong>Wie sag das aus?<\/strong><\/p>\n<p>Brian legte kleine K\u00e4rtchen auf unseren Schreibtisch neben dem Klavier oder dem Bass oder dem Schlagzeug und sagte: \u201eStellt euch vor, ihr seid im Jahr 3000 in einem Raumschiff, bla, bla, und was w\u00fcrdet ihr erschaffen?\u201c Das waren nur kleine Spielereien, um uns aus unserer Komfortzone zu holen. Ich pers\u00f6nlich brauche so etwas nicht wirklich, denn ehrlich gesagt hatte ich noch nie eine Schreibblockade. Aber es war lustig anzusehen, und wir haben mitgespielt.<\/p>\n<p><strong>Auf der \u201eReality\u201c-Tour von 2003 brachte Bowie Songs wie \u201eThe Motel\u201c in die Setlist zur\u00fcck. Das muss Sie als Interpret gl\u00fccklich gemacht haben.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte einen gewissen Einfluss auf die Setlist. Er sa\u00df mit mir zusammen und fragte: \u201eWas h\u00e4ltst du davon? Und hiervon? Er traf die endg\u00fcltige Entscheidung, aber er mochte mein Feedback und auch das von anderen. Wir hatten eine Verbindung. Vielleicht weil ich anderthalb Jahre \u00e4lter war als er und er einen gewissen Respekt vor \u00c4lteren hatte.<\/p>\n<p><strong>Bowie hat Sie stets herausfordern wollen. Er schickte Sie, wie beim Glastonbury-Konzert, vor zehntausenden Zuschauern zu Konzertbeginn allein auf die B\u00fchne, um \u201eLife in Mars?\u201c anzustimmen.<\/strong><\/p>\n<p>Das hat er \u00f6fter gemacht, ja. Auch beim BBC-Konzert von 1999, das gefilmt wurde. Aus einer bestimmten Perspektive war ich das perfekte Versuchskaninchen. Er hatte seinen Spa\u00df daran und konnte durch mich die Stimmung des Publikums einsch\u00e4tzen. Ich w\u00fcrde l\u00fcgen, wenn ich nicht sagen w\u00fcrde, dass ich jedes Mal nerv\u00f6s war \u2013 obwohl ich schon Tausende von Konzerten gegeben habe, davon 400 allein mit David. Das hei\u00dft aber nicht, dass ich nicht sp\u00fcre, dass auch er nerv\u00f6s war, bevor er auf die B\u00fchne ging. Bei der Hammersmith-Show von 1973 \u2026<\/p>\n<p><strong>\u2026 der legend\u00e4re Auftritt, als Bowie das Ende seiner Live-Aktivit\u00e4ten verk\u00fcndete \u2026<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 sagte er tats\u00e4chlich, als ich von der B\u00fchne kam, dass er f\u00fcr mich nerv\u00f6ser war als f\u00fcr sich selbst. Das zeigt, was f\u00fcr ein Mensch er ist. Sehen Sie, die Leute kennen nur die Klatschgeschichten aus dieser Zeit. Aber das ist nur das Drumherum und das, was dieses Gesch\u00e4ft mit einem Menschen macht. Er hat mich respektiert. Ich sa\u00df am Nachmittag am Klavier, spielte ein bisschen herum und spielte einige seiner Songs, aber ich interpretierte sie neu. Und er sagte: \u201eOh, warum er\u00f6ffnest du die Show nicht mit dem, was wir kennen?\u201c Das wurde zu meiner Improvisation \u201eEden Overture\u201c.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p><strong>Wie oft denken Sie an Bowie?<\/strong><\/p>\n<p>T\u00e4glich. Ich vermisse ihn, und wenn ich einen Wunsch frei h\u00e4tte, w\u00fcrde ich jetzt mit ihm auf Tour sein wollen. Kurz nach seinem Geburtstag, am 9. und 10. Januar 2026, werde ich in Los Angeles Bowies Musik mit einigen meiner Lieblingss\u00e4nger auff\u00fchren, wie <a href=\"https:\/\/www.beck.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Beck<\/a>, Luke Spiller, Jake Wesley, Evan Rachel Wood. Sie kommen alle in einen kleinen Club, der Platz f\u00fcr 70 Leute bietet. Hoffentlich wird es gestreamt oder es wird eine TV-Sendung daraus.<\/p>\n<p>Davor, am 8. November dieses Jahres, bin ich an einer Universit\u00e4t namens Soca University, die hier in Kalifornien liegt. Der Saal fasst 1.000 Leute, und ich mache eine Benefizveranstaltung f\u00fcr Krebskranke, aber nur mit Bowie-Musik, mit Leuten aus verschiedenen Generationen, wie meinem Enkel, der Schlagzeug spielt, er ist 19, und einigen seiner Freunde. Darunter Stings Sohn, Joe Sumner, und Veronica Swift.