{"id":517311,"date":"2025-10-22T03:13:18","date_gmt":"2025-10-22T03:13:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/517311\/"},"modified":"2025-10-22T03:13:18","modified_gmt":"2025-10-22T03:13:18","slug":"comfort-food-menschen-mit-chronischen-schmerzen-neigen-zu-emotionalem-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/517311\/","title":{"rendered":"Comfort Food: Menschen mit chronischen Schmerzen neigen zu emotionalem Essen"},"content":{"rendered":"<p><strong>In einer australischen Studie griffen zwei Drittel der Patienten mit chronischen Schmerzen zu Comfort Food. Was einerseits Freude und Trost im Schmerzalltag schenkt, kann auch zu einem Teufelskreis aus Gewichtszunahme und weiteren Gesundheitsproblemen f\u00fchren, warnen die Forscher.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eMenschen, die t\u00e4glich mit Schmerzen leben, m\u00fcssen Wege finden, damit umzugehen\u201c, erkl\u00e4rt Studienautor Prof. Toby Newton-John. \u201eWir denken bei Strategien zur Schmerzbew\u00e4ltigung an Medikamente, Physiotherapie oder W\u00e4rmepackungen, aber normalerweise nicht an Essen\u201c, verdeutlicht der Professor f\u00fcr Klinische Psychologie von der University of Technology Sydney.<\/p>\n<p>Emotionales Essen zur Schmerzbew\u00e4ltigung<\/p>\n<p>Als emotionales Essen, emotional eating oder comfort eating gilt der Verzehr von Nahrung (Comfort Food), die in Zusammenhang mit bestimmten Emotionen aufgenommen wird anstatt aufgrund eines Hungergef\u00fchls. So kann es bspw. bei Langeweile, Stress und depressiven Verstimmungen (Stichwort: Frustessen), aber auch in Verbindung mit positiven Emotionen (die klassische Belohnung) zum emotionalen Essen kommen.<\/p>\n<p>In die Reihe von Gr\u00fcnden f\u00fcr emotionales Essen scheint sich nun auch die Schmerzbew\u00e4ltigung einzureihen. So gaben in der aktuellen Befragung von 141 Erwachsenen mit chronischen Schmerzen zwei Drittel an, dass sie mindestens einmal alle zwei Wochen zu Essen griffen, wenn die Schmerzen aufflammten. Die Wissenschaftler bezeichnen dieses Verhalten als schmerzbedingtes emotionales Essen (pain-induced comfort eating, PICE). Sie definieren PICE als \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Verzehr von schmackhaften und typischerweise energiereichen Lebensmitteln mit dem spezifischen Ziel, die mit dem Schmerzempfinden verbundenen Beschwerden zu lindern.<\/p>\n<p>Comfort Food als sch\u00f6ne Alltagserfahrung<\/p>\n<p>Als Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr PICE nannten die Befragten \u201eeine angenehme Erfahrung machen\u201c (51,8 %), gefolgt von \u201eAblenkung\u201c (49,6 %) und \u201eEmotionen reduzieren\u201c (39 %). Das berichten Newton-John und seine beiden Kolleginnen Claudia Roche und Dr. Amy Burton im \u201eJournal of Clinical Psychology in Medical Settings\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDas war ein etwas unerwartetes Ergebnis\u201c, sagt Burton. \u201eDas Essen diente nicht nur der Ablenkung oder der Bet\u00e4ubung negativer Gef\u00fchle, obwohl auch diese Aspekte wichtig waren. F\u00fcr viele war das Essen von Comfort Food eine sch\u00f6ne Erfahrung in ihrem Alltag und etwas, worauf sie sich freuen konnten. Wenn man st\u00e4ndig mit Schmerzen lebt, wird dieser Moment des Genusses zu einer ziemlich starken Motivation.