{"id":521321,"date":"2025-10-23T17:38:26","date_gmt":"2025-10-23T17:38:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/521321\/"},"modified":"2025-10-23T17:38:26","modified_gmt":"2025-10-23T17:38:26","slug":"peter-magyar-orbans-aergster-feind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/521321\/","title":{"rendered":"P\u00e9ter Magyar: Orb\u00e1ns \u00e4rgster Feind"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/45\/peter-magyar-viktor-orban-ungarn-fidesz-gxe\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 1Orb\u00e1ns \u00e4rgster Feind<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/45\/peter-magyar-viktor-orban-ungarn-fidesz-gxe\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 2&#8243;Die letzten zwanzig Jahre waren verlorene Jahre&#8220;<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"paragraph article__item\">Drei junge Frauen stehen auf einem Platz unweit des Zentrums der s\u00fcdungarischen Stadt Baja. Die eine arbeitet als Altenpflegerin im \u00f6sterreichischen Linz, die andere will nach ihrem Studium eine Zeit lang nach Kopenhagen, die dritte sucht in \u00d6sterreich und Deutschland nach Arbeit. Im Ausland Geld verdienen, dann wieder dorthin zur\u00fcckkehren, wo ihre Familien und ihre Freunde leben \u2013 das ist ihr Wunsch. Wenn &#8222;das hier&#8220; aber schiefgehe, sagen die drei \u00fcbereinstimmend, dann seien sie ganz sicher weg, &#8222;und zwar f\u00fcr immer!&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mit &#8222;das hier&#8220; sind die ungarischen Parlamentswahlen im April n\u00e4chsten Jahres gemeint. In den Augen der drei jungen Frauen geht es schief, wenn <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/viktor-orban\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Viktor Orb\u00e1n<\/a> die Wahlen wieder gewinnt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Als Orb\u00e1ns Dauerregnum 2010 begann, waren die drei noch Kinder. 2014, 2018, 2022 hie\u00df der Wahlsieger immer wieder Orb\u00e1n. F\u00fcr einen jungen Menschen ist diese Zeitspanne eine Ewigkeit \u2013 in diesem Fall eine sehr anstrengende. Denn in Orb\u00e1ns <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/ungarn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ungarn<\/a> zieht die Regierung t\u00e4glich, ja st\u00fcndlich in die Schlacht. Mal gegen Migranten, mal gegen die EU, mal gegen den aus Ungarn stammenden amerikanischen Investor und Philanthropen George Soros, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-04\/ungarn-verfassung-gericht-aenderung-gender\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mal gegen die LGBTQ-Community<\/a>, mal gegen die &#8222;Feinde des Volkes im Inneren&#8220; \u2013 und manchmal gegen alle gleichzeitig. Im Reich Orb\u00e1ns ist Tag und Nacht ein Fauchen zu h\u00f6ren.\n<\/p>\n<p>        Eine kleine Sensation        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das macht inzwischen viele unruhig, manchen macht es Angst, und bei sehr vielen n\u00e4hrt es den Wunsch, die Herrschaft Orb\u00e1ns m\u00f6ge endlich ein Ende haben. Wahlforscher nennen das Wechselstimmung.\n<\/p>\n<p>    <a class=\"volume-teaser__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/45\/index\" title=\"Zur Ausgabe DIE ZEIT Nr.\u00a045\/2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"volume-teaser__media-item volume-teaser__media-item--landscape\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1761241106_982_original__120x86.jpeg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"86\"\/><\/p>\n<p>        Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 45\/2025. Hier k\u00f6nnen Sie die gesamte Ausgabe lesen.