{"id":532246,"date":"2025-10-28T06:16:15","date_gmt":"2025-10-28T06:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/532246\/"},"modified":"2025-10-28T06:16:15","modified_gmt":"2025-10-28T06:16:15","slug":"tod-nach-narkose-wenn-aerzte-pfuschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/532246\/","title":{"rendered":"Tod nach Narkose &#8211; Wenn \u00c4rzte pfuschen"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zahnarztpraxis-behandlung-100.jpg\" alt=\"Eine Person wird in einer Zahnarztpraxis behandelt.\" title=\"Eine Person wird in einer Zahnarztpraxis behandelt. | picture alliance\/dpa\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 28.10.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>In den vergangenen zehn Jahren sind 21 Patienten nach Vollnarkosen in Arztpraxen gestorben, weil \u00e4rztliche Standards ignoriert wurden. Das zeigen Report Mainz-Recherchen. Sechs Patienten erlitten demnach schwere Hirnsch\u00e4den.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die sechsj\u00e4hrige Sophia hatte Karies zwischen den Backenz\u00e4hnen. Weil sie Angst vor dem Zahnarzt hatte, habe ein Kinderzahnarzt zu einer Behandlung unter Vollnarkose geraten, berichtet ihre Mutter im Interview mit Report Mainz. Doch Sophia erlitt unter der Narkose einen Herzstillstand, sie starb wenige Tage sp\u00e4ter im Krankenhaus. Ihr Gehirn hatte \u00fcber einen zu langen Zeitraum keinen Sauerstoff erhalten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sophias Mutter, Claudia Alter, trauert sehr \u00fcber den Verlust ihres einzigen Kindes. Sie ist \u00fcberzeugt, der Tod ihrer Tochter w\u00e4re vermeidbar gewesen. Sie erhebt starke Vorw\u00fcrfe: &#8222;Sie ist tot, weil ein Arzt das in Kauf genommen hat.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Narkosearzt wurde bislang nicht angeklagt, er gilt als unschuldig. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit f\u00fcnf Jahren gegen den Narkosearzt. Sie geht dem Verdacht nach, dass sich der An\u00e4sthesist zum Zeitpunkt der Beendigung der Narkose nicht im Behandlungszimmer befunden haben soll.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aus einem an\u00e4sthesiologischen Sachverst\u00e4ndigengutachten, das Report Mainz vorliegt, geht hervor: Der Arzt habe w\u00e4hrend der sogenannten Narkoseausleitung Beratungsgespr\u00e4che mit anderen Patienten f\u00fcr weitere Narkosen gef\u00fchrt. Als er von der Assistentin hinzugerufen wurde, soll Sophias Herz bereits mehrere Minuten lang stillgestanden haben. Der Narkosearzt will sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht auf Fragen von Report Mainz \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>    Anwesenheit zwingend<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Ausleitung einer Narkose ist f\u00fcr Patienten besonders gef\u00e4hrlich. Binnen k\u00fcrzester Zeit kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Ein Narkosearzt muss darum w\u00e4hrend der Ausleitung zwingend anwesend sein. Das ist in den Leitlinien der Fachgesellschaften so geregelt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dazu kommt, dass es im Fall Sophia dem Gutachten zufolge an einer &#8222;maschinellen Beatmung&#8220; gefehlt haben soll. Der Arzt soll dar\u00fcber hinaus &#8222;gegen besseres Wissen&#8220; eine &#8222;mangelhafte technische Ausstattung&#8220; verwendet haben, die &#8222;sicherheitsrelevante M\u00e4ngel&#8220; aufwies, und in dieser Form nicht h\u00e4tte betrieben werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>    Keine standardgerechte \u00dcberwachung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die 63-j\u00e4hrige Ute Z. starb nach einer Vollnarkose beim Zahnarzt, im April 2023. Der Narkosearzt wurde Anfang dieses Jahres vom Landgericht Osnabr\u00fcck zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe von zwei Jahren wegen K\u00f6rperverletzung in Tateinheit mit fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung verurteilt. Sowohl die Ausstattung als auch die Vorgehensweise des Arztes h\u00e4tten &#8222;erheblich von den Mindestanforderungen&#8220; an Narkose\u00e4rzte abgewichen, so das Gericht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Weder hatte der Arzt das rund 50 Jahre alte Narkoseger\u00e4t vor der Verwendung \u00fcberpr\u00fcft, noch seine Patientin standardgerecht \u00fcberwacht. Ihm sei dabei &#8222;bewusst&#8220; gewesen, dass er sich \u00fcber die fachlichen Standards &#8222;hinwegsetzte&#8220;, so das Gericht. Der An\u00e4sthesist \u00e4u\u00dferte sich auf Anfrage von Report Mainz nicht dazu.<\/p>\n<p>    Keine Meldepflicht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Offizielle Zahlen zu Todesopfern oder schwerwiegenden Hirnsch\u00e4den nach Narkosen gibt es nicht. Es besteht keine Meldepflicht. Recherchen von Report Mainz zufolge gab es allein in den vergangenen zehn Jahren mindestens 21 Todesf\u00e4lle nach Vollnarkosen in Arztpraxen, darunter mehrere Kinder. Sechs Personen erlitten schwere Hirnsch\u00e4den, einige sind bis heute pflegebed\u00fcrftig.