{"id":531807,"date":"2025-10-28T01:29:16","date_gmt":"2025-10-28T01:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/531807\/"},"modified":"2025-10-28T01:29:16","modified_gmt":"2025-10-28T01:29:16","slug":"antigone-in-wiesbaden-jeder-hat-seinen-platz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/531807\/","title":{"rendered":"\u201eAntigone\u201c in Wiesbaden \u2013 Jeder hat seinen Platz"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/theater\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_theater\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Theater<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 27.10.2025, 16:58 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/andrea-pollmeier-qex902n5s.html\" title=\"Zur Autorenseite von Andrea Pollmeier\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" pollmeier=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andrea Pollmeier<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/40223458-die-schauspielerin-vor-dem-grafitti-there-are-graves-between-us-3S7a.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"792\" width=\"1408\" alt=\"Die Schauspielerin vor dem Grafitti &#x201E;There are graves between us&#x201C;.\"\/>Zwischen uns sind Gr\u00e4ber. Hinten Tabea Buser als Antigone. \u00a9\u00a0Maximilian Borchardt<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Aber das muss nicht so bleiben. Der Georgier Mikheil Charkviani mit einer eindrucksvollen \u201eAntigone\u201c in Wiesbaden. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Wie entsteht Widerstand? F\u00fcr den georgischen Regisseur Mikheil Charkviani ist die Gegenwehr gegen eine zunehmend autokratische Politik in seiner Heimat existenzielle Realit\u00e4t geworden. Erstmals inszeniert er jetzt in Deutschland. Unter seiner Regie hatte \u201eAntigone\u201c am Staatstheater in Wiesbaden Premiere, das St\u00fcck folgt weitestgehend der von Roland Schimmelpfennig bearbeiteten Fassung des Sophokles-Stoffes \u2013 dieser wiederum eine der \u00e4ltesten Beschreibungen radikalen Protests.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Charkviani verbindet die Geschichte Antigones mit gegenw\u00e4rtigen weltweiten K\u00e4mpfen gegen Unterdr\u00fcckung. In schmalen, unter der B\u00fchnendecke angebrachten Videobildern werden Text- und Bildnachrichten eingespielt, die zum Beispiel Wasserwerfer gegen Protestierende zeigen oder in Worten auf Ereignisse von Georgien \u00fcber den Iran, Sudan, \u00c4gypten, Mexiko und Kuba verweisen. In 82 L\u00e4ndern beobachte man einen R\u00fcckgang demokratischer Rechte, hei\u00dft es dort weiter. Die machtvolle, autokratische Geschichte Thebens setzt sich fort bis in die Gegenwart.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Seine Inszenierung hat Charkviani multiperspektivisch angelegt und statt eines Chores nicht nur das Video und einen Fernseher, sondern auch zw\u00f6lf Klaviere auf die B\u00fchne des Kleinen Hauses gebracht. In drei Viererreihen stehen sie seitlich zum Publikum nebeneinander und geben dem Raum nach hinten hin optische Tiefe. In dieser Ferne wird sp\u00e4ter Antigone eingesperrt sein und in ihrer Felsengruft bis zum Schluss als hell beleuchtetes, mahnendes Bild sichtbar bleiben.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Vor vier Klavieren sitzen anonym bleibende Personen, in gleichm\u00e4\u00dfigem Rhythmus wird ein Musikton angeschlagen. Diese minimale Bewegung l\u00e4sst ahnen, dass hier, in dieser irritierenden Atmosph\u00e4re l\u00e4hmender Erstarrung doch etwas Leben herrscht und Zeit voranschreitet. <\/p>\n<p>Kreons Autorit\u00e4t braucht die Grobheit<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">In diesem Arrangement hat jeder Einzelne einen festen Platz. Kreon, von Martin Plass mit zunehmend grober Autorit\u00e4t gegeben, steht hier, schnippt monoton in die Luft mit einer Schere, um ihn herum befinden sich \u2013 wie in einer Familienaufstellung \u2013 Eurydike (Evelyn M. Faber) und Haimon (Abdul Aziz Al Khayat). <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Heimlich, so scheint es, haben sich Antigone, kraftvoll auch in schwachen Momenten gegeben von Tabea Buser, und Ismene in einer Art \u201esafe space\u201c vor die Klaviere gehockt, wispern vorsichtig ins Mikrofon und sprechen \u00fcber die neu entstandene Lage. Kreon, ihr Onkel, ist unverhofft an die Macht gelangt, erl\u00e4sst Gebote, die sich gegen traditionelle, g\u00f6ttliche Regeln richten und spaltend wirken. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Noch tastet sich Kreon, gekleidet wie ein Soldat, an seine neue Rolle heran. Er rennt wiederholt vom famili\u00e4ren Platz weg nach vorn, haut impulsiv in die Tasten und gibt der Bev\u00f6lkerung Thebens Anordnungen. Alle sind so f\u00fcr einen kurzen Moment aufgeschreckt. Doch noch gelingt es Eurydike, Kreon vorsichtig an seinen Platz zur\u00fcckzuf\u00fchren, sie reicht ihm die Schere und Kreon schnippt weiter wie bisher. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Auch das leise Zwiegespr\u00e4ch der Schwestern geht weiter, doch schon hier trennen sich ihre Wege. Sandrine Zenners \u00fcberzeugend feinf\u00fchlige Ismene f\u00fcgt sich den Geboten Kreons. \u201eWir sind Frauen, wir k\u00f6nnen gegen die M\u00e4nner nicht gewinnen\u201c, sagt sie. Antigone hingegen entscheidet sich, Kreons Verbot zu ignorieren und \u201eohne Angst vor dem Tod\u201c den eigenen Bruder zu beerdigen. <\/p>\n<p>Alleine Antigone leistet Widerstand, aber total<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">In diesem fr\u00fchen Moment der \u201eMachtergreifung\u201c, das zeigt die eindrucksvolle Inszenierung deutlich, ist Antigone die einzige Person, die Widerstand leistet. Die Botin und W\u00e4chterin (Trang Dong) folgt gegen ihre \u00dcberzeugung den Anweisungen des neuen Herrschers, die B\u00fcrger Thebens, Ismene, Kreons Familie \u2013 alle wirken gel\u00e4hmt, schweigen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Antigone jedoch ist offen aktiv. \u201eDie G\u00f6tter sind mir heilig!\u201c Sie fordert ihre Schwester dazu auf, dies allen zu sagen. Es ist der Moment, in dem Kreon auf das Klavier steigt und sich von oben herab als neuer Herrscher pr\u00e4sentiert. Auf der H\u00f6he seines Kopfes erscheinen im Video parallel Hinweise auf Umerziehungslager in China und Gewalt in Nicaragua. Wenig sp\u00e4ter wird Kreon in qu\u00e4lender H\u00e4rte sein Urteil gegen Antigone sprechen, w\u00e4hrend sie wehrlos auf dem R\u00fccken \u00fcber dem Klavier liegt, Kopf, F\u00fc\u00dfe und H\u00e4nde baumeln in der Luft. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eThere are Graves between us\u201c, hat jemand seitlich an die Wand geschrieben. Die Dramatik dieses traurigen Wissens um die Gr\u00e4ber, die folgen, ist bewegend sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Staatstheater Wiesbaden,<\/strong> Kleines Haus: 1., 15. November, 19. Dezember.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/staatstheater-wiesbaden.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"id-import-Link id-pageApi-Link--externalDomain\" data-id-ec=\"{&quot;sht&quot;:&quot;Container&quot;,&quot;shn&quot;:&quot;Story&quot;,&quot;p&quot;:{&quot;containerType&quot;:&quot;Paragraph&quot;,&quot;displayType&quot;:&quot;Paragraph InlineLink&quot;,&quot;type&quot;:&quot;INLINE_LINK&quot;,&quot;value&quot;:&quot;staatstheater-wiesbaden.de&quot;,&quot;variant&quot;:&quot;standardLink&quot;,&quot;sponsored&quot;:false,&quot;linkHref&quot;:&quot;https:\/\/staatstheater-wiesbaden.de\/&quot;,&quot;storyElementPosition&quot;:27,&quot;storyElementCount&quot;:27}}\">staatstheater-wiesbaden.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Theater Stand: 27.10.2025, 16:58 Uhr Von: Andrea Pollmeier DruckenTeilen Zwischen uns sind Gr\u00e4ber. 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