{"id":537486,"date":"2025-10-30T09:44:10","date_gmt":"2025-10-30T09:44:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/537486\/"},"modified":"2025-10-30T09:44:10","modified_gmt":"2025-10-30T09:44:10","slug":"fehlendes-protein-ist-mitschuld-am-down-syndrom-bei-trisomie-21-fehlendes-signalmolekuel-koennte-fehlfunktionen-in-hirnschaltkreisen-erklaeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/537486\/","title":{"rendered":"Fehlendes Protein ist mitschuld am Down-Syndrom &#8211; Bei Trisomie-21 fehlendes Signalmolek\u00fcl k\u00f6nnte Fehlfunktionen in Hirnschaltkreisen erkl\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Aus fr\u00fcheren Studien ist bekannt, dass Pleiotropin eine wesentliche Rolle bei der Nervenentwicklung spielt. Es sorgt daf\u00fcr, dass sich zwischen Neuronen <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/dossier\/elektrische-synapsen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Synapsen<\/a> bilden und dass die Nervenzellen Axone und Dendriten ausbilden. Diese Zellforts\u00e4tze der Neuronen sind essenziell, um elektrische Signale im Gehirn zu \u00fcbermitteln. Das legt nahe, dass das fehlende Protein bei Trisomie 21 f\u00fcr die fehlerhaften Hirnschaltkreise und die daraus resultierenden Symptome des Down-Syndroms verantwortlich ist.\u00a0<\/p>\n<p>Protein l\u00e4sst sich ersetzen<\/p>\n<p>Die Forschenden untersuchten daher, ob sich die Gehirnfunktion der Down-M\u00e4use verbessern l\u00e4sst, indem man das fehlende Pleiotropin ersetzt. Daf\u00fcr r\u00fcsteten sie harmlose Viren mit der genetischen Bauanleitung f\u00fcr Pleitropin aus und verabreichten diese viralen Vektoren dann den jungen M\u00e4usen. Diese modifizierten Viren transportierten ihre genetische Fracht direkt in die Gehirnzellen der Embryos \u2013 genauer gesagt in die sogenannten Astrozyten.\n<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfende Untersuchungen ergaben, dass die Astrozyten daraufhin tats\u00e4chlich mehr Pleiotropin produzierten und an ihre Umgebung abgaben. Dadurch veranlassten sie die Bildung von mehr Synapsen zwischen den Neuronen. Zudem erh\u00f6hte sich die \u201ePlastizit\u00e4t\u201c des Mausgehirns. Das bedeutet, dass die Nervenzellen besser neue Verbindungen bilden oder bestehende modifizieren konnten. Diese F\u00e4higkeit ist unter anderem f\u00fcrs Lernen und das Ged\u00e4chtnis wichtig, wie das Team erkl\u00e4rt.\n<\/p>\n<p>Umprogrammierung klappt auch bei Erwachsenen<\/p>\n<p>Das Team wiederholte seine Versuche anschlie\u00dfend mit erwachsenen Trisomie-21-M\u00e4usen. Dabei zeigte sich, dass die Verabreichung von Pleiotropin mittels Gentherapie auch bei diesen ausgewachsenen und vollst\u00e4ndig entwickelten Tieren funktionierte: Das eingeschleuste Pleiotropin-Gen programmierte die Astrozyten wie bei den Embryos um und verbesserte so die Gehirnfunktion.\n<\/p>\n<p>Das legt nahe, dass die Gabe von Pleiotropin generell die Schaltkreise des Down-Gehirns verbessern kann \u2013 und dass dies nicht nur w\u00e4hrend der Embryonalentwicklung, sondern auch nach der Schwangerschaft funktioniert. \u201eDiese Studie dient als Proof-of-Concept, dass wir Astrozyten gezielt ansprechen k\u00f6nnen, um die fehlerhaften Schaltkreise des Gehirns im Erwachsenenalter neu zu verdrahten\u201c, erkl\u00e4rt Brandebura.<\/p>\n<p>Geeignet f\u00fcr Menschen mit Down-Syndrom?<\/p>\n<p>Allerdings: \u201eDies ist noch weit entfernt von der Anwendung beim Menschen\u201c, betont Brandebura. Dennoch geben die Befunde an M\u00e4usen den Forschenden Hoffnung, dass auch Menschen mit Down-Syndrom eines Tages plastizit\u00e4tsinduzierende Molek\u00fcle wie Pleiotropin verabreicht werden k\u00f6nnten, um das fehlende Protein zu ersetzen und so die Hirnfunktion und Lebensqualit\u00e4t der Betroffenen zu verbessern. Statt Gentherapien \u00fcber virale Vektoren k\u00f6nnten dabei eventuell auch direkte Proteininfusionen zum Einsatz kommen.\n<\/p>\n<p>Die Neurowissenschaftler bezweifeln jedoch, dass das von ihnen identifizierte Pleiotropin die einzige Ursache f\u00fcr fehlerhafte Gehirnschaltkreise beim Down-Syndrom ist. Andere Teams haben beispielsweise bestimmte <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/medizin\/intelligenz-schub-fuer-down-patienten\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hormone<\/a> als einen Schl\u00fcsselfaktor ausfindig gemacht. In Folgestudien wollen Brandebura und ihre Kollegen daher nach m\u00f6glichen <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/medizin\/symptome-des-down-syndroms-bei-maeusen-kuriert\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">weiteren molekularen Ausl\u00f6sern<\/a> suchen, um die komplexen Ursachen f\u00fcr die Erkrankung besser zu verstehen.\u00a0\n<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise sei das Therapieprinzip dann irgendwann auch auf andere Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen wie <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/biowissen\/infektioese-proteine-auch-bei-down-demenz\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alzheimer<\/a> oder andere neurologische Entwicklungsst\u00f6rungen wie das <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/medizin\/neue-erbliche-demenzerkrankung-entdeckt\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fragile-X-Syndrom<\/a> \u00fcbertragbar, so das Team. (Cell Reports, 2025; <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/cell-reports\/fulltext\/S2211-1247(25)01071-X\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1016\/j.celrep.2025.116300<\/a>)\u00a0\n<\/p>\n<p>Quelle: University of Virginia<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>30. Oktober 2025\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Claudia Krapp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus fr\u00fcheren Studien ist bekannt, dass Pleiotropin eine wesentliche Rolle bei der Nervenentwicklung spielt. 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