{"id":528493,"date":"2025-10-26T15:47:18","date_gmt":"2025-10-26T15:47:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/528493\/"},"modified":"2025-10-26T15:47:18","modified_gmt":"2025-10-26T15:47:18","slug":"sicherer-und-guenstiger-china-macht-fortschritte-bei-neuartiger-kernenergie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/528493\/","title":{"rendered":"Sicherer und g\u00fcnstiger?: China macht Fortschritte bei neuartiger Kernenergie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gef\u00e4hrlich und teuer, dieses Image haftet der Atomenergie an. Doch ein alternatives Kraftwerkskonzept soll diese Makel beseitigen: China entwickelt einen einsatzf\u00e4higen Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktor &#8211; und hofft auf eine &#8222;globale nukleare Innovation&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>Kernenergie ist am Ende &#8211; jedenfalls in Deutschland. Auch in Westeuropa und Nordamerika werden nur noch in wenigen L\u00e4ndern neue Reaktoren geplant. Im energiehungrigen Asien hingegen herrscht Aufbruchstimmung: <a href=\"https:\/\/world-nuclear.org\/information-library\/facts-and-figures\/world-nuclear-power-reactors-and-uranium-requireme\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Indien plant mehr als ein Dutzend neuer Kernkraftwerke und China \u00fcber 40<\/a>. In der Volksrepublik wird zudem eine Technologie erprobt, welche Kernenergie sicherer und g\u00fcnstiger machen soll.<\/p>\n<p>Im Jahr 2018 begann China in der W\u00fcste Gobi mit dem Bau des Versuchsreaktors TMSR-LF1. Mitte 2024 erreichte dieser erstmals Betriebstemperatur. Die Volksrepublik plant bereits den Bau eines weiteren Reaktors, der bis 2030 Strom erzeugen soll. Gleichzeitig soll er auch Wasserstoff produzieren k\u00f6nnen. Doch was ist das f\u00fcr eine Technologie?<\/p>\n<p>In Chinas W\u00fcste steht der weltweit wohl einzigartige Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktor. Er wird mit dem leicht radioaktiven Metall Thorium &#8222;betankt&#8220;. Thorium selbst ist zwar nicht spaltbar, kann aber im Reaktor unter Neutronenbeschuss zu spaltbarem Uran\u2011233 verwandelt werden. Der Vorteil daran: Thorium ist auf der Erde gesch\u00e4tzt dreimal h\u00e4ufiger als Uran. Die gr\u00f6\u00dften nat\u00fcrlichen Thorium-Vorkommen befinden sich in Indien, Brasilien, Australien und den USA. Aber auch China verf\u00fcgt \u00fcber den Rohstoff.<\/p>\n<p>Fl\u00fcssiger Kernbrennstoff<\/p>\n<p>Klingt nach einem gro\u00dfen Vorrat &#8211; doch es ist nicht trivial, Thorium als Kernbrennstoff zu nutzen. Reaktoren m\u00fcssen so gebaut sein, dass Thorium konstant in frisches Uran-233 umgewandelt wird. Nach Experimenten mit verschiedenen Ans\u00e4tzen in den vergangenen Jahrzehnten &#8211; unter anderem in den 1980er Jahren in Deutschland &#8211; hat sich einer als der wohl erfolgversprechendste herausgestellt: der Fl\u00fcssigsalzreaktor.<\/p>\n<p>Anders als bei klassischen Reaktoren gibt es keine festen Brennelemente im Reaktor. Vielmehr ist das Spaltmaterial in fl\u00fcssigem Salz gel\u00f6st. Das hat den Vorteil, dass die Zusammensetzung des Gemischs kontrolliert werden kann: Brennstoff kann hinzugef\u00fcgt, \u00fcberfl\u00fcssige Stoffe k\u00f6nnen herausgefiltert werden. Und das alles w\u00e4hrend des laufenden Betriebs.<\/p>\n<p>Zugleich verspricht dieses Design einen gro\u00dfen Sicherheitsvorteil: Das fl\u00fcssige Salz mit dem Brennstoff kann bei \u00dcberhitzung schnell aus dem Reaktor abgelassen werden, um Sch\u00e4den zu verhindern. Daf\u00fcr sorgt ein Notverschluss, der aus einem stets gek\u00fchlten, festen Pfropfen Salz besteht. Wird etwa die Stromzufuhr und damit die K\u00fchlung unterbrochen, schmilzt der Verschluss und das Salz flie\u00dft in ein Auffangbecken. Eine gro\u00dfe Nuklearkatastrophe soll dieses Konzept unm\u00f6glich machen.<\/p>\n<p> Erste Tests in den 1960er Jahren<\/p>\n<p>Die Technologie wurde bereits in den 1960er Jahren in den USA erfolgreich getestet. Es gab zwar noch Herausforderungen, aber das Prinzip funktionierte und der erste Fl\u00fcssigsalzreaktor konnte W\u00e4rme erzeugen. Als Brennstoff wurde Uran-233 genutzt, das in einem anderen Reaktor aus Thorium erzeugt worden war.