{"id":51947,"date":"2025-04-22T11:12:10","date_gmt":"2025-04-22T11:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/51947\/"},"modified":"2025-04-22T11:12:10","modified_gmt":"2025-04-22T11:12:10","slug":"hannover-tatort-blind-ist-nicht-die-maschine-blind-sind-immer-nur-wir-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/51947\/","title":{"rendered":"Hannover-\u201eTatort\u201c: Blind ist nicht die Maschine, blind sind immer nur wir Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Im neuen Hannoveraner \u201eTatort\u201c werden Menschen von einem Messermann niedergemetzelt. Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Es geht um die M\u00f6glichkeiten und Gefahren der KI im Kriminaldienst. \u00c4rgerlich ist \u201eIm Wahn\u201c aus einem ganz anderen Grund.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Menschen gehen, schieben sich aneinander vorbei, beobachten, taxieren sich, vergessen sich. Wer sich prinzipiell in gr\u00f6\u00dferen Massen eher unwohl f\u00fchlt, wen die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/terrorismus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/themen\/terrorismus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anschl\u00e4ge<\/a> der vergangenen Jahre unsicher gemacht haben, der sollte vielleicht lieber die ersten gut f\u00fcnf Minuten von \u201eIm Wahn\u201c auslassen. <\/p>\n<p>Da passiert n\u00e4mlich etwas, das eine Urangst bef\u00f6rdern, eine Psychose ausl\u00f6sen k\u00f6nnte. Ein Mann hat sich unter die unterirdisch durch die G\u00e4nge des unwirtlichen Hannoveraner Hauptbahnhofs hastenden Menschen gemischt. Einen Hoodie hat er an, die Kapuze \u00fcber den Kopf gezogen. Und dann geht es blitzschnell und wahllos. Er sticht zu. Er wird verfolgt. Er wird gestellt. Er sticht wieder zu. Zwei Menschen sind tot. <\/p>\n<p>Wer dieser der bemerkenswert dicht erz\u00e4hlten, ziemlich aufregend gefilmten Ouvert\u00fcre zu Kommissar <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/tatort-fans.de\/category\/kommissare\/kommissare-im-ruhestand\/falke-und-grosz\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/tatort-fans.de\/category\/kommissare\/kommissare-im-ruhestand\/falke-und-grosz\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Falkes<\/a> 36. Fall ausgesetzt hat und einen dieser \u00fcblichen Problem-<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/ard-tatort\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/themen\/ard-tatort\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eTatort\u201c<\/a>-Geschichten erwartet, sollte den Fernseher einfach trotzdem gleich ausschalten. Es geht \u2013 bis auf einen Plot-Schlenk nach gut einer Stunde \u2013 n\u00e4mlich nicht um Islamismus. Es geht \u00fcberhaupt nicht eigentlich um das Problem marodierender Messerm\u00e4nner \u2013 weder der migrantischen noch der nicht nicht-migrantischen. <\/p>\n<p>Es geht um Kroisus. Das ist ein KI-gesteuerte \u00dcberwachungstool, das in Windeseile aus einer Unmenge an Daten der rund um den Tatort in Funknetze eingeloggten Passanten die Wahrscheinlichkeit ausrechnet, dass einer der Vorbeieilenden der T\u00e4ter sein k\u00f6nnte. Eine Art modernisierte Abart von Gotham, der inzwischen als verfassungswidrig eingestuften <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/palantir-technologies\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/themen\/palantir-technologies\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Palantir-<\/a>Software, die in Frankfurt und Hamburg zur Fahndungsunterst\u00fctzung eingesetzt wurde. Falkes Polizeidirektorin ist trotzdem ganz besoffen von den M\u00f6glichkeiten. <\/p>\n<p>Kein fadenscheiniges Thesenwesen<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte einen langj\u00e4hrigen \u201eTatort\u201c-User eine andere Urangst \u00fcberkommen. Oder eigentlich gleich zwei. <\/p>\n<p>Die n\u00e4mlich, dass sich hinter \u201eIm Wahn\u201c blo\u00df wieder eines jener mehr oder weniger fadenscheinig von Erz\u00e4hlt\u00fcll umh\u00fcllten Thesenwesen verbirgt, in der eine wiederum mehr oder weniger aktuelle gesellschaftliche Entwicklung in unendlichen Erkl\u00e4rb\u00e4rdialogen durchdiskutiert wird. <\/p>\n<p>Und die, dass \u2013 und Kommissar Falke w\u00e4re dazu geradezu pr\u00e4destiniert \u2013 in dem von Georg Lippert geschriebenen und Viviane Andereggen inszenierten Fernsehspiel wieder blo\u00df das blutige Menetekel vor dem gro\u00dfen Bruder und den Ausw\u00fcchsen der fiesen Tech-Industrie an die W\u00e4nde unser aller Wohnzimmer gemalt werden soll.