{"id":522587,"date":"2025-10-24T05:44:14","date_gmt":"2025-10-24T05:44:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/522587\/"},"modified":"2025-10-24T05:44:14","modified_gmt":"2025-10-24T05:44:14","slug":"sicherheit-in-stuttgart-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/522587\/","title":{"rendered":"Sicherheit in Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p>Der Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit seiner Stadtbild-\u00c4u\u00dferung auch eine Debatte zum Thema Sicherheitsgef\u00fchl losgetreten. Dieses ist in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> ganz gut, wie eine Studie aus dem vergangenen Jahr belegt. Dennoch verf\u00e4ngt auch hier, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.sicherheit-in-baden-wuerttemberg.c3f8fde6-8129-47ef-8f74-fb867170e2bf.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in einer der sichersten Gro\u00dfst\u00e4dte der Republik<\/a>, immer wieder die M\u00e4r vom unsicheren \u00f6ffentlichen Raum. Der Kriminologe Egon Wachter, einer der Betreuer der Studie, ordnet einige Aspekte des Themas ein. Die Studie f\u00fcr die Landeshauptstadt ist in Zusammenarbeit zwischen dem Kriminologischen Forschungsinstitut Baden-W\u00fcrttemberg und dem Institut f\u00fcr Kriminologie an der Universit\u00e4t Heidelberg entstanden, betreut von Wachter und seinem Kollegen Dieter Hermann.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wissenschaftler ist das in der \u00f6ffentlichen Diskussion verwendete \u201esubjektive Sicherheitsgef\u00fchl\u201c Gegenstand der Betrachtung. Sie sprechen von einer \u201eKriminalit\u00e4tsfurcht\u201c. Ob diese aktuell h\u00f6her sei als noch vor Jahren oder abgenommen habe \u2013 das k\u00f6nne man nicht sagen. \u201eEs war die erste umfassende Sicherheitsbefragung dieser Art in Stuttgart\u201c, sagt Wachter. Jedoch kann er eines mit absoluter <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Sicherheit\" title=\"Sicherheit\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sicherheit<\/a> sagen: \u201eJegliche Polarisierung ist mit unseren Erkenntnissen nicht belegbar.\u201c Damit meint er etwa<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.sicherheit-in-stuttgart-wie-geht-es-nach-der-sicherheitsstudie-weiter-in-der-stadt.60994f5c-16a7-4078-b215-cf1c7ad3079b.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> die Schuldzuweisung an migrantische Gruppen,<\/a> die f\u00fcr das ungute Gef\u00fchl von manchen \u2013 vor allem aus dem rechten politischen Spektrum \u2013 verantwortlich gemacht werden. \u00c4hnlich wird auch die Aussage des Bundeskanzlers zum Stadtbild eingeordnet. Merz f\u00fchrte aus, dass er Personen ohne Bleiberecht in Deutschland meinte. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.f42e22ec-674c-4546-a300-2ba9363f6168.original1024.media.jpeg\"\/>     Der Kriminologie Egon Wachter, einer der Betreuer des Sicherheitsaudits in Stuttgart zum Sicherheitsgef\u00fchl       <\/p>\n<p>Bei der Studie kam heraus, dass sich 85 Prozente nicht unwohl f\u00fchlen in der Stadt. Der Ordnungsb\u00fcrgermeister Clemens Maier (Freie W\u00e4hler) nannte das bei der Ver\u00f6ffentlichung die \u201epositive Lesart\u201c. Man k\u00f6nne das Ergebnis auch anders lesen: Dann f\u00fchle sich jede und jeder siebte h\u00e4tten Angst in Stuttgart. Erstaunlich war vor allem ein Ergebnis: Die meisten, die angaben, sich