{"id":532370,"date":"2025-10-28T07:24:17","date_gmt":"2025-10-28T07:24:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/532370\/"},"modified":"2025-10-28T07:24:17","modified_gmt":"2025-10-28T07:24:17","slug":"die-stadtzeitung-das-kurze-leben-der-wissenschaftlerin-claire-tisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/532370\/","title":{"rendered":"Die Stadtzeitung &#8211; Das kurze Leben der Wissenschaftlerin Claire Tisch"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIst es nicht schrecklich, wenn man schon mit 26 Jahren die Eisw\u00fcste vor sich sieht?\u201d Dieses denkw\u00fcdirdige Zitat stammt von der Elberfelder Wirtschaftswissenschaftlerin Cl\u00e4re Tisch, die von den Nazis ermordet wurde. \u00dcber diese beeindruckende Frau hat sich Autor Uwe Blass im Rahmen der lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit \u00d6konom Hans Frambach unterhalten.<\/p>\n<p>            <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87732 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Frambach-Presse.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"581\"\/>Prof. Dr. Hans Frambach, \u00d6konom an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal \u2013 \u00a9 Mathias Kehren<\/p>\n<p>\u201eEs ist mir eine Hoffnung f\u00fcr die Zukunft, in die ich jetzt gehe, zu wissen, dass ich, wenn einmal wieder Hilfe m\u00f6glich ist, ich auf Ihre Hilfe rechnen kann\u201c, schrieb die Elberfelder Wirtschaftswissenschaftlerin Cl\u00e4re Tisch an ihren hochgesch\u00e4tzten Doktorvater Joseph A. Schumpeter, sieben Tage vor ihrer Ermordung durch die Nationalsozilisten. Der Wuppertaler Volkswirt Hans Frambach hat sich mit dem beeindruckenden Lebenslauf der 1941 get\u00f6teten Wissenschaftlerin besch\u00e4ftigt, deren Arbeiten bis heute nachwirken.<\/p>\n<p><strong>Das kurze Leben der Cl\u00e4re Tisch<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDr. Cl\u00e4re Tisch war eine bemerkenswerte Frau, die f\u00fcr ihre \u00dcberzeugungen eingetreten ist\u201c, erkl\u00e4rt Frambach zu Beginn und beschreibt den Werdegang einer jungen Wissenschaftlerin, der durch das Regime der Nationalsozialisten j\u00e4h endete. \u201eSie wurde am 14.1.1907 in Elberfeld geboren, verbrachte dort ihre Kinder- und Schulzeit und legte 1926 die Abiturpr\u00fcfung ab. Im Sommer 1929 schloss sie das Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universit\u00e4t Bonn ab, besuchte danach noch weitere Veranstaltungen, insbesondere bei Joseph A. Schumpeter (Schumpeter ist der Namensgeber der Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t, Anm. d. Red.), der ihr auch zu einer Promotion zum Thema \u201aWirtschaftsrechnung und Verteilung im zentralistisch organisierten sozialistischen Gemeinwesen\u2018 riet.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\"\/>\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/p>\n<p>Diese Promotion schloss Tisch in Rekordzeit bereits Ende Juli 1931 ab. Bis 1933 war sie noch weiter an der Universit\u00e4t Bonn besch\u00e4ftigt, musste diese als J\u00fcdin jedoch dann auf Druck der Nazis verlassen. \u201eBis 1936\u201c, berichtet Frambach, \u201eging sie verschiedenen T\u00e4tigkeiten nach, bevor sie eine Anstellung in der Zentrale f\u00fcr J\u00fcdische Pflegestellen und Adoptionsvermittlung, Kinder- und Jugendschutz des J\u00fcdischen Frauenverbands e.V., Wuppertal-Elberfeld erhielt, die sie bis zu ihrer Deportation aus Wuppertal mit hohem Engagement und viel Herzblut aus\u00fcbte.<\/p>\n<p>Am 10.11.1941 wurde Cl\u00e4re Tisch, gemeinsam mit ihren beiden Schwestern, Schwager und Nichte, von Elberfeld nach Minsk deportiert. Die Fahrt dauerte drei Tage. Aller Wahrscheinlichkeit wurde sie am 15.11.1941 ermordet.