{"id":520078,"date":"2025-10-23T05:59:11","date_gmt":"2025-10-23T05:59:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/520078\/"},"modified":"2025-10-23T05:59:11","modified_gmt":"2025-10-23T05:59:11","slug":"duesseldorf-die-ho-ho-hochschule-hier-werden-weihnachtsmaenner-gemacht-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/520078\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorf | Die Ho-Ho-Hochschule: Hier werden Weihnachtsm\u00e4nner gemacht"},"content":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorf (dpa) &#8211; Wenn zehn M\u00e4nner im Hinterraum einer Kneipe zusammensitzen und besprechen, wie man m\u00f6glichst unerkannt in fremde H\u00e4user eindringt, klingt das zun\u00e4chst nach einem Mafia-Film. Doch Stefan D\u00f6\u00dfereck \u2013 der Wortf\u00fchrer \u2013 und seine Kollegen haben keinerlei finstere Pl\u00e4ne, wie schnell klar wird \u2013 sondern das genaue Gegenteil. Statt auf einen Paten wird die Runde auf einen sympathischen \u00e4lteren Herren eingeschworen, der Kinderaugen zum Leuchten bringt. \u00abWir wissen, wie der Weihnachtsmann aussieht. Wir wissen, wann er kommt. Und wir wissen, was er macht\u00bb, sagt D\u00f6\u00dfereck. \u00abSollen uns die anderen mal beweisen, dass es ihn nicht gibt.\u00bb<\/p>\n<p>Es ist eine Art Glaubensbekenntnis, das am Anfang jeder seiner Kurse steht. D\u00f6\u00dfereck lehrt seit Jahren, wie man einen guten Weihnachtsmann verk\u00f6rpert. Ein bisschen Rest-Glaube an den Rauschebart-Tr\u00e4ger sollte schon vorhanden sein, findet er \u2013 nur so k\u00f6nne man auch sein \u00abHelfer\u00bb sein.<\/p>\n<p>An diesem ausgesprochen herbstlichen Oktobernachmittag haben D\u00f6\u00dfereck und sein Kollege Markus von Juterczenka in eine Gastst\u00e4tte nach D\u00fcsseldorf-Unterrath zu einer Weihnachtsmann-Schulung eingeladen. Angehende Weihnachtsm\u00e4nner k\u00f6nnen sich hier auf ihre Mission vorbereiten oder \u2013 sofern bereits Erfahrung im Ho-Ho-Ho-Business vorhanden ist \u2013 am R\u00fcstzeug feilen. 20 Euro kostet ein Platz. Am Ende gibt es ein Diplom.<\/p>\n<p>Wenn man fragt, warum man schon im Oktober f\u00fcr Weihnachten \u00fcben muss, sagt der Kurs-Leiter: \u00abDie Feuerwehr \u00fcbt das L\u00f6schen auch bevor es brennt.\u00bb W\u00e4hrend vorn in der Kneipe Altbier-Dunst durch die Luft wabert, riecht es im separierten Schulungsraum nach Lebkuchen.<\/p>\n<p>Es hei\u00dft \u00abGewand\u00bb \u2013 nicht Kost\u00fcm<\/p>\n<p>Inhalt der Schulung sind Tipps zum Auftreten und Sprache \u2013 und auch die Kost\u00fcmkunde. Was geh\u00f6rt dazu? Was nicht? Ein- oder Zweiteiler? Wobei Markus von Juterczenka rasch warnend die Hand hebt \u2013 er spricht lieber von \u00abGewand\u00bb als von \u00abKost\u00fcm\u00bb. \u00abDas Wort Kost\u00fcm mag ich nicht. Kost\u00fcm ist Karneval \u2013 und wir feiern keinen Karneval.\u00bb<\/p>\n<p>Das Kost\u00fcm-Thema \u2013 nein, Gewand! \u2013 er\u00f6ffnet er zudem mit einem didaktischen Kniff: Er zeigt ein Schock-Beispiel. Von einem Haken holt er eine Art rotes Ganzk\u00f6rper-Leibchen mit Fusselbart \u2013 so etwas Scheu\u00dfliches gebe es im Internet f\u00fcr f\u00fcnf bis sieben Euro. \u00abGerade in der Adventszeit gibt es inflation\u00e4re Ausstattungsm\u00f6glichkeiten\u00bb, warnt Kollege D\u00f6\u00dfereck. Auf keinen Fall aber sollte man damit Menschen gegen\u00fcbertreten. Der Weihnachtsmann werde so nur zur Lachnummer und \u2013 das ist der Punkt \u2013 verliere Glaubw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n<p>\u00dcberlebenstipps f\u00fcr Weihnachtsm\u00e4nner<\/p>\n<p>D\u00f6\u00dfereck ist vor 30 Jahren erstmals als Weihnachtsmann aufgetreten, f\u00fcr sein Patenkind und Nachbarskinder. Es lief ganz gut \u2013 zumindest sei aus allen Kindern \u00abetwas geworden\u00bb, versichert er. Seitdem l\u00e4sst ihn das Thema nicht mehr los. Er hat einen Weihnachtsmann- und Nikolaus-Service aufgebaut, der Auftritte vermittelt. Nikolaus kann er n\u00e4mlich auch. Im Fu\u00dfball w\u00fcrde man ihn als beidf\u00fc\u00dfig bezeichnen.