{"id":537413,"date":"2025-10-30T09:05:23","date_gmt":"2025-10-30T09:05:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/537413\/"},"modified":"2025-10-30T09:05:23","modified_gmt":"2025-10-30T09:05:23","slug":"duisburg-berlin-warum-die-einen-halloween-lieben-und-die-anderen-es-hassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/537413\/","title":{"rendered":"Duisburg\/Berlin | Warum die einen Halloween lieben und die anderen es hassen"},"content":{"rendered":"<p>Duisburg\/Berlin (dpa) &#8211; \u00abHier herein\u00bb, sagt Sven Wagner und kichert. Der Mann hat gut lachen: Er wei\u00df, was jetzt kommt. Seine G\u00e4ste ahnen es nur. \u00abFreak Circus\u00bb ist das diesj\u00e4hrige Motto seines Halloween-Hauses in Duisburg. F\u00fcr den Rundgang durchs Grusel-Labyrinth gibt es erstmals 3D-Brillen. Durch schummriges Licht tastet man sich vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich springt ein wild gewordener Affe hervor. Schnell weiter, vorbei an der unheimlichen Wahrsagerin, zu einer Wand mit Blut bespritzten Masken, von denen eine pl\u00f6tzlich den Kopf vorstreckt. Sp\u00e4testens wenn die Besucher durch den Spinnengang zum h\u00f6hnisch lachenden Monster-Clown vorgesto\u00dfen sind, d\u00fcrften sie sich fragen, wie viel Horror eigentlich auf ein einziges deutsches Reihenhaus-Grundst\u00fcck passt.\u00a0<\/p>\n<p>Sven Wagner (47), von Beruf Anlagenmechaniker f\u00fcr Heizungs- und Klimatechnik, ist einer der gr\u00f6\u00dften Halloween-Fans in Deutschland. Jedes Jahr stellt er sein Haus unter ein neues Motto: einmal war es das \u00abInsane Hospital\u00bb, ein anderes Mal das \u00abHolmes Hotel\u00bb, benannt nach dem fr\u00fchen amerikanischen Serienm\u00f6rder Henry Howard Holmes (1861-1896).<\/p>\n<p>Der Weg des Grauens f\u00fchrt durch Flur, Keller, Garten, drei Zelte und Garage, alles bev\u00f6lkert von insgesamt 20 Erschreckern, die Wagner teils aus seinem Freundeskreis rekrutiert, teils \u00fcber ein Casting anwirbt. Den ganzen Aufwand betreibt er nur f\u00fcr einen einzigen Abend. Der Schauder-Spa\u00df ist so beliebt, dass man die kostenlosen Karten online vorbuchen muss \u2013 653 Personen haben das f\u00fcr diesen Freitag schon getan.\u00a0<\/p>\n<p>Halloween &#8211; sch\u00f6ner als Weihnachten?<\/p>\n<p>F\u00fcr Wagner ist Halloween der sch\u00f6nste Tag des Jahres. Sch\u00f6ner als Weihnachten? \u00abSowieso!\u00bb Fest steht: Halloween hat viele Fans. Aber auch viele Gegner. Ein Fest, an dem sich die Geister scheiden: Die einen lieben es, die anderen hassen es. Halloween-Ver\u00e4chter sehen das Fest als billigen Kommerz, Gesch\u00e4ftemacherei und Verschandelung des Stra\u00dfenbilds. Nicht zu vergessen: der als die deutsche Kultur gef\u00e4hrdende US-Import \u2013 schlie\u00dflich war Deutschland in den 70er- und 80er-Jahren noch eine k\u00fcrbisfreie Zone, der 31. Oktober einzig und allein Reformationstag.<\/p>\n<p>Halloween kannte man damals nur aus Hollywood-Filmen. Unvergesslich die Szene, in der E.T. als Gespenst verkleidet an Halloween ein Kind im Meister-Yoda-Kost\u00fcm trifft und sich an sein Zuhause erinnert f\u00fchlt. Hierzulande verkleidete man sich damals ausschlie\u00dflich zu Karneval und Fasching, und Kinder gingen h\u00f6chstens zu St. Martin von Haus zu Haus, um S\u00fc\u00dfigkeiten zu erbitten. Mit Streichen \u2013 \u00abtrick or treat\u00bb oder zu Deutsch: \u00abS\u00fc\u00dfes oder Saures\u00bb \u2013 wurde schon gar nicht gedroht. So h\u00e4tte es nach Meinung der Halloween-Gegner bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Anfangsphase standen auch die Kirchen dem \u00abheidnischen\u00bb Fest kritisch gegen\u00fcber, doch das ist nicht mehr so. Die Deutsche Bischofskonferenz hat keine Meinung zu Halloween, und eine Sprecherin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) teilt in vers\u00f6hnlichen Worten mit: \u00abHalloween ist ein beliebtes, vor allem von Familien gesch\u00e4tztes Brauchtum, das mit Kreativit\u00e4t und Gemeinschaft Freude bereitet.