{"id":536340,"date":"2025-10-29T22:28:13","date_gmt":"2025-10-29T22:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/536340\/"},"modified":"2025-10-29T22:28:13","modified_gmt":"2025-10-29T22:28:13","slug":"rapper-ist-fast-gestorben-schockierende-haftbefehl-doku-25-jahre-kokain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/536340\/","title":{"rendered":"Rapper ist fast gestorben: Schockierende Haftbefehl-Doku: 25 Jahre Kokain"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine neue Dokumentation zeigt den Rapper Haftbefehl im freien Fall. Ein Schreckensmoment folgt auf den n\u00e4chsten: Absturz, \u00dcberdosis, eine zerst\u00f6rte Nase. Ist das schonungslos ehrlich oder unw\u00fcrdig?<\/strong><\/p>\n<p>Der Schock kommt gleich mit der Eingangsszene, als er sich auf einen Sessel fallen l\u00e4sst, aufgequollen und fahl. Er r\u00f6chelt mehr als er atmet und raucht trotzdem gierig. Und man braucht einen Moment, um festzustellen, dass dieser dramatisch aussehende Mann wirklich Haftbefehl ist, Deutschlands wohl wichtigster Stra\u00dfenrapper, weil noch etwas irritiert: seine Nase. Sie ist merkw\u00fcrdig deformiert, die Spitze ist eingefallen und verdeckt die L\u00f6cher. So sehen also Menschen aus, die sich die Nasenscheidewand kaputtgekokst haben. &#8222;Mir geht\u2019s gut, Brudi&#8220;, sagt Haftbefehl. &#8222;Ich w\u00e4r gestorben, wenn ich nicht da reingegangen w\u00e4re. Ich war schon tot.&#8220;<\/p>\n<p>Man hat es in der neuen Netflix-Dokumentation &#8222;Babo &#8211; Die Haftbefehl-Story&#8220; augenscheinlich mit einem schwerkranken Protagonisten zu tun. Warum er sich in diesem Zustand filmen l\u00e4sst, erkl\u00e4rt Haftbefehl eingangs selbst: &#8222;Falls mir irgendwann was passiert, dass meine Geschichte richtig erz\u00e4hlt wird. Aus meiner Sicht.&#8220; Und doch wirkt es so, als seien es auch die Filmemacher, die sich rechtfertigen f\u00fcr das, was kommt. <\/p>\n<p>Die Geschichte von Haftbefehl, b\u00fcrgerlich Aykut Anhan, Sohn kurdischer Einwanderer, beginnt im Mainpark, einer Hochhaussiedlung in Offenbach am Main. Hier wohnen die Migranten und Mittellosen, fernab des b\u00fcrgerlichen Sichtfelds. Wo getickt wird, abgezogen und zugeschlagen, wo st\u00e4ndig die Aufz\u00fcge kaputt sind. Wer nicht dort lebt, wei\u00df das aus Haftbefehls Texten. <\/p>\n<p>Depressionen im Ghetto<\/p>\n<p>Aber mittellos war der Vater nicht, zumindest nicht durchg\u00e4ngig. Bei Anhans, so erf\u00e4hrt man in der Doku, lagen schonmal zwei Millionen Mark unter dem Teppich versteckt. Gl\u00fccksspielgeld, das so schnell ging, wie es kam. 1999, da war Haftbefehl 15, hing sich der Vater auf. &#8222;Depressionen im Ghetto, ich bin nur Sohn meines Vaters&#8220;, auch das ist eine von Haftbefehls Zeilen. <\/p>\n<p>Man ahnt bereits, wo die Wurzeln dieses sp\u00e4teren Kontrollverlusts liegen, der wom\u00f6glich von Anfang an eingeschrieben war bei einem, der mit 13 zum ersten Mal Kokain probierte und nie wieder aufh\u00f6rte, der nach dem Tod des Vaters die Schule schmiss und Dealer wurde, der ein Junge aus dem Mainpark war. <\/p>\n<p>Zun\u00e4chst aber folgte ein unwirklicher Aufstieg.