\u201c<\/p>\n<p>Den Autoren zufolge k\u00f6nnte es aber auch eine biologische Erkl\u00e4rung f\u00fcr ihre Entdeckung geben. \u201eUntersuchungen zeigen, dass kalorienreiche Lebensmittel eine leicht schmerzlindernde Wirkung haben k\u00f6nnen. Selbst in Experimenten mit Tieren suchen Ratten, die Schmerzen haben, nach Zucker. Es scheint also nicht nur eine psychologische Wirkung zu sein. Es ist m\u00f6glich, dass diese Lebensmittel auch eine echte schmerzstillende Wirkung haben\u201c, spekuliert Burton.<\/p>\n<p>Vorsicht vor dem Teufelskreis aus Schmerz und Essen<\/p>\n<p>Allerdings hat das emotionale Essen seinen Preis. Rund 38 Prozent der Studienteilnehmer galt als \u00fcbergewichtig und weitere fast 30 Prozent als adip\u00f6s. Damit unterscheiden sich die Werte nicht wesentlich von der <a href=\"https:\/\/www.aihw.gov.au\/reports\/overweight-obesity\/overweight-and-obesity\/contents\/summary\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">australischen Allgemeinbev\u00f6lkerung<\/a>. Dennoch warnen die Forscher davor, dass die Schmerzbew\u00e4ltigung durch Essen zu einem Teufelskreis werden kann, in dem sich beide Zust\u00e4nde gegenseitig verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>\u201eKurzfristig f\u00fchlen sich Menschen durch kalorienreiche Lebensmittel besser. Sie lindern die Schmerzsymptome und erh\u00f6hen die Schmerztoleranz. Langfristig k\u00f6nnen sie jedoch zu Gewichtszunahme und Entz\u00fcndungen f\u00fchren, was den Druck auf die Gelenke erh\u00f6ht und die Schmerzen verschlimmert. Dadurch k\u00f6nnen Menschen in eine Spirale geraten, aus der sie nur schwer wieder herauskommen.\u201c<\/p>\n<p>Ern\u00e4hrungsberatung, um den Kreislauf zu durchbrechen<\/p>\n<p>Bislang konzentrieren sich Schmerzmanagementprogramme (beispielsweise die multimodale Schmerztherapie) auf den Einsatz von medikament\u00f6sen, physiotherapeutischen und psychologischen Behandlungsstrategien. Nach Ansicht der australischen Forscher sollte erwogen werden, eine Ern\u00e4hrungsberatung in solche Programme zu integrieren, um Alternativen zu Bew\u00e4ltigungsmechanismen durch Essen anzubieten.<\/p>\n<p>\u201eWir vermitteln in der Regel F\u00e4higkeiten wie Entspannung, Dehnungs\u00fcbungen oder das richtige Tempo bei Aktivit\u00e4ten, aber wir sprechen in diesem Zusammenhang selten \u00fcber Ern\u00e4hrung\u201c, sagt Newton-John. \u201eDiese Arbeit zeigt, dass wir den Menschen helfen m\u00fcssen, zu erkennen, ob sie Essen als Mittel zur Schmerzbew\u00e4ltigung einsetzen, und ihnen Alternativen anbieten m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Vorsicht vor Stigmatisierung<\/p>\n<p>Gleichzeitig betont Professor Newton-John, dass die Ergebnisse nicht dazu verwendet werden sollten, Menschen mit chronischen Schmerzen daf\u00fcr zu verurteilen, dass sie sich von einer kurzfristigen L\u00f6sung verf\u00fchren lassen. \u201eDer Umgang mit t\u00e4glichen Schmerzen ist unglaublich schwierig, und Medikamente reichen oft nur bis zu einem gewissen Grad. Es ist verst\u00e4ndlich, dass Menschen nach etwas greifen, das ihnen ein gutes Gef\u00fchl gibt. Aber sowohl f\u00fcr \u00c4rzte als auch f\u00fcr Patienten ist das Bewusstsein entscheidend, um diesem Kreislauf zu entkommen.\u201c<\/p>\n<p>(ah\/BIERMANN)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In einer australischen Studie griffen zwei Drittel der Patienten mit chronischen Schmerzen zu Comfort Food. 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