\u201c<\/p>\n<p><strong>Namenszusatz der Fakult\u00e4t f\u00fchrt zur Besch\u00e4ftigung mit Cl\u00e4re Tisch<\/strong><\/p>\n<p>Weil die Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaft die inhaltliche Schwerpunktsetzung auf die Themenbereiche Innovation, dynamisches Unternehmertum, Entrepreneurship sowie strukturelle und zyklische Wirtschaftsentwicklung legte, erz\u00e4hlt der Forscher, fand im Oktober 2008 an der Bergischen Universit\u00e4t eine Erweiterung des damaligen Fachbereichsnamens \u201aWirtschaftswissenschaft\u2018 um den Zusatz \u00b4Schumpeter School of Business and Economics` statt. \u201eDem ging eine intensive und f\u00e4cher\u00fcbergreifende Besch\u00e4ftigung mit der Person Joseph A. Schumpeters voraus, die auch die Suche nach Verbindungen von Schumpeter mit Wuppertal einschloss.\u201c<\/p>\n<p>Zwar konnte man die N\u00e4he Schumpeters zu Wuppertal nicht eindeutig definieren, stie\u00df bei der Recherche doch immer wieder auf zwei \u00f6konomische Pers\u00f6nlichkeiten: Cl\u00e4re Tisch und Hans Singer (in Wuppertal geborener Entwicklungs\u00f6konom. Nach ihm wurde 2024 der Hans-Singer-Weg in Wuppertal Elberfeld benannt, Anm. d. Red.).<\/p>\n<p>\u201eVon hier aus war der Weg einer weiteren Auseinandersetzung mit beiden Gr\u00f6\u00dfen nicht mehr weit\u201c f\u00e4hrt Frambach fort. \u201eSehr intensiv mit Cl\u00e4re Tisch besch\u00e4ftigte ich mich ab 2011, als mich der Wuppertaler Unternehmer Ralf Putsch f\u00fcr ein gemeinsames Projekt mit Dr. Ulrike Schrader, der Leiterin der Begegnungsst\u00e4tte Alte Synagoge Wuppertal, bat, den Briefverkehr von Tisch und Schumpeter aus den Harvard University Archives zu erschlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die wortgetreuen Mitschriften einer Ausnahmewissenschaftlerin<\/strong><\/p>\n<p>Joseph A. Schumpeter hatte 1925 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t zu Bonn den Lehrstuhl f\u00fcr wirtschaftliche Staatswissenschaft \u00fcbernommen. \u201eDen hatte er bis 1932 inne, bevor er an die Harvard University wechselte.\u201c Nach einigen Umwegen immatrikulierte sich Tisch 1928 f\u00fcr das Studium der Volkswirtschaftslehre in Bonn und legte bereits am 10.7.1929 die \u00b4Diplompr\u00fcfung f\u00fcr Volkswirte` ab\u201c, sagt Frambach. Schon zwei Jahre sp\u00e4ter promovierte sie bei Schumpeter.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87733 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Gedenktafel-Claere-Tisch-an-der-alten-Synagoge-CC0.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\"\/>Gedenktafel Cl\u00e4re Tisch an der alten Synagoge \u2013 \u00a9 CC0<\/p>\n<p><strong>\u201e<\/strong>Cl\u00e4re Tisch bewunderte Schumpeter, machte wortgetreue Mitschriften seiner Vorlesungen und Seminare und z\u00e4hlte mit Kommilitonen wie August L\u00f6sch, Hans W. Singer, Wolfgang F. Stolper und Herbert Zassenhaus gewiss zum \u00b4inner circle` der Studierenden von Schumpeter. Aus ihrem Briefverkehr geht hervor, dass ihre Mitschriften wirklich fabelhaft waren und sie verkaufte die auch f\u00fcr gutes Geld an ihre Kommilitonen\u201c, schmunzelt der Fachmann.<\/p>\n<p>Sie habe es in der Zeit sehr gut verstanden, sich durchzusetzen. Man habe nicht den Eindruck, dass Cl\u00e4re Tisch in dieser M\u00e4nnergesellschaft Probleme hatte. \u201eDie wirklichen Probleme entstanden mit dem Nationalsozialismus und zwar unmittelbar nach der Macht\u00fcbernahme 1933 und in einer Weise, gegen die sich ein Mensch nicht wehren konnte.\u201c<\/p>\n<p><strong>Tischs Promotionsarbeit \u2013 das Beste, was bisher dazu geleistet wurde<\/strong><\/p>\n<p>Cl\u00e4re Tisch promovierte 1931 mit dem Thema \u201aWirtschaftsrechnung und Verteilung im zentralistisch organisierten sozialistischen Gemeinwesen\u2018. In \u00f6konomischen Kreisen gilt Ihre Arbeit als sehr bemerkenswert. Frambach erkl\u00e4rt, warum das so war und sagt: \u201eIn den 1910er und 1920er Jahren gab es eine lebhafte Debatte \u00fcber die Leistungsf\u00e4higkeit der Wirtschaft in einem sozialistischen versus kapitalistischen System, die in der Wirtschaftstheorie durch einen Aufsatz des italienischen \u00d6konomen Enrico Barone im Jahr 1908 eingeleitet wurde. Barone hatte mathematisch die Identit\u00e4t eines allgemeinen Gleichgewichts in einem zentralistischen System und eines unter reinen Konkurrenzbedingungen gezeigt.