{"id":522150,"date":"2025-10-24T01:36:11","date_gmt":"2025-10-24T01:36:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/522150\/"},"modified":"2025-10-24T01:36:11","modified_gmt":"2025-10-24T01:36:11","slug":"leipzig-dok-retrospektive-zeigt-amerikanische-filme-aus-ddr-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/522150\/","title":{"rendered":"Leipzig: DOK Retrospektive zeigt amerikanische Filme aus DDR-Zeiten"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n<a name=\"Wer\">Wer<\/a> in den USA heute auf die Stra\u00dfe geht, um gegen Ma\u00dfnahmen der Trump-Regierung zu demonstrieren, muss sich von republikanischen Abgeordneten vorwerfen lassen, Amerika zu hassen.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEs ist fast unm\u00f6glich, sich die Filme der diesj\u00e4hrigen Retrospektive bei <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/dok-leipzig-neue-festival-leitung-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: Ola Staszel soll neue Intendantin beim Festival DOK Leipzig werden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DOK Leipzig<\/a> anzuschauen, ohne an das Amerika der Gegenwart zu denken. Der Titel &#8222;Un-American Activities&#8220; etwa bezieht sich auf das sogenannte Gremium gegen unamerikanische Umtriebe, dem sich zu Zeiten des republikanischen US-Politikers Joseph McCarthy unz\u00e4hlige des Kommunismus verd\u00e4chtigte Menschen stellen mussten.\n<\/p>\n<p>Kritische Filme aus den USA bei DOK Leipzig<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>&#8222;<\/strong>Auf jeden Fall haben wir das Gef\u00fchl gehabt, es ist der richtige Moment, diese Filme wieder zu zeigen&#8220;, sagte Publizist Tobias Hering MDR KULTUR. &#8222;Und das f\u00fchlt sich schmerzhaft aktuell an.&#8220; Hering hat die Retrospektive zusammen mit dem Filmhistoriker Tilman Schumann kuratiert.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Retrospektive versammelt 26 Filme, die auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche in der DDR bis 1989 tats\u00e4chlich gezeigt wurden. Filme aus dem Land des Klassenfeindes also, nat\u00fcrlich mit kapitalismuskritischem Blick. Dabei ging es eigentlich darum, eine L\u00fccke in der Leipziger Festivalgeschichte zu schlie\u00dfen.\n<\/p>\n<p><a name=\"Er\">Er<\/a>\u00f6ffnungsfilm \u00fcber den Vietnamkrieg erhielt Oscar<\/p>\n<p class=\"text\">\nBei Recherchen war Hering aufgefallen, dass im Staatlichen Filmarchiv der DDR unz\u00e4hlige Korrespondenzen mit linken amerikanischen Filmemachern vorlagen. Und dann sei er auch auf den Briefwechsel von Emile de Antonio gesto\u00dfen, der f\u00fcr den Film &#8222;In The Year of the Pig&#8220;, der jetzt als Er\u00f6ffnungsfilm der DOK Retrospektive gezeigt wird, 1967 das Staatliche Filmarchiv angeschrieben hatte. De Antonio ging es um die Bitte, ob er kommen k\u00f6nne, weil er nach Material f\u00fcr einen Film gegen den <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/zeitgeschichte-gegenwart\/politik-gesellschaft\/chronik-vietnamkrieg-100.html\" title=\"Chronik: Der Vietnamkrieg - die wichtigsten Daten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vietnamkrieg<\/a> suchte.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEmile de Antonio konnte geholfen werden. Er kam auch nach <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/leipzig-sehenswuerdigkeiten-sightseeing-highlights-104.html\" title=\"Leipzig: Die 10 spannendsten Sehensw\u00fcrdigkeiten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leipzig<\/a>, um gleichgesinnte Filmschaffende zu treffen. Und er kam immer wieder. Vier Filme hat er dort in 20 Jahren pr\u00e4sentiert, die in der Retrospektive eine eigene kleine Werkschau bilden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nZwei Mal sa\u00df Emile de Antonio in der Jury. Sein Archivfilm &#8222;In the Year of the Pig&#8220;, der wom\u00f6glich in Leipzig Fahrt aufgenommen hat, wurde mit dem Oscar ausgezeichnet. &#8222;Also Leipzig hatte schon so einen Sonderstatus als Begegnungsort f\u00fcr Leute diesseits und jenseits des sogenannten Eisernen Vorhangs&#8220;, so Hering.