{"id":52523,"date":"2025-04-22T16:34:08","date_gmt":"2025-04-22T16:34:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/52523\/"},"modified":"2025-04-22T16:34:08","modified_gmt":"2025-04-22T16:34:08","slug":"datenanalyse-wie-ueber-ostdeutschland-berichtet-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/52523\/","title":{"rendered":"Datenanalyse: Wie \u00fcber Ostdeutschland berichtet wird"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 22.04.2025 16:39 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Eine aktuelle Datenauswertung zeigt: Ostdeutschland wird in den Medien vor allem als Problemfall thematisiert. Es mangelt an kontinuierlicher und differenzierter Berichterstattung.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDeutschland ist wieder geteilt, daran schienen die Schlagzeilen nach der Bundestagswahl im Februar keinen Zweifel zu lassen: &#8222;Der Osten ist blau&#8220;, lautete der beherrschende mediale Befund. Journalistisch untermauert wurde er von einer Deutschlandkarte, welche die Wahlkreise in die Farbe der st\u00e4rksten Partei einf\u00e4rbte &#8211; bemessen nach den Zweitstimmen. 35 Jahre nach dem Mauerfall teilt sie Deutschland exakt entlang der ehemaligen Zonengrenze: den Westen in CDU-schwarz, den Osten in AfD-Blau.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDiese Karte bereite richtige Fakten auf, sagt der Leipziger Politikwissenschaftler Christopher Pollak. &#8222;Der Osten ist AfD-blau &#8211; das stimmt auch erstmal so. Aber was bei der Karte nicht mittransportiert wird, sind alle folgenden Parteien.&#8220;<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/bilder\/deutschland-karte-zweitwaehler-100.html\" class=\"copytext-galerie columns twelve m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Bilderstrecke<br \/>\n        Bundestagswahl 2025<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Karte steht damit beispielhaft f\u00fcr ein pr\u00e4gendes Muster: Die Berichterstattung \u00fcber Ostdeutschland in den \u00fcberregionalen Medien ist nicht falsch, aber h\u00e4ufig zu wenig differenziert und bedient oftmals Stereotype. Eine Karte, welche die Zweitstimmenanteile aller Parteien abbildet, h\u00e4tte eine detailliertere Darstellung der Wahlergebnisse erm\u00f6glicht. Die Zuschreibung, der &#8222;Osten sei nun blau&#8220;, w\u00e4re so pauschal kaum m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass die \u00fcberregionale Berichterstattung \u00fcber den Osten von wenigen, zumeist seit Jahrzehnten etablierten Negativ-Themen dominiert wird, belegt <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/gesellschaft\/dossier-ostdeutschland-in-den-medien-100-downloadFile.pdf\" title=\"Datenanalyse: Der Osten in den Medien\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine Datenanalyse der Universit\u00e4t Leipzig und der Produktionsfirma Hoferichter &amp; Jacobs<\/a>. Daf\u00fcr wurden Millionen Beitr\u00e4ge automatisiert ausgewertet, die zwischen 1990 und 2024 in \u00fcberregionalen Zeitungen erschienen sind. Im Anschluss wurden die Begriffe, die bei der Ostdeutschland-Berichterstattung stark \u00fcberrepr\u00e4sentiert waren, in den Fokus genommen.<\/p>\n<p>    Darstellung als rechte Hochburg<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Osten wurde danach \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig als abgeh\u00e4ngter und armer Landesteil abgebildet &#8211; vor allem aber als rechte Hochburg. Die Analyse untermauert, dass in Beitr\u00e4gen \u00fcber Ostdeutschland deutlich h\u00e4ufiger Begriffe rechter Ideologie vorkamen als im gesamtdeutschen Mittel, wie &#8222;Pegida&#8220;, &#8222;v\u00f6lkisch&#8220;, &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220; oder &#8222;ausl\u00e4nderfeindlich&#8220;. Aus heutiger Sicht \u00fcberraschend ist, dass in den 1990er Jahren noch deutlich weniger Begriffe mit rechtem Bezug in der Ostdeutschland-Berichterstattung \u00fcberrepr\u00e4sentiert waren als in sp\u00e4teren Jahrzehnten. Seit den 2000er Jahren nahm ihr Anteil stark zu.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin genauerer Blick auf die in den 2010er Jahren erschienen Beitr\u00e4ge zeigt zudem, dass die AfD schon in ihren Anfangsjahren als Ostpartei beschrieben wurde, obwohl sie in dieser Dekade zwei Drittel der W\u00e4hlerstimmen in westdeutschen Bundesl\u00e4ndern erhielt. Danach wurde der Begriff &#8222;AfD&#8220; 13-mal h\u00e4ufiger in Artikeln thematisiert, wenn darin auch der Begriff &#8222;ostdeutsch&#8220; enthalten war.<\/p>\n<p>    Die medialen Gr\u00e4ben vertiefen sich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAngesichts einhelliger soziologischer Befunde und h\u00f6herer Stimmanteile f\u00fcr die AfD im Osten ist offenkundig, dass in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern ein ausgepr\u00e4gteres Rechtsextremismus-Problem existiert als in den westdeutschen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Analyse zeigt aber, dass die Beschreibung ostdeutscher Realit\u00e4ten \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig in Verbindung mit dieser Problematik erfolgt. Ostdeutschland wird seit Jahrzehnten vor allem als Problemfall thematisiert, und weniger als vielf\u00e4ltige Lebens- und Alltagswelt wie die Regionen S\u00fcd, Nord- oder Westdeutschlands.