in der Innenstadt zu f\u00fcrchten, teilten zugleich mit, dass sie dort so gut wie nie seien. Das trifft auch f\u00fcr Aussagen \u00fcber andere Stadtteile zu: So gaben viele aus Bad Cannstatt an, sich im Leonhardsviertel zu f\u00fcrchten. <\/p>\n<p>Was Menschen in der Stadt Angst macht, das seien sogenannte Incivilities, \u201esubjektiv wahrgenommene St\u00f6rungen\u201c, erl\u00e4utert Wachter. Die Betonung liege dabei auf subjektiv \u2013 und das h\u00e4ngt auch von der Umgebung ab. \u201eIn einem kleinen Dorf kann ein Graffiti f\u00fcr Aufregung sorgen \u2013 in Berlin aber nicht\u201c, f\u00fchrt er aus. Au\u00dferdem messen die Kriminologen f\u00fcr ihre Einordnung auch das \u201eSozialkapital\u201c, das sei \u201eder Kitt, der die Gesellschaft zusammenh\u00e4lt \u2013 wie ist es etwa um das ehrenamtliche Engagement bestellt. Aber auch das Vertrauen in Institutionen geh\u00f6rt dazu.\u201c <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.93493c86-569d-4f7a-8354-6372b3102df3.original1024.media.jpeg\"\/>     Wer wei\u00df, dass die   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Polizei\" title=\"Polizei\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Polizei<\/a> in der City pr\u00e4sent ist, f\u00fcrchtet sich dort nicht.    Foto: dpa\/Christoph Schmidt    <\/p>\n<p>Immer wieder betont Wachter: <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.sicherheit-in-stuttgart-sicherheitskonzept-fuer-den-sommer-steht.c541a08c-1f3b-426e-b0a3-4369292329c4.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Es geht um Wahrnehmungen und das Gef\u00fchl<\/a>, sich nicht sicher zu f\u00fchlen. Konkret hei\u00dft das: Wenn jemand Angst hat, weil an einem Ort immer wieder Jugendliche herumlungern, ist diese Angst ernstzunehmen. Aber das bedeute noch nicht, dass von dieser Gruppe auch eine Gefahr f\u00fcr Passantinnen und Passanten ausgehe. Die Diskussion um Gruppen junger Menschen in der Stadt, die dort vor allem an den Wochenenden nachts unterwegs sind, kennt er in diesem Zusammenhang. Und er hat eine klare Meinung zu derlei einfachen Erkl\u00e4rungen: \u201eDiese Diskussion ist fast m\u00fc\u00dfig \u2013 man macht Probleme an Gruppen fest und damit ist man dann scheinbar an einer L\u00f6sung dran \u2013 aber so funktioniert es nicht.\u201c L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge hat er parat: Wenn es zu solchen St\u00f6rgef\u00fchlen komme, k\u00f6nne man zum Beispiel Durchgangswege von Aufenthaltsbereichen trennen. Nicht immer sei das m\u00f6glich, wie ein Blick auf den Schlo\u00dfplatz und die K\u00f6nigstra\u00dfe zeigt. <\/p>\n<p>Man k\u00f6nne aber auch bei den Gruppen ansetzen, sagt Wachter. Auf die Opfer bezogen k\u00f6nnte das die Gruppe junger Frauen sein, die tendenziell mehr Angst haben. Ihnen k\u00f6nne man helfen, sich sicherer zu f\u00fchlen. \u201eWenn sich jemand in einer Unterf\u00fchrung f\u00fcrchtet, dann besteht meist nicht wirklich eine Gefahr. Aber: man kann die Beleuchtung verbessern, das gibt ein besseres Gef\u00fchl. Eine Gefahr bannen, die nicht da ist, kann man aber nicht.\u201c Man werde aber \u201enicht bei Gruppen ansetzen, gegen die vorgehen, nur weil sie als st\u00f6rend empfunden werden.