{"id":523532,"date":"2025-10-24T14:49:15","date_gmt":"2025-10-24T14:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/523532\/"},"modified":"2025-10-24T14:49:15","modified_gmt":"2025-10-24T14:49:15","slug":"jetzt-bin-ich-alt-genug-fuer-den-rollator-magdalena-linsner-wird-102","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/523532\/","title":{"rendered":"\u201eJetzt bin ich alt genug f\u00fcr den Rollator\u201c \u2013 Magdalena Linsner wird 102"},"content":{"rendered":"<p>Mit 102 Jahren bleibt Magdalena Linsner aus Wiesbaden neugierig und selbstbestimmt \u2013 ein Leben zwischen B\u00fcchern, Familie, Nachbarn und klarem Blick auf die Stadt.<\/p>\n<p>Das Telefon klingelt, freundlich und regelm\u00e4\u00dfig wie ein vertrauter Takt. Ihr Sohn nimmt das Gespr\u00e4ch entgegen und sagt sp\u00e4ter, \u201edas war Portugal, die rufen sp\u00e4ter noch einmal an.\u201c  Die 102-J\u00e4hrige ist hellwach und im Gespr\u00e4ch vertieft. Seit mehr als 60 Jahren in der Albrecht-D\u00fcrer-Stra\u00dfe zu Hause \u2013 zuerst im Erdgeschoss, sp\u00e4ter eine Etage h\u00f6her. Wer sie besucht, merkt sofort: Magdalena Linsner lebt ganz in der Gegenwart.<\/p>\n<p>Von Nassau an die Lahn bis in die Landeshauptstadt<\/p>\n<p>Geboren 1923 in Nassau an der Lahn, wuchs <strong>Magdalena Linsner<\/strong>, geborene Schuster, in Miellen auf. Sie sah, wie 1933 das Kruzifix aus dem Klassenzimmer verschwand und ein Lehrer aus Berlin das Hitlerbild an die Wand h\u00e4ngte. <strong>Ihr Vater war Gegner der Nationalsozialisten<\/strong>, was die Familie zu sp\u00fcren bekam. Sie wollte Krankenschwester werden, durfte es nicht. Nach dem Krieg arbeitete sie im Wiesbadener M\u00f6belhaus Danker, wo sie 1948 ihren sp\u00e4teren Mann Otto traf. \u201eLiebe auf den ersten Blick\u201c, erinnert sagt sie gleich, als sei sie ihm gestern erst begegnet. 1950 die Hochzeit, kurz darauf der Umzug in die Albrecht-D\u00fcrer-Stra\u00dfe. <strong>Otto wurde Fahrer im Finanzministerium, sp\u00e4ter Verwaltungsangestellter<\/strong> \u2013 und sie hielt die F\u00e4den des Lebens zusammen.<\/p>\n<p>Wissen als Lebensform<\/p>\n<p>Wenn sie etwas interessiert, kauft sie sich ein Buch \u2013 und liest, bis sie es verstanden hat. Ihre kleine Bibliothek ist ihr Herzst\u00fcck. \u201eEin Buch muss man f\u00fcnfmal lesen\u201c, sagt sie. <strong>So hat sie Geschichte, Politik und auch Fu\u00dfball gelernt<\/strong>. Ihr Sohn Michael spielte als kleiner Junge begeistert auf den Wiesen des Viertels. Er wollte damals unbedingt ein Trikot mit der Nummer 7 tragen \u2013 die Schwiegermutter  n\u00e4hte sie aufs Trikot, aber verkehrt herum. Leicht schr\u00e4g. \u201eSo war er der stolzeste Junge mit einer 1 auf dem R\u00fccken.\u201c<\/p>\n<p>Ein Netz aus N\u00e4he<\/p>\n<p>Sie lebt nicht allein, sondern inmitten eines stillen Netzwerks. Sohn Michael und Schwiegertochter Corinna erledigen die Bankangelegenheiten und Frau Orlando \u2013 Nachbarin und Freundin \u2013 schaut zweimal am Tag vorbei. \u201eSie behandelt mich, als w\u00e4r\u2019 ich ihre Mutter\u201c, sagt Magdalena dankbar. Auch wenn sie alle Bewohner im haus \u00fcberlebt hat, funktioniert es im Haus und ihrem Umfeld mit der F\u00fcrsorge ohne gro\u00dfe Worte. \u201eIch bin gut versorgt, aber ich bestimme selbst.\u201c<\/p>\n<p>Wiesbaden im Wandel<\/p>\n<p>Magdalena Linsner hat viele Oberb\u00fcrgermeister erlebt \u2013 manche mochte sie, andere weniger. Sie erinnert sich gut an Rudi Schmit, der 1968 Oberb\u00fcrgermeister von Wiesbaden wurde. Gute Erinnerungen hat sie auch an den OB den mit den l\u00e4ngeren Haaren, <strong>Achim Exner<\/strong>. Nur seine Entscheidung, den alten Friedhof zu \u00f6ffnen und ein Freizeitgel\u00e4nde daraus zu machen, das versteht sie bis heute nicht. \u201eWie kann man auf Gr\u00e4bern spielen lassen? Ein Friedhof bleibt ein Ort der Ruhe\u201c, sagt sie ernst.