<\/p>\n<p>            Ausgabe entdecken<\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die drei Frauen haben sich deshalb an diesem fr\u00fchen Abend auf die Pet\u00f6fi-Insel begeben, ein Stadtteil Bajas, umgeben vom Fluss Sugovica. Sie wollen den Mann sehen, der den Wechsel herbeif\u00fchren soll: Peter Magyar. F\u00fcr 18 Uhr ist er angek\u00fcndigt. Der Platz ist schon lange vorher gut gef\u00fcllt. Das ist bereits eine kleine Sensation. Denn Baja wird, wie die meisten l\u00e4ndlichen Gemeinden und Provinzst\u00e4dte Ungarns, von einem B\u00fcrgermeister der Fidesz-Partei regiert. Diese B\u00fcrgermeister sind ein zentraler Teil des Orb\u00e1nschen Machtsystems. Die Regierung in Budapest verteilt das Geld an die Gemeinden. Geld bekommt, wer gef\u00e4llig ist, den anderen werden finanzielle Mittel verwehrt. Dieses System setzt sich nach unten fort. Der B\u00fcrgermeister verteilt in seiner Gemeinde wiederum Geld an die, die gef\u00e4llig sind. Und so geht es vom Herrn zum Vasallen weiter zum Untertanen. Orb\u00e1n und seine Fidesz haben in Ungarn einen Neofeudalismus etabliert. &#8222;Schauen Sie sich um&#8220;, sagt Erika Debrecen, die an diesem Abend ebenfalls auf die Pet\u00f6fi-Insel gekommen ist. &#8222;Sie werden hier vor allem Rentner und Jugendliche sehen. Leute, die f\u00fcr die Gemeinde oder in einem staatlichen Betrieb arbeiten, kommen nicht hierher, aus Angst. Denn ihnen werden Konsequenzen angedroht, wenn sie sich hier blicken lassen.&#8220; Debrecen ist 65 und Rentnerin, sie hat viele Jahre in Deutschland gearbeitet. &#8222;Mir kann keiner das Geld nehmen&#8220;, sagt sie und verteilt fr\u00f6hlich Flugbl\u00e4tter mit dem Konterfei von Peter Magyar.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der 44-J\u00e4hrige, schlank und sportlich, wirkt schon \u00e4u\u00dferlich wie ein Kontrast zum 62-j\u00e4hrigen Orb\u00e1n, der \u00fcber die Jahre nicht nur Macht, sondern auch Pfunde angesammelt hat. Dabei kommt Magyar aus dem Herzen des Apparats. Er war bis 2024 Mitglied der Fidesz-Partei, arbeitete in wechselnden mittleren Positionen der Regierung. Und er war der Ehemann der damaligen Justizministerin Judit Varga, mit er drei Kinder hat. Gewandt und vielsprachig diente die 45-j\u00e4hrige Spitzenjuristin als weibliches Aush\u00e4ngeschild von Fidesz. Im Februar 2024 allerdings st\u00fcrzte sie \u00fcber einen Skandal. Sie hatte der Begnadigung eines Kinderheimleiters, der wegen Missbrauchs Minderj\u00e4hriger verurteilt worden war, durch die Staatspr\u00e4sidentin Katalin Nowak zugestimmt. Auch Nowak musste auf Druck Orb\u00e1ns gehen. Der Skandal ersch\u00fctterte die Partei bis in ihr Innerstes und drohte Orb\u00e1n selbst gef\u00e4hrlich zu werden. Denn der pr\u00e4sentiert sich als H\u00fcter der traditionellen Familie. Und nun das: Zwei seiner Spitzenpolitikerinnen lassen einen verurteilten Sexualstraft\u00e4ter laufen.\n<\/p>\n<p>                        Niemand st\u00f6rt sich an seinem Vorgehen        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Magyar sah offenbar den Zeitpunkt gekommen, aus dem Schatten seiner Frau zu treten. Wenige Wochen nach ihrem R\u00fccktritt ver\u00f6ffentlichte er den Mitschnitt eines privaten Gespr\u00e4chs mit ihr, aus ihrer Zeit als Justizministerin. Darin beschreibt Varga, wie andere Regierungsmitglieder sie belastende Gerichtsakten verschwinden lassen wollten. Varga: &#8222;Sie schlugen Staatsanw\u00e4lten vor, welche entfernt werden sollten.&#8220; Die Aufnahme ging viral. Er habe, beteuert Magyar bis heute, den Mitschnitt nur gemacht, um die <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/korruption\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Korruption<\/a> auf der F\u00fchrungsebene des ungarischen Staates anzuprangern. Varga behauptet hingegen, Magyar habe sie misshandelt und erpresst: &#8222;Ich habe gesagt, was er h\u00f6ren wollte, damit ich so schnell wie m\u00f6glich verschwinden konnte.