{"id":534043,"date":"2025-10-28T23:38:22","date_gmt":"2025-10-28T23:38:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/534043\/"},"modified":"2025-10-28T23:38:22","modified_gmt":"2025-10-28T23:38:22","slug":"wird-die-berliner-anti-mode-jetzt-mainstream","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/534043\/","title":{"rendered":"Wird die Berliner Anti-Mode jetzt Mainstream?"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCCnc tspCCnd\">Das Klischee, Berliner seien verglichen mit anderen Gro\u00dfst\u00e4dtern, etwa aus London, New York oder Paris, nicht besonders modisch, ist \u00e4hnlicher Unfug wie der pauschale Spruch \u201earm, aber sexy\u201c. <\/p>\n<p> Mode ist nicht gleich modisch  <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Denn Mode ist per definitionem immer mehr als das, was gemeinhin als modisch verstanden wird. Sie kann auch da entstehen, wo sie explizit verneint wird. Anders ausgedr\u00fcckt: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/die-fashion-week-macht-ernst-ein-bisschen-die-welt-retten-13962413.html?icid=in-text-link_14665637\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eine konsequente Verweigerung von Mode kann selbst zur Mode werden<\/a>. Was nicht zuletzt die Kollektion des belgischen Modedesigners Glenn Martens f\u00fcr den schwedischen Fast-Fashion-Konzern H&amp;M beweist, die ab Oktober in ausgew\u00e4hlten Filialen h\u00e4ngen wird. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/hmglennmartens-campaign-11.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14678483\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/> Schauspielerin Joanna Lumley war eben noch in der beliebten Netflix-Serie \u201eWednesday\u201c zu sehen und modelt jetzt f\u00fcr H&amp;M.  <\/p>\n<p class=\"tspAHge\"> \u00a9 PR H&amp;M <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/hmglennmartens-campaign-10.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14678498\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/> Auch H&amp;M-Model Richard E. Grant ist eigentlich ein bekannter britischer Schauspieler.  <\/p>\n<p class=\"tspAHge\"> \u00a9 PR H&amp;M <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Neu ist das alles nicht. Jugend- und oder Subkulturen, etwa Grunge, der verwahrlost wirkende, apathische Look der sp\u00e4ten 80er und 90er Jahre, lebten jenes Prinzip vor: Damals setzte sich in gewissen gesellschaftlichen Schichten die ablehnende Haltung gegen\u00fcber Konventionen durch. Als Musikstil geboren, wurde die Idee schnell zu einer auch \u00e4sthetischen Gegenposition zum konsumorientierten Mainstream. Dass daraus Mode wurde, ist zwar ironisch, aber im Sinne der Logik von Trends keine \u00dcberraschung.<\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit machte auch ein Designer auf sich aufmerksam, dessen Modeverst\u00e4ndnis eine \u00e4hnliche Verweigerungshaltung verfolgte, dessen Umsetzung aber ungleich akademischer daherkam. Die Entw\u00fcrfe des Belgiers Martin Margiela werden in der Fachliteratur und Modekritik durchgehend als radikal konzeptuell und anti-\u00e4sthetisch beschrieben. Kritiker betonen, dass er das System Mode selbst hinterfragte und neu strukturierte. Seine Entw\u00fcrfe gelten als kritische Kommentare zu Konsum, \u201eSch\u00f6nheit\u201c und dem Kult um das Neue.<\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Margiela arbeitete mit sichtbaren N\u00e4hten, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/fashion-week-in-berlin-ist-das-kollektiv-die-zukunft-der-modeindustrie-13917559.html?icid=in-text-link_14665637\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ausgefransten S\u00e4umen, rohen Kanten und bewusst besch\u00e4digten Stoffen<\/a>, wodurch Kleidungsst\u00fccke wie Fragmente wirkten. Diese Unfertigkeit war kein Zufall, sondern Ausdruck einer konzeptionellen Idee: Mode sollte nicht verf\u00fchren, sondern Strukturen offenlegen.<\/p>\n<p> Der Halsausschnitt wird zum Armloch <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Es ist interessant, dass dieser Tage eine \u00e4hnliche Herangehensweise zu beobachten ist und wohl kein Zufall, dass eingangs erw\u00e4hnter Martens als neuer kreativer Chef bei Martin Margiela (Margiela selbst verlie\u00df das nach ihm benannte Unternehmen bereits 2009) ernannt wurde. Eine Couture- und eine Pr\u00eat-\u00e0-porter-Kollektion sp\u00e4ter ist klar: In Sachen konzeptueller Verweigerung bezieht er sich intellektuell wie \u00e4sthetisch auf den Gr\u00fcnder des Hauses.  <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Perfektion und Sch\u00f6nheit \u2013 die nicht unbedingt im Auge des Betrachters liegt \u2013 ist auf jeden Fall auch nicht Martens Ideal. Formen und vor allem Schnitte werden dekonstruiert; ein \u00c4rmel kann bei Martens einfach nur Dekoration sein, w\u00e4hrend der vermeintliche Halsausschnitt ein Armloch ist \u2013 und umgekehrt. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/glenn-martens-by-oliver-hadlee-pearch-portraits-glenn-martens-olivier-hadlee-pearch.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14678705\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/> Der Belgier Martens ist nicht nur kreativer Chef von Diesel und Maison Margiela, sondern entwarf jetzt auch eine Kollektion f\u00fcr H&amp;M.  <\/p>\n<p class=\"tspAHge\"> \u00a9 Oliver Hadlee Pearch <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Im Gegensatz zu Margiela n\u00e4hert sich Martens dem Thema spielerisch. Seine Entw\u00fcrfe sind Spiegel der Gesellschaft sowie Angebot: Was der Tr\u00e4ger damit macht, bleibt ihm selbst \u00fcberlassen. Popul\u00e4r machte er dieses Prinzip durch seine langj\u00e4hrige Arbeit f\u00fcr das Label Y\/Project. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/look-10.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14678666\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/> F\u00fcr die Haute-Couture-Pr\u00e4sentation von Maison Margiela im Juli dieses Jahres besann sich Designer Glenn Martens auf den Gr\u00fcnder des Hauses und verh\u00fcllte die Gesichter seiner Models.                          <\/p>\n<p class=\"tspAHge\"> \u00a9 Maison Margiela  <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/look-39.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14678678\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/> Das Kleid aus Glenn Martens\u2019 erster Couture-Kollektion f\u00fcr Maison Margiela wurde bereits von Kim Kardashian getragen.                            <\/p>\n<p class=\"tspAHge\"> \u00a9 Maison Margiela  <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Seine erste Couture-Kollektion f\u00fcr Margiela gerierte sich verglichen damit viel ernster. Wie schon Martin Margiela in den 80ern es gerne tat, verh\u00fcllte auch Martens hier die Gesichter seiner Models. Verlangen soll nicht durch sch\u00f6n anzusehende Menschen beziehungsweise die kapitalistische L\u00fcge \u201eWenn du das tr\u00e4gst, dann siehst du auch so aus\u201c entstehen, sondern wegen des Textils als Kunstform selbst.  <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">\u00c4hnliches passierte in der j\u00fcngsten Pr\u00eat-\u00e0-porter-Pr\u00e4sentation f\u00fcr das Haus vor gut einem Monat. Hier waren die Gesichter zwar zu sehen, aber durch Mundst\u00fccke zu Fratzen verzerrt. Der Witz: Es handelte sich dabei um das Logo des Labels, das deswegen ikonisch ist, weil es nur aus den vier N\u00e4hten besteht, mit denen gew\u00f6hnlich ein Logo an das Kleidungsst\u00fcck angebracht ist. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/maison-margiela-runway-paris-fashion-week-womenswear-spring-summer-2026.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14674028\" width=\"620\" height=\"413\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/> Der Mundschmuck in der aktuellen Margiela-Kollektion kommt nicht nur makaber daher, sondern ist auch ein Zitat an das Logo des Labels. Hier getragen vom belgischen Topmodel Hanne Gaby Odiele. <\/p>\n<p class=\"tspAHge\"> \u00a9 Getty Images\/Lyvans Boolaky <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Aber was hat das ganze mit Berlin zu tun? Nun, die beschriebene Haltung ist in einschl\u00e4gigen Kiezen wie Neuk\u00f6lln oder Kreuzberg, sowie in der Clubszene seit Jahren en vogue. Ausdruck findet sie in einer laufend wiederkehrenden modischen R\u00fcckbesinnung auf die Rave-Kultur der 90er, den Punk der 70er und eben auch den Grunge. Das alles kulminiert zurzeit in einer Neuinterpretation des sogenannten Y2K-Stils der Nullerjahre und wird so zum eklektischen Nicht- oder Anti-Look der 2020er. <\/p>\n<p> Was bedeutet es f\u00fcr den Berliner-Stil, wenn bald alle nach Berlin aussehen?  <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Und weil es scheint, als w\u00e4re Martens einer der wenigen Modedesigner, der dieses Wirrwarr verstanden hat, geh\u00f6rt er aktuell zu den Gefragtesten seines Metiers: Neben seiner Arbeit f\u00fcr Margiela sorgt er seit inzwischen f\u00fcnf Jahren daf\u00fcr, dass der italienische Jeans-Hersteller Diesel wieder als angesagt gilt und entwirft, ganz nebenbei, noch jene umfangreiche Kollektion f\u00fcr H&amp;M. <\/p>\n<p> Mehr zum Thema  <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/der-prominente-wochenruckblick-war-karl-lagefeld-am-ende-doch-nur-eurotrash-14530145.html?icid=topic-list_14665637___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCKn0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der prominente Wochenr\u00fcckblick  War Karl Lagerfeld am Ende doch nur Eurotrash? <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/designer-jean-paul-gaultier-in-berlin-manchmal-bringt-mich-mode-zum-weinen-14520611.html?icid=topic-list_14665637___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCKn0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Designer Jean Paul Gaultier in Berlin  \u201eManchmal bringt mich Mode zum Weinen\u201c <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/mode-inspiration-fur-den-herbst-was-berliner-von-den-promis-lernen-konnen--und-was-nicht-14335355.html?icid=topic-list_14665637___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCKn0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mode-Inspiration f\u00fcr den Herbst Was Berliner von den Promis lernen k\u00f6nnen \u2013 und was nicht <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Die wurde vergangene Woche in Berlin der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert. Lustigerweise war es auf der gut besuchten Party bei vielen Besuchern nicht auszumachen, ob sie einfach ihrem pers\u00f6nlichen (Berliner) Stil treu geblieben sind oder ob sie bereits Teile aus jener Kollektion tragen durften. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/hm-glenn-martens-sam-jorden-lauren-isabel-jessi-regina-morgan-mesple.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14665649\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspB0ml\"\/> G\u00e4ste auf der Glenn Martens x H&amp;M-Party. Was den Kleidungsstil betrifft, k\u00f6nnte man sie so auch in einschl\u00e4gigen Szene-Kiezen antreffen.  <\/p>\n<p class=\"tspAHge\"> \u00a9 PR H&amp;M <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Tats\u00e4chlich hatte sich Martens die beliebtesten Teile aus dem H&amp;M-Archiv gesucht und diese, in seinem unverwechselbaren Stil, dekonstruiert und neu kombiniert. Somit sind die einzelnen Teile auch eine preisg\u00fcnstigere Reminiszenz an das Label Y\/Project, das im vergangenen Jahr eingestellt wurde, und mit dem Martens zu dem wurde, was er heute ist und gleichzeitig der konsequente H\u00f6hepunkt des Trends der Anti-Mode. <\/p>\n<p class=\"tspCCnc\">Was bedeutet es nun f\u00fcr Berlin, dass die aktuelle \u00e4sthetische Verweigerung im Mainstream angekommen ist? Vielleicht laufen hier bald alle im Anzug oder im Kost\u00fcm herum. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Klischee, Berliner seien verglichen mit anderen Gro\u00dfst\u00e4dtern, etwa aus London, New York oder Paris, nicht besonders modisch,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":534044,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,17587,29,1513,30,1635,80159,350,32570,2241],"class_list":{"0":"post-534043","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-design","10":"tag-deutschland","11":"tag-diesel","12":"tag-germany","13":"tag-jugend","14":"tag-leute-berlin","15":"tag-mode","16":"tag-modedesigner","17":"tag-trends"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115454431818210023","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/534043","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=534043"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/534043\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/534044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=534043"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=534043"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=534043"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}