{"id":517887,"date":"2025-10-22T08:56:12","date_gmt":"2025-10-22T08:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/517887\/"},"modified":"2025-10-22T08:56:12","modified_gmt":"2025-10-22T08:56:12","slug":"gescanntes-schaedelimplantat-fuehrte-auf-die-richtige-spur-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/517887\/","title":{"rendered":"Gescanntes Sch\u00e4delimplantat f\u00fchrte auf die richtige Spur \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Aufkl\u00e4rung unklarer Todesf\u00e4lle erh\u00e4lt die Staatsanwaltschaft regelm\u00e4\u00dfig Unterst\u00fctzung durch das Institut f\u00fcr Rechtsmedizin an der Universit\u00e4t Leipzig. Dies ist an sich nichts Ungew\u00f6hnliches. Diesmal half den Rechtsmedizinern jedoch eine innovative Methode auf die richtige Spur: Mithilfe eines neuen 3D-Scanners, der an der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Neurochirurgie zum Einsatz kommt, gelang es erstmals, \u00fcber die Bestimmung der Herkunft eines Sch\u00e4delimplantats die Identit\u00e4t einer unbekannten Leiche herauszufinden.<\/p>\n<p>Geht es um die Ermittlung der Identit\u00e4t einer unbekannten verstorbenen Person, kommt es darauf an, spezifische, individuelle Eigenheiten zu identifizieren, anhand derer sich weitere R\u00fcckschl\u00fcsse ziehen lassen. Im vorliegenden Fall war es ein besonderes Implantat, das der verstorbenen Person in den Sch\u00e4del eingesetzt worden war \u2013 und sich letztendlich als Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung des Falls erweisen sollte.<\/p>\n<p>Als Prof. Dr. Jan Dre\u00dfler, Direktor des Institutes f\u00fcr Rechtsmedizin am Universit\u00e4tsklinikum Leipzig und seine Kollegen, Ober\u00e4rzte Dr. Carsten Babian und Dr. Christian K\u00f6nig, von der Staatsanwaltschaft Leipzig den Auftrag erhielten, bei der Identit\u00e4tsfeststellung einer unbekannten Toten mitzuwirken, lag es f\u00fcr sie angesichts der Spezifik dieses besonderen Falls nahe, die bestehenden guten Kontakte zur Klinik und Poliklinik f\u00fcr Neurochirurgie am UKL zu nutzen.<\/p>\n<p>Die Idee war, dass patientenspezifische Anfertigungen wie das Sch\u00e4delimplantat laut Medizinprodukteverordnung vom Hersteller dokumentiert werden m\u00fcssen und sich somit auch sp\u00e4ter noch eindeutig einer bestimmten Person zuordnen lassen.\u00a0Zwischen beiden Institutionen besteht schon seit l\u00e4ngerer Zeit eine enge Zusammenarbeit und ein wechselseitiger Austausch. So nutzen die Neurochirurgie-Experten beispielsweise das Computertomografie-System der Rechtsmedizin f\u00fcr ihre Forschungsaufgaben.<\/p>\n<p>Aufkl\u00e4rung in 3D<\/p>\n<p>\u201eIm Fall der Identifikation des patientenspezifischen Sch\u00e4delimplantats waren wir froh, dass wir die Kollegen hier mit unserer Expertise auf dem Gebiet des 3D-Scans und des 3D-Drucks unterst\u00fctzen konnten\u201c, sagt PD Dr. Ronny Grunert, neben Klinikdirektor Prof. Dirk Winkler einer der Leiter des 3D-Druck Forschungslabors LEGEND an der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Neurochirurgie.<\/p>\n<p>Der Forschungsschwerpunkt von LEGEND (Eiipzig NeurosurGical 3D REsearch aNd Development Center) liegt in 3D-Anwendungen f\u00fcr die Personalisierte Chirurgie. Dies umfasst Entwicklungen modernster Augmented-\/Mixed-Reality-Anwendungen f\u00fcr Planung und intraoperative Navigation komplexer Operationen. Der zweite Schwerpunkt des Labors ist die Entwicklung und Fertigung patientenspezifischer Instrumente und Implantate unter Nutzung verschiedener 3D-Druck Technologien.<\/p>\n<p>Solcherart ausgestattet mit modernsten technischen Ger\u00e4ten zum 3D-Druck beziehungsweise 3D-Scan und der dazugeh\u00f6rigen Expertise, nahm sich Katharina Scheidt, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Neurochirurgie des UKL, der Sache an. Und tats\u00e4chlich stellte sich heraus, dass das Implantat mit h\u00f6chster Wahrscheinlichkeit aus dem Kunststoff Polyetheretherketon \u2013 abgek\u00fcrzt PEEK \u2013 besteht und an einem 3D-Drucker hergestellt worden war.