\u201c<\/p>\n<p>Er glaubte, aufgrund mathematischer Berechnungen die gleichen Ergebnisse in einem sozialistischen System erreichen zu k\u00f6nnen. \u201eAber vor dem Hintergrund bedeutender historischer Ereignisse wie der russischen Oktoberrevolution 1917 und den ungeheuren Problemen, die im Zuge des Ersten Weltkriegs entstanden waren, nahm die Polarisierung zwischen den Positionen zu und erreichte einen H\u00f6hepunkt in der vollst\u00e4ndigen Ablehnung eines sozialistischen Systems\u201c, erkl\u00e4rt Frambach.<\/p>\n<p>\u201eGenau in dieser sogenannten socialist calculation debate ist Cl\u00e4re Tischs Dissertation zu verorten, denn sie untersuchte, ob die sozialistische Wirtschaft \u00fcberhaupt als Wirtschaft im Sinne der rationalen Abw\u00e4gung von Aufwand und Ertrag angesehen werden kann.\u201c Sie zeige in ihrer Arbeit eindrucksvoll, dass unabh\u00e4ngig von der Frage nach zentraler Planung oder freier Konkurrenz die Bestimmung von Gleichgewichtspreisen zumindest theoretisch m\u00f6glich seien, wenn der Allokationsmechanismus (Zuordnung beschr\u00e4nkter Ressourcen, Anm. d. Red.) strikt nach dem Prinzip der Knappheit ablaufe. \u201eWichtig ist zu betonen, dass eine \u2019sozialistische L\u00f6sung\u2018 lediglich formal aufgezeigt wird und Cl\u00e4re Tisch in weiten Teilen ihrer Arbeit tiefgehende Kritik an sozialistischen Ans\u00e4tzen \u00fcbt.\u201c<\/p>\n<p>Schumpeter selber war von Tischs Arbeit jedenfalls \u00fcberzeugt und schrieb in seinem Gutachten der Arbeit vom \u2019sicherlich Besten, was innerhalb dieses Problemkreises bisher geleistet wurde.\u2018 Oftmals wird Cl\u00e4re Tisch gerne als Sozialistin interpretiert, doch da stimmt der Volkswirt nicht zu und sagt: \u201eZwar anerkannte Cl\u00e4re Tisch, und zwar \u00e4hnlich wie Schumpeter, die gro\u00dfen humanit\u00e4ren Zielsetzungen des Sozialismus von Gleichheit und Freiheit von Not und die sich daraus ergebenden Ansatzpunkte einer Kritik des Kapitalismus, doch bin ich, auch in der Betrachtung ihres wissenschaftlichen \u0152uvres, fest davon \u00fcberzeugt, dass man sie vielmehr als eine Markt\u00f6konomin in der Tradition der \u00f6sterreichischen Schule stehend, wie sie von Schumpeter vertreten wurde, deuten muss.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87734 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stolperstein_Claere_Tisch-CC-BY-SA-3.0.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"578\"\/>Stolperstein Cl\u00e4re Tisch \u2013 \u00a9 CC BY-SA 3.0<br \/>\n<strong>1933 \u2013 1941 Tisch h\u00e4lt sich mit anderen Jobs \u00fcber Wasser<\/strong><\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von ihrem gro\u00dfen wissenschaftlichen Talent \u2013 sie forschte \u00fcber Kartellfragen und schrieb zwei B\u00fccher, die in der sehr prominenten Reihe Industriewirtschaftliche Untersuchungen in den Jahren 1933 bzw. 1934 ver\u00f6ffentlicht wurden \u2013 musste Tisch die Hochschule 1933 verlassen. \u201eCl\u00e4re Tisch war seit der Macht\u00fcbernahme durch die Nazis verschiedensten Repressionen ausgesetzt, die sich nat\u00fcrlich nicht nur auf die berufliche T\u00e4tigkeit beschr\u00e4nkten. Ihre Veranstaltungen wurden boykottiert, kaum jemand traute sich mehr, einer J\u00fcdin zuzuh\u00f6ren. Selbst eine zeitweise Besch\u00e4ftigung als Repetitorin konnte nicht aufrechterhalten werden.