{"id":53898,"date":"2025-04-23T05:12:13","date_gmt":"2025-04-23T05:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/53898\/"},"modified":"2025-04-23T05:12:13","modified_gmt":"2025-04-23T05:12:13","slug":"papiripar-positive-verwirrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/53898\/","title":{"rendered":"Papiripar: Positive Verwirrung"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-style-question\">SZENE HAMBURG:\u00a0Nika, Felix und Florian, ihr feiert bereits eure f\u00fcnfte Ausgabe. Wie ist Papiripar entstanden? <\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Felix: Papiripar, als quasi-palindromischer Propeller, wurde 2018 von Florian und mir gegr\u00fcndet. Zwar gab es damals in Hamburg schon einige interessante Festivals aktueller Musik, aber keines, das experimentelle (Pop-)Musik mit anderen Disziplinen in den Ring warf und auf unsere eingeschlafenen F\u00fc\u00dfe trat. Insofern ist Papiripar aus einer Leerstelle entstanden, aus dem Wunsch, ein Festival zu machen, das es so bisher nicht gab und sowohl uns als auch das Publikum irritiert und \u00fcberrascht. Denn gerade die Grauzonen von Kunst, Musik und Performance sollte unser Festival ausleuchten. Seit 2019 sind wir zu dritt \u2013 Nika hatte im Jahr 2018 das kongeniale Festival Eruption im Golden Pudel Club initiiert, woraufhin wir sie ins Papiripar-Kuratorium einluden. Seitdem sind wir drei Sonnen.<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Neben Kunst und Pop setzt ihr die Schlagworte Rotation und Schallgeschwindigkeit. Was rotiert, wer rast?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Nika: Um es mit Hans Richter zu sagen: \u201eAlles dreht sich, alles bewegt sich\u201c! Es rasen die Herzschrittmacher!<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Was genau hei\u00dft Papiripar?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Florian: Papiripar kommt vom ungarischen Pap\u00edripar, was so viel bedeutet wie Papier-Industrie. Der Name sollte vor allem die Gedanken beschleunigen und positive Verwirrung stiften. Jedoch ist das Wort nur ein halbes Palindrom, denn wenn man es von hinten nach vorn liest, bekommt man lediglich: Rapir\u00edpap.<\/p>\n<p>Vergangene Papiripar-Festivals: Spektakul\u00e4re \u00dcberraschungen ohne Vorwarnung<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">An welche Ereignisse m\u00fcsst ihr direkt zur\u00fcckdenken, wenn ihr auf die letzten Ausgaben blickt?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Nika: An Jean-Herv\u00e9 Peron von der Band Faust, der aus dem Nichts erschien und im Publikumsraum pl\u00f6tzlich im Funkenhagel Stahlf\u00e4sser zerflexte! <\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Felix: The Modern Institute, die im satten Licht einer orangenen Brom-Lampe einen riesigen goldenen Wurm \u00fcber dem Publikum flattern lie\u00dfen. <\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Florian: An Victoria Shen, die ihre Performance mit einem lauten Peitschen-Hieb beendete, dem die Zuschauer:innen nur knapp entgehen konnten. Alles passierte ohne jegliche Vorwarnung!<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Alles dreht sich, alles bewegt sich \u2013 Es rasen die Herzschrittmacher!<\/p>\n<p>Nika Son<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"is-style-question\">Wo seid ihr in der Hamburger Szene sonst aktiv, und werdet ihr euch k\u00fcnstlerisch ins Festival einbringen?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Nika: Musikalisch untermauern wir am letzten Festivalabend den gro\u00dfen Abriss.