<\/p>\n<p>PEEK-Implantate werden unter anderem zur Rekonstruktion von Knochendefekten im Gesichtssch\u00e4del verwendet, so beispielsweise nach Unf\u00e4llen oder nach der Entfernung von Tumoren. Da Implantate aus diesem Material am UKL selbst nicht hergestellt werden, begab sich die 3D-Expertin auf die Suche nach dem potenziellen Hersteller. Und siehe da: Nach nur einem Tag war Katharina Scheidt bereits f\u00fcndig geworden \u2013 bei der 3di GmbH, einem Produzenten patientenspezifischer Implantate aus Jena.<\/p>\n<p>\u201eAuff\u00e4llig waren die typischen Zwei-Gruppen-Muster der Perforationen an dem Implantat\u201c, beschrieb die wissenschaftliche Mitarbeiterin ihren \u201eFahndungserfolg\u201c. Anschlie\u00dfend kam der 3D-Scanner zum Einsatz. \u201eMit seiner Hilfe erzeugten wir im Forschungslabor von dem Implantat ein virtuelles 3D-Modell, daraus eine OBJ-Datei \u2013 ein weit verbreitetes Format f\u00fcr 3D-Modelle \u2013 und schickten es an das Institut f\u00fcr Rechtsmedizin.\u201c<\/p>\n<p>Fall gel\u00f6st<\/p>\n<p>Oberarzt Dr. Babian leitete diese Datei umgehend an die 3di GmbH weiter \u2013 verbunden mit der Bitte, ob der Medizintechnik-Anbieter einen Abgleich mit den in seiner Datenbank vorhandenen Implantaten vornehmen k\u00f6nne. Diese Suche ergab dann auch prompt einen Treffer. Da patientenspezifische Implantate \u00fcber die Krankenkasse abgerechnet werden, war es anschlie\u00dfend ein Leichtes, den Namen der seinerzeit damit versorgten Person herauszufinden.<\/p>\n<p>Schlussendlich konnte das Unternehmen, das im \u00dcbrigen vor 25 Jahren aus einem Forschungsprojekt des Universit\u00e4tsklinikums Jena und der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t hervorgegangen war, die Staatsanwaltschaft Leipzig \u00fcber die Identit\u00e4t der unbekannten Leiche informieren. Dank modernster technischer Ausstattung und enger interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit innerhalb der Leipziger Universit\u00e4tsmedizin war der Fall gel\u00f6st!<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr uns war es eine spannende Abwechslung neben unseren t\u00e4glichen Aufgaben\u201c, res\u00fcmiert Dr. Grunert und weist noch auf einen interessanten Nebenaspekt hin: \u201eVor zwei Jahren besuchte uns der bekannte Kriminalbiologe und Autor Dr. Mark Benecke. Damals besprachen wir unter anderem die M\u00f6glichkeit, mithilfe von 3D-Scans die Identit\u00e4t unbekannter Kriminalit\u00e4tsopfer zu ermitteln. Er fand diese Idee sehr interessant. Ich finde es bemerkenswert, dass dieser Fall nun tats\u00e4chlich eingetreten ist.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei der Aufkl\u00e4rung unklarer Todesf\u00e4lle erh\u00e4lt die Staatsanwaltschaft regelm\u00e4\u00dfig Unterst\u00fctzung durch das Institut f\u00fcr Rechtsmedizin an der Universit\u00e4t&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":517888,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,71,128548,859,19768,20953],"class_list":{"0":"post-517887","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-leipzig","12":"tag-rechtsmedizin","13":"tag-sachsen","14":"tag-ukl","15":"tag-uniklinik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115416988732336896","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/517887","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=517887"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/517887\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/517888"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=517887"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=517887"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=517887"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}