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie von Bowies Tod im Jahr 2016 erfahren?<\/strong><\/p>\n<p>Genau wie alle anderen: in den Nachrichten. Es war schockierend, ja, wie f\u00fcr alle anderen auch. Aber nat\u00fcrlich riefen mich innerhalb weniger Minuten alle Zeitungen an, ebenso wie jene, die mit ihm in Verbindung standen, und ich war \u00fcberall im Fernsehen und im Radio zu sehen. Das war nicht gerade das, was ich wollte. Aber sie wollten wissen, wie ich mich f\u00fchlte. Was sich eigentlich nicht von den Gef\u00fchlen anderer Fans unterschied, n\u00e4mlich pure Trauer und Schock. David hatte mir nichts von seinem baldigen Tod gesagt.<\/p>\n<p><strong>Stimmt es, dass Sie ihm ein paar Jahre zuvor ausgeredet hatten, wieder auf Tournee zu gehen?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, er hatte mich einfach nach meiner Meinung gefragt, etwa 2006: \u201eGlaubst du, wir sollten wieder loslegen?\u201c Ich konnte in seiner Stimme h\u00f6ren, dass er sich schlecht f\u00fchlte, weil die Band keine Arbeit hatte. Wenn ich egoistisch und ein Arschloch gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich sagen k\u00f6nnen: \u201eOh, ich w\u00fcrde so gerne wieder auf Tour gehen. Lass uns gehen, denn das ist es, was ich liebe.\u201c Aber ich sagte zu ihm: \u201eDavid, nur wenn du dich danach f\u00fchlst.\u201c Und wissen Sie was? Er f\u00fchlte sich nicht danach. Wir sind nie wieder auf Tour gegangen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p><strong>Bei einem seiner letzten Auftritte, 2005 bei \u201eFashion Rocks\u201c in New York City, spielten Sie bei \u201eLife on Mars?\u201d das Klavier. Das Original ist von Rick Wakeman. Wie wichtig ist es f\u00fcr Sie, in fremden St\u00fccken Ihre pers\u00f6nliche Note einzubringen?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Rick Wakemans Arbeit auf dem \u201eHunky Dory\u201d-Album war perfekt, Jedes Mal, wenn ich es gespielt habe, war es deshalb ein bisschen anders. Wenn ich es heute in einem Jazzkonzert intoniere, spiele ich die Gesangsmelodie nach. Aber manchmal variiere ich sie ab der ersten Note, weil sie in jedermanns DNA steckt. Rick hatte die definitive Version, denn das ist jene, die die Leute kennen.<\/p>\n<p>Aber ich hatte die fantasievollsten Versionen. Wenn man sich ansieht, was ich 1999 in Paris gemacht habe \u2026 in der Mitte spiele ich ein ganzes Solo, etwas, das Mick Ronson fr\u00fcher auf der Gittarre gespielt hat, und ich mache einfach eine klassische Jazz-Exkursion. David steht am Mikrofon mit einem L\u00e4cheln im Gesicht .Tats\u00e4chlich lautete sein Auftrag an mich: \u201eSorge daf\u00fcr, dass du mich gleich zu Beginn in den Song einf\u00fchrst und mich am Ende wieder herausholst. Mach in der Mitte, was immer du willst.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gab es Songs, die Bowie nicht mehr spielen wollte, trotz Ihres Wunschs?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eLady Grinning Soul\u201c war ein Tabuthema. Er hat es nie live gespielt. Man k\u00f6nnte sagen, dass die Ursache daf\u00fcr in einer physischen Begrenzung lag. Die Stimme ist auf dem Album sehr hoch. Er hat es also nicht live gesungen. Aber genau das muss man an ihm lieben. Ihm war eigentlich nichts wichtig au\u00dfer dem, was er in diesem Moment f\u00fchlte. Deshalb habe ich auch l\u00e4nger durchgehalten als alle anderen Musiker und mehr Konzerte mit ihm gespielt. Ich war urspr\u00fcnglich nur f\u00fcr acht Wochen engagiert. Aber ich habe gesp\u00fcrt, dass wir auf einer Wellenl\u00e4nge waren.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p>Ich setze mich bei jedem Konzert hin, ohne Probe, und improvisiere einfach. Als Popk\u00fcnstler konnte David das nicht machen, aber er konnte diesen Geist durch mich und mit mir einbringen. Ich war der Unberechenbare in der Band, der die Sahne auf den Kuchen geben durfte, wann immer ich wollte.