\u00bb<\/p>\n<p>Ist Halloween kulturelle Aneignung?<\/p>\n<p>Professor Manfred Becker-Huberti ist Brauchtumsforscher und erfolgreicher Buchautor. \u00abIch geh\u00f6re keinem der beiden Lager an, sondern beobachte einfach, was sich da abspielt\u00bb, betont er. Richtig sei auf jeden Fall, dass Deutschland das Halloween-Fest aus den USA importiert habe. Ist es also das, was man heute als kulturelle Aneignung bezeichnet? Wenn, dann h\u00e4tten die Amerikaner sich Halloween zuerst angeeignet, denn urspr\u00fcnglich stammt es aus Irland. Irische Einwanderer brachten es mit, als sie in Amerika ein neues Leben begannen. Becker-Huberti findet nicht, dass man sagen kann, Halloween geh\u00f6re nicht zu Deutschland. \u00abBrauchtum ist nichts Statisches, das ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig.\u00bb<\/p>\n<p>Manchmal wird behauptet, die Spielzeug- und S\u00fc\u00dfwarenindustrie habe Halloween gezielt gro\u00df gemacht, um ihren Umsatz zu f\u00f6rdern. Auch das \u00fcberzeugt den Wissenschaftler nicht: \u00abKlar, damit l\u00e4sst sich was verdienen. Aber wenn die Gesellschaft nicht aufnahmebereit gewesen w\u00e4re, dann h\u00e4tte das nie und nimmer funktioniert.\u00bb<\/p>\n<p>Was aber macht das Fest f\u00fcr viele nun so attraktiv? Sicher kommen mehrere Dinge zusammen. Es f\u00e4llt in eine Zeit, die arm ist an H\u00f6hepunkten \u2013 zwischen dem Ende des Sommerurlaubs und Weihnachten. Da war einfach noch Platz. Dazu kommt der Spa\u00df am Verkleiden. Was Halloween aber am meisten kennzeichnet, ist der Grusel-Faktor. Manche finden das vulg\u00e4r und absto\u00dfend. Aber genau der Geister-Aspekt hat eine lange Tradition.<\/p>\n<p>Die Bruchkante zwischen Diesseits und Jenseits<\/p>\n<p>Im Sp\u00e4therbst, wenn die Ernte abgeschlossen und das Jahr somit eigentlich zu Ende war, setzten sich Menschen seit jeher mit dem Tod und mit den Toten auseinander. \u00abImmer schon waren sie davon \u00fcberzeugt, dass es Bruchkanten gibt zwischen dem Diesseits und dem Jenseits\u00bb, erkl\u00e4rt Becker-Huberti. \u00abN\u00e4mlich an den Stellen, an denen die eine Phase endet und eine neue beginnt. An solchen Nahtstellen werden Dinge sichtbar, die ansonsten mit unserer Welt nichts zu tun haben \u2013 die Toten, die Geister kommen hervor.\u00bb<\/p>\n<p>Halloween bietet die M\u00f6glichkeit, f\u00fcr einen Abend selbst zu dem zu werden, wovor man normalerweise Angst hat: Monster, Geister, das B\u00f6se, der Tod. \u00abDas ist eine weltweit praktizierte Form, sich mit diesem Ph\u00e4nomen zu befassen\u00bb, sagt Becker-Huberti. So wird in Mexiko am 1. und 2. November der \u00abD\u00eda de los Muertos\u00bb, der Tag der Toten, zelebriert. In Deutschland sind diese Tage als Allerheiligen und Allerseelen bekannt. \u00abHalloween\u00bb bedeutet \u00abAll Hallows\u2019 Eve\u00bb, der Abend vor Allerheiligen.<\/p>\n<p>Es gibt sogar noch einen weiteren Grund, der f\u00fcr Halloween spricht. Einer, der oft \u00fcbersehen wird: W\u00e4hrend andere Feste &#8211; besonders Weihnachten &#8211; mit Erwartungen \u00fcberfrachtet sind, ist Halloween relaxt. Wenn`s nett wird, sch\u00f6n, wenn nicht, auch kein Problem. Man muss nicht gro\u00df kochen, man braucht keine Geschenke, nur ein paar S\u00fc\u00dfigkeiten zum Verteilen. Und man muss sich nicht mit den lieben Verwandten rum\u00e4rgern. Letzteres d\u00fcrfte f\u00fcr manche der ungleich gr\u00f6\u00dfere Horror sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Duisburg\/Berlin (dpa) &#8211; \u00abHier herein\u00bb, sagt Sven Wagner und kichert. 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