{"id":525707,"date":"2025-10-25T11:51:23","date_gmt":"2025-10-25T11:51:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/525707\/"},"modified":"2025-10-25T11:51:23","modified_gmt":"2025-10-25T11:51:23","slug":"moodys-laesst-frankreich-mit-blauem-auge-davonkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/525707\/","title":{"rendered":"Moody&#8217;s l\u00e4sst Frankreich mit blauem Auge davonkommen"},"content":{"rendered":"<p>w\u00fc Paris<br \/>\nvon Gesche W\u00fcpper, Paris<\/p>\n<p>Frankreich ger\u00e4t jedoch immer st\u00e4rker unter Druck: Moody&#8217;s hat die Aussichten f\u00fcr die Kreditw\u00fcrdigkeit der zweitgr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft der Eurozone von \u201estabil\u201c auf \u201enegativ\u201c gesenkt, die Gesamtnote im Gegensatz zu den zwei anderen gro\u00dfen Ratingagenturen aber noch nicht weiter herabgestuft. So belie\u00df Moody&#8217;s die Bonit\u00e4tsnote erstmal bei \u201eAA3\u201c. Das Urteil der Ratingagentur ist dennoch ein deutlicher Warnschuss f\u00fcr das Land.<\/p>\n<p>Frankreich k\u00f6nnte seine letzte gute Note bei einer der drei gro\u00dfen Agenturen schnell verlieren, sollte es Defizit und Verschuldung nicht bald in den Griff bekommen und seine politische L\u00e4hmung \u00fcberwinden. Ansonsten steigt das Risiko, dass sich Kreditkosten und Schuldenlast weiter erh\u00f6hen, so dass sich die Finanzierungsbedingungen f\u00fcr die gesamte Wirtschaft verschlechtern. \u201eWenn der Darlehenszins des Staates steigt, steigen die Kreditzinsen f\u00fcr Immobilien, Verbraucherkredite und f\u00fcr Unternehmen ebenfalls\u201c, warnte Wirtschafts- und Finanzminister Roland Lescure Freitag in der Assembl\u00e9e Nationale. \u201eDas trifft alle Mitb\u00fcrger.\u201c Da viele Beobachter jetzt eigentlich eine Abstufung durch Moody&#8217;s erwartet hatten, d\u00fcrften die Kreditkosten jedoch zumindest kurzfristig nicht pl\u00f6tzlich stark steigen.<\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-onlineinterline\">Zersplitterung gef\u00e4hrdet Handlungsf\u00e4higkeit<\/p>\n<p>Die Entscheidung, die Aussicht auf negativ zu senken, spiegele das gestiegene Risiko wieder, dass die Zersplitterung der politischen Landschaft das Funktionieren der legislativen Institutionen Frankreichs weiter gef\u00e4hrden werde, begr\u00fcndet Moody&#8217;s seine Entscheidung. Die politische Instabilit\u00e4t gef\u00e4hrde die Handlungsf\u00e4higkeit der Regierung, zentrale Herausforderungen wie das hohe Haushaltsdefizit, die steigende Schuldenlast und die dauerhafter Erh\u00f6hung der Kreditkosten anzugehen. Das k\u00f6nnte zu einer schnelleren Schw\u00e4chung der finanzpolitischen Schl\u00fcsselkennzahlen Frankreichs f\u00fchren als bisher erwartet, warnt die Ratingagentur. Auch eine anhaltende Pause oder Aufhebung von strukturellen Reformen, vor allem der Rentenreform, k\u00f6nnte zu einer Abstufung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Entscheidung von Moody&#8217;s zeige, dass es absolut notwendig sei, einen Haushaltskompromiss zu finden, erkl\u00e4rte Wirtschaftsminister Lescure. Mit einem Defizit von zuletzt 5,8% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist Frankreich das Schlusslicht der Eurozone. Die Regierung will es in diesem Jahr auf 5,4% senken, 2026 dann auf unter 5%, m\u00f6glichst 4,7%. Dass das gelingen wird, ist jedoch alles andere als sicher, wie ein Blick auf die gerade begonnene Haushaltsdebatte zeigt. Gleichzeitig steigt die Verschuldung immer weiter. Ende des zweiten Quartals betrug sie 115,6% des BIP \u2014  der dritth\u00f6chste Wert der Eurozone nach Griechenland und Italien. N\u00e4chstes Jahr k\u00f6nnte sie auf 118% steigen, f\u00fcrchtet Rechnungshofchef Pierre Moscovici.   <\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-onlineinterline\">M\u00e4rkte haben antizipiert<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/konjunktur-politik\/sp-verdikt-stuerzt-paris-noch-tiefer-ins-schlamassel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Entscheidungen der Ratingagenturen <\/a>werden von den M\u00e4rkten bisher eher ohne gro\u00dfe Reaktionen hingenommen. Der Risikoaufschlag, den Frankreich zahlen muss, hat sich sogar wieder ein wenig verringert, seit Lecornu eine Regierung gebildet hat. Die M\u00e4rkte w\u00fcrden franz\u00f6sische Staatsanleihen schon jetzt gem\u00e4\u00df einer Benotung von \u201eA\u201c oder \u201eA-\u201c behandeln, meint \u00d6konom Paul Chollet von Cr\u00e9dit Mutuel Ark\u00e9a. Etliche Fondsmanager hatten bereits nach den vorgezogenen Parlamentswahlen im letzten Jahr begonnen, franz\u00f6sische Staatsanleihen zu reduzieren. Einige gro\u00dfe wie State Street und BlackRock h\u00e4tten zudem ihre Kriterien inzwischen so ge\u00e4ndert, dass sie bei einer weiteren Abstufung\/ dem Verlust der \u201eAA\u201c-Note nicht gezwungen sind, zu verkaufen, berichtet \u201eBloomberg\u201c.<\/p>\n<p>Die durch die \u00fcberraschenden vorgezogenen Parlamentswahlen ausgel\u00f6ste politische Instabilit\u00e4t ist neben Defizit und Verschuldung das gr\u00f6\u00dfte Handicap Frankeichs. Seit dem Sturz von Fran\u00e7ois Bayrous al und dem anschlie\u00dfenden Chaos Anfang Oktober hat sie sich noch weiter verst\u00e4rkt. Nachdem die Regierung Lecornus Mitte des Monates zwei Misstrauensantr\u00e4ge \u00fcberstanden hat, steht sie erneut unter Druck. Denn die Sozialisten fordern jetzt die Einf\u00fchrung einer Reichensteuer sowie eine h\u00f6here Besteuerung gro\u00dfer Technologieunternehmen und gro\u00dfer Erbschaften. Ansonsten z\u00f6gen sie ihre Duldung der Mitte-Rechts-Regierung zur\u00fcck, drohte Sozialistenchef Olivier Faure Freitag in einem Interview mit \u201eBFMTV\u201c. Lecornu hat gegen\u00fcber den Sozialisten bereits Zugest\u00e4ndnisse gemacht und die Aussetzung der Rentenreform bis zu den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2027 vorgeschlagen.<\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-onlineinterline\">Franzosen legen Rekordsummen an<\/p>\n<p>Die politische Krise gef\u00e4hrdet nicht nur die dringend notwendige Haushaltskonsolidierung, sondern lastet auch auf der Stimmung von Verbrauchern und Unternehmen. Statt zu konsumieren legen franz\u00f6sische Haushalte ihr Geld lieber auf die hohe Kante, so dass ihre Sparquote mit 18,9% abgesehen von der Covid-Pandemie den h\u00f6chsten Wert der letzten 40 Jahre erreichte. Unternehmen wiederum z\u00f6gern zu investieren oder neue Mitarbeiter einzustellen. Die neue Regierung von Premierminister S\u00e9bastien Lecornu erwartet deshalb in diesem Jahr nur ein Wachstum von 0,7%, n\u00e4chstes Jahr dann 1%.<\/p>\n<p>Moody&#8217;s bescheinigt Frankreich dennoch eine starke, diversifizierte Wirtschaft, die von einer im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften g\u00fcnstigeren Demographie profitiere. Dank des robusten Bankensektors sowie der soliden Finanzen von Unternehmen und Haushalten, sei sie in der Lage, Ersch\u00fctterungen abzufedern, meint die Ratingagentur. In den ersten neuen Monaten haben die Haushalte laut \u201eLe Monde\u201c 36 Mrd. Euro in Sparprodukten wie Lebensversicherungen und Rentensparpl\u00e4nen angelegt. Da diese vorsichtig investieren, profitieren auch franz\u00f6sische Schuldtitel davon.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"w\u00fc Paris von Gesche W\u00fcpper, Paris Frankreich ger\u00e4t jedoch immer st\u00e4rker unter Druck: Moody&#8217;s hat die Aussichten f\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":525708,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-525707","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115434663594877181","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/525707","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=525707"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/525707\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/525708"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=525707"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=525707"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=525707"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}