<\/p>\n<p><strong>Hat Bowie 1973 die Lust am Glam der Spiders from Mars verloren, weil Sie vom Jazz kamen?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Freunde von den Spiders waren ver\u00e4rgert, weil sie quasi von der B\u00fchne aus gefeuert wurden. Ich wusste, dass das passieren w\u00fcrde und war hin- und hergerissen. Ich verehrte David und wusste, dass ich mit ihm weitermachen w\u00fcrde, w\u00e4hrend die anderen Jungs weg sein w\u00fcrden. Aber es war nichts Pers\u00f6nliches. Und weil ich all die amerikanischen Einfl\u00fcsse von Jazz, Pop, Rhythm and Blues und Black Music in mir hatte, gab ihm das die Lizenz zum \u00dcberleben. Zum Weiterleben als Musiker.<\/p>\n<p>Nahezu alle Musiker, die er zwischen 1972 und 1974 anheuerte, wurden gefeuert. Alle au\u00dfer mir. Ich durfte bleiben. Aber nicht weil wir Freunde waren, sondern weil meine ganze Geschichte davon gepr\u00e4gt war, immer meinen Stil zu \u00e4ndern, ein Cham\u00e4leon zu sein, weiterzumachen, nicht ein Allesk\u00f6nner zu sein, der nichts richtig kann, sondern weil ich so viel Musik in meinem Kopf h\u00f6rte und es nur einen K\u00fcnstler gab, der sie forensisch aus meinem Gehirn herausholen wollte. Und das war David Bowie.<\/p>\n<p>Und so fand er in mir alles, was ich in den 20 Jahren vor unserer Begegnung gelernt hatte. Sei es romantisches Klavierspiel, Avantgarde, Jazz, Bebop, Pop, Rock\u2019n\u2019Roll wie \u201eLet\u2019s Spend The Night Together\u201c. David war der ultimative Produzent und Casting-Direktor, denn er wusste, dass er gro\u00dfartig war, aber er wusste auch, dass er mit anderen Gr\u00f6\u00dfen zusammenarbeiten musste, sei es Mick Ronson, Carlos Alomar, Dennis Davies, Earl Slick, Sterling Campbell, Gail Ann Dorsey, Zack Alford und Herbie Flowers. Die Liste ist endlos.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p><strong>Welche Live-Fassung hat Sie am meisten \u00fcberrascht?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr \u201eBring Me The Disco King\u201c hatten wir bereits zehn Jahre vor der Aufnahme vom \u201eReality\u201c-Album eine Version eingespielt, f\u00fcr \u201eBlack Tie White Noise\u201c. Keiner wei\u00df, wo die Aufnahme ist.\u00a0 Auf der \u201eReality\u201c-Tour spielten wir den Song oft als letzte Zugabe. Bowie Stimme, ich Klavier, mehr nicht \u2013 als letzten Song des Abends. Dabei wollten die Leute eigentlich \u201eZiggy Stardust\u201c h\u00f6ren. David lie\u00df mich die letzten 90 Sekunden ein Klaviersolo spielen, bei dem er neben mir sa\u00df und eine Zigarette rauchte. Als w\u00e4re er in einem Jazzclub, und liebte, was ich jeden Abend spielte. Mir kamen solche Momente nicht als \u201eS\u00e4nger plus Pianist\u201c vor, sondern fast schon wie ein Duett. Eine gemeinsame Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Er hat das alles mit einem gro\u00dfen Ego gemacht. Verstehen Sie mich nicht falsch. Man kann nicht so ein K\u00fcnstler sein, ohne diesen unglaublichen Stolz und diesen Determinismus zu haben. Aber er hat seine Arbeit trotzdem gleichzeitig mit uns geteilt.<\/p>\n<p><strong>Hatten Sie nach seinem Herzinfarkt Angst, dass er einen weiteren Auftritt, wie bei \u201eFashion Rocks\u201c, nicht \u00fcberstehen w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n<p>Als er zur\u00fcck auf die B\u00fchne ging, sagte er, er habe mich das Intro allein spielen lassen, um zu sehen, ob er sein Selbstvertrauen wiedergewinnen k\u00f6nne. Ich hatte keine Angst um seine Gesundheit. Und er wusste, dass er sich auf mich verlassen konnte. Ich habe noch nie Drogen genommen. Auch kein Alkohol getrunken. Was mich fasziniert, ist, dass diese Version von \u201eLife on Mars?\u201c, die wir dort spielten, sechs Halbt\u00f6ne tiefer war als das Original. Seine Stimme wurde immer tiefer und tiefer, und sie war immer noch warm, voll und reif.