{"id":518795,"date":"2025-10-22T17:23:13","date_gmt":"2025-10-22T17:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/518795\/"},"modified":"2025-10-22T17:23:13","modified_gmt":"2025-10-22T17:23:13","slug":"choreograph-emmanuel-gat-arbeitet-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/518795\/","title":{"rendered":"Choreograph Emmanuel Gat arbeitet in Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ausgerechnet <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Gustav Mahler\" data-rtr-id=\"5d4fb4f5144847c87f4206a81712b39fe4517072\" data-rtr-score=\"237.52082639120295\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/gustav-mahler\" title=\"Gustav Mahler\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gustav Mahler<\/a>. Und das wie eine Naturgewalt, die B\u00e4sse sind auf der Trib\u00fcne im Bockenheimer Depot im K\u00f6rper zu sp\u00fcren. Ja, sagt Emmanuel Gat nonchalant, Mahler habe viel Bass verwendet, vor allem in dieser Komposition. Aber, ehrlich: \u201eWir k\u00f6nnten dasselbe St\u00fcck auch mit ganz anderer Musik machen.\u201c K\u00f6nnte sein, dass die Zuschauer das nicht ganz so wahrnehmen, wenn am 23. Oktober \u201eAbschied\u201c im Bockenheimer Depot uraufgef\u00fchrt wird und Dietrich Fischer-Dieskau sie an der ein oder anderen Stelle aus den Sitzen hebt. Es ist eine Einspielung von 1967, mit den Wiener Philharmonikern und Dirigent Leonard Bernstein, die Gat gew\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eAbschied\u201c hei\u00dft das neue St\u00fcck, das er mit der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Dresden\" data-rtr-id=\"2f9a5d08bc49fde6a3a06225a7f934ebbb55b209\" data-rtr-score=\"21.463845384871707\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/dresden\" title=\"Dresden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dresden<\/a> Frankfurt Dance Company geschaffen hat. Keine Hintergedanken dabei, der 1969 geborene Gat ist r\u00fchrig wie eh und je. \u201eDer Abschied\u201c aber hei\u00dft der zweite und letzte der beiden Teile aus Mahlers \u201eDas Lied von der Erde\u201c, die Gat spielen l\u00e4sst. Nicht immer sei die Musik zuerst da \u2013 es komme auf den Prozess an.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eVielleicht bin ich in meiner Mahler-Phase\u201c, sagt Gat. \u201eDer Einsame im Herbst\u201c, das zweite Lied aus \u201eDas Lied von der Erde\u201c, hat er vor 15 Jahren schon einmal in einer Choreographie verwendet. Aber warum die Musik nun wiederkam? \u201eSchwer zu sagen. Vieles ist Intuition. Es f\u00fchlte sich im Prozess richtig an und passte zu Dingen, die ich zuvor getan habe.\u201c<\/p>\n<p>Alles eine Frage der Intuition<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Im Grunde ist in diesen S\u00e4tzen schon viel von dem gesagt, was die Arbeit des Choreographen Emmanuel Gat ausmacht. Geboren im nordisraelischen Chadera, hat er vor 30 Jahren angefangen zu choreographieren \u2013 aber eigentlich hatte er Musiker, Dirigent werden wollen. Kaum zwei Jahre nachdem er, angeregt durch einen Workshop, das erste Mal \u00fcberhaupt getanzt hatte, war er selbst, nach einer kurzen Phase als T\u00e4nzer, Choreograph geworden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Seit 2007 lebt und arbeitet er in S\u00fcdfrankreich, seit Langem ist er mit seiner eigenen Compagnie Emmanuel Gat Dance in Montpellier ans\u00e4ssig. Von dort aus choreographiert er international, arbeitet mit gro\u00dfen Compagnien, in Frankfurt hat er auch schon einmal gearbeitet, 2018 entstand im Frankfurt Lab zusammen mit dem Ensemble Modern \u201eStory Water\u201c, das ebenfalls international zu sehen war.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Gastspiele und Auftragswerke sind das t\u00e4gliche Brot des Choreographen. F\u00fcr seine eigene Compagnie bekomme er etwa zehn Prozent F\u00f6rdermittel, den Rest erwirtschafte man selber. \u201eDas ist hart, aber besser, als abh\u00e4ngig zu sein\u201c, sagt er. Er sp\u00fcre in der Kunst oft eine Erwartungshaltung, unbedingt Geld zu bekommen, eben weil man K\u00fcnstler sei. Das h\u00e4lt er f\u00fcr falsch. \u201eDu musst schon einen Wert erzeugen, wenn du Geld willst\u201c, sagt er.