{"id":527626,"date":"2025-10-26T07:26:12","date_gmt":"2025-10-26T07:26:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/527626\/"},"modified":"2025-10-26T07:26:12","modified_gmt":"2025-10-26T07:26:12","slug":"kollaps-der-deutschen-industrie-china-sieht-uns-nicht-mal-mehr-im-rueckspiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/527626\/","title":{"rendered":"Kollaps der deutschen Industrie: &#8222;China sieht uns nicht mal mehr im R\u00fcckspiegel&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>In der deutschen Industrie gehen seit 2018 kontinuierlich Arbeitspl\u00e4tze verloren. Laut Arbeitsmarktexperten fallen derzeit jeden Monat etwa 10.000 Stellen weg. Viele Unternehmen lieb\u00e4ugeln offen mit dem Abschied aus Deutschland. Sie beklagen einen t\u00f6dlichen Cocktail aus erdr\u00fcckender B\u00fcrokratie, hohen Energie- und Lohnnebenkosten. L\u00e4sst sich der Trend stoppen? Dar\u00fcber diskutieren Claudia Kemfert, Sabine Nallinger und Sepp M\u00fcller in dieser Live-Ausgabe des Podcasts <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/audio\/Podcast\/Klima-Labor\/\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Klima-Labors&#8220;<\/a>: Was bringt ein Industriestrompreis? Ist bezahlbarer gr\u00fcner Wasserstoff realisierbar oder eine Fantasie? M\u00fcssen wir der Industrie zuliebe zum russischen Gas zur\u00fcckkehren? Muss der Staat bei wichtigen Unternehmen einsteigen? Hilft letztlich doch nur der Kahlschlag beim Klimaschutz?<\/p>\n<p><b>ntv.de: Frau Nallinger, beginnen wir mit einer Bestandsaufnahme: Wie ist die Lage der Industrie? <\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger: Bei uns in der Stiftung Klimawirtschaft sind Unternehmen aus allen relevanten Branchen der deutschen Wirtschaft vertreten. Das Fatale ist: Fast allen geht es schlecht. Ich h\u00f6re in fast allen Gespr\u00e4chen, dass die letzten Jahre sehr hart waren. Die Industrie verliert seit 2018 kontinuierlich Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p> <strong class=\"article__aside__title\">Ein Interview, drei G\u00e4ste<\/strong> <\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/claudia-kemfert-517598167\/\">Claudia Kemfert<\/a> ist Professorin f\u00fcr Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universit\u00e4t in L\u00fcneburg und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW).<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/sabine-nallinger\/\">Sabine Nallinger<\/a> ist seit 2014 Vorst\u00e4ndin der Stiftung Klimawirtschaft in Berlin. Die Stiftung ist eine Initiative von Vorstandsvorsitzenden, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern und Familienunternehmern, um sektor- und branchen\u00fcbergreifend Klimaschutz und Nachhaltigkeit f\u00fcr eine erfolgreiche deutsche Industrie zu f\u00f6rdern. <\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/seppmuellermdb\/\">Sepp M\u00fcller<\/a> sitzt seit 2017 f\u00fcr den Wahlkreis Dessau-Wittenberg im Bundestag. Er ist stellvertretender Fraktionschef von CDU\/CSU sowie Fraktionssprecher f\u00fcr Wirtschaft und Energie.<\/p>\n<p><b>Seit 2018?<\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger: Ja. Die Situation wird h\u00e4ufig mit der Ampel in Verbindung gebracht, aber der Stellenabbau hat fr\u00fcher begonnen. Das Gesamtbild ist dramatisch. Auch, weil kein Aufbruch in Sicht ist. Darauf warten alle. Die Baubranche hat auf einen <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/LEG-Chef-von-Lackum-ueber-Wohnungskrise-Wir-haben-20-000-Bauvorschriften-und-jede-einzelne-kostet-Geld-article26098561.