<\/p>\n<p>Er hat sich nicht in eine Lage gebracht, in der er schrill singen musste, denn das lag seiner Stimme nicht mehr. Er war ein Gentleman, der jetzt \u00e4lter war. Doch es war sehr schwer f\u00fcr mich, das in der tieferen Tonart von \u201eLife on Mars\u201c neu zu lernen, weil es eine so schwierige Tonart war. Das erste Mal begann es in F-Dur, wie Rick Wakeman es gemacht hatte, und wie ich es in den fr\u00fchen Tagen gemacht hatte, aber zu diesem Zeitpunkt war der erste Akkord B-Dur, was f\u00fcr das Klavier nicht sehr freundlich ist. Wir m\u00f6gen C und F und G. Das nun war B-Dur, also musste ich zwei Tage lang \u00fcben. Also sagte ich ihm: \u201eDu qu\u00e4lst mich hier.\u201c Er antwortete: \u201eNun, das ist die einzige M\u00f6glichkeit, dich dazu zu bringen, weniger Noten zu spielen. Also ist es eine gute Sache.\u201c<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie am Comeback-Album \u201eThe Next Day\u201c nicht mitgewirkt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte bei \u201eThe Next Day\u201c und \u201eBlackstar\u201c mitgewirkt. Ich w\u00fcnschte, ich w\u00e4re bei \u201eHunky Dory\u201c dabei gewesen. Ich w\u00fcnschte, ich w\u00e4re bei \u201eHours\u201c dabei gewesen. Bei \u201eLow\u201c, \u201eScary Monsters\u201c und \u201eHeroes\u201c Auch hier kann ich es nicht pers\u00f6nlich nehmen. Ich habe andere Dinge gemacht. Er hat andere Dinge in Bezug auf \u201eNext Day\u201d und \u201eBlackstar\u201d gemacht. Ich war in Los Angeles. Er war in New York. Alle, die er engagiert hat, kamen aus New York. Er wollte, dass ich 2006 nach New York ziehe und sein Musical Director werde, so wie Mick Ronson in den fr\u00fchen Tagen. Aber meine ganze Familie war hier, also konnte ich das nicht machen. Es ist also nicht so, dass er mich bestraft hat.<\/p>\n<p><strong>H\u00f6ren Sie sich diese zwei Alben an und denken: Was h\u00e4tte ich da anders gemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Gott wei\u00df, ich wei\u00df genau, was ich auf \u201eLazarus\u201c und \u201eBlackstar\u201c gespielt h\u00e4tte. Ich h\u00e4tte ihn dazu gebracht, das zu akzeptieren. Meiner Meinung nach w\u00e4re das Album dann sogar noch besser geworden. Aber es sind trotzdem fantastische Alben. Ich wei\u00df einfach, was das Klavier bewirkt, wenn ich in der richtigen Stimmung bin oder im Flow des Augenblicks, bei allem, was ich beitrage, wie bei \u201eCandidate\u201c, bei \u201eDiamond Dogs\u201c und \u201eThe Motel\u201c oder bei \u201eI\u2019m Deranged\u201c oder \u201eA Small Plot of Land\u201c. Oder bei Live-Versionen . Haben Sie einen Lieblingssong von Bowie?<\/p>\n<p><strong>Ja, \u201eAbsolute Beginners\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAbsolute Beginners\u201c von 1999 geh\u00f6rt zu meinen besten Aufnahmen.<\/p>\n<p><strong>Sie wirken ger\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich l\u00fcgen, wenn ich sagen w\u00fcrde, dass ich nicht geschmeichelt war, dass er mich als einen der vier oder f\u00fcnf Menschen betrachtete, die ihn am meisten beeinflusst und ihm geholfen haben, sich zu entfalten. Ich war so etwas wie die geheime Zutat und der unbesungene Held, genau wie Mick Ronson, wissen Sie. Wie Michael Kamen, der vor Jahren verstorben ist, er war der musikalische Leiter bei \u201eDiamond Dogs\u201c. Er verdient Anerkennung. Er war gro\u00dfartig. Luther Vandross war dabei, als ich Musical Director der \u201eYoung Americans\u201c-Tournee war. Wir gaben zusammen den Support Act und bekamen manchmal bessere Kritiken als David selbst. Diese Leute waren Giganten, und alle hatten sp\u00e4ter dank David eine Karriere, eine gro\u00dfe Karriere. Meine ist noch im Entstehen begriffen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p><strong>Bitte?