{"id":515824,"date":"2025-10-21T13:17:11","date_gmt":"2025-10-21T13:17:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/515824\/"},"modified":"2025-10-21T13:17:11","modified_gmt":"2025-10-21T13:17:11","slug":"schillers-raeuber-in-nuernberg-und-erlangen-bayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/515824\/","title":{"rendered":"Schillers \u201eR\u00e4uber\u201c in N\u00fcrnberg und Erlangen &#8211; Bayern"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zweimal Schiller, zweimal \u201eDie R\u00e4uber\u201c. Einmal am Erlanger Schauspiel, einmal am N\u00fcrnberger Staatstheater. Die Inszenierungen k\u00f6nnten unterschiedlicher nicht sein, restlos \u00fcberzeugen kann letztlich keine von beiden. Aber w\u00e4hrend Matthias K\u00f6hler in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Erlangen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Erlangen<\/a> einen mutigen Zugriff auf den Klassiker w\u00e4hlt, bleibt er bei Jana Vetten in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/N%C3%BCrnberg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">N\u00fcrnberg<\/a> verzagt. Daran \u00e4ndert auch die Tatsache nichts, dass die Regisseurin alle M\u00e4nner von Schauspielerinnen und Amalia von Edelreich, die einzige Frau des St\u00fccks, von Luca Rosendahl spielen l\u00e4sst. Warum aber dieser dann noch als Pater auftritt, bleibt ein Geheimnis. W\u00e4re es nicht konsequent gewesen, auch diese Rolle mit einer Frau zu besetzen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Oder sie ganz zu streichen, wie das K\u00f6hler getan hat, der auch sonst nicht zimperlich mit der Vorlage verf\u00e4hrt. Wo Schillers \u201everirrte gro\u00dfe Seele\u201c, Karl Moor, acht R\u00e4uber als Hauptmann anf\u00fchrt, gen\u00fcgen ihm die Spie\u00dfgesellen Spiegelberg, Schweizer und Roller. Ralph Jung, Luca Hass und Tobias Graupner sehen zwar in ihren Strampelhosen und den gelben, blauen und gr\u00fcnen Per\u00fccken ein wenig aus wie Teletubbies, die sich in den Wald verirrt haben, machen aber ansonsten viel Alarm.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zwischent\u00f6ne sind K\u00f6hlers Sache nicht, weshalb Sprechen hier vor allem Gellen bedeutet und das Pathos des St\u00fcrmers und Dr\u00e4ngers Schiller drei Stunden lang voll zu bedienen. Au\u00dfer man hei\u00dft Johannes Rebers und Juliane B\u00f6ttger und lotet die unterschiedlichen Facetten von Franz und Amalia Moor aus. Dem jungen Kai G\u00f6tting als seine Ideale verratender Karl Moor gelingt dies nur phasenweise.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In Matthias K\u00f6hlers kesser Version ist Amalia nicht die Geliebte von Karl Moor, sondern die Schwester der ungleichen Br\u00fcder und einzige Stimme des Gewissens. So wird man Zeuge eines waschechten Geschwisterdramas, in dem ihr treudoofer Vater schon gar nicht mehr am Leben ist, und das sich in einem totalit\u00e4ren Staat einer nicht allzu fernen Zukunft mit erbarmungsloser Stringenz abrollt. Womit auch beantwortet w\u00e4re, was K\u00f6hler an dem Stoff interessiert. Vor dem Hintergrund des Rechtsrucks in den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/USA\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> ist dies die Frage nach der Freiheit. Was einzig und allein z\u00e4hlt, ist das Recht des St\u00e4rkeren, der sich frei von moralischen Fesseln und staatlichen Einschr\u00e4nkungen das nimmt, was er will. Die Verkn\u00fcpfung mit den von Schiller aufgeworfenen Fragen nach Recht, Gesetz und individueller Freiheit ist daher plausibel.