&#8220; Die beiden sind inzwischen geschieden. Diese schmutzige und undurchsichtige Geschichte katapultierte Magyar in das Licht der \u00d6ffentlichkeit. Er verlie\u00df die Fidesz und gr\u00fcndete seine eigene Partei Tisza. Seitdem tourt er durchs Land. Und l\u00e4sst Orb\u00e1n in Umfragen hinter sich.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags den US-Sonderletter &#8222;Was jetzt, America?&#8220; sowie das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">An diesem Abend in Baja scheint sich niemand an Magyars Vorgehen zu st\u00f6ren. Als sei nichts dabei, wenn ein Mann heimlich aufgezeichnete Gespr\u00e4che mit seiner Frau ver\u00f6ffentlicht. Peter Magyar habe gezeigt, wie korrupt die Staatsf\u00fchrung sei, hei\u00dft es unter den Versammelten. Er habe damit Ungarn gedient.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Klar ist: Viktor Orb\u00e1n h\u00e4lt sich seit Jahren mit sehr unsauberen Mitteln an der Macht. Er drangsaliert Medienunternehmen, l\u00e4sst Fake-News verbreiten und Verleumdungskampagnen organisieren, Magyar wei\u00df das nat\u00fcrlich. Eine \u00c4u\u00dferung von ihm zur Steuerpolitik reichte, und Orb\u00e1ns Propagandaapparat verteilte Haussendungen mit der Behauptung, Magyar werde als Regierungschef die Steuern erh\u00f6hen. Seither prangert dieser Orb\u00e1n wegen Misswirtschaft und Korruption an, h\u00e4lt sich aber mit konkreten Reformvorschl\u00e4gen zur\u00fcck. Er wolle ein normales, lebenswertes Ungarn, das in einem guten Verh\u00e4ltnis zur <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/europaeische-union\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a> stehe. Ungarn m\u00fcsse im Westen verankert bleiben. Dort geh\u00f6re es hin. Konkreteres bekommt man von ihm nicht zu h\u00f6ren. Er will den Wunsch nach einem Neuanfang bedienen, aber blo\u00df keine Angriffsfl\u00e4che bieten. Auch nicht beim Thema Ukraine. W\u00e4hrend Orb\u00e1n immer wieder N\u00e4he zu Moskau demonstriert und sich in Erwartung eines Treffens zwischen Donald Trump und Wladimir Putin in Budapest als Friedensf\u00fcrst inmitten einer angeblich kriegsl\u00fcsternen EU darstellte, bleibt Magyar eher unverbindlich. Er sei gegen einen schnellen EU-Beitritt der Ukraine, viel mehr sagt er nicht. Zu gro\u00df die Sorge, er k\u00f6nnte von Orb\u00e1ns Propagandamaschine als Kriegshetzer denunziert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Orb\u00e1ns \u00e4rgster Feind Seite 2&#8243;Die letzten zwanzig Jahre waren verlorene Jahre&#8220;&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":521322,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[158,13,324,1435,14,15,129057,16,14037,12,10,8,9,11,501,500,6799,103,306,104],"class_list":{"0":"post-521321","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-europaeische-union","9":"tag-headlines","10":"tag-korruption","11":"tag-krieg-in-der-ukraine","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-peter-magyar","15":"tag-politik","16":"tag-queerness","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-top-news","19":"tag-top-meldungen","20":"tag-topmeldungen","21":"tag-topnews","22":"tag-ungarn","23":"tag-viktor-orban","24":"tag-wahlkampf","25":"tag-welt","26":"tag-wladimir-putin","27":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115424704445119834","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/521321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=521321"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/521321\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/521322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=521321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=521321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=521321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}