{"id":523928,"date":"2025-10-24T18:33:19","date_gmt":"2025-10-24T18:33:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/523928\/"},"modified":"2025-10-24T18:33:19","modified_gmt":"2025-10-24T18:33:19","slug":"deutschlands-strategische-handlungsfaehigkeit-ist-stark-eingeschraenkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/523928\/","title":{"rendered":"\u201eDeutschlands strategische Handlungsf\u00e4higkeit ist stark eingeschr\u00e4nkt\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCCnc tspCCnd\">Ein derart deutliches diplomatisches Zeichen hat es lange nicht gegeben: Quasi auf den letzten Dr\u00fccker verschiebt Au\u00dfenminister Johann Wadephul (CDU) eine seit Monaten f\u00fcr diesen Montag und Dienstag geplante und akribisch vorbereitete China-Reise. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/aussenminister-wadephul-verschiebt-china-reise-kurzfristig-14649566.html?icid=single-topic_14653832___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCKn0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Termine wurden nicht best\u00e4tigt Au\u00dfenminister Wadephul verschiebt China-Reise kurzfristig <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Peking habe au\u00dfer einem Treffen des Ministers mit seinem Kollegen Wang Yi keine hinreichenden weiteren Termine best\u00e4tigt, begr\u00fcndete die Sprecherin des Ausw\u00e4rtigen Amts in Berlin \u00f6ffentlich den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Schritt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/abo.tagesspiegel.de\/kampagne\/tplus-artikel?bezuggrd=INT&amp;utm_source=artikel&amp;utm_medium=link&amp;utm_campaign=INT-2022-09-15-tplus30tage-no-artikel&amp;utm_content=tplus30tage&amp;icid=single-topic_14653832___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCKn0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gratis testen: Lesen Sie den Tagesspiegel im Abo unbegrenzt. Alles aus der Welt und der Weltstadt. <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">F\u00fcr die bekannterma\u00dfen sehr auf Gesichtswahrung bedachte chinesische F\u00fchrung d\u00fcrfte die Verschiebung der Ministerreise einem diplomatischen Eklat sehr nahekommen. <\/p>\n<p> Baerbock sorgte 2023 f\u00fcr einen Eklat <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">\u201eDie j\u00fcngsten Interaktionen zwischen der chinesischen Regierung und dem deutschen Au\u00dfenminister stellen einen diplomatischen Affront dar, der jedoch nicht \u00fcberraschend kommt\u201c, sagt Andreas Fulda, Politikwissenschaftler und China-Experte an der Universit\u00e4t Nottingham, dem Tagesspiegel. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/csm-dr-a-fulda-d1f12324b6.jpeg\"   alt=\"\" width=\"80\" height=\"80\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/><\/p>\n<p class=\"tspCFno\"><strong>Andreas Fulda<\/strong> ist Politikwissenschaftler und China-Experte an der Universit\u00e4t Nottingham.<\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Schon seit l\u00e4ngerem sind die Beziehungen beider L\u00e4nder eher frostig. So hatte die damalige Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock (Gr\u00fcne) im September 2023 f\u00fcr schwerste Ver\u00e4rgerung in der chinesischen Staatsf\u00fchrung gesorgt, als sie Staats- und Parteichef Xi Jinping in einem Interview im US-Fernsehen mit einem Diktator verglich. Das Au\u00dfenamt in Peking hatte damals auch die deutsche Botschafterin einbestellt.<\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Und auch die Reiseroute von Xi Jinping w\u00e4hrend seiner Europareise 2024, die Frankreich, Serbien und Ungarn umfasste, jedoch Deutschland aussparte, \u201edeutet auf eine ver\u00e4nderte Priorit\u00e4tensetzung der chinesischen F\u00fchrung hin\u201c, sagt der Experte. \u201eDies k\u00f6nnte ein Indikator daf\u00fcr sein, dass Deutschland in der strategischen Ausrichtung Chinas derzeit eine weniger prominente Rolle einnimmt.\u201c<\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Es gebe ein Ungleichgewicht, denn Deutschland sei durch wirtschaftliche Verflechtungen stark von China abh\u00e4ngig. \u201eW\u00e4hrend deutsche Akteure oft glauben, ihre Interessen autonom zu vertreten, wird ihr Handeln in Wirklichkeit durch strategischen Entscheidungen Pekings erheblich beeinflusst\u201c, sagt Fulda. <\/p>\n<blockquote class=\"tspCJny\">\n<p>Deutschland f\u00e4llt es schwer, eine selbstbewusste Haltung gegen\u00fcber China einzunehmen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspCJnz\"><strong>Andreas Fulda<\/strong>, Politikwissenschaftler und China-Experte an der Universit\u00e4t Nottingham<\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">\u201eDie Sorge vor m\u00f6glichen Vergeltungsma\u00dfnahmen aus China, gepaart mit einer politischen Passivit\u00e4t in Berlin, hat Deutschlands strategische Handlungsf\u00e4higkeit stark eingeschr\u00e4nkt.\u201c Die aktuelle Episode rund um Wadephul \u201eunterstreicht diese Dynamik und zeigt, wie schwierig es Deutschland f\u00e4llt, eine selbstbewusste Position gegen\u00fcber China einzunehmen\u201c.