\n<\/p>\n<p>Kritische <a name=\"Filme\">Filme<\/a> \u00fcber Diskriminierung, Rassismus, Kapitalismus<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch unz\u00e4hlige andere revolution\u00e4re Filmschaffende kamen aus den USA gern nach <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/leipzig-in-einem-tag-sehenswuerdigkeiten-102.html\" title=\"Leipzig: Tipps f\u00fcr einen unvergesslichen Tag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leipzig<\/a> \u2013 viel mehr als Hering erwartet hatte. Rund 150 Filme konnten die Kuratoren in den Protokollen finden, wobei sie auch von der Qualit\u00e4t der ihnen weitgehend unbekannten Filme \u00fcberrascht wurden:\u00a0&#8222;Wir hatten eher so ein bisschen kuriose Funde erwartet, also so was f\u00fcr Berufsrevolution\u00e4re. Und der Befund war dann aber einfach, dass es gro\u00dfartige Filme sind.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn Leipzig waren sie willkommen, verifizierten sie doch das offizielle Bild des Klassenfeindes. Die Themen sind dabei durchaus vielf\u00e4ltig: Vietnamkrieg, Antikommunismus, Diskriminierung von People of Colour, Kapitalisierung des Gesundheits- und Gef\u00e4ngnissystems.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Das sind einfach Leute gewesen, die die Kamera als Waffe der Argumentation benutzt haben.<\/p>\n<p>Tobias Hering, Publizist und Kurator der Retrospektive<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Das sind einfach Leute gewesen, die die Kamera als Waffe der Argumentation benutzt haben&#8220;, so Hering im Gespr\u00e4ch mit MDR KULTUR. Und zwar eine Argumentation gegen Missst\u00e4nde im eigenen Land. Interessant sei es, findet Hering, dass es eine solche offensiv-selbstkritische, militante Filmarbeit in der DDR &#8222;nat\u00fcrlich nicht&#8220; gegeben habe.\n<\/p>\n<p>Filme \u00fcber Arbeiterstreiks und Frauen in Gewerkschaften<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Filme zeigten aber nicht nur das finstere Gesicht des Kapitalismus, sondern auch &#8222;das andere Amerika&#8220;. Ein Amerika, das sich wehrte. Zum Beispiel in &#8222;Harlan County, USA&#8220; von 1977.\u00a0 Regisseurin Barbara Kopple begleitete \u00fcber 13 Monate den Streik von Bergarbeitern in Kentucky, ein Meisterwerk des Direct Cinema.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEin anderes Beispiel ist &#8222;Union Maids&#8220; von 1976: ein kollektiver Film, der die aktive Rolle der Frauen in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung beleuchtet. Der Film erhielt eine Taube in Leipzig. Fraglich ist, ob auch sein Ende gezeigt wurde, wo eine Protagonistin erl\u00e4utert, was Sozialismus f\u00fcr sie bedeutet. Sie sagte &#8222;Lasst die Leute entscheiden&#8220;. In Europa g\u00e4be es das ihrer Meinung nach nicht.\n<\/p>\n<p>Filme wurden zu DDR-Zeiten teils zensiert<\/p>\n<p class=\"text\">\nEs kam in Leipzig zuweilen vor, so Tobias Hering, dass Filmschaffende zu <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/kino-und-film\/defa-beliebte-schauspieler-schauspielerin-aus-sachsen-anhalt-thueringen-100.html\" title=\"DDR: 18 Stars der DEFA, die bis heute ber\u00fchren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DDR-Zeiten<\/a> noch kurz vor der Auff\u00fchrung ihrer Filme aufgefordert wurden, einen unliebsamen Teil herauszuschneiden. \u00dcberhaupt: Zu viel Protest und Widerstand war in Leipzig auch wieder nicht genehm. Das konnte ja auch nach hinten los gehen.