{"id":537914,"date":"2025-10-30T13:45:22","date_gmt":"2025-10-30T13:45:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/537914\/"},"modified":"2025-10-30T13:45:22","modified_gmt":"2025-10-30T13:45:22","slug":"stiller-zeitlose-fragen-in-frischem-gewand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/537914\/","title":{"rendered":"&#8222;Stiller&#8220;: Zeitlose Fragen in frischem Gewand"},"content":{"rendered":"<p>\n            Stand: 30.10.2025 13:16 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Schauspieler Albrecht Schuch ist immer zu haben f\u00fcr komplexe Figuren &#8211; und veredelt durch sein Ausnahmetalent jeden Film. So war es nur konsequent, dass ihn auch Stefan Haupt unbedingt f\u00fcr seine Verfilmung des Max Frisch-Klassikers &#8222;Stiller&#8220; haben wollte.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/walli-mueller,mueller1662.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Walli M\u00fcller<\/a><\/p>\n<p class=\"\">Kafkaeske Situation, in die da ein Mann bei der Einreise in die Schweiz ger\u00e4t: Beim Vorzeigen seines amerikanischen Passes wird er festgenommen und ins Z\u00fcricher Untersuchungsgef\u00e4ngnis gesteckt. Eine peinliche Verwechslung? Oder versteckt sich der Mann tats\u00e4chlich hinter einer gef\u00e4lschten Identit\u00e4t?<\/p>\n<p class=\"\">Im 1954 erschienenen Roman von Max Frisch beteuert ein Ich-Erz\u00e4hler in Tagebuch-Eintr\u00e4gen, dass er nichts zu tun habe mit diesem &#8222;Stiller&#8220; &#8211; und untermauert dies mit bizarren Abenteuergeschichten aus seinem Leben als Weltenbummler. Aber wie daraus einen Film machen? Luchino Visconti und Wim Wenders haben die Idee einst wieder verworfen. Stefan Haupt aber hat nun einen Weg gefunden: Er l\u00e4sst die Geschichten weitgehend weg und konzentriert sich ganz auf die menschlichen Beziehungen. Stillers Ehefrau, gespielt von Paula Beer, bekommt deutlich mehr Gewicht.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/downtonabbey-102.webp\" alt=\"Szene aus &quot;Downton Abbey: Das gro\u00dfe Finale&quot;: Drei Frauen und drei M\u00e4nner in festlicher Bekleidung schreiten \u00fcber eine Wiese.\" title=\"Szene aus &quot;Downton Abbey: Das gro\u00dfe Finale&quot;: Drei Frauen und drei M\u00e4nner in festlicher Bekleidung schreiten \u00fcber eine Wiese. | Rory Mulvey \/ \u00a9 2025 FOCUS FEATURES LLC.\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Der Kinoherbst bietet gute Filme! Mit dabei sind &#8222;Avatar 3&#8220;, &#8222;Wicked 2&#8220;, &#8222;Amrum&#8220; von Fatih Akin und eine Bruce-Springsteen-Biografie.<\/p>\n<p>    Stillers Kampf mit der eigenen Vergangenheit<\/p>\n<p class=\"\">In schwarz-wei\u00df gehaltenen R\u00fcckblenden, in denen raffinierterweise Albrecht Schuch und der Kollege Sven Schelker die Rolle abwechselnd spielen, erf\u00e4hrt man, dass der Bildhauer Anatol Stiller vor sieben Jahren seine schwer kranke Frau erst betrogen, dann schm\u00e4hlich verlassen hat. Seither blieb er spurlos verschwunden. Der Mann, den Julika Stiller nun im Gef\u00e4ngnis trifft, leidet &#8211; man ahnt es schnell &#8211; nicht einfach an Amnesie. Er will sich offenbar nicht erinnern &#8211; zumindest nicht an den Teil seines Lebens und seines Charakters, den er hinter sich lassen m\u00f6chte. Wiederholt schaut Albrecht Schuch in der Rolle gequ\u00e4lt in den Spiegel. Ein Muss-Kinobild, wenn es um das Hadern mit der eigenen Identit\u00e4t geht:<\/p>\n<blockquote><p>\n        &#8222;Was hab&#8216; ich f\u00fcr ein Bild von mir? Wie sehen mich andere? Wie will ich, dass mich andere sehen? Und was st\u00f6rt mich an mir? Also da sind super viele sch\u00f6ne menschliche Themen darin und Themen, die behandelt werden, mit denen jeder, ich glaube, jeder irgendwie konfrontiert wird.