<\/p>\n<p>Aus seinem reichen Erfahrungsschatz gibt er nun handfeste Tipps weiter. Etwa, bei Firmen-Weihnachtsfeiern unbedingt einen fr\u00fchen Zeit-Slot zu w\u00e4hlen. Die Wirkung des Alkohols im Publikum ist dann f\u00fcr den Weihnachtsmann noch beherrschbar. Achtet man nicht darauf, kann es passieren wie einst bei D\u00f6\u00dfereck, der mal quer durch den Raum mit den Worten \u00abJetzt kommt die Schei\u00dfe auch noch!\u00bb empfangen wurde. \u00abAm Ende gab es aber ein gro\u00dfes Lob vom Chef, wie ich den Herrn freundlich eingefangen habe\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Wenn man ihn fragt, was einen guten Weihnachtsmann ausmacht, sagt er, dass man mehrere Jobs vereinen m\u00fcsse: Schauspieler, Psychologe und auch Kurier-Fahrer, denn man ist viel unterwegs. Und man m\u00fcsse Freundlichkeit mit nat\u00fcrlicher Autorit\u00e4t verbinden k\u00f6nnen. Der Weihnachtsmann und der Nikolaus br\u00e4uchten \u00abRichtlinienkompetenz\u00bb, sagt D\u00f6\u00dfereck. So wie ein Bundeskanzler.<\/p>\n<p>Eine M\u00e4nner-Dom\u00e4ne<\/p>\n<p>Manche Kursteilnehmer bringen viel Erfahrung mit. Etwa Peter aus Bottrop, der schon seit 1991 unterwegs ist und sich \u00abRevierweihnachtsmann\u00bb und \u00abReviernikolaus\u00bb nennt. Ein anderer, Eric, hat den Job \u00aberst zwei-, dreimal\u00bb im Sch\u00fctzenverein gemacht. F\u00fcr jeden aber erkennbar besitzt der 66-J\u00e4hrige gro\u00dfes Potenzial. Wei\u00dfes Haupthaar und Bart wirken so perfekt, dass man ihn sowohl als Weihnachtsmann als auch als K\u00e4pt\u2019n Iglo besetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dass die Weihnachtsmann-Branche eher ein M\u00e4nner-Business ist, ist offensichtlich. Wobei: Frauen habe es durchaus schon in der Schulung gegeben, sagt Ober-Weihnachtsmann D\u00f6\u00dfereck. Das Problem sei aber, dass sie nicht angefragt w\u00fcrden. \u00abOder wenn sie angefragt werden, dann leider immer so in Richtung &#8222;sexy Weihnachtsfrau&#8220;.\u00bb Das ist mit ihm nicht zu machen.<\/p>\n<p>Mit Technik-Tricks zum Erfolg<\/p>\n<p>Die Weihnachtsmann-Bubble ist eine eigene Welt \u2013 mit ganz speziellen Fragen, die man in keinem normalen Job findet. Kursteilnehmer Bastian will etwa wissen: St\u00f6rt es die Polizei, wenn man mit Zipfelm\u00fctze und Rauschebart Auto f\u00e4hrt? Ist ja denkbar zwischen zwei Auftritten. Peter r\u00e4t prompt zu Gelassenheit. Er habe schon im vollen Ornat an einer Ampel neben einem Polizeiauto gehalten. \u00abDie machen da nix!\u00bb<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt kann man von Peter viel lernen. Auch, wie man den Bischofsstab, der zum Nikolaus geh\u00f6rt, an Kindern vorbeischmuggelt. \u00abIch habe jetzt einen, den man in der Mitte auseinanderschrauben kann. So passt er in die Tasche\u00bb, erkl\u00e4rt er. Vor dem Auftritt dreht er die Teile einfach wieder zusammen. \u00abAuch wenn ich mich dabei f\u00fchle wie bei der Mafia, beim Aufschrauben eines Zielfernrohrs.\u00bb<\/p>\n<p>Ein kleines bisschen Mafia-Wissen ist also doch im Raum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"D\u00fcsseldorf (dpa) &#8211; Wenn zehn M\u00e4nner im Hinterraum einer Kneipe zusammensitzen und besprechen, wie man m\u00f6glichst unerkannt in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":520079,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[17274,1140,3364,29,3405,30,1209,7490],"class_list":{"0":"post-520078","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-brauchtum","9":"tag-arbeit","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-duesseldorf","13":"tag-germany","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-vermischtes"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115421955025272911","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/520078","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=520078"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/520078\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/520079"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=520078"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=520078"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=520078"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}