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Baubooster<\/a> gehofft. Den hat die neue Bundesregierung angek\u00fcndigt, bisher bleibt er aber leider aus.<\/p>\n<p><b>Die deutsche Industrie steht in allen Bereichen am Abgrund?<\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger: Die Zahlen sehen nicht gut aus, aber die Probleme gehen \u00fcber das Wirtschaftliche hinaus: Weltweit findet ein Rechtsruck statt, uns brechen Partner und Freunde wie die USA weg. Diese Orientierungslosigkeit erfasst die Unternehmen und die Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><b>Wie f\u00e4llt Ihre Bestandsaufnahme nach gut f\u00fcnf Monaten Schwarz-Rot aus, Sepp M\u00fcller?<\/b><\/p>\n<p>Sepp M\u00fcller: Unsere Energiepreise sind nicht wettbewerbsf\u00e4hig. Wir haben die h\u00f6chsten Lohnnebenkosten. Wenn wir nicht gegensteuern, werden sie Ende der 2020er-Jahre bei 45 Prozent liegen und Mitte der 2030er-Jahre bei 50 Prozent. Dazu kommt extrem viel B\u00fcrokratie. Dieser Dreiklang an strukturellen Problemen hat sich mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine deutlich versch\u00e4rft. In einer neuen Allensbach-Umfrage sagen <a href=\"https:\/\/www.marktundmittelstand.de\/politik\/allensbach-studie-made-in-germany\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">94 Prozent<\/a> der energieintensiven Unternehmen, dass sie das Land verlassen wollen. Das ist ein Alarmzeichen.<\/p>\n<p><b>Teilen Sie diese Analyse, Frau Kemfert?<\/b><\/p>\n<p>Claudia Kemfert: Die hohen Energiekosten sind ein beliebtes Argument, aber das ist nicht der ausschlaggebende Grund f\u00fcr die Probleme. Klar, die sind f\u00fcr energieintensive Unternehmen ein Problem. Aber diese hohen Preise zahlt nur ein <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/So-teuer-werden-die-niedrigen-Strompreise-von-Union-und-SPD-article25705571.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">kleiner Teil<\/a> der Industrie. F\u00fcr die meisten Unternehmen sind die Probleme eher der hohe Verbrauch und die verschleppte Energiewende, denn erneuerbare Energien senken die Energiekosten nachweislich. Die gro\u00dfen Herausforderungen sind eher die internationalen Entwicklungen und die Tatsache, dass deutsche Unternehmen Zukunftsm\u00e4rkte wie die Elektromobilit\u00e4t verschlafen haben.<\/p>\n<p><b>Einem Stahlunternehmen helfen doch weder erneuerbare Energien noch ein verg\u00fcnstigter Strompreis. Seien wir ehrlich: Eine Stahlfirma ist ohne g\u00fcnstiges russisches Gas aufgeschmissen.<\/b><\/p>\n<p>Claudia Kemfert: Nein. Es war von vornherein hochproblematisch, dass wir uns von russischem Gas abh\u00e4ngig gemacht haben. Diesen Preis zahlen speziell gasintensive Betriebe bis heute. F\u00fcr Stahlunternehmen ist das Allerbeste gr\u00fcner Wasserstoff.<\/p>\n<p><b>Den gibt&#8217;s doch aber nicht.<\/b><\/p>\n<p>Claudia Kemfert: Der kann und sollte aber hergestellt werden, und zwar mit \u00d6kostrom. In diesem Bereich m\u00fcsste man investieren, so wie China. Das ist der Schl\u00fcssel. Ein spezieller <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Reiche-hat-gute-Nachrichten-die-noch-keine-sind-article26082094.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Industriestrompreis<\/a> w\u00e4re \u00f6kologisch und \u00f6konomisch unsinnig und kontraproduktiv. Damit verschleppt man die Transformation erneut.<\/p>\n<p> <strong class=\"article__aside__title\">Wo finde ich das &#8222;Klima-Labor&#8220;?