{"id":523131,"date":"2025-10-24T11:02:10","date_gmt":"2025-10-24T11:02:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/523131\/"},"modified":"2025-10-24T11:02:10","modified_gmt":"2025-10-24T11:02:10","slug":"boerse-express-zinspoker-zollkrieg-und-zwei-klassen-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/523131\/","title":{"rendered":"B\u00f6rse Express &#8211; Zinspoker, Zollkrieg und Zwei-Klassen-Europa"},"content":{"rendered":"<p>\n                                        EZB und Bank of Japan stehen vor schwierigen Zinsentscheidungen, w\u00e4hrend Trump den Handelsstreit mit Kanada versch\u00e4rft und Deutschland \u00fcberraschendes Wachstum meldet.\n                                    <\/p>\n<p>                                    Zinspoker, Zollkrieg und Zwei-Klassen-Europa<\/p>\n<p>Liebe Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>w\u00e4hrend sich die Staats- und Regierungschefs in Br\u00fcssel die K\u00f6pfe \u00fcber russisches Geld hei\u00df redeten, spielte sich an den Finanzm\u00e4rkten ein faszinierendes Schauspiel ab: Die Notenbanken pokern, Trump verschreckt Kanada mit einem Twitter-Wutanfall, und Deutschland \u00fcberrascht mit unerwartet starkem Wachstum. Doch der Reihe nach.<\/p>\n<p>EZB vs. Bank of Japan: Das gro\u00dfe Zins-Dilemma<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Zentralbank hat sich in eine verzwickte Lage man\u00f6vriert. W\u00e4hrend die US-Notenbank Fed ihre Zinsen konstant h\u00e4lt und damit den Dollar st\u00e4rkt, k\u00e4mpft die EZB mit der Quadratur des Kreises: Die Inflation bek\u00e4mpfen, ohne die schw\u00e4chelnde Konjunktur abzuw\u00fcrgen. <\/p>\n<p>Besonders pikant wird es beim Blick nach Japan. Die Bank of Japan steht n\u00e4chste Woche vor einer historischen Entscheidung: Erh\u00f6ht sie die Zinsen von 0,5% weiter, oder beugt sie sich dem Druck der neuen Premierministerin Sanae Takaichi? Die Dame hat klare Vorstellungen: Die Notenbank solle gef\u00e4lligst kooperieren, um eine von Lohnsteigerungen getriebene Inflation zu erreichen. Klingt nach einem Traum f\u00fcr Arbeitnehmer, ist aber ein Albtraum f\u00fcr Zentralbanker.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr uns? Ein schw\u00e4cherer Yen macht japanische Exporte billiger &#8211; schlechte Nachrichten f\u00fcr deutsche Maschinenbauer, die in Asien mit japanischen Konkurrenten k\u00e4mpfen. Gleichzeitig k\u00f6nnte eine zu vorsichtige Bank of Japan die globalen Inflationssorgen neu entfachen. US-Finanzminister Scott Bessent, der kommende Woche in Tokio weilt, wird Klartext reden: Washington will einen st\u00e4rkeren Yen. Die Zeiten, in denen Japan seine W\u00e4hrung beliebig schw\u00e4chen konnte, sind vorbei.<\/p>\n<p>Trump stoppt Kanada-Gespr\u00e4che: Ein Werbeclip als Kriegserkl\u00e4rung<\/p>\n<p>Man stelle sich vor: Angela Merkel h\u00e4tte 2018 die Handelsgespr\u00e4che mit den USA gestoppt, weil ein bayerisches Werbevideo Kennedy zitierte. Absurd? Genau das hat Donald Trump gerade mit Kanada gemacht. <\/p>\n<p>Der Ausl\u00f6ser: Die Provinz Ontario wagte es, in einem Anti-Zoll-Werbespot Ronald Reagan zu zitieren. Reagans Stimme warnt vor den Gefahren von Handelskriegen &#8211; eine Botschaft, die Trump als &#8222;ungeheuerliches Verhalten&#8220; brandmarkt. Die 35-Prozent-Z\u00f6lle auf kanadische Importe bleiben, die Gespr\u00e4che sind tot.