<br \/>\nFlorian: Felix ist als Musiker, Komponist und H\u00f6rspielmacher unterwegs. Er betreibt das Plattenlabel Gagarin Records. Nika ist Musikerin, K\u00fcnstlerin, DJ und Kuratorin der Reihen Next Time und Noctui im Golden Pudel Club. Und ich arbeite als (Klang-)K\u00fcnstler, Filmvorf\u00fchrer, Performer und Kurator.<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Wer steht noch hinter Papiripar?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Nika: Ein extrem tolles und wuseliges Team, mit dem wir seit vielen Jahren arbeiten, und ohne das unser Festival undenkbar w\u00e4re. Die meisten sind Freund:innen aus dem Hamburger Kunst-Untergrund und schon seit vielen Jahren Teil von Papiripar! Seit Beginn an ist das Westwerk als eines der \u00e4ltesten und renommiertesten Atelierh\u00e4user Hamburgs Zentrum und Landestation. Hier findet immer die Ausstellung statt, die von einer Gruppe Bildender K\u00fcnstler:innen, die wir einladen, kuratiert wird. In der Regel sind die sehr soundaffin und auch selbst Veranstalter:innen oder Herausgeber:innen von Publikationen wie B\u00fcchern, Filmen, Tontr\u00e4gern. Die meisten Konzerte veranstalten wir aber mittlerweile an wechselnden Orten, weil wir zum einen immer neue Zusammenh\u00e4nge schaffen wollen, zum anderen das Westwerk mittlerweile f\u00fcr den Publikumsandrang zu klein geworden ist.<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Welche weiteren Spielorte gibt es? <\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Felix: In diesem Jahr wandeln wir zwischen dem Hafenklang und der Laeiszhalle, dem Mineralogischen Museum und dem Fleetstreet Theater. Das gezielte Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Spielorten und Programmpunkten ist bei uns Konzept. Wir haben auch schon multiphonische Konzerte in Hinterh\u00f6fen mit Beschallung aus Wohnungsfenstern und Objektzerst\u00f6rungen in einer ehemaligen Kfz-Werkstatt veranstaltet, die live in London und Paris via Internetradio ausgestrahlt wurden.<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Florian: Im Metropolis Kino zeigen wir dieses Mal in Kooperation mit der dokumentarfilmwoche hamburg das Kurzfilmprogramm \u201eDER KLANG, DIE WELT\u2026\u201c kuratiert vom schottischen K\u00fcnstler und Filmemacher Luke Fowler. Zum Grand Finale spielen in der Kleinen Laeiszhalle der international hochgesch\u00e4tzte Hamburger Elektronikmusiker Asmus Tietchens und das legend\u00e4re Schlagzeug-Ensemble Les Percussions de Strasbourg zusammen mit dem Ton-Wizzard Anthony Laguerre. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/133964-1000x667.jpeg\" class=\"wp-image-146193\" alt=\"\"  \/><br \/>\nK\u00fcnstler auf dem Papiripar-Festival (\u00a9Claudia H\u00f6fe)<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Gewinn: Der gro\u00dfe Altersunterschied bringt unterschiedliche Sozialisationen mit sich\u00a0<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Wie entsteht dieses Line-up, und ergeben sich Schwierigkeiten durch die Dreifach-Kuration?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Nika: Zu dritt zu sein sowie aus verschiedenen k\u00fcnstlerischen Bereichen und Generationen zu kommen \u2013 wir liegen alle zehn Jahre auseinander und haben dadurch unterschiedliche Sozialisationen \u2013, hat den gro\u00dfen Vorteil, dass Facetten-Augen und -Ohren mehr sehen und h\u00f6ren: Wir berichten uns tagt\u00e4glich von Konzerten, Performances und Ausstellungen, die uns begeistert haben, tauschen neue Tontr\u00e4ger aus, auch eigene Produktionen. Dann destillieren wir in unz\u00e4hligen Stunden aus diesem Sammelsurium ein Programm, das m\u00f6glichst vielseitig und \u00fcberraschend ist. Manchmal f\u00fchlt es sich an, als w\u00fcrden wir gemeinsam an einer \u00fcbergro\u00dfen Plastik schnitzen.