<\/strong> <\/p>\n<p>Dieses Interview ist eigentlich ein Podcast, den Sie auch anh\u00f6ren k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Wo? Sie finden das &#8222;Klima-Labor&#8220; bei <a href=\"https:\/\/plus.rtl.de\/podcast\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde-s6g6gj4v6jnnz\" target=\"_blank\" rel=\"Follow nofollow noopener\">RTL+<\/a>, <a rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/music.amazon.de\/podcasts\/d2c0c2d1-32a2-4f14-8628-1cdf8ae023f0\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde\">Amazon Music<\/a>, <a rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/de\/podcast\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde\/id1583245007\">Apple Podcasts<\/a>, <a rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/2f1fH1zprRwjX9EqKE3hMJ\">Spotify<\/a> und als <a rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/audio\/Podcast\/Klima-Labor\/rss\">RSS-Feed<\/a>. Klicken Sie einfach die Links an. <\/p>\n<p>Sie haben eine Frage? Schreiben Sie uns eine E-Mail an klimalabor@ntv.de.<\/p>\n<p><b>Ist Wasserstoff f\u00fcr die Stahlindustrie tats\u00e4chlich die L\u00f6sung? Wir <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Dirostahl-Chef-im-Klima-Labor-Fuer-den-Gas-Abschied-bisher-kein-Business-Case-article25043881.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">h\u00f6ren<\/a>: Der ist zu teuer und f\u00fcr den Transport fehlt das Netz.<\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger: In unserer Stiftung engagieren sich mit Salzgitter und <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/wirtschaft\/Wie-Thyssenkrupp-von-einem-Indien-Deal-profitieren-kann-article26036932.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Thyssenkrupp<\/a> zwei Stahlkonzerne und beide beschreiten unterschiedliche Wege: Salzgitter setzt dezidiert auf gr\u00fcnen Wasserstoff und investiert daf\u00fcr massiv in Offshore-Windenergie. N\u00e4chstes Jahr k\u00f6nnte Salzgitter gr\u00fcnen Stahl produzieren, aber daf\u00fcr fehlt tats\u00e4chlich das Netz. Das ist fatal.<\/p>\n<p><b>W\u00e4re dieser Stahl am Markt konkurrenzf\u00e4hig?<\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger: Die globalen Stahlpreise sind in der Tat gesunken, denn China betreibt mit einer Klarheit und einem Tempo Industriepolitik \u2026 wir kommen einfach nicht mehr hinterher. Das betrifft nicht nur die Stahlindustrie. Ich habe vor elf Jahren in der Stiftung angefangen. Schon damals haben mir Wirtschaftsvertreter gesagt, dass Deutschland eine Industriepolitik ben\u00f6tigt. Die Politik hat immer erwidert: Frau Nallinger, die Unternehmen wollen nicht gesteuert werden, sondern einen freien Markt.<\/p>\n<p><b>Und jetzt einen Industriestrompreis.<\/b><\/p>\n<p>Sepp M\u00fcller: Letztlich sind Energiepreise f\u00fcr die energieintensive Industrie das entscheidende Kriterium. Mein letzter Stand ist: Wir verlieren mittlerweile sogar 15.000 Industriearbeitspl\u00e4tze im Monat. Daran h\u00e4ngen Familien und Schicksale. Deswegen muss ich Frau Kemfert widersprechen. Wir sehen auch beim Wasserstoff, dass Unternehmen wie <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/ArcelorMittal-gibt-Plaene-fuer-gruenen-Stahl-in-Deutschland-auf-article25846547.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">ArcelorMittal<\/a> sich daf\u00fcr entscheiden, nicht mehr in Deutschland zu investieren, sondern in Frankreich, wo der Strompreis deutlich g\u00fcnstiger ist.<\/p>\n<p><b>Weil er <a href=\"https:\/\/taz.de\/Gruener-Stahl\/!6094437\/\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">subventioniert<\/a> wird.