{"id":534376,"date":"2025-10-29T03:00:23","date_gmt":"2025-10-29T03:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/534376\/"},"modified":"2025-10-29T03:00:23","modified_gmt":"2025-10-29T03:00:23","slug":"traumatherapie-fuer-kinder-und-jugendliche-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/534376\/","title":{"rendered":"Traumatherapie f\u00fcr Kinder und Jugendliche in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hunderte traumatisierte Kinder und Jugendliche in der Ukraine haben therapeutische Hilfe erhalten und \u00fcber 240 ukrainische Fachkr\u00e4fte wurden geschult. Das ist die Bilanz eines internationalen Projektes, traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) in dem seit 2022 im Krieg befindlichen Land zu etablieren.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022 bedeutet im Leben der Ukrainer eine scharfe Z\u00e4sur: Bomben, Raketen und \u00dcbergriffe russischer Soldaten machen vor der Zivilbev\u00f6lkerung nicht Halt. Tod und Angst geh\u00f6ren zum Alltag. Viele Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, waren und sind mit traumatischen Ereignissen konfrontiert, die unbehandelt zu langfristigen psychosozialen Einschr\u00e4nkungen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Prof. Elisa Pfeiffer, Inhaberin des Lehrstuhls f\u00fcr Klinische Psychologie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Katholischen Universit\u00e4t Eichst\u00e4tt-Ingolstadt (KU), erkannte den dringenden Bedarf einer psychotherapeutischen Versorgung fr\u00fch: \u201eEs gab in der Ukraine bis dato keine evidenzbasierte Traumatherapie, noch dazu sind kurz vor der russischen Invasion die \u00f6ffentlichen Mittel f\u00fcr psychische Gesundheit gek\u00fcrzt worden.\u201c<\/p>\n<p>Herausforderung auch f\u00fcr Trainerinnen und Trainer<\/p>\n<p>Als leitende Psychologin am Universit\u00e4tsklinikum Ulm startete sie daher gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Cedric Sachser bereits im M\u00e4rz 2022 ein Weiterbildungsprogramm f\u00fcr ukrainische Therapeuten in der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie (TF-KVT). Unterst\u00fctzt wurden sie von zertifizierten TF-KVT-Trainerinnen und Trainern aus aller Welt. Bis Mai 2024 schulte das Team mehr als 240 Personen in der evidenzbasierten Traumatherapie. 63 von ihnen sind mittlerweile vollst\u00e4ndig zertifiziert.<\/p>\n<p>Das Ausbildungsprogramm und die Therapie selbst wurden gezielt an die anhaltende Kriegssituation angepasst. So fand das Training digital statt und wurde simultan ins Ukrainische \u00fcbersetzt. Situationsspezifische Aspekte wurden neu in die Ausbildung integriert, wie traumatische Trauer oder Umgang mit Traumatisierungen in Milit\u00e4rfamilien. F\u00fcr die internationalen Trainer war der Kriegskontext auch eine pers\u00f6nliche Herausforderung: \u201eIn diesem Bereich ist man es gewohnt, die schlimmsten Geschichten zu h\u00f6ren. Aber solche Menschenrechtsverletzungen wie in der Ukraine, schockten auch unsere erfahrenen Trainerinnen und Trainer\u201c, berichtet Pfeiffer.<\/p>\n<p>Hunderte Kinder haben bereits profitiert<\/p>\n<p>Im Zuge des Programms wurden mehr als 300 Kinder und Jugendliche mit TF-KVT behandelt und ihre Daten im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/journals\/european-psychiatry\/article\/evaluation-of-the-feasibility-and-effectiveness-of-traumafocused-cognitive-behavioural-therapy-for-children-and-youth-in-ukraine-during-the-war\/302F76DE5311F0D6BCB3E7053FBD3861\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wissenschaftlichen Evaluation des Trainingsprogramms und der Therapie <\/a>erfasst. \u201eDas ist nur ein Teil der tats\u00e4chlich behandelten Betroffenen \u2013 wir gehen von Hunderten mehr aus\u201c, sagt Projektleiterin Pfeiffer. Viele Therapeuten h\u00e4tten deutlich mehr als die in der Ausbildung vorgesehene Mindestzahl behandelt. In den rund 300 evaluierten F\u00e4llen wird der gro\u00dfe Erfolg der Therapie deutlich: Die psychische Belastung der jungen Patienten ging nachweislich zur\u00fcck, viele erf\u00fcllten nach Abschluss der Therapie sogar keine klinischen Diagnosestandards mehr f\u00fcr Posttraumatische Belastungsst\u00f6rungen. \u201eWir haben teils sogar bessere Effekte als in Vergleichsstudien in Deutschland oder Norwegen. Die Kinder haben in jedem Fall sehr profitiert\u201c, konstatiert Pfeiffer.