{"id":52672,"date":"2025-04-22T17:52:08","date_gmt":"2025-04-22T17:52:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/52672\/"},"modified":"2025-04-22T17:52:08","modified_gmt":"2025-04-22T17:52:08","slug":"ohne-trump-kommt-es-auf-sie-an-die-koalition-der-willigen-muss-europa-gegen-putin-ruesten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/52672\/","title":{"rendered":"Ohne Trump kommt es auf sie an: Die Koalition der Willigen muss Europa gegen Putin r\u00fcsten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Weder die Nato noch die EU k\u00f6nnen den Europ\u00e4ern ihre Sicherheit garantieren. Neue B\u00fcndnisse m\u00fcssen her, um auf die Launen von US-Pr\u00e4sident Trump zu reagieren. Die Koalition der Willigen wird zur gro\u00dfen Hoffnung gegen den russischen Aggressor.<\/strong><\/p>\n<p>Die US-Regierung unter Donald Trump verliert das Interesse an der Sicherheit Europas. Eine Koalition unter der F\u00fchrung von London und Paris bastelt deshalb an europ\u00e4ischen Verteidigungspl\u00e4nen f\u00fcr die kriegsgebeutelte Ukraine. Details halten die beteiligten Staaten bislang geheim, um dem Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin keinen Vorteil zu verschaffen. Die Arbeit dieser Koalition der Willigen l\u00e4sst dennoch bereits zwei Schl\u00fcsse zu: Erstens wird es schwierig, die Ukraine und das restliche Europa ohne die Hilfe der USA gegen Putin zu r\u00fcsten. Zweitens suchen sich die Europ\u00e4er deshalb flexiblere Gespr\u00e4chsformate in Form von B\u00fcndnissen abseits etablierter Institutionen wie der EU und der Nato.<\/p>\n<p>Trumps Launen schweben wie ein Damoklesschwert \u00fcber der europ\u00e4ischen Sicherheitslage. Am Karfreitag machte der US-Pr\u00e4sident seinem \u00c4rger \u00fcber die stockenden Verhandlungen \u00fcber den Waffenstillstand zwischen Kiew und Moskau Luft. Sowohl Trump als auch sein Au\u00dfenminister Marco Rubio drohten, die Friedensgespr\u00e4che abzubrechen. Derweil demonstrierte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth Mitte April sein Desinteresse an der Nato. An einem wichtigen Treffen im Nato-Hauptquartier in Br\u00fcssel nahm Hegseth gar nicht teil, zu einem weiteren lie\u00df er sich per Video zuschalten. Beide Termine wurden anberaumt, um \u00fcber Schutztruppen und Milit\u00e4rhilfen f\u00fcr die Ukraine zu reden.<\/p>\n<p>Angesichts solcher Signale aus Washington erw\u00e4gen etwa 30 L\u00e4nder, die sich an der Koalition der Willigen beteiligen, Soldaten in die Ukraine zu schicken. Eine offizielle Zusage gibt es bislang aber nur von den beiden Atomm\u00e4chten Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Trotz ihrer andauernden Unterst\u00fctzung Kiews geh\u00f6ren etwa Polen und Italien zu den Skeptikern, wenn es um die Entsendung von Truppen geht. Denn ohne die Sicherheitsgarantien der USA d\u00fcrfte auch in naher Zukunft die potenzielle Pr\u00e4senz Zehntausender europ\u00e4ischer Soldaten in der Ukraine Putin nicht abschrecken. Europa kann sich bisher nicht verteidigen ohne den nuklearen Schutzschirm der USA, ihre <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/EU-trickst-um-sich-ohne-Trump-fuer-Ernstfall-zu-ruesten-article25631055.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">Truppenst\u00e4rke, Milit\u00e4rtechnik und Logistik.<\/a><\/p>\n<p>EU bleibt auf wirtschaftliche Belange festgenagelt<\/p>\n<p>Noch ist vieles unklar. Doch allein die Bildung dieser Koalition belegt, wie stark sich die Kommunikation unter den europ\u00e4ischen Staaten wandelt. Altgediente Institutionen scheinen ungeeignet, um auf die geopolitische Eskalationsspirale, die Trump beschleunigt hat, zu reagieren. Die Nato in ihrer aktuellen Form ist wenig verl\u00e4sslich, solange die USA sie mit ihrer derzeitigen Regierung offiziell anf\u00fchren. Die EU bleibt auf wirtschaftliche Belange festgenagelt, da ihre Mitgliedstaaten die Hoheit \u00fcber ihre Verteidigungspolitik nicht abgeben wollen. Zudem erschweren Quertreiber wie der ungarische Ministerpr\u00e4sident Viktor Orban au\u00dfenpolitische Beschl\u00fcsse in Br\u00fcssel. Der Putin-Vertraute Orban kann nach Belieben blockieren, weil f\u00fcr die Au\u00dfenpolitik der EU stets eine einstimmige Entscheidung der Staats- und Regierungschefs getroffen werden muss.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund setzen viele Experten ihre Hoffnung auf die Koalition der Willigen, damit die Europ\u00e4er wieder handlungsf\u00e4hig werden. Darunter ist der Politologe Herfried M\u00fcnkler: &#8222;Die m\u00f6gliche neue Struktur zeigt sich bereits&#8220;, sagte <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Die-Russen-werden-die-USA-sowieso-hereinlegen-article25664252.