&#8220;<\/p>\n<p>                Filmszene<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Zeitlose Themen in frischem Gewand<\/p>\n<p class=\"\">Ein bisschen f\u00fchren die historischen Kulissen in die Irre. 50er-Jahre-Automobile und -Kost\u00fcme &#8211; da denkt man unweigerlich, es ginge um die Nachkriegszeit im Speziellen. Regisseur Haupt kann aber schl\u00fcssig erkl\u00e4ren, warum er sich gegen eine zeitliche Aktualisierung des Stoffs entschieden hat: &#8222;Diese Grundgeschichte, dass einer zur\u00fcckkommt, sieben Jahre verschollen war, sich einen neuen Namen gegeben hat, w\u00e4re heutzutage viel schwieriger zu behaupten. Da wird einfach ein DNA-Test gemacht. Insofern war uns klar, dass wir in der Zeit bleiben m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Die Themen jedoch sind zeitlos: Scheitern einer Liebesbeziehung, auch an krankhafter Selbstbezogenheit und falschen Vorstellungen von M\u00e4nnlichkeit. Und: &#8222;Der tiefe Wunsch, sich selber zu ver\u00e4ndern und realisieren zu m\u00fcssen &#8211; verdammt, wie schwierig ist das! Ich kann mir den Namen White geben, also Wei\u00dfes Blatt, aber ich nehme die Vergangenheit mit&#8220;, so Albrecht Schuch.<\/p>\n<p class=\"\">Bei der Wiederbegegnung mit Julika aber versucht der Mann auf der Flucht vor sich selbst ein anderer zu sein. Vielleicht hat diese Liebe noch eine zweite Chance?<\/p>\n<p>    &#8222;Stiller&#8220; entstaubt Max Frischs Romanvorlage<\/p>\n<p class=\"\">Man muss kein Frisch-Kenner sein, um dem herausragenden Schauspieler-Paar Schuch und Beer gebannt zuzuschauen. Mit ihrer Hilfe wurde &#8222;Stiller&#8220; erfolgreich entstaubt: Das seitenlange Schwadronieren f\u00e4llt weg, die Essenz der Geschichte bleibt. Eine etwas gediegene, aber &#8222;barrierefreie&#8220; Literaturverfilmung.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/stiller-122.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/stiller-122.webp\" alt=\"Szene aus dem Film &quot;Stiller&quot;: Eine Frau posiert im Vordergrund, im Hintergrund sitzt ein Mann am Tisch und zeichnet sie\" title=\"Szene aus dem Film &quot;Stiller&quot;: Eine Frau posiert im Vordergrund, im Hintergrund sitzt ein Mann am Tisch und zeichnet sie | Studiocanal GmbH \/ Marc Reimann\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>        <\/a><\/p>\n<p>      Stiller<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Drama<\/dd>\n<dt>Produktionsjahr:<\/dt>\n<dd>2025<\/dd>\n<dt>Produktionsland:<\/dt>\n<dd>Schweiz, Deutschland<\/dd>\n<dt>Zusatzinfo:<\/dt>\n<dd>mit Albrecht Schuch,\u00a0Paula Beer,\u00a0Sven Schelker und anderen<\/dd>\n<dt>Regie:<\/dt>\n<dd>Stefan Haupt<\/dd>\n<dt>L\u00e4nge:<\/dt>\n<dd>99 Minuten<\/dd>\n<dt>Altersempfehlung:<\/dt>\n<dd>ab 12 Jahren<\/dd>\n<dt>Kinostart:<\/dt>\n<dd>30. Oktober 2025<\/dd>\n<\/dl>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 30.10.2025 13:16 Uhr Schauspieler Albrecht Schuch ist immer zu haben f\u00fcr komplexe Figuren &#8211; und veredelt durch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":537915,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[1778,29,214,92,30,95,1229,1777,1803,5284,41945,215],"class_list":{"0":"post-537914","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-cinema","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-film","12":"tag-germany","13":"tag-kino","14":"tag-kritik","15":"tag-movie","16":"tag-rezension","17":"tag-spielfilm","18":"tag-stiller","19":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115463424064673915","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/537914","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=537914"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/537914\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/537915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=537914"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=537914"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=537914"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}