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Nicht der Typ f\u00fcr zu viel Aufhebens: Choreograph Emmanuel Gat.\" height=\"1996\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/nicht-der-typ-fuer-zu-viel.jpg\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Nicht der Typ f\u00fcr zu viel Aufhebens: Choreograph Emmanuel Gat.Frank R\u00f6th<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Pragmatisch, sehr ruhig und rational schaut er im Gespr\u00e4ch auf seine Arbeit. Der Mann in Baggyjeans und schwarzem Shirt macht wenig Aufhebens um seine Arbeit. \u00dcber das Bockenheimer Depot sagt er, das sei einer jener nicht theatertypischen Orte, die nicht \u201eneutral\u201c seien. Die vielen Informationen, die ein altes Stra\u00dfenbahndepot so mitliefert, nimmt er auf, \u201eman kann einen solchen Ort nicht ignorieren\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In das Konzept der Dresden Frankfurt Dance Company, die beinahe ausschlie\u00dflich improvisatorisch arbeitet, passt seine Arbeitsweise als Erweiterung, die Compagnieleiter Ioannis Mandafounis auch durch Gastk\u00fcnstler anstrebt. Die Compagnie, bis auf f\u00fcnf T\u00e4nzer gleich geblieben, hatte schon vor ihrer ersten Tournee eine Probenphase mit Gat. Gut so, findet der, dann k\u00f6nne man noch einmal frisch an das Erarbeitete herangehen. Auch, weil er wei\u00df, dass seine Vorgabe, binnen weniger Minuten in jeder Auff\u00fchrung neu Verabredungen zu Bewegungssequenzen zu treffen, die sich sp\u00e4ter wieder aufnehmen lassen, sehr schwer sei.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Normalerweise habe man Stunden oder Tage f\u00fcr so etwas Zeit. Und es erfordert eine hohe Konzentration auf die Person, die Personen, die Gat als Zentrum sieht. Daher legt er auch keinen Wert darauf, gefundene Formen exakt oder symmetrisch zu wiederholen. Auch in der Natur gebe es keine zwei identischen Muster. Konzentrierten sich die T\u00e4nzer zu stark auf das exakte Abbilden eines Bewegungsmusters, verl\u00f6ren sie ihre Intensit\u00e4t, ihre F\u00e4higkeit, ganz und gar pr\u00e4sent zu sein, nur um eine Figur bestm\u00f6glich zu zeigen. Nicht die Intention von Gat, der lieber von der lebendigen Natur her denkt. Was in \u201eAbschied\u201c noch eine ganz besondere Pointe haben wird.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eIch versuche, einen Sinn f\u00fcr Verantwortung zu stimulieren\u201c, sagt Gat, der auf seiner Homepage auch immer wieder Essays zu Choreographie und Tanz ver\u00f6ffentlicht. Mit seiner eigenen Compagnie h\u00f6re die Diskussion nie auf. Hier sei es anders. Er gebe etwas \u2013 \u201eund sie m\u00fcssen den Prozess weiterf\u00fchren\u201c. W\u00e4hrend des gemeinsamen Wegs dahin sieht Gat die choreographische Improvisation als ein besonders verantwortliches und komplexes Handeln.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eMan muss wissen, was man zuvor getan hat\u201c, erl\u00e4utert Gat, es gehe nicht darum, von Bewegung zu Bewegung zu kommen \u2013 ohne auf dem aufzubauen, was zuvor gewesen ist. Ein konstruktives Prinzip, buchst\u00e4blich: \u201eAm Ende muss etwas Solides gebaut sein.\u201c Das aber entstehe jedes Mal neu. Improvisieren im Ensemble aber sei keine Freiheit, wehrt er eine landl\u00e4ufige Annahme ab. \u201eDas ist Verantwortung. Frei bist du, wenn du akzeptierst, dass du Verantwortung hast.\u201c<\/p>\n<p>\u25a0 Abschied, Dresden Frankfurt Dance Company, Bockenheimer Depot, Frankfurt, 23. bis 26. Oktober und 30. Oktober bis 2. November..<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ausgerechnet Gustav Mahler. 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