<\/p>\n<p>Zumindest diese Ur\u00e4ngste werden diesmal nicht bef\u00f6rdert. Es wird mehr gezeigt in einer ziemlich windungsreichen Geschichte mit ansehnlichen Spannungskurven als erkl\u00e4rt. Die Frage, ob man sich als Staat eigentlich freiwillig sein Gewaltmonopol von privaten Analysediensten aus der Hand nehmen darf, wird gestellt. Die danach, ob Ermittler mit ihrer Denkgeschwindigkeit, ihrer moralischen Vorpr\u00e4gung, ihrer ganzen sehr menschlichen Intelligenz nicht l\u00e4cherlich sind gegen\u00fcber der vielfach \u00fcberlegenen k\u00fcnstlichen auch. <\/p>\n<p>Die Haltung von \u201eIn Wahn\u201c ist klar, aber sie nimmt nicht \u00fcberhand. Gezeigefingert wird bemerkenswert wenig und wenn dann in eine \u00fcberraschende Richtung.<\/p>\n<p>Ein ewiger Zweifler<\/p>\n<p>Der Fall ist eigentlich relativ schnell klar. Kroisus bestimmt in Windeseile den wahrscheinlichen T\u00e4ter vom Hannoveraner Hauptbahnhof. Er hei\u00dft Zimmermann und haust unterm Dach. Er ist psychisch krank und leidet unter Verfolgungswahn. <\/p>\n<p>Als Falke vor der T\u00fcr steht, flieht er aus dem Fenster und st\u00fcrzt in die Tiefe. Die Polizeidirektorin ist gl\u00fccklich, der Kroisus-Experte ist gl\u00fccklich. Falke, der ewige Zweifler, ist es nicht. <\/p>\n<p>Er sieht die M\u00f6glichkeiten, verniedlicht trotzdem nicht die Gefahren. Er ist wieder einmal die Sonde des gesunden Menschenverstands in den Untiefen eines sich ank\u00fcndigenden Desasters. <\/p>\n<p>Aber dann geht es weiter. Der M\u00f6rder, der eindeutig der M\u00f6rder war, ist tot. Dann wird aber noch einmal zugestochen. Mit der gleichen Waffe. In exakt der gleichen Art. <\/p>\n<p>Ein Investigativjournalist, der sich auf die vielleicht finsteren Spuren von Kroisus begeben hat, wird von finsteren Kerlen in seiner Wohnung \u00fcberfallen. Relativ schnell kommt jedes von mehreren Jahrg\u00e4ngen \u201eTatort\u201c gef\u00fctterte Gehirn auf den Trichter, dass da irgendwas anderes und ganz besonders sinistres im Gang ist. <\/p>\n<p>Zwischendurch fallen wunderbare Zeilen. Ob das hier die Neuauflage von Kasparow gegen Deep Blue 30 Jahre sp\u00e4ter sei, fragt die technikbesoffene Polizeidirektorin ihren Lieblingskommissar. Am Ende wird die Maschine von ihr geradezu umarmt. Allerdings \u2013 \u201eIm Wahn\u201c ist auch eine Art Entwicklungsroman \u2013 aus anderen Gr\u00fcnden. Nicht die Maschine habe Fehler gemacht, sondern die Menschen, die sie bedienten. \u201eDie Blinden sind wir\u201c, sagt sie. <\/p>\n<p>Was geschieht mit Anais Schmitz?<\/p>\n<p>Womit wir jetzt beim \u00c4rgernis dieses eigentlich schicken Falls w\u00e4ren. Aus ziemlich unerfindlichen Gr\u00fcnden bekommt Falke, immer noch (wie wir alle) in Halbtrauer um seine dahingemordete Grosz, zur Unterst\u00fctzung im Messerfall neben der in Hannover bisher nicht auff\u00e4llig gewordenen Polizeidirektorin noch die Beihilfe von zwei Kolleginnen. <\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Lieder singende Kommissarin Yael Feldman (Peri Baumeister) ist auf einmal da. Anais Schmitz (Florence Kasumba), die sich selbst als Touristin einf\u00fchrt und sichtlich nicht so ganz wei\u00df, wei\u00df wie sie aus dem G\u00f6ttinger \u201eTatort\u201c-B\u00fcro nun ausgerechnet in diesem Drehbuch gelandet ist, das so gar nichts mit ihr anfangen kann. <\/p>\n<p>Wer nun glaubt, das sei der Beginn von zumindest einer l\u00e4ngeren und perspektivisch wunderbaren Zusammenarbeit, sitzt am Ende ziemlich verdutzt da, wenn eine Kollegin nach der anderen verabschiedet wird. Anais Schmitz ist sogar auf einmal ohne Angabe von Gr\u00fcnden einfach weg. <\/p>\n<p>Und der arme Falke, der auch nicht wei\u00df, wie ihm da geschieht, steht wieder ganz allein ist. Man m\u00f6chte ihn anrufen. Und sei es nur, um ihn mit seinem Klingelton ein bisschen zu tr\u00f6sten \u2013\u201eSympathy for the Devil\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im neuen Hannoveraner \u201eTatort\u201c werden Menschen von einem Messermann niedergemetzelt. 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