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUnd wo wirklich die Zensurschere angelegt wurde und wie es damals war, in ein sozialistisches Land zu reisen, kann das Leipziger Publikum die Filmemacher aus den USA selbst fragen. Denn einige von ihnen kommen auch pers\u00f6nlich nach Leipzig, darunter auch die Regisseurin Barbara Kopple.\n<\/p>\n<p>Retrospektive im Luru-Kino und im CineStar Leipzig<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Retrospektive &#8222;&#8218;Un-American Activities. Filme des \u201aanderen Amerika'&#8220;ist in diesem Jahr in drei Bl\u00f6cke geteilt. Vorab, von Freitag bis Sonntag, gibt es eine Werkschau zu Emile de Antonio im Luru-Kino. Dann, w\u00e4hrend des Festivals, im CineStar den Hauptblock mit dem Untertitel &#8222;Front Line&#8220;. Und nach dem Festival sind am 7. und 8. November noch einmal engagierte Werke von amerikanischen Filmkollektiven im Luru-Kino in der Spinnerei zu sehen.\n<\/p>\n<p>Mehr Informationen zur Retrospektive:<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>DOK Leipzig \u2013 Retrospektive<br \/>&#8222;Un-American Activities. Filme des &#8218;anderen Amerika'&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>24. bis 26.Oktober 2025 \u2013 Werkschau zu Emile de Antonio \u2013 Luru-Kino in der Spinnerei, Spinnereistra\u00dfe 7, 04179 Leipzig<\/p>\n<p>27. Oktober bis 2. November 2025 \u2013 &#8222;Front Line&#8220; \u2013 CineStar, Petersbogen, Petersstra\u00dfe 44, 04109 Leipzig<\/p>\n<p>7. und 8. November \u2013 Luru-Kino in der Spinnerei, Spinnereistra\u00dfe 7, 04179 Leipzig<\/p>\n<p>Zum <a href=\"https:\/\/www.dok-leipzig.de\/retrospektive-un-american-activities#%C3%BCber-die-retrospektive-2025\" title=\"Retrospektive DOK 2025\" data-ctrl-link=\"{&#039;id&#039;: &#039;bfbc295f-c099-43f1-ae54-3c8c21c111d4&#039;,&#039;type&#039;:&#039;external&#039;,&#039;window&#039;:{&#039;type&#039;:&#039;blank&#039;,&#039;config&#039;:{&#039;title&#039;:&#039;Retrospektive DOK 2025&#039;,&#039;top&#039;:&#039;0&#039;,&#039;left&#039;:&#039;0&#039;,&#039;width&#039;:&#039;0&#039;,&#039;height&#039;:&#039;0&#039;,&#039;status&#039;:&#039;0&#039;,&#039;menubar&#039;:&#039;0&#039;,&#039;location&#039;:&#039;0&#039;,&#039;scroll&#039;:&#039;0&#039;,&#039;toolbar&#039;:&#039;0&#039;,&#039;resizable&#039;:&#039;0&#039;}}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Programm der Retrospektive<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nredaktionelle Bearbeitung: sg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer in den USA heute auf die Stra\u00dfe geht, um gegen Ma\u00dfnahmen der Trump-Regierung zu demonstrieren, muss sich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":522151,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,112062,129145,15756,1903,20613,5561,92,3184,30,95,80,66,71,81,859],"class_list":{"0":"post-522150","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-dok","11":"tag-dokfilm","12":"tag-doku","13":"tag-dokumentarfilm","14":"tag-dokumentation","15":"tag-festival","16":"tag-film","17":"tag-filmfestival","18":"tag-germany","19":"tag-kino","20":"tag-kultur","21":"tag-kulturnachrichten","22":"tag-leipzig","23":"tag-mdr","24":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115426583149200820","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=522150"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522150\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/522151"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=522150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=522150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=522150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}