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">M\u00fcnkler im Gespr\u00e4ch mit ntv.de<\/a>. &#8222;Immer wieder treffen sich die Au\u00dfen- und Verteidigungsminister des Weimarer Dreiecks &#8211; Frankreich, Deutschland, Polen &#8211; plus Italien. Vielleicht k\u00f6nnten die Spanier dazukommen und vor allem die Briten als Nato-Mitglieder, die zwar nicht mehr in der EU sind, sich ihr aber wieder ann\u00e4hern.&#8220;<\/p>\n<p>Diese europ\u00e4ischen Staaten sollten aus seiner Sicht k\u00fcnftig die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik Europas an sich ziehen, sowohl auf Nato-, als auch EU-Ebene. Sie k\u00f6nnen andere L\u00e4nder einladen, mitzumachen, m\u00fcssten aber stets nach dem Mehrheits- und nicht mehr nach dem Einstimmigkeitsprinzip entscheiden, fordert M\u00fcnkler. Dies w\u00fcrde einen tiefgreifenden Wandel der EU bedeuten. An die Stelle des Vetorechts f\u00fcr jeden einzelnen Staat tr\u00e4ten Mitgliedschaften verschiedenen Ranges, geordnet anhand der Rechte und Pflichten der einzelnen L\u00e4nder.<\/p>\n<p> Le Pen als Frankreichs Pr\u00e4sidentin w\u00e4re Gefahr<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Entwicklung prognostiziert Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff. &#8222;Europa ist dabei, sich vor unseren Augen zu erneuern und zu ver\u00e4ndern&#8220;, sagte <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Der-Ansatz-der-USA-ist-sehr-sinnvoll-aber-die-Umsetzung-ist-miserabel-article25662986.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">Deitelhoff ntv.de:<\/a> &#8222;Es gibt ja nicht nur das Format der Koalition der Willigen, sondern auch die &#8218;Group of Five&#8216;. Zu diesem F\u00fcnfermodell geh\u00f6rt neben Deutschland, Frankreich, Italien und Polen auch Gro\u00dfbritannien.&#8220; Nach der L\u00e4hmung der europ\u00e4ischen Au\u00dfenpolitik sieht sie in der aktuellen Offenheit der Europ\u00e4er eine Chance, neue Formate auszuprobieren. &#8222;Diejenigen, die weitergehen wollen, schlie\u00dfen sich zusammen, ohne die anderen zu bestrafen&#8220;, so Deitelhoff.<\/p>\n<p>Absprachen innerhalb einer solchen Koalition der Willigen hat nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile. Entscheidungen haben mehr Gewicht, wenn sie ausnahmslos von allen Staats- und Regierungschefs der EU getroffen werden. Auch k\u00f6nnten sich kleinere, unbedeutendere L\u00e4nder von der \u00dcbermacht der gr\u00f6\u00dferen noch mehr vor den Kopf gesto\u00dfen f\u00fchlen &#8211; das ist in der EU bereits der Fall. Zudem steht die Koalition auf wackligen Beinen, wenn in einem der f\u00fchrenden Staaten Rechtspopulisten an die Macht kommen, die sich nicht wie Italiens Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni sowohl EU- als auch Ukraine-freundlich geben; sei es auch nur vordergr\u00fcndig. Was etwa passiert, falls in Frankreich Marine Le Pen zur Pr\u00e4sidentin gew\u00e4hlt w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Eine franz\u00f6sische Pr\u00e4sidentin Le Pen w\u00e4re f\u00fcr den Politologen Timo Lochocki ein Horrorszenario, vor allem in Bezug auf die Diskussion um die nukleare Abschreckung der Europ\u00e4er ohne die USA. Keinesfalls sollten sich die Europ\u00e4er aus seiner Sicht auf franz\u00f6sische statt amerikanische Atomwaffen verlassen. &#8222;Wir gehen weg von den USA, weil die gerade dabei sind, ein autokratisches System zu werden, und wollen sie durch die Franzosen ersetzen, denen nach den n\u00e4chsten Pr\u00e4sidentschaftswahlen das gleiche Schicksal drohen k\u00f6nnte&#8220;, sagte <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Deutschland-hat-sich-den-Knoechel-verknackst-aber-andere-Laender-sind-komplett-gelaehmt-article25698327.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">Lochocki ntv.de<\/a>.<\/p>\n<p>Berlin k\u00f6nnte sich auch mit nord- und osteurop\u00e4ischen Staaten zusammentun<\/p>\n<p>Auch eine gesamteurop\u00e4ische L\u00f6sung, bei der die Franzosen oder die Briten ihre Nuklearstreitkr\u00e4fte unter einen europ\u00e4ischen Oberbefehl stellen w\u00fcrden, h\u00e4lt er f\u00fcr wenig aussichtsreich. &#8222;Daher ist aus meiner Sicht die sinnvollste L\u00f6sung, dass die nordeurop\u00e4ischen und mittelosteurop\u00e4ischen Staaten eine gemeinsame nukleare Abschreckung aufbauen&#8220;, so Lochocki. Dieses v\u00f6llig andere Bild einer Koalition der Willigen nennt Lochocki &#8222;Hanse 2.0&#8220;. Dem Zusammenschluss k\u00f6nnten Spanien und Portugal beitreten. Eine Teilnahme Frankreichs, Italiens und Ungarns h\u00e4lt er aufgrund des Erstarkens der Rechtsextremen in diesen L\u00e4ndern f\u00fcr unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Welche Form auch immer die Koalition der Willigen k\u00fcnftig einnehmen wird, am Ende hat sie keine Wahl. Ohne die Hilfe der USA wird es an ihr liegen, Europa gegen Putin zu r\u00fcsten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Weder die Nato noch die EU k\u00f6nnen den Europ\u00e4ern ihre Sicherheit garantieren. 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