{"id":537118,"date":"2025-10-30T06:15:19","date_gmt":"2025-10-30T06:15:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/537118\/"},"modified":"2025-10-30T06:15:19","modified_gmt":"2025-10-30T06:15:19","slug":"serbiens-eu-beitritt-in-weiter-ferne-nur-noch-40-prozent-der-serben-sind-dafuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/537118\/","title":{"rendered":"Serbiens EU-Beitritt in weiter Ferne? Nur noch 40 Prozent der Serben sind daf\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p>Serbiens Weg in die Europ\u00e4ische Union begann im Januar 2001, als nach dem Sturz des ehemaligen jugoslawischen Pr\u00e4sidenten Slobodan Milo\u0161evi\u0107 im Oktober 2000 pro-europ\u00e4ische Parteien die Parlamentswahlen gewannen.<\/p>\n<p>Damals spekulierten einige Beobachter sogar, die Bundesrepublik Jugoslawien k\u00f6nnte bereits 2007 der EU beitreten. Doch es kam anders. Jugoslawien brach 2006 nach dem Austritt Montenegros auseinander und h\u00f6rte auf zu existieren.<\/p>\n<p>Der Kosovo, der nach dem Krieg von 1999 unter UN-Verwaltung stand, gilt gem\u00e4\u00df der UN-Resolution 1244 weiterhin rechtlich als Teil Serbiens. 2008 erkl\u00e4rte der <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2023\/10\/25\/neuer-annaherungsversuch-serbien-und-kosovo-wollen-in-brussel-miteinander-sprechen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Kosovo seine Unabh\u00e4ngigkeit<\/strong><\/a>. Bis heute erkennt Serbien sie nicht an.<\/p>\n<p>Schon lange steht Serbien vor zahlreichen Herausforderungen. Auch bereits bevor das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA) unterzeichnet wurde und Serbien 2009 ein EU-Kandidat wurde.<\/p>\n<p>Das Land hatte Schwierigkeiten, mit dem &#8222;Internationalen Strafgerichtshof f\u00fcr das ehemalige Jugoslawien&#8220; (IStGHJ) in Den Haag zusammenzuarbeiten und litt unter einer schwer angeschlagenen Wirtschaft. In den s\u00fcdlichen Regionen Bujanovac und Pre\u0161evo gab es zudem einen albanischen Separatistenaufstand. <\/p>\n<p>Trotz aller Hindernisse schlug Serbien den langen Weg <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/05\/23\/eu-mitgliedschaft-serbiens-hangt-von-strategischer-entscheidung-ab\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>zur europ\u00e4ischen Integration<\/strong> <\/a>ein. Es ist ein Ziel, das auch heute noch im Mittelpunkt der serbischen Politik steht.<\/p>\n<p>Schwindende Unterst\u00fctzung<\/p>\n<p>In den fr\u00fchen 2000er Jahren unterst\u00fctzten mehr als 70 % der <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/08\/28\/wir-haben-viel-zu-tun-vucic-betont-dass-die-eu-mitgliedschaft-serbiens-entscheidend-bleibt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Serben den EU-Beitritt<\/strong><\/a>. Heute liegt der Anteil nur noch bei etwa 40 %. Der anf\u00e4ngliche Enthusiasmus hat nachgelassen, doch die politische F\u00fchrung h\u00e4lt am europ\u00e4ischen Kurs fest.<\/p>\n<p>Premierminister \u0110uro Macut betonte, die europ\u00e4ische Ausrichtung Serbiens sei eine strategische Priorit\u00e4t:<\/p>\n<p>&#8222;Die europ\u00e4ische Zukunft Serbiens ist nicht nur ein politisches Ziel, sondern auch eine Garantie f\u00fcr Entwicklung, Fortschritt und ein besseres Leben f\u00fcr unsere B\u00fcrger&#8220;, sagte Macut gegen\u00fcber Euronews Serbien.<\/p>\n<p>Die Regierung setzt ihre Reform- und Modernisierungsprogramme fort und signalisiert damit Br\u00fcssel, dass sie ihre Verpflichtungen ernst nimmt.<\/p>\n<p>Macut hob hervor, dass Serbien bereits 61 % seiner Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik an die EU angeglichen habe. Damit sei ein wichtiger Meilenstein erreicht.<\/p>\n<p>Neben der politischen und rechtlichen Anpassung <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/07\/22\/eu-sanktionen-ungarn-serbien-russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>bleibt die Energiesicherheit ein zentrales Thema<\/strong><\/a>. Serbien arbeitet an einer stabilen Versorgung mit Gas, \u00d6l und Strom und kooperiert dabei eng mit regionalen Partnern wie Ungarn.<\/p>\n<p>&#8222;Serbien muss seine Energieunabh\u00e4ngigkeit und -stabilit\u00e4t auch unter schwierigen internationalen Bedingungen bewahren&#8220;, sagte Macut.<\/p>\n<p>Diese doppelte Ausrichtung, auf die europ\u00e4ische Ann\u00e4herung und die Stabilit\u00e4t der Energieversorgung, spiegelt Serbiens \u00fcbergeordnetes Ziel wider, sowohl die internationale Glaubw\u00fcrdigkeit als auch die nationale Stabilit\u00e4t zu sichern.<\/p>\n<p>Debatten \u00fcber die EU-Erweiterung<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird in Br\u00fcssel aktuell ein neues Erweiterungsmodell diskutiert: eine Teilmitgliedschaft. Mit ihr k\u00f6nnten neue L\u00e4nder ohne volles Stimmrecht beitreten. Der Vorschlag sorgt auf dem westlichen Balkan f\u00fcr Kontroversen.