<\/strong><\/p>\n<p>Ich lerne langsam, aber es geht trotzdem voran, denn in gewisser Weise waren die letzten 70 Jahre f\u00fcr mich wie eine Lehre. Jetzt bin ich bereit, Mike Garson zu sein und nur mit meiner Musik und meiner Absicht durchzustarten. Ich spiele immer noch mit S\u00e4ngern, aber ich glaube, dass ich geduldig war, und in gewisser Weise bin ich jetzt an der Reihe, voranzukommen. Ich habe nun zwei \u201eI Cant Give Everything Away\u201c-Boxen von Warner Brothers erhalten, die 18 Schallplatten und die 13 CDs. Und ich werde sie nicht einmal \u00f6ffnen, weil sie so sch\u00f6n sind.<\/p>\n<p>Ich glaube, sie haben es mir gegeben, weil ich all diese Interviews gemacht habe. Wissen Sie, ich habe in den letzten 50 Jahren 1.000 Interviews gegeben und wurde nie f\u00fcr eines bezahlt. Das kostet viel Zeit und \u00dcberlegung.<\/p>\n<p><strong>Sie haben von der \u201eDiamond Dogs\u201c-Tournee 1974 gesprochen. Sie war eine der aufwendigsten aller Zeiten, mit dem Nachbau einer Stadt und Br\u00fccken, die T\u00fcrme verbinden. Wie sehr bedauern Sie die Tatsache, dass es kaum gutes Videomaterial von dieser Konzertreise gibt?<\/strong><\/p>\n<p>David hat gro\u00dfes Bedauern dar\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert, diese Tournee nicht richtig auf Video festgehalten zu haben. Eigentlich war er unglaublich gut darin, alles festzuhalten. Bis zu dem Tag, an dem er starb. Ich habe 1998 in seinem B\u00fcro in einem seiner Schr\u00e4nke nachgesehen. Er muss Stapel von Festplatten gehabt haben, die heute auf einem kleinen Stick Platz finden w\u00fcrden, mit allem, was er gemacht hat.<\/p>\n<p>Er bedauerte die Logistik von \u201eDiamond Dogs\u201c. Der Fehler bei dieser Tournee war, dass sie zu schnell umzog. Wir brauchten zwei Tage f\u00fcr den Aufbau. Wir h\u00e4tten eine Residency machen sollen. Zwei Wochen in Los Angeles, zwei Wochen in New York und zwei Wochen in London. Nicht jeden Abend in einer anderen Stadt, wo wir versucht haben, alles schnell aufzubauen. Die Pausen waren deshalb zu lang.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p><strong>Wie kamen Sie mit dem Tourstress zurecht?<\/strong><\/p>\n<p>Wir hatten verschiedene Lkw, die mit der Ausr\u00fcstung zum n\u00e4chsten Ort fuhren, wo wir zwei B\u00fchnen aufbauten. Wir reisten, ohne auch nur zwei Shows in einer Stadt zu spielen. Absolut verr\u00fcckt, administrativ und finanziell, aber musikalisch absolut sinnvoll. Es war unglaublich. Man h\u00f6re sich einige der Sachen auf dem \u201eDavid Live\u201c-Album an \u2013 die keine Anerkennung finden. Mein Spiel darauf ist eines der besten, das ich je gemacht habe, weil er mich alles machen lie\u00df, was ich wollte, da das \u201eDiamond Dogs\u201c-Album bereits fertig war. Also mach, was du willst, und tu, was dir gef\u00e4llt. Und vielleicht hat Tony Visconti, als er es neu abgemischt hat, sogar das Klavier zu laut gemischt, was lustig ist, dass ich das als Pianist sage, aber es war fast schon zu aufdringlich, so nach dem Motto: \u201eG\u00f6nn mir eine Pause. Ich wei\u00df, wie ich klinge. Du k\u00f6nntest es ein bisschen zur\u00fccknehmen.\u201c<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie sagen, dass es notwendig ist, die Welt daran zu erinnern, wie wichtig David Bowie war? Oder sind Sie zuversichtlich, dass die Erinnerung an ihn immer so gro\u00df bleiben wird, wie sie jetzt ist?<\/strong><\/p>\n<p>Sie wird noch gr\u00f6\u00dfer werden. Ich sage Ihnen, warum ich das schon 10 Jahre vor seinem Tod gesagt habe. Ich sagte damals, dass wir uns in 100 oder 200 Jahren an Bob Dylan, die Beatles, John Lennon als Solomusiker, Prince, Ray Charles an Stevie Wonder \u2013 und David Bowie erinnern werden. David hatte, um ehrlich zu sein, einen gr\u00f6\u00dferen Einfluss als all diese Leute, denn er war nicht nur ein Singer-Songwriter und Performer. Er war Produzent, er war ein Modezar. Er war ein gro\u00dfartiger Schauspieler. Er h\u00e4tte in Hollywood sein und Oscars am laufenden Band gewinnen k\u00f6nnen. Aber das gefiel ihm einfach nicht. Er sang lieber \u2013 aber er war auch einmal Herausgeber eines Kunstmagazins. Ich meine, er hatte Installationen in Italien! Er wird derjenige sein, an den man sich als den Michelangelo, den Rembrandt oder den Da Vinci erinnert.