<\/p>\n<p>F\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmen ist das ein Warnsignal. Wenn schon das Nachbarland Kanada so behandelt wird, was erwartet dann erst die EU? Die Automobilindustrie, die sowohl in Kanada als auch in den USA produziert, sieht sich mit einem fragmentierten nordamerikanischen Markt konfrontiert. Volkswagen in Chattanooga, Mercedes in Alabama &#8211; sie alle m\u00fcssen ihre Lieferketten \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Uniper-Schock: Wenn 70% Gewinnr\u00fcckgang zur Normalit\u00e4t wird<\/p>\n<p>Die Energiewende hat ihren Preis, und Uniper pr\u00e4sentiert jetzt die Rechnung. Das bereinigte EBITDA st\u00fcrzt auf 641 Millionen Euro ab &#8211; ein Minus von 70% gegen\u00fcber dem Vorjahr. CEO Michael Lewis versucht zu beruhigen: Der Jahresausblick bleibe best\u00e4tigt. <\/p>\n<p>Doch die Zahlen erz\u00e4hlen eine andere Geschichte. Die goldenen Zeiten der Gasersatzbeschaffung sind vorbei, die Optimierungsgewinne aus der Vergangenheit abgesch\u00f6pft. Was bleibt, ist die harte Realit\u00e4t eines Energiemarktes im Umbruch. F\u00fcr Anleger bedeutet das: Die Sondergewinne der Energiekrise sind Geschichte. Jetzt m\u00fcssen Unternehmen wie Uniper beweisen, dass ihr Gesch\u00e4ftsmodell auch ohne Krisenmodus funktioniert.<\/p>\n<p>Deutschland \u00fcberrascht: Der heimliche Wachstumsstar<\/p>\n<p>W\u00e4hrend alle auf die Rezession warten, liefert Deutschland unerwartet positive Signale. Der Einkaufsmanagerindex springt auf 53,8 Punkte &#8211; der h\u00f6chste Wert seit zweieinhalb Jahren. Besonders der Dienstleistungssektor brummt, aber selbst die kriselnde Industrie zeigt Lebenszeichen.<\/p>\n<p>Hamburg Commercial Bank-Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia spricht von einem &#8222;unerwartet guten Start ins vierte Quartal&#8220;, warnt aber: Die Lage bleibt fragil. Tats\u00e4chlich entlassen Industrieunternehmen weiter Mitarbeiter, w\u00e4hrend Dienstleister einstellen. Deutschland entwickelt sich zur Zwei-Klassen-Wirtschaft.<\/p>\n<p>Die wahre \u00dcberraschung verbirgt sich in den Details: Zum ersten Mal seit Juli 2022 steigen die Auftragsbest\u00e4nde. Unternehmen kommen mit der Abarbeitung nicht mehr hinterher. Das klingt nach Hochkonjunktur, ist aber tr\u00fcgerisch. Viele Firmen haben in der Krise Personal abgebaut und finden jetzt keine Fachkr\u00e4fte. Der Aufschwung wird durch den eigenen Pessimismus gebremst.<\/p>\n<p>Russlands Milliarden: Belgiens Blockade blamiert Br\u00fcssel<\/p>\n<p>140 Milliarden Euro eingefrorenes russisches Verm\u00f6gen liegen in Br\u00fcssel &#8211; theoretisch. Praktisch hat Belgien gerade den gro\u00dfen EU-Plan torpediert. Premier Bart De Wever will Garantien: Was, wenn Russland zur\u00fcckschl\u00e4gt? Was, wenn europ\u00e4ische Unternehmen in Russland enteignet werden?<\/p>\n<p>Die Deutsch-Russische Handelskammer warnt vor Verlusten von 100 Milliarden Euro f\u00fcr deutsche Firmen. Das ist kein Panikmachen, sondern bittere Realit\u00e4t. Hunderte deutscher Unternehmen haben noch immer Verm\u00f6gen in Russland &#8211; von Produktionsanlagen bis zu Immobilien.<\/p>\n<p>Merz behauptete nach dem Gipfel vollmundig, die Sache sei &#8222;erledigt&#8220;. Costa und Macron widersprachen umgehend. Die Wahrheit: Die EU hat sich wieder einmal verzettelt. W\u00e4hrend Selenskyj dringend Geld braucht, streiten die Europ\u00e4er \u00fcber Haftungsfragen. Der Showdown kommt im Dezember. Bis dahin muss die Ukraine mit Versprechen leben &#8211; und hoffen, dass der Winter mild wird.