<\/b><\/p>\n<p>Sepp M\u00fcller: Wir haben eine Industrieauslastung von 72 Prozent. In der chemischen Industrie ist aber erst ab 90 Prozent ein positives Ergebnis m\u00f6glich. Diese Unternehmen gehen uns reihenweise von der Stange. Bei denen brauchen wir nicht von einer Umstellung reden, wir m\u00fcssen alles daf\u00fcr tun, sie hier im Land zu halten. Deswegen wird die Gasspeicherumlage abgeschafft, deswegen senken wir die Netzentgelte.<\/p>\n<p>Claudia Kemfert: Wir haben in einer <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.881006.de\/publikationen\/wochenberichte\/2023_38_1\/breiter_industriestrompreis_ist_kein_geeignetes_entlastungsinstrument.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Studie<\/a> dezidiert aufgelistet, welche Branchen welche Energiekosten zahlen. Wirklich hohe Energiekosten haben nur f\u00fcnf bis sieben Prozent der Industrie. Die Energiepreise sind eine Komponente von vielen.<\/p>\n<p>Sepp M\u00fcller: Aber was bedeutet denn &#8222;f\u00fcnf bis sieben Prozent&#8220;? Schauen Sie sich das Chemiedreieck im Osten Deutschlands an: Der US-Chemiekonzern Dow wird bis Ende 2027 Teile seiner Anlagen in Sachsen und Sachsen-Anhalt stilllegen. Nur in B\u00f6hlen m\u00fcssen <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen-anhalt\/halle\/saalekreis\/chemiekonzern-dow-schliessungen-schkopau-boehlen-104.html#:~:text=Das%20Chemie%2DUnternehmen%20Dow%20schlie%C3%9Ft,Betriebsr%C3%A4te%20%C3%BCber%20m%C3%B6gliche%20L%C3%B6sungswege%20beraten.\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">300 bis 500 Angestellte<\/a> den Standort verlassen. Einige sagen mir dann: Das ist nicht so schlimm. Die energieintensive Industrie k\u00f6nnen wir einfach nicht halten. Dabei wird aber vergessen, dass an diesem Werk eine Wertsch\u00f6pfungskette mit mehr als 3500 Arbeitspl\u00e4tzen h\u00e4ngt. Das ist die verarbeitende Industrie, und ja, die ben\u00f6tigt tats\u00e4chlich viel weniger Energie.<\/p>\n<p><b>Liegt die Wahrheit in der Mitte, Frau Nallinger?<\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger. Die Unterschiede zwischen den beiden Positionen sind gar nicht so gro\u00df. Fakt ist, dass wir in Deutschland vergleichsweise hohe Energiepreise haben, die unser wirtschaftliches Potenzial hemmen. Es ist aber auch die Regulatorik und die Tatsache, dass Unternehmen in Deutschland viel gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten haben, Investitionen f\u00fcr ihre Zukunftstechnologien zu finden, als in anderen Wirtschaftsr\u00e4umen. Dabei k\u00f6nnen das neue Gesch\u00e4ftsfelder sein. Ich wundere mich immer, dass die oftmals als reiner Kostenfaktor angesehen werden, obwohl sie die Wirtschaft ankurbeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sepp M\u00fcller: Wir gehen den Wasserstoff-Hochlauf doch an, aber das Problem wurde genannt: In Sachsen-Anhalt hat man Pipeline, Elektrolyseur und gr\u00fcnen Wasserstoff f\u00fcr die Pharmaindustrie aus PV und Wind mit einem dreistelligen Millionenbetrag gef\u00f6rdert. Die Anlagen sind abgeschrieben, aber der Wasserstoff wird nicht abgerufen, weil er den Unternehmen zu teuer ist. Das allein kann also nicht die L\u00f6sung sein. Ich habe in dieser Debatte manchmal das Gef\u00fchl, dass die Stimmung besser ist als die Lage. Sprechen Sie mal mit den Betriebsr\u00e4ten vor Ort: Die B\u00e4nder stehen still, die sehen kein Licht am Ende des Tunnels.<\/p>\n<p><b>Was schlagen Sie denn vor? Den Industriestrompreis haben Sie in der schwarz-roten Koalition doch bereits bei der EU <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Reiche-hat-gute-Nachrichten-die-noch-keine-sind-article26082094.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">durchgesetzt<\/a>. Der wird auf 5 Cent je Kilowattstunde gesenkt.