<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil: Im Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktor entstehen vergleichsweise weniger hochradioaktive Transurane, die \u00fcber Hunderttausende Jahre strahlen. Die meisten Spaltprodukte im Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktor sind zwar auch radioaktiv, klingen aber bereits nach einigen Hundert Jahren ab. Eine Endlagerung ist laut Experten dennoch n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Und auch das Thema Proliferation spielt beim Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktor eine Rolle: Uran-233 kann prinzipiell in Kernwaffen verwendet werden. Allerdings ist fraglich, ob die Qualit\u00e4t des aus einem Fl\u00fcssigsalzreaktor gewonnenen Urans wirklich ausreicht. Experten warnen jedoch, dass damit zumindest der Bau sogenannter &#8222;schmutziger Bomben&#8220; m\u00f6glich sei &#8211; in den H\u00e4nden von Terroristen eine gef\u00e4hrliche Waffe.<\/p>\n<p>Hohe Kosten bei klassischen Reaktoren<\/p>\n<p>Warum gibt es bisher noch keine Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktoren? Die USA hatten in den 1960er Jahren zumindest den Grundstein daf\u00fcr gelegt. Doch auch aus wirtschaftlichen und vermutlich strategischen Gr\u00fcnden wurde das Projekt eingestampft. Denn in dem Reaktor konnte kein atomwaffenf\u00e4higes Plutonium erzeugt werden. Und damals war Uran noch vergleichsweise g\u00fcnstig und reichlich vorhanden.<\/p>\n<p>Doch die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Nicht nur in Deutschland, auch andernorts haben klassische Kernreaktoren einen schweren Stand. Nach den schweren Unf\u00e4llen in Tschernobyl und Fukushima sind die Auflagen f\u00fcr die Sicherheit enorm gestiegen und damit die Kosten bei Neubauten.<\/p>\n<p>Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktoren k\u00f6nnten hingegen sogar g\u00fcnstiger sein als herk\u00f6mmliche Kernkraftwerke. Zu diesem Schluss kam 2013 eine <a href=\"https:\/\/network.bellona.org\/content\/uploads\/sites\/3\/Certain-issues-of-economic-prospects-of-thorium-based-nuclear-energy-systems.pdf\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Studie<\/a> der norwegischen Umweltorganisation Bellona Foundation: Sowohl Bau als auch Betrieb und Endlagerung seien geringer &#8211; im besten Fall w\u00fcrde ein Thorium-Fl\u00fcssigsalzkraftwerk sogar nur ein F\u00fcnftel eines klassischen AKW kosten, hie\u00df es in der Studie.<\/p>\n<p>China meldet zuletzt Fortschritte<\/p>\n<p>China meldete zuletzt Fortschritte bei seinem Projekt: Der Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktor in der W\u00fcste Gobi wurde im Juni 2024 auf Betriebstemperatur hochgefahren. Im Fr\u00fchjahr 2025 meldeten die Forscher, es sei gelungen, den Reaktor w\u00e4hrend des laufenden Betriebs mit neuem Brennstoff zu betanken. &#8222;Wir stehen jetzt an der Schwelle zu einer globalen nuklearen Innovation&#8220;, sagte damals Xu Hongjie, Leiter des wissenschaftlichen Teams, bei einer Sitzung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS).<\/p>\n<p>Was den Einsatz von Thorium angeht, ist China jedoch nicht allein. Japan, Gro\u00dfbritannien und die Vereinigten Staaten haben zu verschiedenen Zeitpunkten Interesse an diesem Brennstoff gezeigt. Indien <a href=\"https:\/\/www.nuklearforum.ch\/de\/news\/indien-prototyp-des-schnellen-brutreaktors-wird-mit-brennstoff-beladen\/\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">treibt die Entwicklung eines Schwerwasserreaktors mit einem Gemisch aus Thorium und Plutonium<\/a> voran. Das d\u00e4nische Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.copenhagenatomics.com\/technology\/\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_blank\">Copenhagen Atomics<\/a> plant ebenfalls einen Thorium-basierten Fl\u00fcssigsalzreaktor &#8211; eine Pilotanlage mit einer Leistung von einem Megawatt ist f\u00fcr 2027 geplant.<\/p>\n<p>Doch es stehen noch ungel\u00f6ste Probleme im Weg. Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen: Das fl\u00fcssige Salz mitsamt seiner radioaktiven Zutaten ist eine aggressive Substanz und zerst\u00f6rt mit der Zeit die Strukturen, in denen es flie\u00dft. Bisher ist noch offen, ob das mit modernen Materialien in den Griff zu bekommen ist. Wenn es gelingt, k\u00f6nnte der Kernkraft eine Renaissance bevorstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gef\u00e4hrlich und teuer, dieses Image haftet der Atomenergie an. 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