<\/p>\n<p><strong>Gerade Schauspieler lobten Bowie f\u00fcr sein Talent.<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mit Schauspielern wie Gary Oldman gesprochen, als er den Oscar f\u00fcr \u201eChurchill\u201c bekam, und er liebt David, er war ein Freund von ihm, und ich habe ihn in einer meiner Bands singen h\u00f6ren, Gary ist ein sehr guter S\u00e4nger, und der Respekt, den er f\u00fcr David hatte, war grenzenlos \u2013 und das nicht nur f\u00fcr ihn als S\u00e4nger. Ich habe auch mit Russell Crowe gesprochen. Ich habe mit Evan Rachel Wood gesprochen, die eine wunderbare S\u00e4ngerin und gro\u00dfartige Schauspielerin ist. Als Kind hatte sie das \u201eAladdin Sane\u201c-Emblem auf ihrem Oberschenkel. Und was sie auf Bowie aufmerksam gemacht hat, war \u201eLabyrinth\u201c! Es war nicht \u201e1. Outside\u201c oder Ziggy, es war \u201eLabyrinth\u201c. Da ist sie eine kleine Achtj\u00e4hrige, die sagt: \u201eOh, ich mag diesen Typen. Er sieht gut aus. \u201c<\/p>\n<p><strong>Glauben Sie, dass es irgendwann ein Bowie-Biopic geben wird?<\/strong><\/p>\n<p>David wollte nie, dass ein Film \u00fcber ihn gedreht wird, wie Elton John oder Queen. Er sagte seiner Managementfirma, sie solle niemals einen solchen Film \u00fcber ihn drehen. Also machen bestimmte Leute Dokumentarfilme. Das ist in Ordnung. Dem Nachlass wurden Unsummen angeboten, um Filme \u00fcber ihn zu drehen, und er hat nie \u2026 Sie respektieren seinen Willen. Wer wei\u00df, in 10 oder 20 Jahren, wenn diese Leute nicht mehr da sind, wird vielleicht jemand anderes es tun, und dann wird es niemanden mehr interessieren, dass David es nicht wollte.<\/p>\n<p><strong>Sie haben die Sessions von 1994 erw\u00e4hnt, die zu \u201e1. Outside\u201c gef\u00fchrt haben und als Bootlegs kursieren. Wissen Sie, warum die sechs \u00c4ra-Boxen keine bislang unver\u00f6ffentlichte Songs, keine Outtakes enthalten?<\/strong><\/p>\n<p>Zu \u201e1. Outside\u201d hatten wir 50 Stunden unver\u00f6ffentlichtes Material, und das wurde gestohlen und ins Internet gestellt, was David wirklich ver\u00e4rgerte. Deshalb haben wir nie die Trilogie gemacht, die er mit den drei Alben f\u00fcr \u201eOutside\u201d machen wollte. Ich habe Einblick in die Jazzwelt. Bill Evans, Miles Davis, Coltrane, sie wollten die Kontrolle \u00fcber ihre Ver\u00f6ffentlichungen. Was wurde ver\u00f6ffentlicht? Sie starben 10 Jahre sp\u00e4ter, und alles Weitere tauchte auf. Wir reden jetzt \u00fcber Gesch\u00e4ft, Geld, Gier. Wen interessiert schon der K\u00fcnstler?<\/p>\n<p><strong>Haben Sie selbst eine Truhe an Songs?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sitze hier mit 6.000 Musikst\u00fccken, von denen 200 ver\u00f6ffentlicht wurden, und vielleicht 10, die ich zusammen mit David geschrieben habe. Irgendjemand wird das in 20, 30, 50, 100 Jahren finden, und von den 6.000 St\u00fccken, die ich komponiert habe, sind vielleicht 600 gro\u00dfartig. Der Rest ist Mist. Wenn sie also ver\u00f6ffentlicht werden, falls sie jemals ver\u00f6ffentlicht werden, werden die Leute sagen, dass sie nicht so gut waren. H\u00f6rt euch das an, das ist Mist. Wisst ihr, das ist es, was der K\u00fcnstler zu verhindern versucht. Aber seien wir ehrlich, mit dem Internet gibt es keine Geheimnisse mehr, und alles wird aufgedeckt. Ich selbst warte darauf, die Outtakes zu h\u00f6ren, wie \u201eBring Me The Disco King\u201c aus der Fassung von \u201eBlack Tie, White Noise\u201c.<\/p>\n<p><strong>Aber Sie recherchieren Ihre eigenen Arbeiten noch?