<\/p>\n<p>Der Blick voraus<\/p>\n<p>Die kommende Woche wird spannend: Die Bank of Japan entscheidet \u00fcber ihre Zinsen, die EZB-Banker treffen sich zu informellen Gespr\u00e4chen in Frankfurt, und in London ber\u00e4t die &#8222;Koalition der Willigen&#8220; \u00fcber weitere Ukraine-Hilfen. Gleichzeitig beginnt in Kuala Lumpur der ASEAN-Gipfel, wo sich Trump und Chinas Premier Li Qiang die erste Runde im Handelskrieg liefern werden.<\/p>\n<p>Was lernen wir aus all dem? Die Weltwirtschaft ist im Umbruch. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, neue Allianzen entstehen. Europa muss seinen Platz in dieser neuen Ordnung erst noch finden. Zwischen amerikanischem Protektionismus und asiatischer Dynamik droht der alte Kontinent zerrieben zu werden &#8211; es sei denn, wir finden endlich zu gemeinsamer St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Die Frage ist nicht, ob sich die Welt ver\u00e4ndert. Die Frage ist, ob Europa mitgestaltet oder nur zuschaut.<\/p>\n<p>Bleiben Sie kritisch, bleiben Sie informiert.<\/p>\n<p>Ihr Eduard Altmann<\/p>\n<p>P.S.: Die Mercosur-Verwirrung beim EU-Gipfel &#8211; erst verk\u00fcndet Merz die Einigung, dann rudert Costa zur\u00fcck &#8211; zeigt exemplarisch Europas Kommunikationsproblem. Wenn wir nicht einmal untereinander klarkommt, wie sollen wir dann mit Trump verhandeln?<\/p>\n<p><strong>Anzeige:<\/strong> Apropos technologische Allianzen \u2013 w\u00e4hrend sich Regierungen um Z\u00f6lle und Sanktionen streiten, entsteht im Hintergrund der n\u00e4chste weltweite Wachstumszyklus: der Kampf um Halbleitertechnologie. Chips sind l\u00e4ngst das &#8222;neue \u00d6l&#8220; der globalen \u00d6konomie. Wenn Sie verstehen m\u00f6chten, welche europ\u00e4ischen Unternehmen zu den Profiteuren dieser Entwicklung z\u00e4hlen k\u00f6nnten, finden Sie die entsprechende Analyse hier: <a href=\"https:\/\/lpm.finanztrends.pl-x.de\/14\/269\/die-neue-nvidia\/?banner=RS_CWR4_NL_boerse-express-economy_2025-10-24\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zum Hintergrundbericht \u201eDie neue Nvidia \u2013 Europas Antwort auf den Chip-Boom\u201c<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"EZB und Bank of Japan stehen vor schwierigen Zinsentscheidungen, w\u00e4hrend Trump den Handelsstreit mit Kanada versch\u00e4rft und Deutschland&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":523132,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,304,15831,129284,548,663,158,3934,3935,13,6561,14,15,12],"class_list":{"0":"post-523131","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-banken","11":"tag-devisen","12":"tag-editorial","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europaeische-union","16":"tag-europe","17":"tag-european-union","18":"tag-headlines","19":"tag-marktberichte","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115428808894002352","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/523131","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=523131"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/523131\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/523132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=523131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=523131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=523131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}