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nOlaf Jacobs, einer der Autoren, konstatiert: &#8222;Durch das offensichtliche Fehlen einer kontinuierlichen differenzierten Thematisierung erfolgt in den letzten Jahren zumindest zu Teilen in den analysierten Medien eher eine Verst\u00e4rkung und Verstetigung von Mustern als ihre \u00dcberwindung&#8220;. Oder kurz: Die medialen Gr\u00e4ben zwischen West und Ost vertiefen sich.<\/p>\n<p>    &#8222;Ossi-Wochen&#8220; im Herbst<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Auswertung bildet die Datengrundlage f\u00fcr die ARD Story &#8222;Abgeschrieben? &#8211; Der Osten in den Medien&#8220;.\u00a0 Darin analysieren Expertinnen, Journalisten und Protagonisten, welche medialen Zuschreibungen der letzten drei Jahrzehnten das mediale Image des Ostens geformt haben. Der Film widmet sich auch dem Ph\u00e4nomen der &#8222;Ossi-Wochen&#8220;. So bezeichnen einige Journalistinnen und Journalisten intern die Phasen, wenn die Aufmerksamkeit nach Wahlen oder zu Einheitsjubil\u00e4en in Richtung Osten geht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDenn Ostdeutschland findet vor allem rund um den 3. Oktober medial statt, belegt die Datenauswertung. \u00dcberregionale Medien berichteten danach nicht kontinuierlich, sondern h\u00e4ufig anlassbezogen. Zudem bekam der Osten vor Bundestagswahlen unterdurchschnittlich wenig mediale Aufmerksamkeit. Daf\u00fcr wurde er aber \u00fcberdurchschnittlich nach Wahlen thematisiert &#8211; so wie im Nachgang der Bundestagswahl 2025, als &#8222;blauer Osten&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p>    Frust und Medienmisstrauen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nViele Ostdeutsche f\u00fchlen sich medial negativ dargestellt: 77 Prozent der Befragten stimmten in einer nicht-repr\u00e4sentativen Erhebung unter mdr-Usern dieser Wahrnehmung zu. Der Frust \u00fcber das mediale Negativ-Image hat inzwischen auch Teile der ostdeutschen Politik erfasst.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSachsen-Anhalts Ministerpr\u00e4sident Reiner Haseloff (CDU) sagte auf den Mitteldeutschen Medientagen Anfang April \u00f6ffentlich, dass er sich abgew\u00f6hnt h\u00e4tte, Deutschlandfunk zu h\u00f6ren, wegen &#8222;pers\u00f6nlicher Erfahrungen, was rausgepickt wurde&#8220;. An den Wahlkampfst\u00e4nden bekomme er \u00fcberdies mit, &#8222;dass die Ossis sich inzwischen eingereiht sehen in eine Population, die abgegrenzt wird, die sich einfach abgrenzen l\u00e4sst oder abgegrenzt wird von dem Deutschen, wie er zu sein hat. Das ist, was die Leute verr\u00fcckt macht&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZwar \u00fcbersetzt sich eine als undifferenziert wahrgenommene Berichterstattung nicht direkt in Misstrauen gegen\u00fcber medialer Berichterstattung, aber sie kann Folgen haben, analysiert der Politikwissenschaftler Christopher Pollak. Wenn eigene Erfahrungen und Einstellungen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit nicht oder weniger vork\u00e4men, entwickele sich \u00fcber die Zeit eine gewisse Distanz: &#8222;Wenn wir nach den Medien fragen, dann sind das 81 Prozent im Westen, die den Medien vertrauen, und 65 Prozent im Osten.&#8220; \u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr zu diesem Thema sehen Sie in der ARD Story &#8222;Abgeschrieben? &#8211; Der Osten in den Medien&#8220; <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/abgeschrieben-der-osten-in-den-medien\/abgeschrieben-der-osten-in-den-medien\/mdr\/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MTA2MC8yMDI1MDQxNzE1MDAvZWluemVsc3R1ZWNrLW1kci1kYXMtZXJzdGUtMTA0\" title=\"Abgeschrieben? - Der Osten in den Medien\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in der Mediathek<\/a> oder heute um 22.50 Uhr im Ersten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 22.04.2025 16:39 Uhr Eine aktuelle Datenauswertung zeigt: Ostdeutschland wird in den Medien vor allem als Problemfall thematisiert.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":52524,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,30,13,14,15,4200,12],"class_list":{"0":"post-52523","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-ostdeutschland","17":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114382587197680468","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52523"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52523\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/52524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}