<\/b><\/p>\n<p>Sepp M\u00fcller: Es ist ein bisschen komplizierter als das, aber ja: Es geht in die richtige Richtung.<\/p>\n<p><b>Und wenn das nicht reicht? Die Wahrheit ist doch: Die deutsche Industrie ist mit heimischer Kohle und kurzen Transportwegen auf dem Rhein gro\u00df geworden. Das wird es unabh\u00e4ngig von gr\u00fcnem Wasserstoff oder russischem Gas nicht mehr geben. Die SPD spricht deshalb inzwischen offen vom <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/regional\/saarland\/sr-spd-will-stahlindustrie-durch-staatsbeteiligung-schuetzen-100.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Staatseinstieg bei Stahlunternehmen<\/a>. Ist das im Sinne von CDU und CSU?<\/b><\/p>\n<p>Sepp M\u00fcller: Wir halten wenig davon. Ich bezweifle, dass der Staat der bessere Unternehmer ist. Aber die Sozialdemokraten \u00f6ffnen diese Diskussion zurecht, denn sie zeigt, wie dramatisch die Lage ist. Wir reden \u00fcber die Verteidigungsf\u00e4higkeit unseres Landes, aber stellen hierzulande keinen Panzerstahl mehr her? Das w\u00e4re doch verr\u00fcckt.<\/p>\n<p><b>Selbst CDU-Parteikollegen wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ralph_Brinkhaus\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ralph Brinkhaus<\/a> stellen inzwischen aber infrage, ob wir \u00fcberhaupt noch der richtige Standort f\u00fcr Schwerindustrie sind. Ist das die ehrliche Analyse, Claudia Kemfert?<\/b><\/p>\n<p>Claudia Kemfert: Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen wir viele Industriebereiche in Deutschland halten. Die deutsche Autoindustrie ist wettbewerbsf\u00e4hig, aber sie hat den Trend zur Elektromobilit\u00e4t verschlafen &#8211; auch, weil China diesen Bereich und auch die Solar- und die Windindustrie stark subventioniert hat. Das geh\u00f6rt ebenfalls zur Wahrheit. Jetzt sollten wir uns voll auf preiswerte Erneuerbare konzentrieren. Die Kosten f\u00fcr Solar und Wind in Kombination mit Batteriespeichern sinken massiv. Das ist die g\u00fcnstige Energie, die man kaufen kann. Wenn der Rahmen richtig gesetzt wird, kann damit auch eine stromintensive Industrie bestehen. Aber wenn das funktionieren soll, m\u00fcssen wir aufh\u00f6ren, konventionelle Gesch\u00e4ftsmodelle aufrechtzuerhalten oder sogar zu subventionieren. Das sorgt nur daf\u00fcr, dass wir diese Aufgabe ewig vor uns herschieben.<\/p>\n<p><b>F\u00fcr welche Branchen sind Sie optimistisch, f\u00fcr welche sehen Sie schwarz?<\/b><\/p>\n<p>Claudia Kemfert: Ich bin Volkswirtin, den Strukturwandel gab und gibt es immer. Ich verstehe, dass Sepp M\u00fcller sehr auf einzelne Unternehmen in seinem Wahlkreis schaut, aber jede Ver\u00e4nderung kann neue Wettbewerbsvorteile bieten. Daf\u00fcr muss man sich allerdings Richtung Zukunft bewegen.<\/p>\n<p>Sabine Nallinger: Es ist eine M\u00e4r, zu glauben, dass wir in Deutschland und Europa die einzigen sind, die sich in diese Richtung bewegen oder sich mit Dingen wie dem Emissionshandel oder CO2-Steuern besch\u00e4ftigen. Das gibt es <a href=\"https:\/\/table.media\/climate\/analyse\/emissionshandel-china-plant-wichtige-co2-obergrenzen-ab-2027\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">auch in China<\/a>. Wenn ich mit chinesischen Unternehmen spreche, sagen die inzwischen: Hey, wir sehen euch nicht mal mehr im R\u00fcckspiegel. Ihr habt uns doch angetrieben, wo bleibt ihr denn?<\/p>\n<p><b>Ein wenig bl\u00f6d, die anderen anzuspornen und dann stehenzubleiben \u2026<\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger: Weil wir zaudern und z\u00f6gern, das ist unser Problem! Mir sagen so viele Unternehmer: Wir sind technologisch immer noch gut dabei, aber wir bringen unsere Ideen und Entwicklungen einfach nicht auf die Stra\u00dfe. Wir m\u00fcssen die Regulatorik abspecken und zusehen, dass unsere Unternehmen Investitionsmittel erhalten, wie sie in anderen Regionen \u00fcblich sind.