\u201c<\/p>\n<p>Tisch zog wieder zu ihrer Familie nach Wuppertal, unternahm ein paar Reisen und bestritt ihren Lebensunterhalt mit verschiedenen T\u00e4tigkeiten. Dazu Frambach: \u201eSie arbeitete als Stenotypistin in K\u00f6ln und als Kontoristin in einem Solinger Schuhgesch\u00e4ft. Eine l\u00e4ngerfristige Anstellung hatte sie in der Zeit von 1936 bis 1941.<\/p>\n<p>Bei der Zentralstelle f\u00fcr j\u00fcdisches Pflegestellenwesen und Adoptionsvermittlung in Wuppertal-Elberfeld, einer Einrichtung des J\u00fcdischen Frauenbundes, hatte sie die Position einer \u201aSekret\u00e4rin\u2018 inne und war in erster Linie mit der Organisation und Vermittlung von Pflege- und Adoptionsstellen f\u00fcr j\u00fcdische Kinder, insbesondere in Zeiten der zunehmenden Verfolgung, betraut. Die Gr\u00fcnderin der Adoptionszentrale und Wegbereiterin j\u00fcdischer Sozialarbeit war Clara Samuel (Samuel war die Gr\u00fcnderin der Elberfelder Ortsgruppe des J\u00fcdischen Frauenbunds, Anm. d. Red.), mit ihr arbeitete Cl\u00e4re Tisch eng zusammen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Briefe zwischen Schumpeter und Tisch verdeutlichen die ausweglose Lage<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201e<\/strong>Aus den Jahren von 1933 bis 1941 sind Briefe zwischen Cl\u00e4re Tisch und Joseph Schumpeter erhalten\u201c, sagt Frambach. Und bereits in der Korrespondenz aus dem Jahr 1933 gehe die, durch die Nazis entstandene, bedr\u00fcckende Situation f\u00fcr das j\u00fcdische Leben in Deutschland in aller Deutlichkeit hervor. \u201e1938 hatte Cl\u00e4re Tisch einen Ausreiseantrag f\u00fcr die Vereinigten Staaten im amerikanischen Konsulat in Stuttgart gestellt, deren Realisierung sie selber jedoch aufgrund der bis zu f\u00fcnf Jahre andauernden Wartezeiten als unrealistisch bewertete.\u201c<\/p>\n<p>Schumpeter selber hatte 1938\/39 Cl\u00e4re Tisch eine B\u00fcrgschaftserkl\u00e4rung (Affidavit) f\u00fcr die Ausreise in die USA ausgestellt, die er noch 1941 wiederholte. Die tats\u00e4chlichen Ausreisebedingungen waren jedoch bereits derma\u00dfen eingeschr\u00e4nkt, dass eine Umsetzung faktisch nicht m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>\u201eIm Oktober 1941 begann die Deportation von 53.000 Juden aus dem Reich in die Ghettos der St\u00e4dte Lodz, Minsk, Kowno und Riga in den besetzten osteurop\u00e4ischen Staaten. Am 8.11.1941, zwei Tage vor der Deportation von Familie Tisch, schrieb Cl\u00e4re Tisch noch an Schumpeter von der Sinnlosigkeit von Ausreisebem\u00fchungen und einer hoffnungsvollen Bitte. Darin hei\u00dft es: \u201e[\u2026] ich lie\u00df so lange nichts von mir h\u00f6ren, weil die ver\u00e4nderte Einwanderungssituation irgendwelche Schritte und Bem\u00fchungen sinnlos machte, und weil ich Sie nicht unn\u00fctz bem\u00fchen und bel\u00e4stigen wollte. Wei\u00df ich doch, wie sehr knapp ihre Zeit ist! Auch heute m\u00f6chte ich Sie \u2013 die Situation ist ja unver\u00e4ndert \u2013 nur um Folgendes bitten: Erhalten Sie mir Ihr Wohlwollen und Ihre Hilfsbereitschaft, falls einmal in sp\u00e4teren Zeiten irgendeine Hilfe m\u00f6glich sein wird \u2013 und tun Sie nichts f\u00fcr mich, bevor ich Ihnen deswegen schreibe und Sie darum bitte. Ich gehe \u00fcbermorgen aus Wuppertal fort und wei\u00df auch noch nicht, wie meine neue Adresse sein wird, wei\u00df auch nicht, ob ich sie Ihnen sobald mitzuteilen Gelegenheit haben werde. Es ist mir eine Hoffnung f\u00fcr die Zukunft, in die ich jetzt gehe, zu wissen, dass ich, wenn einmal wieder Hilfe m\u00f6glich ist, ich auf Ihre Hilfe rechnen kann.\u201c<\/p>\n<p>Menschen von heute k\u00f6nnen kaum ermessen, was in den K\u00f6pfen der Opfer damals vorging. \u201eEs gibt ja Untersuchungen, was psychologisch in den Menschen vorgegangen sein muss und das ist mehr als bedr\u00fcckend\u201c, sagt Frambach. \u201eIch habe im Zuge meiner Recherchen f\u00fcr einen Aufsatz, der demn\u00e4chst erscheinen wird, viel recherchiert. Und wenn man die Berichte \u00fcber diese Abtransporte liest, mit welcher Mechanik da Menschen verarbeitet wurden, wie Vieh organisiert und verladen, da kann einem nur schlecht werden. Da ging man mit absoluter Menschenverachtung zu Werke.