{"id":522899,"date":"2025-10-24T08:58:20","date_gmt":"2025-10-24T08:58:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/522899\/"},"modified":"2025-10-24T08:58:20","modified_gmt":"2025-10-24T08:58:20","slug":"berlin-tag-macht-mossad-meinung-moralgewitter-friedrich-merz-im-stadtbild-tsunami","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/522899\/","title":{"rendered":"Berlin Tag &#038; Macht: Mossad, Meinung, Moralgewitter: Friedrich Merz im Stadtbild-Tsunami"},"content":{"rendered":"<p><strong>Friedrich Merz, Stadtbild, Designer-Handschuhe und Politik als Catwalk: Zwischen GNTM, politischem Wahnsinn und medialer Emp\u00f6rung prallen Boulevard, Inszenierung, Diskurs und Moral aufeinander. Und was sagt eigentlich der gr\u00f6\u00dfte Volksphilosoph der Nation?<\/strong><\/p>\n<p>Endlich kommt mir im Rahmen dieser inzwischen zur Pflichtlekt\u00fcre im Regierungsviertel gewordenen leitpolitischer Richtungskolumne meine Historie in der Fashion-Branche zugute. Bislang war sie eher hinderlich. Wenn man n\u00e4mlich in den vergangenen 15 Jahren mehr Zeit mit Thomas Hayo bei &#8222;Germany&#8217;s Next Topmodel&#8220;-Finalen als mit Nikolaus Blome bei Bundespressekonferenzen verbracht hat, wird einem mitunter die Qualifikation f\u00fcr erkenntnis\u00fcbermittelnde Polit-Kolumnen abgesprochen. H\u00fcbsche Frauen mit ad\u00e4quaten Gedanken zum Zustand unserer Gesellschaft, die gibt es doch gar nicht. Da ist man sich an den Stammtischen der Nation einig.<\/p>\n<p>Jedenfalls an den Stammtischen, an denen man auch sofort zu wissen glaubte, was Friedrich Merz mit &#8222;Stadtbild&#8220; gemeint hatte: zu viele Menschen mit Migrationshintergrund auf unseren sch\u00f6nen Pl\u00e4tzen, im maroden \u00d6PNV und in den nurmehr aus Handyl\u00e4den, D\u00f6nerbuden und Starbucks bestehenden Einkaufsstra\u00dfen. Orte, die einst strahlten, von goldenen Konsumzeiten erz\u00e4hlten und als Freizeitkulisse ausschlie\u00dflich unserem unbescholtenen Regionalnachwuchs vorbehalten waren. Die anderen, die machen n\u00e4mlich nur \u00c4rger, diese jungen M\u00e4nner, die alle gar nicht mehr wie Boris Becker aussehen oder wenigstens wie Til Schweiger. Das wei\u00df jeder. Also, jeder, der auch glaubt, wenn man den Menschen nur konsequent genug das B\u00fcrgergeld k\u00fcrzt, w\u00fcrden in Deutschland endlich wieder globale Milliardengoldgruben wie Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia oder Tesla gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Von GNTM bis Gendarmenmarkt: Catwalk der Kolumnistinnen<\/p>\n<p>Ausl\u00e4nder raus und Frauen an den Herd. Knapp 30 Prozent der wahlberechtigten Deutschen w\u00fcrden dieser These aktuell nicht vollst\u00e4ndig widersprechen. Stichwort Herd: Mit &#8222;h\u00fcbsche Frauen&#8220; meinte ich nat\u00fcrlich nicht mich, denn ich bin nicht nur Deutschlands wichtigste Polit-Kolumnistin, sondern auch sehr bescheiden. Ich meinte selbstredend die jungen Damen, die seit 20 Saisons zuverl\u00e4ssig per Reichweitenrelevanz-Tsunami aus dem GNTM-Kosmos in die Boulevard-Redaktionen der Qualit\u00e4tspresse gesp\u00fclt werden.<\/p>\n<p>Heute jedenfalls verschafft mir mein Mode-Hintergrund endlich amtliche Standortvorteile im hart umk\u00e4mpften journalistischen Analysedschungel. Diese Woche n\u00e4mlich gab es so viele hei\u00dfe Eisen, dass ein paar qualit\u00e4tssichere Handschuhe unerl\u00e4sslich schienen. Und da empfehle ich als die Anna Wintour der Polit-Journaille dieser Tage die &#8222;LV Monogram Shearling Mitts&#8220; von Louis Vuitton. Knallharte Sujets, stylisch angepackt. Muss man sich allerdings leisten k\u00f6nnen, denn ein Paar dieser Handw\u00e4rmer-Klassiker des Pariser Luxuswarenunternehmens kostet stolze 920,00 Euro. Immerhin fast 10 Prozent des Budgets f\u00fcr Jens Spahns n\u00e4chstes 9999-Euro-Spendendinner.