<b> <\/b>Die ersten, billig produzierten Musikvideos lie\u00dfen sich leicht bel\u00e4cheln. Der schlaksige, Fast-Zwei-Meter-Mann Haftbefehl schrie und nuschelte gleichzeitig ins Mikrofon, reimte Satzenden, die sich nicht reimen und verwendete W\u00f6rter, die kaum einer kannte. Ein Potpourri aller Sprachen, die sich auf den Stra\u00dfen Frankfurts und Offenbachs tummeln, gerappt wie aufgeschnappt. <\/p>\n<p> Vom Gangster zum Star<\/p>\n<p>Wie bei jedem neuen gro\u00dfen Ding dauerte es seine Zeit, bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass Haftbefehl stilpr\u00e4gend war, im Deutschrap und dar\u00fcber hinaus. &#8222;Chabos wissen wer der Babo ist&#8220;, wurde 2012 zum Superhit, &#8222;Babo&#8220; das Jugendwort des Jahres und der Gangster-Rapper zum Star.<\/p>\n<p>Haftbefehl brachte nicht nur die im Rap wichtige W\u00e4hrung der Authentizit\u00e4t mit, sondern auch das Talent, in seinen Texten zwischen brachialer Gewalt, den Lebensumst\u00e4nden junger Menschen mit Migrationsgeschichte und der eigenen Depression wechseln zu k\u00f6nnen, ohne Pathos und scheinbar intuitiv. Selbst das Feuilleton war ganz angetan und verzieh ihm wohlwollend den mitunter \u00fcblen Sexismus und so manche antisemitische Anspielung (Rothschild-Theorie).<\/p>\n<p>In den letzten Jahren h\u00e4uften sich jedoch Aufnahmen, die nun fast wie zynische Trailer der k\u00fcrzlich erschienenen Dokumentation anmuten: Haftbefehl bekommt im Vollrausch keinen Ton mehr heraus, Haftbefehl torkelt durch die Gegend, Haftbefehl kracht mit seinem Audi in einen Darmst\u00e4dter Backwarenladen und begeht mutma\u00dflich Fahrerflucht zu Fu\u00df. <\/p>\n<p>Ersch\u00fctternde Einsichten<\/p>\n<p>Im Film des Journalisten Juan Moreno und des bisherigen Werbefilmers Sinan Sevinc zeigt sich, dass das keine Ausw\u00fcchse eines exzentrischen Rockstar-Lifestyles (mehr) sind, sondern der lebensbedrohliche Selbstzerst\u00f6rungstrip eines Gebrochenen. \u00dcber zwei Jahre haben sie den Rapper begleitet und in dieser Zeit schl\u00e4ft er sehr viel, im Backstage und bei Autofahrten, sogar beim Friseur scheint er wegzunicken. Ein K\u00f6rper, der alles gibt, um Erholung zu erzwingen.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/554585705.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Haftbefehl und M'Barek: Ein bizarrer Auftritt.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/554585705.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Haftbefehl und M&#8217;Barek: Ein bizarrer Auftritt.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: picture alliance \/ ABBfoto)<\/p>\n<p>Er schl\u00e4ft auch im Mercedes vor der Einfahrt seines Einfamilienhauses, ein wei\u00dfverputzer Neubau bei Stuttgart. Mehr B\u00fcrgerlichkeit geht fast nicht. Dort lebt er mit seiner Frau und den beiden Kindern, wenn er denn da ist, weil er oft tagelang abtaucht und kokst. In bemerkenswerter Offenheit teilt Nina Anhan ihr zerr\u00fcttetes Beziehungsleben mit der Kamera, wenn sie zugibt, nicht mehr an ihren Mann heranzukommen. Eigentlich sei sie alleinerziehend, sagt sie den Tr\u00e4nen nahe, und: &#8222;Den Aykut liebe ich, den Haftbefehl nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Weggef\u00e4hrten kommen zu Wort, Label-Leute und Haftbefehls Br\u00fcder. Sie alle machen sich Sorgen: Dass er Termine nicht einh\u00e4lt, Auftritte sausen l\u00e4sst, dass er stirbt. In eineinhalb Stunden erh\u00e4lt man Einblick in die Zentrifugalkraft eines S\u00fcchtigen, der die Menschen um ihn herum mit in den Abgrund zieht. In einer Szene deutet Haftbefehl auf ein Foto von ihm und seinen Kindern. &#8222;Das ist mein Sohn Noah. Das ist mein Baby Aliyah. Und das ist der Dreck.