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe von David gelernt, Verantwortung f\u00fcr mein Verm\u00e4chtnis zu \u00fcbernehmen. Also stelle ich nach und nach alles zusammen und finde dabei diese Sch\u00e4tze, denn Gott sei Dank gibt es Dropbox und meinen Computer. Ich schreibe so viele Kompositionen, dass ich ein paar Jahre sp\u00e4ter vergesse, dass ich sie geschrieben habe. Also finde ich diese Dinge und frage mich, wer sie geschrieben hat. Und dann merke ich, dass ich es war, weil mein Name auf der Computerdatei steht, denn nur so kann man den \u00dcberblick behalten. Also gebe ich \u201eMike Garson\u201d ein, und es kommen 5.000 Ergebnisse, von denen 4.500 Mist sind, aber die anderen 500 sind wertvoll. Also versuche ich, meinem Management und meiner Familie klar zu machen, dass dies die Juwelen sind. Aber es ist ein sehr gro\u00dfes Projekt, und ich habe nicht vor, morgen zu sterben.<\/p>\n<p><strong>Welchem Stellenwert als Musiker w\u00fcrden Sie sich selbst zuschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin nicht Beethoven oder Mozart oder David Bowie oder die Beatles, aber ich habe einige gro\u00dfartige Musikst\u00fccke. Bei Instrumentalmusik ist der Markt bekanntlich sehr klein, aber wenn man den Song singt, und ich bin kein S\u00e4nger, dann k\u00f6nnte man einen Hit landen. Ich bin kein Mensch, der Hits komponiert. Wenn ich einen Song zusammen mit einem Songwriter schreibe, ist das etwas anderes, und das habe ich ein wenig mit Bowie auf dem Album \u201e1. Outside\u201c gemacht.<\/p>\n<p><strong>Hat Bowie sp\u00e4ter Witze dar\u00fcber gerissen, dass er Los Angeles nicht mochte \u2013 aber Sie dort besuchen musste?<\/strong><\/p>\n<p>Er hasste L.A. und lie\u00df es an mir aus, weil ich hier lebte. Wohlgemerkt, ich wohne au\u00dferhalb der Stadt in einer sch\u00f6nen l\u00e4ndlichen Gegend, aber er hasste es. Und ich schw\u00f6re, wenn ich in New York gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich an diesen zwei Alben, \u201eThe Next Day\u201c und \u201eBlackstar\u201c, mitgewirkt. New York \u2026 David hatte einen so schlechten Geschmack (lacht). Sehen Sie, es ist ein Mega-Ort f\u00fcr Zerst\u00f6rung. Wenn man in einer destruktiven Stimmung ist, wenn man in einer kreativen Stimmung ist, ist es einer der besten Orte der Welt, um ein Drehbuch zu schreiben und Regie zu f\u00fchren. Und ich wiederum lebe in einer Gemeinde, in der es innerhalb eines Umkreises von einer Meile bestimmt 100 Regisseure gibt.<\/p>\n<p><strong>Beeinflusst Los Angeles Sie denn als K\u00fcnstler?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Sie glauben, dass mich das beim Komponieren nicht beeinflusst, dann irren Sie sich. Das tut es. Die Energie ist da. Was den Jazz in den 60er-Jahren in New York angeht, h\u00e4tte ich nicht so spielen k\u00f6nnen, wie ich gespielt habe, wenn ich in L.A. aufgewachsen w\u00e4re, aber jetzt habe ich das, was ich in New York gelernt habe, und New York ist ein bisschen chaotisch. Ich bin gl\u00fccklicher hier im sonnigen Klima. Und solange wir nicht durch ein Erdbeben ins Meer st\u00fcrzen, wird alles gut, und wenn doch, dann machen wir einfach weiter.<\/p>\n<p><strong>Es wirkt so, als w\u00e4re Ihnen nicht immer klar gewesen, welchen Einfluss auf Bowie Sie gehabt hatten.<\/strong><\/p>\n<p>Damals war mir das nicht bewusst, aber jetzt sehe ich meinen Einfluss und bin stolz darauf. Es ist so, wie ich schon gesagt habe: Ich h\u00e4tte nicht das f\u00fcr ihn tun k\u00f6nnen, was ich getan habe, wenn ich so gedacht h\u00e4tte: \u201eOh, ich werde diesen Kerl zu einem Superstar machen, und niemand wird es wissen, aber mein Klavierspiel wird ihn auf die n\u00e4chste Stufe bringen, denn es hat die Spiders beendet, als ich viel Verr\u00fccktes f\u00fcr das Rolling-Stones-Cover gespielt habe \u2026<\/p>\n<p><strong>\u2026 \u201eLet\u2019s Spend The Night Together\u201c auf \u201eAladdin Sane\u201c \u2026<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 denn pl\u00f6tzlich, was ist das f\u00fcr ein verr\u00fccktes Klavier auf einem Rocksong? Seien wir