<\/p>\n<p><b>Was genau meinen Sie mit Regulatorik? Das verkommt auch zum Modewort.<\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger: Das kann sein, aber wenn ich mit Unternehmern spreche, sagen alle dasselbe: Es dauert Jahre, bis Dinge genehmigt sind. Das sieht man doch bei der <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Wir-haben-es-voellig-damit-uebertrieben-article25664650.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Windkraft<\/a>. Dort hat man das Problem allerdings <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Rekord-fuer-Windraeder-in-Deutschland-So-viele-Genehmigungen-wie-nie-zuvor-article25490511.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">erkannt und gel\u00f6st<\/a>. In anderen Bereichen m\u00fcssen wir noch in die Puschen kommen. Mir hat neulich ein Unternehmer gesagt, dass es Monate gekostet hat, ein Update von Microsoft durchzuf\u00fchren, weil es im Betriebsrat datenschutzrechtliche Bedenken gab.<\/p>\n<p><b>In der Wirtschaft mehren sich allerdings auch die Stimmen, die sagen: Wir sollten beim Klimaschutz k\u00fcrzertreten: <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Merz-will-noch-eben-den-Verbrenner-retten-article26089003.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verbrenner-Aus<\/a>? Abschaffen. <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/evonik-chef-christian-kullmann-kritisiert-regulierung-110722024.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Emissionshandel<\/a>? Abschaffen. Die <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Unsere-Schrottexporte-in-die-USA-sind-blanker-Wahnsinn-article26051364.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">CO2-Steuer f\u00fcr schmutzige Importe<\/a>? Abschaffen.<\/b><\/p>\n<p>Sabine Nallinger: Das sind einzelne Stimmen. Mir vermitteln Unternehmerinnen und Unternehmer ein anderes Bild: Sie halten in gro\u00dfen Teilen an der klimaneutralen Wirtschaft fest. Der Hauptgrund ist, dass wir den Weg schon so weit gegangen sind, dass es kein Zur\u00fcck mehr gibt. Die meisten Unternehmen m\u00f6chten diesen Weg aber auch deswegen fortsetzen, weil sie f\u00fcr sich bereits Zukunftsm\u00e4rkte identifiziert haben &#8211; und manche m\u00f6chten ihren Kindern und Enkelkindern tats\u00e4chlich einen Planeten hinterlassen, den auch k\u00fcnftige Generationen bewohnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Claudia Kemfert: Klimaschutz schafft wirtschaftliche Wettbewerbsvorteile und zukunftsf\u00e4hige Jobs, wenn er klug gemacht ist. Deshalb halte ich diese Forderungen f\u00fcr hochproblematisch. Wollen wir wieder auf halbem Wege stehenbleiben und in 15 Jahren dieselbe Diskussion f\u00fchren?<\/p>\n<p><b>Wie sehen Sie diese Forderungen, Herr M\u00fcller?<\/b><\/p>\n<p>Sepp M\u00fcller: Die Klimaschutzregeln gelten &#8211; auch deswegen, weil wir mit dieser Welt nicht verhandeln k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen alles daransetzen, die CO2-Emissionen zu senken. Gleichzeitig merkt man nat\u00fcrlich nicht nur in Deutschland, sondern generell in Europa, dass die Spannungen zunehmen. Diese Stimmen werden nicht weniger werden, wenn Arbeitspl\u00e4tze verloren gehen und Sozialstandards sinken.<\/p>\n<p>Mit Claudia Kemfert, Sabine Nallinger und Sepp M\u00fcller sprachen <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/incoming\/Clara-Pfeffer-article22772720.