<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Was w\u00fcrdet ihr noch programmatisch hervorheben? <\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Felix: Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf der britischen Musikerin, Erfinderin, Klang-Pionierin und Gr\u00fcnderin des BBC Radiophonic Workshop Daphne Oram, die im Dezember 100 Jahre alt geworden w\u00e4re. Angelehnt an Orams bahnbrechende Erfindung \u201eOramics\u201c, eine Maschine, die auf transluzenten Film getuschte Zeichnungen in Klang wandelt, haben wir unsere geladenen G\u00e4ste aufgefordert, sich von diesem Instrument und ihrem einzigartigen Werk inspirieren zu lassen.<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Florian: Die Ausstellung von Luke Fowler und Ryoko Akama nimmt direkten Bezug auf das Werk Orams \u2013 das Duo l\u00e4sst ihre Stimmen- und Lichtgestalt im Westwerk aufflackern. Au\u00dferdem freuen wir uns auf die Zusammenarbeit der Br\u00fcsseler Akkordeonistin Suzan Peeters und der Tonband-K\u00fcnstlerin August\u0117 Vickunait\u0117, sowie auf Agn\u00e8s Pe aus Barcelona, die eine Komposition von Oram neu interpretieren wird. <\/p>\n<p>Interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit: Zwei Urauff\u00fchrungen beim Papiripar 2025\u00a0<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Es soll auch Urauff\u00fchrungen geben?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Nika: W\u00e4hrend des Festivals werden zwei Werke uraufgef\u00fchrt: Freitag und Samstag pr\u00e4sentieren Y\u00f4ko Higashi, Lionel Marchetti und Pit Przygodda im Fleetstreet Theater das St\u00fcck \u201eJ Orbit \u2014 g\u2026\u201c, eine von uns angeregte Kollaboration zwischen einer Butoh-T\u00e4nzerin, einer Musique concr\u00e9te-Koryph\u00e4e und einem Licht-Ton-Synthesizer-Erfinder. Am Sonntag senden Mark Schr\u00f6ppel und Deniz Khan ihr mineralisches Sci-Fi-H\u00f6rst\u00fcck \u201eSHTOY\u201c aus dem Mineralogischen Museum in der Grindelallee in den \u00c4ther. Das kann man sich dann ebenfalls im Fleetstreet Theater live anh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Wie verbindet sich Papiripar in diesem Jahr mit dem Nachtleben?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Felix: In unserer pandemie-bedingten Radio-Ausgabe des Festivals hatten wir 2021 dem Ende der Nacht in Form einer Schallplatte gehuldigt. Nun ist die Nacht zur\u00fcck und wir huldigen ihr unter anderem mit Auftritten von Istari Lasterfahrer und Junus aus Hamburg, Jana Rush aus Chicago, Loto Retina aus Br\u00fcssel und Ece \u00d6zel aus Istanbul. <\/p>\n<p class=\"is-style-question\">Warum findet eurer Festival nicht j\u00e4hrlich statt?<\/p>\n<p class=\"is-style-answer\">Nika: Ein viert\u00e4giges Festival zu organisieren, kratzt schon am Nervenkost\u00fcm, vor allem, wenn man selbst versucht, von nicht-kommerzieller Kunst zu leben und daf\u00fcr seine ganze Zeit aufbringen muss. Darum haben wir uns entschieden, eine Biennale zu sein. Wir sind auch weniger am Festivalbetrieb und dem Abgrasen aktueller Trends interessiert als an ungew\u00f6hnlichen Auff\u00fchrungsformaten und kuratorischen Einf\u00e4llen. Auf unseren Reisen durchs Hinterland der Weltentz\u00fcckung stolpern wir manchmal \u00fcber Gedankenreste und Schnapsideen f\u00fcr die kommenden Ausgaben des Festivals. <\/p>\n<p>Interessanter Artikel?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"SZENE HAMBURG:\u00a0Nika, Felix und Florian, ihr feiert bereits eure f\u00fcnfte Ausgabe. Wie ist Papiripar entstanden? 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