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zu K\u00f6hlers bew\u00e4hrtem Team geh\u00f6ren der B\u00fchnenbildner Patrick Loibl und der Videok\u00fcnstler Marvin Kanas. W\u00e4hrend auf den Videow\u00e4nden im Hintergrund ein Unget\u00fcm von einem Turm in einen blutrot gef\u00e4rbten Himmel ragt und gef\u00e4hrlich an den Trump-Tower erinnert, hat Loibl auf die Drehb\u00fchne des Markgrafentheaters einen klaustrophobisch d\u00fcsteren Klotz gewuchtet. Darin haust der \u00e4u\u00dferlich entstellte und innerlich macht-verr\u00fcckte Franz, dem zu einem Nero nur das R\u00f6mische Reich fehlt, gemeinsam mit seinem Faktotum Daniel. Gespenstisch gut mit Kerzen auf dem Kopf statt in der Hand: Hermann Gro\u00dfe-Berg. Bildgewaltig und laut ist Schillers Sprache, bildgewaltig und laut ist K\u00f6hlers Inszenierung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/c69d65b0-ac97-4df4-9ac2-400a4beef05b.jpg\"   alt=\"Regisseur Matthias K\u00f6hler hat in Erlangen einen mutigen Zugriff auf \u201eDie R\u00e4uber\u201c gew\u00e4hlt.\u00a0Johannes Rebers (rechts) ist darin der macht-verr\u00fcckte Franz Moor, Hermann Gro\u00dfe-Berg sein gespenstisches Faktotum Daniel.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Regisseur Matthias K\u00f6hler hat in Erlangen einen mutigen Zugriff auf \u201eDie R\u00e4uber\u201c gew\u00e4hlt.\u00a0Johannes Rebers (rechts) ist darin der macht-verr\u00fcckte Franz Moor, Hermann Gro\u00dfe-Berg sein gespenstisches Faktotum Daniel. (Foto: Tanja Dorendorf \/ T+T Fotografie)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Jana Vetten schl\u00e4gt im N\u00fcrnberger Schauspielhaus die genau entgegengesetzte Richtung ein und setzt auf Abstraktion und leise T\u00f6ne. Sam Beklik hat auf die B\u00fchne ein riesiges Ger\u00fcst gestellt, durch das sich das Ensemble immerzu hindurchhangelt. Allzu oft bedeutet das aber nur: Man sieht die Darsteller vor lauter Stangen nicht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bis auf Luca Rosendahl, der ein knallrotes Abendkleid tr\u00e4gt, haben alle businessblaue oder mausgraue Hosenanz\u00fcge an. Die Darstellerinnen konterkarieren Schillers \u00dcberschwang bewusst durch samtpf\u00f6tiges Understatement. Ausnahmen sind Julia Bartolome als Spiegelberg und Marie Dziomber als Franz Moor, die sich ihre gemeingef\u00e4hrlichen M\u00e4nnerrollen mit expressiver Gestik und Mimik zu eigen machen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die ansonsten ge\u00fcbte Zur\u00fcckhaltung k\u00f6nnte funktionieren, wenn dadurch jene Aussagen, in denen von M\u00e4nnlichkeit die Rede ist \u2013 und davon redet Schiller bis zu Karl Moors \u201eNein, ein Weib ersch\u00fcttert meine Mannheit nicht\u201c unabl\u00e4ssig \u2013, noch pr\u00e4gnanter herausgehoben w\u00fcrden. Stattdessen aber verlieren sie ihre patriarchal gepr\u00e4gte Brutalit\u00e4t, die doch gerade herausgearbeitet werden sollte. Damit aber \u00fcberzeugt die einzige wirkliche Inszenierungsidee, \u201eDie R\u00e4uber\u201c fast ausschlie\u00dflich mit Frauen zu besetzen, nicht. Wieviel zwingender ist da K\u00f6hlers Fassung. Bei ihm ist es am Ende Amalia, die Karl mit den Worten t\u00f6tet: \u201eEin Opfer muss erbracht werden!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zweimal Schiller, zweimal \u201eDie R\u00e4uber\u201c. Einmal am Erlanger Schauspiel, einmal am N\u00fcrnberger Staatstheater. 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