<br \/>Wiesbaden hat sich ver\u00e4ndert, sagt sie. Fr\u00fcher sei die Stadt stiller gewesen, heute h\u00f6re sie vom Fenster aus die Busse und das Leben. \u201eDas ist sch\u00f6n \u2013 Wiesbaden ist wach geblieben, so wie ich.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Magdallena-Michael-Linser-1024x683.jpg\" alt=\"Magdalena Linder l\u00e4sst es sich nicht nehmen uns zur T\u00fcre zu bringen. \u201eWir sehen uns wieder, versprochen.\u201c Vielleicht im Cafe Maldaren. \u00a92025 Volker Watschounek\" class=\"wp-image-142775\"  \/>Magdalena Linder l\u00e4sst es sich nicht nehmen uns zur T\u00fcre zu bringen. \u201eWir sehen uns wieder, versprochen.\u201c Vielleicht im Cafe Maldaren. \u00a92025 Volker Watschounek <\/p>\n<p>Alt genug f\u00fcr den Rollator<\/p>\n<p>Mit 102 in die Jahre gekommen: Lange wehrte sie sich gegen den Rollator, das sei doch was f\u00fcr alte Leute, sagte sie bei unserem letzten Besuch und wiederholt es auch heute wieder. \u201eMit 102\u201c, lacht sie und setzt fort \u201ebin ich wohl alt genug.\u201c N\u00e4chste Woche kommt er, und sie nimmt es mit Humor \u2013 wie alles in ihrem Leben. <strong>Der sei aber nur f\u00fcr zu Hause.<\/strong> Wenn sie raus geht, dann nimmt Sohn Michael sie an den Arm. Vielleicht, sagt sie zum Abschied, verabreden wir uns ja einmal im\u00a0<strong>Caf\u00e9 Maldaner<\/strong>. \u201eDort gibt\u2019s leckeren Kuchen die besten Geschichten.\u201c<\/p>\n<p>Kein Stillstand<\/p>\n<p>Sie liest, h\u00f6rt Radio, verfolgt Politik, bleibt humorvoll und klug. \u201eIch brauche kein Internet\u201c, sagt sie. \u201eMein Telefon reicht, um mit der Welt verbunden zu sein.\u201c Ein Jahrhundert Leben \u2013 gesammelt in einer Stimme, die hell und freundlich klingt.<\/p>\n<p>Foto \u2013 Magdalena Linder mit Sohne Michael \u00a92025 vwa<\/p>\n<p>Weitere Nachrichten aus dem\u00a0<strong>Ortsbezirk Nordost<\/strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/wiesbaden-lebt.de\/tag\/nordost\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">lesen Sie hier<\/a>.<\/p>\n<p><strong>1923, 102 Jahre ist das her<\/strong>. Was alles so passierte lesen Sie unter auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/1923\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.wikipedia.de<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"metis-img-pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/5ae3b6f6bb2546d6b9c10261b5fc8f96.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/>\t\t\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit 102 Jahren bleibt Magdalena Linsner aus Wiesbaden neugierig und selbstbestimmt \u2013 ein Leben zwischen B\u00fcchern, Familie, Nachbarn&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":523533,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1847],"tags":[29875,3364,29,548,663,3934,30,13,2052,45973,14,15,22540,12,4544,129351],"class_list":{"0":"post-523532","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wiesbaden","8":"tag-100-jahre","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-hessen","17":"tag-kindergeburtstag","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-nordost","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-wiesbaden","23":"tag-wiesbadener-geschichten"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115429702261809267","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/523532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=523532"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/523532\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/523533"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=523532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=523532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=523532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}