&#8220; Er meint sich selbst. Dann kommt ihm pl\u00f6tzlich ein Lied von Reinhard Mey in den Sinn, &#8222;In meinem Garten&#8220;, und er f\u00e4ngt an zu singen.<\/p>\n<p>Mit \u00dcberdosis im Krankenhaus<\/p>\n<p>Haftbefehls Kollisionskurs gipfelt schlie\u00dflich in einem Suizidversuch. Eine absichtlich herbeigef\u00fchrte \u00dcberdosis Kokain, Gramm f\u00fcr Gramm in die Nasenl\u00f6cher, bis zum Zusammenbruch. In der Doku wird nacherz\u00e4hlt, wie der 39-J\u00e4hrige im Krankenhaus reanimiert wird, irgendwann aufwacht und w\u00fctet, weil er noch lebt. &#8222;Dann bin ich raus und hab weitergemacht. Direkt weiter, zehn Gramm&#8220;, sagt Haftbefehl.<\/p>\n<p> <strong class=\"article__aside__title\">Rat bei Depression und Suizidgefahr<\/strong> <\/p>\n<ul>\n<li>Bei Suizidgefahr: Notruf 112<\/li>\n<li>Deutschlandweites Info-Telefon Depression, kostenfrei: 0800 33 44 5 33<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.telefonseelsorge.de\/?q=taxonomy\/term\/760\" target=\"_blank\" rel=\"Follow noopener\">Telefonseelsorge <\/a>(0800\/111-0-111 oder 0800\/111-0-222, Anruf kostenfrei)<\/li>\n<li>Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800\/111-0-333 oder 116-111)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.deutsche-depressionshilfe.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"Follow noopener\">Deutsche Depressionshilfe<\/a> (regionale Krisendienste und Kliniken, Tipps f\u00fcr Betroffene und Angeh\u00f6rige)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.depressionsliga.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"Follow noopener\">Deutsche Depressionsliga<\/a> <\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass er \u00fcberhaupt noch davon erz\u00e4hlen kann, zwar entstellt, aber lebendig, verdankt er wohl seinem j\u00fcngeren Bruder, der ihn zwangseingewiesen hat, in eine Klinik in der T\u00fcrkei. Die Doku stellt das dar wie eine Rettung in letzter Not, als ein den Umst\u00e4nden entsprechend vers\u00f6hnliches Ende. Nur sieht so ein Geretteter aus? <\/p>\n<p>Er habe einen Film machen wollen, &#8222;der ehrlich ist und keine glatt polierte K\u00fcnstlerdoku&#8220;, sagte Produzent Elyas M&#8217;Barek im Rahmen der Premiere am Freitag. Es war ein Event mit hoher Promidichte. Auf dem roten Teppich grinste M&#8217;Barek in die Kamera, w\u00e4hrend Haftbefehl neben ihm sein Gesicht unter einer Sturmmaske versteckt hielt. <\/p>\n<p>Nun kann man sich fragen, was diesen Film, der sofort auf dem ersten Platz der Netflix-Chats eingestiegen ist, denn &#8222;ehrlich&#8220; macht. Sind es die Momente, in denen der gutherzige Haftbefehl durchscheint, der seine Familie liebt und nur sich selbst nicht lieben kann? Oder ist es nicht eher die Schonungslosigkeit, das Draufhalten, der Schrecken? Denn wenn man mal ganz ehrlich ist, dann schaut man in &#8222;Babo &#8211; die Haftbefehl-Story&#8220; dem wohl gr\u00f6\u00dften deutschen Gangster-Rapper beim Sterben zu. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine neue Dokumentation zeigt den Rapper Haftbefehl im freien Fall. 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