<\/p>\n<p>Wie ich lernte, den Mossad zu lieben<\/p>\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist das zweitrangig. Zum einen w\u00fcrde ich an einem Dinner mit Jens Spahn h\u00f6chstens teilnehmen, wenn jemand mir daf\u00fcr 9999 Euro zahlen w\u00fcrde. Zum anderen ist Geld mir egal, seit ich \u00fcber Instagram-Accounts einiger &#8222;From the River to the Sea&#8220;-Vordenker erfahren konnte, dass ich pro Tweet, in dem ich Israel nicht d\u00e4monisiere, 7000 Euro vom Mossad kassiere. Ich habe mir also acht Paar &#8222;LV Monogram Shearling Mitts&#8220; zu je 920 Euro gekauft &#8211; und das nur f\u00fcr die Tweets von Mittwoch. So bin ich nun f\u00fcr den Umgang mit den hei\u00dfen Eisen dieser Woche deutlich besser aufgestellt als vergleichbare Top-Politkolumnisten wie Robin Alexander (Welt), Jan Fleischhauer (Focus), Melanie Amann (Funke), Markus Feldenkirchen (Spiegel) oder Harald Gl\u00f6\u00f6ckler (Nius).<\/p>\n<p>Entsprechend gelassen konnte ich auf die Newsflash-Stra\u00dfenfeger der vergangenen Tage schauen. Da h\u00e4tten wir zum einen Friedrich Merz, der von seiner Stadtbild-Prognose nicht abr\u00fccken wollte und penetranten, linksgr\u00fcnversifften Dauern\u00f6rglern aus der Nachfrageszene letztendlich sogar nahelegte, sie sollten doch mal ihre T\u00f6chter befragen, die w\u00fcrden ihnen das dann schon erl\u00e4utern. Nun bin ich auch eine Tochter, mein Vater hat mich allerdings bisher leider nicht zu meiner Sicht auf das aktuelle Stadtbild befragt. Dabei g\u00e4be es einiges zu berichten \u00fcber die Verhaltensweisen der schwedischen Barkeeper, britischen Touristen, M\u00fcnchner Gro\u00dfindustriellen und Grunewalder BWL-Studenten, die sich in Berlin-Mitte zwischen Borchardt, Grill Royal und The Curtain Club im Ritz-Carlton rumtreiben.<\/p>\n<p>Friedrich Merz im Nachrichtendilemma: Stadtbild lieber mehr ntv lesen<\/p>\n<p>Schade. Mein Vater interessiert sich offensichtlich nicht so sehr f\u00fcr einen Stadtbild-Abgleich zwischen der Realit\u00e4t, die Friedrich Merz auf dem Gendarmenmarkt wahrnimmt, und meiner. Semiya \u015eim\u015fek wurde von ihrem Vater auch nicht nach ihrer Sicht auf das deutsche Stadtbild gefragt. Das lag allerdings nicht daran, dass sich Enver \u015eim\u015fek, ihr Vater, nicht daf\u00fcr interessieren w\u00fcrde. Sondern daran, dass Enver \u015eim\u015fek am 11. September 2000 mitten in Deutschland von M\u00f6rdern der neonazistischen terroristischen Vereinigung &#8222;Nationalsozialistischer Untergrund&#8220; (NSU) erschossen wurde. Die Hauptt\u00e4ter hie\u00dfen Uwe, noch mal Uwe und Beate. Semiya war damals 14 Jahre alt.<\/p>\n<p>Um den ganzen Scheindiskussionen rund um Deutungshoheiten zum Diskursfokus Stadtbild ein wenig Realit\u00e4tsn\u00e4he zu geben, sollte diese Geschichte vielleicht \u00f6fter erz\u00e4hlt werden. Und wie Deutschland als Gesellschaft und als Staat seinerzeit mit den NSU-Morden umgegangen ist. Das w\u00fcrde auch den Protagonisten der verfehlten Woke-Wahrhaftigkeit gut zu Gesicht stehen. Denn die stets gut ge\u00f6lten Motoren der Emp\u00f6rungs-Industrie schalteten nach der T\u00f6chter-Ausflucht von Friedrich Merz umgehend in den h\u00f6chsten Gang und erl\u00e4uterten der Nation in altbew\u00e4hrter Manier, wie sie denn nun auf diesen vermeintlichen Kanzler-Fauxpas zu reagieren h\u00e4tte.