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00dcber Monate hat das ARD-Politikmagazin in Gerichtsurteilen recherchiert, Staatsanwaltschaften sowie Medizinrechtsanw\u00e4lte befragt. Durchschnittlich kommt es demnach j\u00e4hrlich zu mindestens zwei bis drei F\u00e4llen von schwerwiegenden Komplikationen nach Vollnarkosen in Arztpraxen, etwa beim Zahnarzt oder beim HNO-Arzt. Zehn \u00c4rzte wurden verurteilt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehrere Verfahren laufen derzeit noch. Immer wieder wurde auf grundlegende Standards verzichtet: etwa auf geschultes Personal oder wichtige \u00dcberwachungsger\u00e4te.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Prof. Uwe Schulte- Sasse, An\u00e4sthesist und ehemaliger Klinikdirektor kritisiert, die F\u00e4lle seien vermeidbar gewesen. &#8222;Gesunde Patienten, kleine Eingriffe. Diese Patienten m\u00fcssen eine Vollnarkose \u00fcberleben.&#8220; Bedingung sei, dass \u00c4rzte sich an die Standards hielten. Jedes Jahr werden Millionen Patienten ambulant operiert.<\/p>\n<p>    &#8222;Wirtschaftlich motiviert&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tim Neelmeier, Richter am Landgericht Itzehoe, spricht von einem Muster. Er hat mehrere F\u00e4lle juristisch begleitet: &#8222;Standardunterschreitungen sind hier wirtschaftlich motiviert. Das kann man ganz klar sagen.&#8220; Die Ursachen sieht er im Abrechnungssystem: Bezahlt w\u00fcrden \u00c4rzte nur daf\u00fcr, dass sie eine Narkose durchf\u00fchren. Das Wie spiele hingegen grunds\u00e4tzlich keine Rolle.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00c4rzte h\u00e4tten einen hohen Anreiz, &#8222;so viele Patienten in m\u00f6glichst kurzer Zeit wie m\u00f6glich zu behandeln&#8220; &#8211; mit m\u00f6glichst wenig teurem Personal. &#8222;Und das in einem System, das auf Vertrauen ausgerichtet ist&#8220;, sagt Neelmeier.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00c4rzte sind ihrer Berufsordnung nach gebunden, gewissenhaft und nach dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse zu handeln. Die Einhaltung der Berufsordnung zu \u00fcberpr\u00fcfen, liegt bei den Landes\u00e4rztekammern. Die Kassen\u00e4rztlichen Vereinigungen sind f\u00fcr die Qualit\u00e4tskontrolle zust\u00e4ndig. Doch die Arbeitsweise der An\u00e4sthesisten wird nicht \u00fcberpr\u00fcft. Das sei gesetzlich nicht vorgesehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Experten reicht das nicht aus. Richter Tim Neelmeier wird dazu sehr deutlich, er kritisiert: &#8222;Ich w\u00fcrde so weit gehen zu sagen, in Deutschland wird jeder Imbiss engmaschiger kontrolliert als eine Arztpraxis.&#8220;<\/p>\n<p>    Experten fordern sch\u00e4rfere Gesetze und Kontrollen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit den Report Mainz-Recherchen konfrontiert, fordern An\u00e4sthesiologische Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr An\u00e4sthesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) und der Berufsverband Deutscher An\u00e4sthesistinnen und An\u00e4sthesisten e.V. (BDA) jetzt in einer gemeinsamen Presseerkl\u00e4rung unter anderem das Bundesgesundheitsministerium auf, die Mindeststandards f\u00fcr an\u00e4sthesiologische Arbeitspl\u00e4tze rechtlich verbindlich zu verankern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Richter Neelmeier fordert, dass deren Einhaltung auch durch Kassen\u00e4rztliche Vereinigungen kontrolliert werden muss. Andernfalls m\u00fcssten Vollnarkosen in Arztpraxen verboten werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gr\u00fcnen-Politiker Janosch Dahmen, Gesundheitspolitiker und Arzt, formuliert das \u00e4hnlich: &#8222;Wenn es nicht gelingt, mit anderen Ma\u00dfnahmen daf\u00fcr zu sorgen, dass so viele Todesf\u00e4lle auftreten, dann muss sich die \u00c4rzteschaft genauso wie die Politik in Deutschland fragen lassen, ob es grunds\u00e4tzlich richtig bleibt, \u00fcberhaupt Narkosen unter solchen Umst\u00e4nden anzubieten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auf Anfrage von Report Mainz sieht das Bundesgesundheitsministerium jedoch keinen aktuellen Handlungsbedarf. In Gro\u00dfbritannien d\u00fcrfen seit rund 25 Jahren keine Vollnarkosen in Zahnarztpraxen mehr durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 28.10.2025 06:00 Uhr In den vergangenen zehn Jahren sind 21 Patienten nach Vollnarkosen in Arztpraxen gestorben,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":532247,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,111657,3364,29,30,13,14,130746,15,12,3259],"class_list":{"0":"post-532246","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-arztpraxen","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-nachrichten","16":"tag-narkose","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-tod"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115450333866696216","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/532246","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=532246"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/532246\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/532247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=532246"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=532246"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=532246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}