<\/p>\n<p>Der montenegrinische Premierminister Milojko Spaji\u0107 lehnte die Idee entschieden ab. Er betonte, dass die Souver\u00e4nit\u00e4t nicht eingeschr\u00e4nkt werden d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Kroatiens Premier Andrej Plenkovi\u0107 \u00e4u\u00dferte ebenfalls Bedenken. Er bef\u00fcrchtet, dass Serbiens Beitritt die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse innerhalb der EU ver\u00e4ndern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&#8222;Kroatien w\u00e4re nicht besonders begeistert davon, Serbien in der EU zu sehen. Das w\u00fcrde Serbiens Einfluss auf EU-Institutionen st\u00e4rken&#8220;, sagte Slobodan Ze\u010devi\u0107 vom Belgrader Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Studien (IES).<\/p>\n<p>Bosnien und Herzegowina hinkt derweil weiter hinterher. Laut Amil Du\u010di\u0107, Redakteur des Magazins Fokus in Sarajevo, gilt das Land als &#8222;schlechtester Sch\u00fcler&#8220; in der Region in Sachen EU-Integration.<\/p>\n<p>Diese Debatten verdeutlichen, wie sensibel das Gleichgewicht zwischen politischen Ambitionen, regionaler Dynamik und der Aufnahmekapazit\u00e4t der EU ist.<\/p>\n<p>Serbiens Blick nach vorn<\/p>\n<p>Nemanja Starovi\u0107, Serbiens Minister f\u00fcr europ\u00e4ische Integration, r\u00e4umte ein, dass die Bev\u00f6lkerung zunehmend ungeduldig mit dem langsamen Fortschritt ist.<\/p>\n<p>&#8222;Trotz der Unzufriedenheit w\u00e4re es ein Fehler, <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/10\/29\/eu-erweiterung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>die EU-Integration<\/strong><\/a> aufzugeben. Der EU-Beitritt liegt im nationalen Interesse Serbiens&#8220;, sagte er gegen\u00fcber Euronews.<\/p>\n<p>Analysten gehen davon aus, dass Serbien bis 2030 beitrittsreif sein k\u00f6nnte. Voraussetzung w\u00e4re, dass noch einige H\u00fcrden \u00fcberwunden werden: Politische Hindernisse, regionale Spannungen und die starke <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/05\/30\/ukraine-krieg-russland-wirft-serbien-vor-moskau-in-den-rucken-zu-fallen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Energieabh\u00e4ngigkeit von Russland<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist sehr schwierig f\u00fcr uns, ohne russisches Gas auszukommen. Es gibt zwar Alternativen, aber im Moment sind wir stark von Russland abh\u00e4ngig&#8220;, erkl\u00e4rte Ze\u010devi\u0107.<\/p>\n<p>Die vorgeschlagene Teilmitgliedschaft wird von vielen Experten kritisch gesehen, da sie das Prinzip der Gleichberechtigung aller EU-Mitglieder untergraben k\u00f6nnte. Fr\u00fchere Erweiterungen zeigen zudem, dass neue Mitgliedstaaten ihre Nachbarn blockieren k\u00f6nnen: Slowenien blockierte Kroatien, Kroatien blockiert Serbien, Bulgarien Nordmazedonien. <\/p>\n<p>Derzeit gelten Montenegro und Albanien als am besten auf einen Beitritt bis 2030 vorbereitet. Dementsprechend genie\u00dfen sie mehr Wohlwollen in Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>&#8222;Die EU hat derzeit die meiste Sympathie f\u00fcr Montenegro und Albanien&#8220;, sagte Ze\u010devi\u0107. &#8222;Eine Teilmitgliedschaft w\u00fcrde die notwendigen institutionellen Reformen nur verz\u00f6gern.&#8220;<\/p>\n<p>Regionale Spannungen, innenpolitische Herausforderungen und ungel\u00f6ste Fragen wie der Kosovo pr\u00e4gen weiterhin den Weg der westlichen Balkanl\u00e4nder in die EU. Der Beitritt bleibt damit sowohl ein langfristiges Ziel als auch ein heikles strategisches Unterfangen. <\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel wurde von Euronews Srbija exklusiv f\u00fcr Euronews verfasst, im Vorfeld unseres Flaggschiff-Gipfels zur EU-Erweiterung am 4. November, der live und auf YouTube \u00fcbertragen wird.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Serbiens Weg in die Europ\u00e4ische Union begann im Januar 2001, als nach dem Sturz des ehemaligen jugoslawischen Pr\u00e4sidenten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":537119,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,7114,548,12938,663,158,3934,3935,13,17012,14,15,12,131575],"class_list":{"0":"post-537118","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-belgrad","11":"tag-eu","12":"tag-eu-erweiterung","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-headlines","18":"tag-kosovo","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-serbische-politik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115461654163535963","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/537118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=537118"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/537118\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/537119"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=537118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=537118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=537118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}