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es immer wieder faszinierend, mit welch unersch\u00fctterlicher \u00dcberzeugung zumeist gutsituierte, gut ausgebildete, wei\u00dfe Frauen sich vor CDU-Zentralen stellen und offenbar tats\u00e4chlich glauben, man k\u00f6nne durch das Skandieren der Feststellung, Friedrich Merz w\u00e4re ein Rassist, auch nur einen einzigen AfD-W\u00e4hler davon \u00fcberzeugen, demn\u00e4chst dann doch mal wieder die Gr\u00fcnen zu w\u00e4hlen. <\/p>\n<p>Philosophie der Fehlprognosen<\/p>\n<p>Neues gab es diese Woche aber gl\u00fccklicherweise auch vom Kanzler der hochintellektuellen Meinungsfreiheits-Ultras: Richard David Precht. Der Macher von &#8222;Sebastian Kurz wird \u00d6sterreich l\u00e4nger regieren als Fidel Castro Kuba&#8220; und &#8222;Moskau w\u00fcrde Kiew in vier Tagen einnehmen&#8220; pr\u00e4sentierte dem sehns\u00fcchtig auf seine neuesten Prophezeiungen wartenden Volk ein weiteres Kleinod der politischen Elite-Vorhersagung: \u00d6sterreich ist vor Russland sicher. Aufatmen bei den \u00d6sis und Hoffnung f\u00fcr die knapp 735 Millionen Resteurop\u00e4er und -Europ\u00e4erinnen, dass Precht sich zeitnah auch zum Verh\u00e4ltnis der weiteren 46 europ\u00e4ischen Staaten zu Russland \u00e4u\u00dfern wird. Niemand, den ich kenne, kann sich wirklich sicher f\u00fchlen, bis der Premium-Nostradamus der zeitgen\u00f6ssischen Jahrhundertphilosophie ihm nicht versichert hat, Wladimir Putin h\u00e4tte an seinem Land kein Interesse.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das ja die neue deutsche Leitkultur: gut frisiert emp\u00f6rt sein, bis der n\u00e4chste Shitstorm das Stadtbild umdekoriert. Wer sich dann in der kommenden Woche um den Baba-Wanga-Award f\u00fcr die hellseherischste Glanzleistung des neuesten Sieben-Tage-Zyklus bewerben wird, das verrate ich kommenden Donnerstag direkt hier. Vielleicht berichte ich sogar auch dar\u00fcber, ob Richard David Precht, der Mario Basler der Gegenwartsphilosophie, inzwischen eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr gefunden hat, warum bei Markus Lanz abseits von ihm gelegentlich auch noch andere Talkg\u00e4ste eingeladen sind. Sein Sequel-Bestseller &#8222;Wer bin ich &#8211; und wenn ja, wie viele d\u00fcrfen denn hier noch sitzen?&#8220; schreibt sich dann v\u00f6llig von alleine. Bis dahin gehe ich jetzt erstmal raus, das Stadtbild im Regierungsviertel inspizieren. Vielleicht erkennt Friedrich Merz mich ja. Oder wenigstens meine LV-Handschuhe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Friedrich Merz, Stadtbild, Designer-Handschuhe und Politik als Catwalk: Zwischen GNTM, politischem Wahnsinn und medialer Emp\u00f6rung prallen Boulevard, Inszenierung,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":522900,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,775,30,350,15741,16],"class_list":{"0":"post-522899","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-friedrich-merz","11":"tag-germany","12":"tag-mode","13":"tag-mossad","14":"tag-politik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115428321248302506","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522899","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=522899"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522899\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/522900"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=522899"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=522899"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=522899"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}