\u00a0<\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">In vielen Punkten herrscht zwischen beiden L\u00e4ndern Uneinigkeit. Da ist etwa Chinas Rolle im seit mehr als dreieinhalb Jahre andauernden russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. In Berlin gilt es als offenes Geheimnis, dass Moskau den Krieg gegen seinen Nachbarn ohne Unterst\u00fctzung aus Peking etwa durch sogenannte Dual-Use-G\u00fcter, die sowohl zivil als auch milit\u00e4risch eingesetzt werden k\u00f6nnen, kaum so lange durchhalten w\u00fcrde. Ganz zu schweigen davon, dass China zu den gr\u00f6\u00dften Abnehmern von russischem \u00d6l geh\u00f6rt und so die Kriegskasse von Kremlchef Wladimir Putin f\u00fcllt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/russian-president-putin-on-official-visit-to-china.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14269160\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/> Die Haltung von Chinas Staatschef Xi Jinping (M.) zu Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin (l.) oder Nordkoreas Diktator Kim Jong-un sind Konfliktthemen zwischen Berlin und Peking. <\/p>\n<p class=\"tspAHge\"> \u00a9 imago\/ZUMA Press\/IMAGO\/Sergei Bobylev <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Wadephul h\u00e4tte in Peking sicher auch die Probleme der deutschen Wirtschaft adressiert \u2013 den Unternehmen bereiten Handelsbeschr\u00e4nkungen vor allem in den Bereichen seltene Erden und der Halbleiter gro\u00dfe Sorgen. <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Nicht ausgeschlossen, dass auch eine \u00c4u\u00dferung aus China vom Vormittag in Berlin sauer aufgesto\u00dfen ist. China fordere Deutschland auf, eine klare und entschiedene Haltung gegen jegliche Aktivit\u00e4ten f\u00fcr eine Unabh\u00e4ngigkeit Taiwans einzunehmen und das Ein-China-Prinzip strikt einzuhalten, sagte Au\u00dfenamtssprecher Guo Jiakun. Die Wahrung des Status quo in der Region zu fordern, ohne dabei eine Unabh\u00e4ngigkeit Taiwans abzulehnen, komme einer Unterst\u00fctzung \u201etaiwanischer Unabh\u00e4ngigkeits-Aktivit\u00e4ten\u201c gleich.<\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Nach dem Ein-China-Prinzip erkennen die meisten Staaten offiziell nur die Volksrepublik China und nicht den unabh\u00e4ngig regierten Inselstaat Taiwan an. So auch Deutschland. Peking betrachtet Taiwan als Teil seines Territoriums. Doch dass China fordert, man solle die Unabh\u00e4ngigkeit Taiwans klar ablehnen \u2013 das d\u00fcrfte dann in Berlin doch als neue und weitgehende Forderung wahrgenommen worden sein.<\/p>\n<p> Mehr \u00fcber China bei Tagesspiegel Plus <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/chip-alarm-unternehmen-mussen-unabhangiger-von-china-werden-14639738.html?icid=topic-list_14653832___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCKn0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chip-Krise setzt Industrie unter Druck Deutschlands fatale Abh\u00e4ngigkeit von China <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/china-startet-nachste-phase-der-industriepolitik-experten-sehen-vier-bereiche-im-fokus-14617340.html?icid=topic-list_14653832___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCKn0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">China startet n\u00e4chste Phase der Industriepolitik Experten sehen vier Bereiche im Fokus <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/gemeinsam-gegen-trumps-strafzolle-indiens-premier-modi-reist-zu-seinem-erzfeind-xi-jinping-14244122.html?icid=topic-list_14653832___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCKn0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gemeinsam gegen Trumps Strafz\u00f6lle Indiens Premier Modi reist zu seinem Erzfeind Xi Jinping <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Wadephul hatte China in den vergangenen Monaten immer wieder auch f\u00fcr Drohungen aus Peking kritisiert, den Status quo in der Meerenge zwischen Taiwan und China einseitig ver\u00e4ndern zu wollen. Zudem hatte er Peking vorgehalten, in der Indopazifikregion immer aggressiver vorzugehen. (mit dpa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein derart deutliches diplomatisches Zeichen hat es lange nicht gegeben: Quasi auf den letzten Dr\u00fccker verschiebt Au\u00dfenminister Johann&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":523929,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1436,1157,296,31,227,29,30,3295,1435,650,10257],"class_list":{"0":"post-523928","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-annalena-baerbock","9":"tag-aussenpolitik","10":"tag-berlin","11":"tag-cdu","12":"tag-china","13":"tag-deutschland","14":"tag-germany","15":"tag-hochschulen","16":"tag-krieg-in-der-ukraine","17":"tag-taiwan","18":"tag-xi-jinping"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115430583094897442","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/523928","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=523928"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/523928\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/523929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=523928"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=523928"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=523928"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}