{"id":529900,"date":"2025-10-27T06:38:38","date_gmt":"2025-10-27T06:38:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/529900\/"},"modified":"2025-10-27T06:38:38","modified_gmt":"2025-10-27T06:38:38","slug":"in-england-gefeiert-in-deutschland-vergessen-gera-zeigt-karl-weschke-ausstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/529900\/","title":{"rendered":"In England gefeiert, in Deutschland vergessen: Gera zeigt Karl-Weschke-Ausstellung"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nZum 100. Geburtstag von Karl Weschke zeigt <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/thueringen\/ost-thueringen\/gera\/wohnen-stadtplanung-hausbau-nachverdichten-100.html\" title=\"Wie die Stadt Gera das Wohnen in 20 Jahren plant\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gera<\/a> eine umfassende Sonderausstellung des international anerkannten K\u00fcnstlers. Die Ausstellung ist bis Mitte Februar 2026 sowohl in der Orangerie als auch im Stadtmuseum Gera zu sehen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn Deutschland ist Weschke kaum bekannt, dabei war er einer der bedeutendsten deutschen Maler der Nachkriegszeit. Seine Heimat hat er nach dem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/1945\/mitteldeutschland-nach-dem-zweiten-weltkrieg-100.html\" title=\"Mitteldeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zweiten Weltkrieg<\/a> in Gro\u00dfbritannien gefunden. Seine Werke finden sich dort in den bedeutendsten Museen, wie zum Beispiel der Tate Gallery oder der Hayward Gallery in London.\n<\/p>\n<p><a name=\"Nazi\">Vom<\/a> Stra\u00dfenkind zum begeisterten Nazi<\/p>\n<p class=\"text\">\nWeschke stammt aus \u00e4rmsten Verh\u00e4ltnissen in Gera. Er selber sagte dazu, dass seine Mutter eine Dirne war und er eigentlich ein Geraer Gossenkind, so der Leiter der Kunstsammlung Gera und Kurator der Ausstellung, Holger Saupe. Ein Zuhause, einen famili\u00e4ren Raum habe es f\u00fcr ihn nicht gegeben.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAls Weschke acht Jahre alt ist, beginnt die Zeit des Nationalsozialismus. In der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/politik-gesellschaft\/gesetz-hitlerjugend-hj-nationalsozialismus-100.html\" title=\"Zwangsmitgliedschaft in der Hitlerjugend \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hitlerjugend<\/a> ist der kleine Karl pl\u00f6tzlich nicht mehr der arme Stra\u00dfenjunge, sondern wird als gleichwertig aufgenommen. Er wird zum Anh\u00e4nger der faschistischen Ideologie. Und beginnt sp\u00e4ter als Soldat bei der Eliteeinheit der Fallschirmj\u00e4ger \u2013 vom gro\u00dfen Ehrgeiz angetrieben, die schwierigen Verh\u00e4ltnisse seiner Kindheit hinter sich zu lassen.\n<\/p>\n<p><a name=\"Entwicklung\">L\u00e4uterung<\/a> und k\u00fcnstlerische Entwicklung<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch die Niederlage Deutschlands im Krieg \u00e4ndert alles. 1945 ger\u00e4t Weschke in britische Kriegsgefangenschaft. Dort erf\u00e4hrt er, dass das, woran er geglaubt hat, eine gro\u00dfe L\u00fcge war, so Kurator Saupe.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWeschke verbringt mehrere Jahre in sogenannten Umerziehungslagern. Er lernt dort, wie eine Demokratie funktioniert, und bekommt die M\u00f6glichkeit, sich k\u00fcnstlerisch auszuprobieren. In Cambridge darf er Kurse in Kunstgeschichte besuchen. Privat freundet er sich mit Francis Bacon an. So beginnt diese k\u00fcnstlerische Karriere.\n<\/p>\n<p>In Cornwall seine Heimat gefunden<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn Cornwall, am \u00e4u\u00dfersten Zipfel Europas, wird Weschke Anfang der 1960er-Jahre heimisch. Dort pr\u00e4gt ihn der Atlantik, der Ozean. Jahrzehntelang beobachtet er ihn von seinem Atelier aus. Die Gegend ist rau und wild.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nKurator Saupe hat Weschke zu dessen Lebzeiten im Atelier besucht und dort sofort seine Bilder verstanden. Er beschreibt die Gegebenheit: &#8222;Der Atlantik ist keine Ostsee. Wo man sagt, man l\u00e4uft mal sch\u00f6n rein. Sondern der Atlantik hat St\u00fcrme, eine Gewalt.&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"Meeresbilder\">Meeresbilder<\/a> und Akte<\/p>\n<p class=\"text\">\nSo malt Weschke 1967 das \u00d6lgem\u00e4lde &#8222;Brandungswellen&#8220;. Klassische Wellenmotive sind hier jedoch ebenso wenig zu finden wie die Farbe Blau \u2013 vielmehr kommen zun\u00e4chst Assoziationen auf an braune, rostige Rohre, die nebeneinander liegen. Saupe erl\u00e4utert: &#8222;Das ist die Wellenbrandung, Wellenbrecher. Wenn die Welle umbricht \u2013 das ist doch wie eine k\u00f6rperliche Gewalt, die hier entgegenkommt! Wie R\u00f6hren, die man kaum \u00fcberwinden kann.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nNeben dem Meer malt Weschke zun\u00e4chst auch viele Aktbilder. Vielleicht, weil Frauen in seinem Leben eine gro\u00dfe Rolle spielen, mit vier Frauen zeugt er f\u00fcnf Kinder. In der Ausstellung h\u00e4ngt etwa ein gro\u00dfformatiges Gem\u00e4lde, auf dem eine Frau auf dem Bauch am Strand liegt. Ihre Figur ist schemenhaft zu erkennen. Hinter ihr die Steilk\u00fcste. &#8222;Weschke malt die Nacktheit an sich. Das Elementare der Nacktheit&#8220;, beschreibt es Kurator Saupe. Der erotische K\u00f6rper sei dabei in gewisser Weise von Sinnlichkeit gepr\u00e4gt \u2013 er k\u00f6nne aber auch ein Steinfelsen sein, so Saupe, diese Ambivalenz sei bei Weschke immer zu sehen.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Weschke malt die Nacktheit an sich. Das Elementare der Nacktheit.<\/p>\n<p>Holger Saupe<br \/>\nKurator der Ausstellung<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Reise nach \u00c4gypten brachte Licht ins Werk<\/p>\n<p class=\"text\">\nViele von Weschkes fr\u00fchen Werken sind in dunklen Erdfarben gehalten. Sp\u00e4ter \u00e4ndert sich das, mehrere Reisen nach \u00c4gypten bringen das Licht in seine Kunst, auch das spiegelt die Ausstellung wider. \u00c4gypten sei eine Erweckung f\u00fcr den Maler gewesen, so beschreibt es Saupe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zum 100. Geburtstag von Karl Weschke zeigt Gera eine umfassende Sonderausstellung des international anerkannten K\u00fcnstlers. 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