<\/p>\n<p>Ein wichtiges Ergebnis auch f\u00fcr die Forschung, denn damit werde deutlich, dass die Behandlung bei Kindern erfolgreich sei, die nach wie vor Traumata erleben. In der Ukraine kam die TF-KVT erstmals in einem andauernden Krieg zum Einsatz. \u201eEigentlich ist es ein Credo, dass Traumatherapie erst stattfindet, wenn das Kind schon in Sicherheit ist\u201c, erl\u00e4utert Psychologie-Professorin Pfeiffer. \u201eWir wollten aber gezielt den Kindern, die weiterhin Traumata erleben, helfen, da ihre Symptomatik sonst chronisch werden k\u00f6nnte.\u201c F\u00fcr andere Kriegs- und Krisenregionen sei das eine wichtige Botschaft: \u201eEs lohnt sich, fr\u00fchzeitig anzusetzen.\u201c<\/p>\n<p>Selbstf\u00fcrsorgeprogramm f\u00fcr die Therapeuten<\/p>\n<p>Nicht nur f\u00fcr die Patienten, sondern auch f\u00fcr die Therapeuten sind die Umst\u00e4nde au\u00dfergew\u00f6hnlich, unterstreicht Pfeiffer: \u201eSie leben selbst im Krieg, erleben Verluste oder mussten fl\u00fcchten, sind also ebenso wie die Patienten sehr belastet.\u201c Trotzdem \u2013 oder gerade deshalb \u2013 zeigen sie eine \u201ebeeindruckende Resilienz\u201c. Eine Begleitstudie bescheinigt ihnen niedrige Werte im Bereich Burnout und sekund\u00e4re Traumatisierung. Um diese positiven Resultate langfristig zu st\u00fctzen, umfasste das Projekt ein achtw\u00f6chiges Selbstf\u00fcrsorgeprogramm f\u00fcr die Therapeuten.<\/p>\n<p>Zur langfristigen Ausrichtung des Projektes geh\u00f6rte zudem von Beginn an ein Austausch auf Augenh\u00f6he, wie Pfeiffer betont: \u201eDas Projekt war nur m\u00f6glich durch eine enge Kooperation zwischen internationalen TF-KVT-Experten und lokalen Partnern vor Ort wie die Ukrainische Psychologische Fachgesellschaft.\u201c Seit Anfang des Jahres l\u00e4uft nun der zweite Teil des Projekts, dessen Ziel es ist, in der Ukraine dauerhaft ein Traumatherapie-Netzwerk zu verankern. Daf\u00fcr wurden unter anderem drei ukrainische Therapeutinnen als TF-KVT-Trainerinnen zertifiziert, die k\u00fcnftig eigenst\u00e4ndig Schulungen und Supervisionen anbieten k\u00f6nnen. Eine von ihnen ist Natalia Mossul von der Universit\u00e4t Saporischschja, die mit ihrem Team bereits mehr als 200 weitere Therapeutinnen und Therapeuten geschult hat. Pfeiffer und ihr Team \u00fcbergeben das Projekt nun Schritt f\u00fcr Schritt an die nationalen Partner.<\/p>\n<p>Projekt ist auf finanzielle Unterst\u00fctzung angewiesen<\/p>\n<p>Doch ein Engpass bleibt: die Finanzierung. Ein TF-KVT-Training mit Supervision und \u00dcbersetzung koste rund 10.000 Euro pro Kohorte (ca. 30 Therapeut\/-innen). \u201eOhne zahlreiche Einzel-F\u00f6rderungen wie durch die Porticus-Stiftung oder das ukrainische Gesundheitsministerium, w\u00e4re das Projekt nicht umsetzbar gewesen\u201c, betont Pfeiffer. F\u00fcr die Zukunft hofft sie auf weitere Unterst\u00fctzung, denn der hohe gesellschaftliche Nutzen sei nun evident. \u201eWir sehen, wie stark das ukrainische Volk ist und leisten Hilfe zur Selbsthilfe \u2013 Kinder, die wir heute behandeln, sind die Erwachsenen, die morgen ihr Land mitgestalten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hunderte traumatisierte Kinder und Jugendliche in der Ukraine haben therapeutische Hilfe erhalten und \u00fcber 240 ukrainische Fachkr\u00e4fte wurden&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":534377,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,1114,14,15,12,131118,317],"class_list":{"0":"post-534376","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-kinder","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-traumatherapie","16":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115455225685595250","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/534376","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=534376"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/534376\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/534377"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=534376"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=534376"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=534376"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}