\u201c Komme es zu Problemen, schreite die Polizei ein. <\/p>\n<p> Furcht hat die gleichen Auswirkungen wie tats\u00e4chliche <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Kriminalit%C3%A4t\" title=\"Kriminalit\u00e4t\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kriminalit\u00e4t<\/a> <\/p>\n<p>All das bedeute grunds\u00e4tzlich nicht, dass man \u00c4ngste nicht ernst nehmen solle: Im Gegenteil. Denn: \u201eKriminalit\u00e4tsfurcht bewirkt bei den Menschen, die Angst haben, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.sicherheitslage-in-baden-wuerttemberg-eins-ist-sicher-klare-handlungsauftraege.604688fa-ad26-49e6-af87-21c5e221e278.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das Gleiche wie tats\u00e4chliche Kriminalit\u00e4t<\/a>\u201c. Das Ergebnis: Wenn Angstr\u00e4ume entstehen, werden diese gemieden. Und das habe dann unter Umst\u00e4nden eine negative Folge: \u201eSo entstehen Freir\u00e4ume, die etwa Drogenkriminalit\u00e4t beg\u00fcnstigen\u201c, denn an verlassenen dunklen Ecken wird gedealt. Am Anfang dieser Entwicklung kann die Kriminalit\u00e4tsfurcht stehen. \u201eDeswegen nehmen wir bei unseren Audits Kriminalit\u00e4tsfurcht genauso ernst wie Kriminalit\u00e4t\u201c, sagt der Experte. <\/p>\n<p>Eine Erkenntnis, die bei der Sicherheitsumfrage in Stuttgart speziell herauskam, erstaunt auf den ersten Blick. Es stellt sich heraus, dass Menschen, die selten oder nie in der Stuttgarter Innenstadt sind, sich mehr f\u00fcrchten, als jene, die sich dort h\u00e4ufig bewegen. Klingt wie ein Widerspruch, ist f\u00fcr die Forschenden aber logisch: \u201eWer selten da ist, kann sich nur indirekt informieren \u2013 \u00fcber die sozialen Medien zum Beispiel. Wer da ist, kann zum Beispiel die Pr\u00e4senz der Polizei wahrnehmen\u201c, erkl\u00e4rt Egon Wachter. Wer kaum in der Stadt sei, sehe nicht, was gegen Kriminalit\u00e4t getan werde. \u201eMan muss also transparent sein und nach au\u00dfen tragen, was getan wird\u201c, ist seine Schlussfolgerung daraus. \u201eDas Bild der Innenstadt wird au\u00dferhalb der City anders wahrgenommen. Man kann also auch in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit etwas tun \u2013 und die lebenswerte Stadt zeigen\u201c, sagt Wachter. <\/p>\n<p> Im \u00fcbrigen pl\u00e4diert er daf\u00fcr, die Befragungen regelm\u00e4\u00dfig zu machen. \u201eNur das erm\u00f6glicht es, an den richtigen Stellen anzusetzen und festzustellen, ob die getroffenen Ma\u00dfnahmen auch wirksam sind\u201c, sagt der Experte. Die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erhobenen Daten w\u00fcrden zudem helfen, Entwicklungen beurteilen zu k\u00f6nnen \u2013 nur dann k\u00f6nne eine Stadt richtig reagieren. <\/p>\n<p> Die Studie <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Methode<\/strong><br \/>Die Umfrage wurde im vergangenen Sp\u00e4therbst an 50.000 Personen ab 14 Jahren verschickt. Die Onlinebefragung hatte einen R\u00fccklauf von 20 Prozent. Damit gilt sie nach wissenschaftlichen Standards als repr\u00e4sentativ.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Ergebnis<\/strong><br \/>Die Landeshauptstadt bewegt sich beim Sicherheitsgef\u00fchl auf dem Level wesentlich kleinerer St\u00e4dte in Baden-W\u00fcrttemberg. Das ist ein gutes Zeichen: Normalerweise steigt die Kriminalit\u00e4tsfurcht mit dem h\u00f6heren Ma\u00df der Urbanisierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit seiner Stadtbild-\u00c4u\u00dferung auch eine Debatte zum Thema Sicherheitsgef\u00fchl losgetreten. 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