\u201c<\/p>\n<p><strong>Cl\u00e4re Tisch in Liste der Frauenorte NRW aufgenommen<\/strong><\/p>\n<p>Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln aus Messing, die an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors erinnern. Die Stolpersteine von Cl\u00e4re Tisch und ihrer Familie \u2013 das sind die \u00e4ltere Schwester Marie, die j\u00fcngere, geh\u00f6rlose Schwester Gerda, der Ehemann von Marie, Leo Marcus, und deren Tochter Arnhild Adele \u2013 wurden 2008 in der Neumarktstra\u00dfe 8 (ehemals Hermann-G\u00f6ring-Stra\u00dfe 46, davor Walther-Rathenau-Stra\u00dfe 46) in Wuppertal Elberfeld eingelassen.<\/p>\n<p>Frambach wei\u00df:.\u201eEs war der Wohnort, an dem Cl\u00e4re Tisch seit Verlassen ihrer Wohnung in Bonn mit ihren Angeh\u00f6rigen lebte. Im Anschluss an das \u00b4Gesetz \u00fcber die Mietverh\u00e4ltnisse der Juden` vom 30.4.1939 war Familie Tisch gezwungen, ihre Wohnung aufzugeben und in eines der sogenannten Judenh\u00e4user in der Distelbeck 21 in Wuppertal-Elberfeld umzuziehen. Dort lebten sie bis zur ihrer Deportation nach Minsk am 10.11.1941.\u201c<\/p>\n<p>2024 erhielt Cl\u00e4re Tisch im Rahmen des Projektes Frauenorte eine Gedenktafel an der Alten Synagoge in Wuppertal. \u201eIn der Feierstunde am 9. Juni 2024 wurde Dr. Cl\u00e4re Tisch als erste Frau in Wuppertal mit einem offiziellen FrauenOrt NRW geehrt und als j\u00fcdische Wirtschaftswissenschaftlerin und engagierte Sozialarbeiterin im J\u00fcdischen Frauenbund gew\u00fcrdigt\u201c, sagt Frambach abschlie\u00dfend. \u201eDiese Form der Erinnerung ist ein Zeichen des Respekts, vor allem aber auch ein Aufruf, das Engagement mutiger Frauen wie Cl\u00e4re Tisch nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Auf der Gedenktafel stehen die Worte: \u201aIhr Leben steht f\u00fcr wissenschaftliche Exzellenz, soziale Verantwortung und den Verlust durch nationalsozialistische Verfolgung. \u201a Treffender kann der schicksalhafte Verlauf des Lebens von Cl\u00e4re Tisch in wenigen Worten wohl kaum zusammengefasst werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87735 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Frambach-Presse-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"286\"\/>Prof. Dr. Hans Frambach \u2013 \u00a9 Mathias Kehren<br \/>\n\u00dcber Prof. Hans Frambach<\/p>\n<p>Prof. Dr. Hans Frambach leitet den Arbeitsbereich Mikro\u00f6konomie und Geschichte des \u00f6konomischen Denkens in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaft, Schumpeter School of Business and Economics der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eIst es nicht schrecklich, wenn man schon mit 26 Jahren die Eisw\u00fcste vor sich sieht?\u201d Dieses denkw\u00fcdirdige Zitat&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":532371,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[3364,29,30,1209,4418],"class_list":{"0":"post-532370","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-nordrhein-westfalen","12":"tag-wuppertal"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115450600984359335","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/532370","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=532370"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/532370\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/532371"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=532370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=532370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=532370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}