ehrlich, RCA, die Plattenfirma wusste es. Davids Manager wusste es, und David wusste es. Ich war anders. Der Einzige, der es nicht wusste, war ich, und ich bin froh, dass Sie es vielleicht gewusst haben. Sie sind noch jung, Sie waren damals vielleicht noch nicht dabei. Aber wissen Sie, ich bin froh, dass ich es sp\u00e4ter im Leben erfahren habe, denn Sie wissen ja, wie Egos sind. Es h\u00e4tte mir zu Kopf steigen k\u00f6nnen, und ich h\u00e4tte die Magie verloren. Er wusste, dass er etwas Gutes in mir hatte. Ich werde mich nicht mit falscher Bescheidenheit abtun. Ich wei\u00df, dass ich gro\u00dfartige Arbeit geleistet habe, aber ich habe es nicht aus diesem Blickwinkel betrachtet.<\/p>\n<p><strong>Hat er jemals versucht, so wie Sie auf dem Klavier zu spielen?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, deshalb hat er mich ja engagiert. Aber ich liebte sein Klavierspiel. Es war sehr grundlegend und einfach, aber es war sehr gut gemeint. Und er zeigte mir Dinge und sagte: \u201eMach weiter so.\u201d Er mochte es, wenn ich es zu etwas Gr\u00f6\u00dferem ausbaute. Er konnte nicht so spielen wie ich, weil er nicht so ge\u00fcbt hatte wie ich. Er war auch Saxophonist und sagte mir, wenn er besser gewesen w\u00e4re, w\u00e4re er Saxophonist geworden. Sein Schicksal war es, David Bowie zu sein, wie wir ihn kennen. K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, wenn er nur ein guter Saxophonist gewesen w\u00e4re? Wir w\u00fcrden dieses Interview nicht f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Waren Sie denn damals aufgeregt bei der Audition f\u00fcr seine Band?<\/strong><\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte die Audition nicht bestanden, wenn ich schlecht gespielt h\u00e4tte. Er und ich wussten, dass ich besser spielen musste als Rick Wakeman und Keith Emerson und Leon Russell und Elton und Billy Joel. Ich hatte keine Alternative, denn ich wusste, dass dieser Typ der Richtige war. Aber ich wusste auch, dass ich ein besser ausgebildeter und besserer Musiker war, weil ich mein ganzes Leben mit Klassik, Jazz, Pop-Rock und Blues verbracht hatte und immer noch studierte und lernte. Und es gibt Hunderte, die so gro\u00dfartig sind wie ich, aber ich war in gewisser Weise der Erste, der 1973 auf einem Album wie diesem ein Solo wie \u201eAladdin\u201c spielte. Niemand sonst tat das, aber niemand au\u00dfer David hatte diese Vision. Ich war der Typ, aus dessen Wasserhahn das Wasser kam. Aber er war der Typ, der die Wasserh\u00e4hne installiert hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mike Garson spielte auf zehn Bowie-Studioalben das avantgardistische Klavier, so prachtvoll, dass Produzenten es f\u00fcr den fertigen Album-Mix&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":515601,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[128087,128088,37534,29,128083,214,30,28001,37470,128082,1779,810,128084,128086,215,128085],"class_list":{"0":"post-515600","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-aladdin-sane","9":"tag-blackstar","10":"tag-david-bowie","11":"tag-deutschland","12":"tag-diamond-dogs","13":"tag-entertainment","14":"tag-germany","15":"tag-heroes","16":"tag-improvisation","17":"tag-mike-garson","18":"tag-music","19":"tag-musik","20":"tag-outside","21":"tag-reality-tour","22":"tag-unterhaltung","23":"tag-vermaechtnis"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115411834389130673","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/515600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=515600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/515600\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/515601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=515600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=515600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=515600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}