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Clara Pfeffer<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Christian-Herrmann-article21584372.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christian Herrmann<\/a>. Das Gespr\u00e4ch wurde zur besseren Verst\u00e4ndlichkeit gek\u00fcrzt und gegl\u00e4ttet. Das komplette Gespr\u00e4ch k\u00f6nnen Sie sich im Podcast <a href=\"https:\/\/plus.rtl.de\/podcast\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde-s6g6gj4v6jnnz\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Klima-Labor&#8220;<\/a> anh\u00f6ren.<\/p>\n<p> <strong class=\"article__aside__title\">Klima-Labor von ntv<\/strong> <\/p>\n<p>Was hilft wirklich gegen den Klimawandel? Funktioniert Klimaschutz auch ohne Job-Abbau und w\u00fctende Bev\u00f6lkerung? Das &#8222;Klima-Labor&#8220; ist der ntv-Podcast, in dem <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/incoming\/Clara-Pfeffer-article22772720.html\" rel=\"nofollow noopener\">Clara Pfeffer<\/a> und <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Christian-Herrmann-article21584372.html\" rel=\"nofollow noopener\">Christian Herrmann<\/a> Ideen, L\u00f6sungen und Behauptungen der unterschiedlichsten Akteure auf Herz und Nieren pr\u00fcfen. <\/p>\n<p>Ist Deutschland ein <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Deutschland-ist-kein-Strombettler-erklaert-Bruno-Burger-von-Energy-Charts-im-Klima-Labor-article24357979.html\" rel=\"nofollow noopener\">Strombettler<\/a>? Rechnen wir uns die Energiewende <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Klima-Labor-mit-Veronika-Grimm-Wir-rechnen-uns-die-Kosten-der-Energiewende-schoen-article25560360.html\" rel=\"nofollow noopener\">sch\u00f6n<\/a>? <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Wer-Staatshilfen-will-kann-gehen-Volkswirt-Reint-Gropp-im-Klima-Labor-article24738136.html\" rel=\"nofollow noopener\">Vernichten<\/a> erneuerbare Energien Arbeitspl\u00e4tze oder <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Klima-Labor-zum-Arbeitsmarkt-Einstellungen-nach-Kompetenz-sind-in-Deutschland-selten-article25651428.html\" rel=\"nofollow noopener\">schaffen<\/a> sie welche? Warum w\u00e4hlen St\u00e4dte wie Gartz die AfD &#8211; und gleichzeitig einen jungen <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Klima-Labor-mit-Luca-Piwodda-Gartz-waehlt-AfD-und-einen-jungen-Windkraft-Buergermeister-article25691630.html\" rel=\"nofollow noopener\">Windkraft-B\u00fcrgermeister<\/a>?<\/p>\n<p>Das Klima-Labor von ntv: Jeden Donnerstag eine halbe Stunde, die informiert, Spa\u00df macht und aufr\u00e4umt. Bei ntv und \u00fcberall, wo es Podcasts gibt: <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/plus.rtl.de\/podcast\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde-s6g6gj4v6jnnz\">RTL+<\/a>, <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/music.amazon.de\/podcasts\/d2c0c2d1-32a2-4f14-8628-1cdf8ae023f0\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde\">Amazon Music<\/a>, <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/de\/podcast\/klima-labor-von-ntv-wie-retten-wir-die-erde\/id1583245007\">Apple Podcasts<\/a>, <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/2f1fH1zprRwjX9EqKE3hMJ\">Spotify<\/a>, <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/audio\/Podcast\/Klima-Labor\/rss\">RSS-Feed<\/a> <\/p>\n<p>Sie haben Fragen an uns? Schreiben Sie eine E-Mail an klimalabor@ntv.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der deutschen Industrie gehen seit 2018 kontinuierlich Arbeitspl\u00e4tze verloren. 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